In der folgenden Arbeit werden die beiden Hauptkritikpunkte Schopenhauers an Kants Ethik herausgearbeitet und anschließend überprüft, ob Schopenhauers Ethik seinen somit gesetzten Ansprüchen an eine Moralphilosophie entspricht. Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Moralphilosophie Kants in ihren Grundzügen dargestellt und anschließend die Kritik Schopenhauers an ihr herausgearbeitet. Darauf folgt eine Darstellung der Moralphilosophie Schopenhauers, welche als Basis für die abschließende kritische Stellungnahme zu den Fragen dient, ob Schopenhauers Moralphilosophie seinen eigenen Kritikpunkten standhält und ob seine Kritik an Kant überzeugend ist.
In seiner Preisschrift „Über die Grundlage der Moral“ entwirft Schopenhauer seine Moralphilosophie und stellt mit der Maxime „Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst.“ ein moralisches Prinzip auf, das von „hoher ethischer Relevanz“ ist und die heutige Ethik noch immer prägt (Fleischer). Dies lässt sich auch über Kant sagen, welcher seine Moralphilosophie unter anderem in Grundlegung zur Metaphysik der Sitten darlegt. Die Ausführungen von Kant und Schopenhauer unterscheiden sich dabei bereits in der Auffassung darüber, was Ethik als Teil der Philosophie leisten kann und soll. Auch die Quelle der Moral bestimmen beide Philosophen unterschiedlich. Dabei gibt sich Schopenhauer jedoch nicht damit zufrieden, nur seine eigene Moralphilosophie darzustellen; er macht es sich auch zur Aufgabe, Kants Ethik zu kritisieren. Die Hauptkritikpunkte sind dabei der imperative und rationale Charakter der Kantischen Ethik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kants Moralphilosophie
3. Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie
4. Schopenhauers Moralphilosophie
5. Kritische Stellungnahme
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kritik Arthur Schopenhauers an der Moralphilosophie Immanuel Kants. Das zentrale Ziel ist es, die Hauptvorwürfe Schopenhauers – insbesondere den imperativen und rationalen Charakter der Kantischen Ethik – herauszuarbeiten und kritisch zu prüfen, ob Schopenhauers eigener Ansatz einer deskriptiven Ethik seinen Ansprüchen an Realitätsnähe und Wirksamkeit tatsächlich gerecht wird.
- Gegenüberstellung von Kants kategorischem Imperativ und Schopenhauers Mitleidsethik
- Analyse der deontologischen Grundlagen Kants versus der empirischen Motivationslehre Schopenhauers
- Kritische Untersuchung der Problematik einer rein deskriptiven Ethik
- Bewertung des Vorwurfs der Realitätsferne und der argumentativen Schlüssigkeit beider philosophischer Konzepte
Auszug aus dem Buch
3. Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie
Bevor Schopenhauer in seiner Preisschrift „Über die Grundlage der Moral“ (E) seine eigene Moralphilosophie entwirft, kritisiert er die kantische Ethik der Imperative, indem er Kants Auffassung von Ethik und Gesetzen in Frage stellt und seine eigene Meinung über Ethik darlegt. Die zwei Hauptkritikpunkte Schopenhauers beziehen sich dabei auf den imperativen sowie den rationalen Charakter der Kantischen Moralphilosophie, welche im Folgenden näher dargestellt werden.
Schopenhauer beginnt seine Argumentation gegen Kant, indem er zunächst dessen Auslegung des Ethikbegriffs kritisiert. Er stellt durch ein Zitat dar, dass Kant der Meinung ist, dass Ethik normativ und präskriptiv sei (E §4). Das heißt, dass Ethik nach Kants Konzeption nicht dafür zuständig ist, Gründe für das zu liefern, was passiert und wie Menschen sich verhalten. Stattdessen liegt für ihn die Aufgabe der Ethik darin, Gesetze zu finden, die vorschreiben, wie das menschliche Verhalten aussehen sollte, selbst wenn es nie tatsächlich so auftritt. Als Ursprung von Kants Auffassung darüber, dass Ethik präskriptiv sei, identifiziert Schopenhauer die Theologie (ibid.). Er kritisiert, dass Kants Begriff der Pflicht als Teil der Ethik sowie die Form, in der Kant seine Moralphilosophie präsentiert, von der christlichen Religion geprägt sind, insbesondere durch den Dekalog, was sich z.B. in Kants Sollenssätzen wie „du SOLLT (sic) nicht lügen“ zeigt (E §4, S.19). Schopenhauer postuliert, dass die Theologie die Ethik nicht prägen dürfe, da sie keinen philosophischen Ursprung habe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Differenzen der Moralphilosophien von Kant und Schopenhauer ein und formuliert die Ziele der Arbeit sowie die textanalytische Methode.
2. Kants Moralphilosophie: Dieses Kapitel erläutert Kants deontologischen Ansatz, insbesondere den kategorischen Imperativ als objektives, vernunftbasiertes Prinzip für moralisches Handeln.
3. Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie: Hier werden Schopenhauers zentrale Vorwürfe gegen Kant, namentlich der imperative, theologische und rationale Charakter von Kants Ethik, detailliert dargelegt.
4. Schopenhauers Moralphilosophie: Dieses Kapitel stellt Schopenhauers empirischen Ansatz vor, der das Mitleid als wesentliche Triebfeder und Grundlage moralischen Handelns identifiziert.
5. Kritische Stellungnahme: Eine Prüfung der Argumentation Schopenhauers, bei der hinterfragt wird, ob seine eigene Ethik der normativen Falle entgeht und ob sein Vorwurf der Realitätsferne gegen Kant haltbar ist.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Schopenhauers Kritik an der mangelnden Realitätsnähe der Kantischen Ethik nicht vollumfänglich überzeugt.
Schlüsselwörter
Schopenhauer, Kant, Moralphilosophie, Kategorischer Imperativ, Mitleidsethik, Deontologie, Ethik, Pflicht, Vernunft, Motivation, Egoismus, Deskriptive Ethik, Normativität, Moralprinzip, Handlungsgründe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die philosophische Auseinandersetzung Arthur Schopenhauers mit der Moralphilosophie von Immanuel Kant, insbesondere mit dessen kategorischem Imperativ.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Abgrenzung von präskriptiver und deskriptiver Ethik, die Rolle des Willens und der Vernunft bei der Bestimmung von moralischem Handeln sowie die Frage nach der Motivationsquelle moralischer Taten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Schopenhauer mit seiner Kritik an Kant recht behält und ob sein eigenes ethisches Modell der Mitleidsethik eine konsequentere Antwort auf die Frage nach realem moralischem Handeln bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische, textanalytische Methode unter Verwendung der Primärquellen „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ (Kant) und „Über die Grundlage der Moral“ (Schopenhauer).
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kantischen Pflichtenethik, eine systematische Erarbeitung der Schopenhauer'schen Kritikpunkte und eine eigene kritische Stellungnahme zu den Thesen beider Denker.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Mitleidsethik, