Sexueller Missbrauch von Kindern

Welche Ursachen hat der sexuelle Missbrauch und wie wirkt er sich auf das Kind aus?


Seminararbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Definitionen
1.1. Sexueller Missbrauch
1.2 Pädophilie

2. Die Täter
2.1 Tätertypen
2.2 Der fixierte Täter-Typ
2.3 Der regressive Täter-Typ
2.4 Der Erlebnis-Täter-Typ
2.5 Der soziopathische Täter-Typ
2.6 Der Inzest Täter

3. Ursachen von sexuellem Missbrauch an Kindern
3.1 Der Täter als Individuum
3.2 Gesellschaftlicher Erklärungsansatz
3.3 Pädagogischer Erklärungsansatz

4. Der Fall Dutroux

5. Die Opfer
5.1 Sabine Dardenne
5.2 Folgen des sexuellen Missbrauchs

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung

In dieser Seminararbeit soll der Begriff „Sexueller Missbrauch“ erklärt werden, sowie dessen Ursachen auf den Grund gegangen werden. Zum einen soll diese Seminararbeit Einblicke in das Denken der vorwiegend männlichen Täter ermöglichen, auf die sich diese Arbeit aufgrund der Komplexität des Themas und der Vielfältigkeit der Tätertypologien beschränkt, zum anderen soll auch besonders ein Einblick in das Gefühlsleben der Opfer, die in den meisten Fällen ihr ganzes Leben traumatisiert sind, gewährt werden. Die sogenannten „man made“ Traumata sind überwältigende Erfahrungen für das Opfer, die durch einen anderen Menschen verursacht wurden. Die Opfer werden dadurch nicht nur aus den geregelten Bahnen ihres Lebens geworfen, sondern sie verlieren auch an Vertrauen gegenüber anderen Menschen. Dies führt dazu, dass die Genesung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Am schwerwiegendsten sind die traumatischen Erlebnisse, wenn sie in der Kindheit geschehen, denn Kinder sind grundsätzlich abhängig von Erwachsenen, die ihnen eigentlich Sicherheit gewährleisten sollen. (Spangenberg, 2012, S.5)

Die Frage nach dem „warum“ hinter sexuellem Missbrauch ist sehr schwer zu beantworten. In dieser Hausarbeit wird es vorrangig darum gehen, das Unbegreifliche, Abscheuliche, Grausame etwas fassbarer zu machen und der Versuch unternommen, kein Verständnis, sondern Nachvollziehbarkeit in dieses Themenfeld zu bringen.

1. Definitionen

1.1. Sexueller Missbrauch

Der Begriff „Sexueller Missbrauch“ hat sich mittlerweile in der Rechtsprechung sowie in der Wissenschaft durchgesetzt. Die Problematik bei der Definitionsfindung besteht darin, dass den Diskussionen um das Thema „Sexueller Missbrauch“ keine einheitliche Definition zugrunde liegt. Wichtig ist, dass bei der Definition nicht nur auf die eigentliche Handlung des Täters eingegangen wird, sondern auch auf die besonders bei Kindern gegebene Machtposition des Täters. Deshalb wird hier die Definition von Bange aufgegriffen, da sie alle relevanten Faktoren enthält. „Sexueller Missbrauch an Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund psychischer, kognitiver und sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen“ (Bange, Deegener 1996, S.105).

Diese Definition ist relativ offen verfasst, sodass sie neben den sexistischen Blicken, harmlosen Berührungen oder dem Anschauen von pornographischen Material bis hin zu gewalttätigen Handlungen an Kindern, auch die Alltagssituationen, welche oft die Grenzen der Kinder überschreiten, erfasst. Damit sind zum Beispiel auch Aufforderungen gemeint wie „Gib Opa ein Küsschen, sonst ist er traurig!“ „Nimm den Onkel fest in den Arm für das schöne Geschenk!“ (Tigges, 2015, S.18). Erziehung, welche auf diese Art und Weise durchgeführt wird, verhindert die Entwicklung des Selbstbestimmungsrechtes über den eigenen Körper des Kindes, denn die Verantwortung für das Wohlergehen der Erwachsenen wird somit auf das Kind übertragen. Allerdings gilt es hier, dass immer der Einzelfall betrachtet werden muss da, wenn z.B. das Kind immer durch den Vater gebadet wird und sich dieser an der gemeinsamen Zeit mit dem Kind erfreut keinesfalls sexueller Missbrauch vorliegt. Die schmale Grenze wird jedoch überschritten, sobald das Kind sich dagegen wehrt oder es ersichtlich ist, dass es dies nicht mehr möchte und der Vater dennoch nicht aufhört. (Tigges, 2015, S.18f)

1.2 Pädophilie

Pädophilie ist eine sogenannte „Sexuelle und Geschlechtsidentitätsstörung“ (Gallwitz & Paulus, 2009, S.145) und hat laut dem Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-IV-TR) folgende Kriterien:

„A. Über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten wiederkehrende intensive sexuell erregende Phantasien, sexuell dranghafte Bedürfnisse oder Verhaltensweisen, die sexuelle Handlungen mit einem präpubertären Kind oder Kindern (in der Regel 13 Jahre oder jünger) beinhalten.
B. Die Person hat das sexuell dranghafte Bedürfnis ausgelebt oder die sexuell dranghaften Bedürfnisse oder Phantasien verursachen deutliches Leiden oder zwischenmenschliche Schwierigkeiten.
C. Die Person ist mindestens 16 Jahre alt und mindestens 5 Jahre älter als das Kind oder die Kinder nach Kriterium A.“ (Gallwitz & Paulus, 2009, S.145f)

2. Die Täter

Wenn man sich die Frage nach der Ursache für sexuellem Missbrauch stellt, steht eines fest: „Den potentiellen Täter, den sexuellen Mißbraucher, die Täterpersönlichkeit gibt es nicht“. (Gallwitz & Paulus, 1998, S.50) Jedoch gibt es verschiedene Voraussetzungen, wie unter anderem die Veranlagung ein Kind oder Jugendlichen in irgendeiner Art und Weise überhaupt als möglichen Sexualpartner in Betracht zu ziehen. Für den eigentlichen Missbrauch müssen zwei Sicherungen überwunden werden. Die erste Sicherung besteht aus der Umgebung des Kindes, in der es diverse Hindernisse zu überwinden gilt. Die zweite Sicherung besteht aus den Hindernissen die das Kind oder der Jugendliche selbst erzeugen. Zusammenfassend muss demnach sowohl ein bestimmter Opfertyp vorhanden sein als auch eine opfertypische Situationskonstellation. (Gallwitz & Paulus, 1998, S.50)

Sexualität kann man nicht auf irgendwelche Organe oder Vorgänge im Gehirn beschränken, denn sie ist ein ständiger Lernprozess, welcher intensiv durch Wünsche und Fantasien beeinflusst wird. Unsere Sexualität wird bewusst durch die Medien beeinflusst, indem z.B. in Fernsehwerbungen gezielt junge Sexualobjekte gezeigt werden, die mit ihren kindlichen Kurven oftmals für Schönheitsprodukte werben. Die Perversionen die ein Mensch im Kopf hat, geben allerdings noch keinen Anlass für ein konkretes Gefährdungspotential. Allgemein gesehen sind die meisten Fantasien, die ein Mensch hat, auch nicht besorgniserregend und werden zu einem Großteil überhaupt nicht umgesetzt. Deutlich gefährlicher wird es, wenn Perversion und Rücksichtslosigkeit dem Opfer gegenüber aufeinandertreffen. Der Großteil der Menschen besinnt sich bei dem Versuch, die eigenen Fantasien umzusetzen, auf die Gefühle des Opfers, was zu einem Ausbleiben der sexuellen Erregung führt. Ein Kinderschänder jedoch erkennt in dem Kind kein Opfer, sondern ein bloßes Objekt was es nur noch zu benutzen gilt. Der Täter zeichnet sich demnach durch eine ausgeprägte Antisozialität aus, bei der es ihm an Bindungsfähigkeit, Liebe und Sicherheit mangelt und die reine Wunscherfüllung ohne Rücksicht auf Leid und Schmerz im Vordergrund steht. Ein Mensch, der eine geringe Fähigkeit aufweist, seine Fantasien und Wünsche zu kontrollieren und sie auf die gesellschaftlichen Normen und Werte anzupassen, ist also deutlich gefährdeter, zum Täter zu werden als andere Menschen. (Gallwitz & Paulus, 1998, S.52f)

2.1 Tätertypen

Gallwitz und Paulus haben ein Modell verschiedener Tätertypen entwickelt. Hierbei unterteilen sie die Täter in den fixierten, den regressiven, den „Erlebnis“ und den soziopathischen Tätertyp. Zusätzlich unterscheiden sie die potentiellen Täter zwischen dem Pädosexuellen und dem pädosexuell Interessierten. Sie betonen dabei besonders, dass es sich bei ihrer Einteilung um „theoretische Reinformen“ (Gallwitz & Paulus, 1998, S.56) handelt, die man nicht bei jedem Täter individuell vorfinden kann.

2.2 Der fixierte Täter-Typ

Die pädosexuellen Interessen des fixierten Täter-Typs finden ihren Ursprung bereits in seiner Jugend. In diesem Lebensabschnitt hat dieser kaum sexuelle Beziehungen und hat aufgrund seiner allgemein sehr unzureichenden sozialen Fähigkeiten ein starkes Minderwertigkeitsempfinden. Seine Berufsbranche, sowie die Freizeitgestaltung wird nach Kontaktmöglichkeiten zu Kindern gewählt. Für ihn sind besonders Jungen interessant, da er zu ihnen eine gute emotionale Beziehung aufbauen kann, die nicht durch sein Minderwertigkeitsgefühl beeinflusst wird. Die Jungen, meist unter 10 Jahren alt, stellen für ihn ein Sexualobjekt dar, welches er ohne moralische Bedenken als altersentsprechend empfindet. Falls der Täter eine Beziehung unterhält die wirklich seinem Alter entspricht, ist diese eher zweckmäßig oder für ihn von Vorteil in Bezug auf den Kontakt zu Kindern. Dieser Tätertyp ist der Definition nach pädophil und hat eine schwach entwickelte Persönlichkeit. (Gallwitz & Paulus, 1998, S.56f)

2.3 Der regressive Täter-Typ

Dieser Täter unterhält in den meisten Fällen eine Beziehung zu gleichaltrigen Sexualpartnern. Anders als bei dem fixierten Täter-Typ entwickelt er seine pädosexuellen Interessen erst im Erwachsenenalter und diese Interessen sind oft das Ergebnis von Konflikten mit dem Partner. Der Stress und die Belastung, die der Täter durch diese Konflikte erfährt, gepaart mit übermäßigem Alkoholkonsum und einer unausgeglichenen Persönlichkeit führen dazu, dass dieser sich einen Partnerersatz sucht. Aufgrund dieser Suche nach einem Ersatz für den gleichaltrigen Sexualpartner, handelt es sich bei den Opfern oft um Mädchen und ältere Kinder. Dem Täter ist hierbei bewusst, dass sein Handeln falsch ist, jedoch sinkt dieses Bewusstsein bei jeder Tat. Für die Tochter, deren Vater plötzlich ein vermehrtes Interesse an ihr zeigt, kann dies zunächst in ihrem Bewusstsein als Vorteil gesehen werden, da der Vater ihr mehr Privilegien einräumt. Zusätzlich kann es sein, dass sie ihren Geschwistern gegenüber bevorzugt wird und sich bei Erlaubnisfragen immer weniger an die Mutter wendet. Dies führt dazu, dass sie immer mehr als Ersatz für die Mutter erkannt wird und ihre Freiheiten ab diesem Zeitpunkt immer mehr eingeschränkt werden. (Gallwitz & Paulus, 1998, S.58)

2.4 Der Erlebnis-Täter-Typ

Dieser Mensch sucht den sexuellen „Kick“ und hat keine festgelegten sexuellen Vorlieben. Er hat abwechslungsreiche Fantasien, die er, falls sich ihm die Gelegenheit dazu bietet, auch auslebt. Er ist ein Mensch, der ständig wechselnde Sexualpartner benötigt, um seinen Erfahrungsschatz zu erweitern. Seine Beziehungsfähigkeit ist wenig ausgeprägt, ebenso wie sein Interesse an einer normalen Beziehung. Er bevorzugt Prostituierte und nimmt für sie auch lange Reisen in Kauf. Seiner eigenen Beziehungsunfähigkeit ist er sich bewusst und in der Lage, diese durch Missbrauchshandlungen und seiner allgemein sehr offenen Einstellung sexuellem Verhalten gegenüber zu kompensieren. Das Bedürfnis sich an Kinderprostituierten zu befriedigen, rechtfertigt er in seinem Denken mit der angeblich geringeren Ansteckungsgefahr an Geschlechtskrankheiten und dem unverbrauchten, natürlichen Wesen eines Kindes. Dieser Täter-Typ ist höchst flexibel in seinem Tatverhalten und dem Opfertypus, handelt bei seinen Taten jedoch beherrscht und handlungssicher. Seine Gefährlichkeit liegt besonders bei seinen ausgeprägten Fantasien in Kombination mit einer großen Experimentierfreudigkeit. (Gallwitz & Paulus, 1998, S.58f)

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Details

Titel
Sexueller Missbrauch von Kindern
Untertitel
Welche Ursachen hat der sexuelle Missbrauch und wie wirkt er sich auf das Kind aus?
Hochschule
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen; Münster
Veranstaltung
Kriminalistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V1246656
ISBN (Buch)
9783346673640
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexueller Missbrauch, Kinder, Opfer, Phänomenologie, Ätiologie, Straftat, Missbrauch, Ursache, Pädophilie, Täter, Sabine Dardenne, Dutroux
Arbeit zitieren
Lucas Sander (Autor:in), 2016, Sexueller Missbrauch von Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1246656

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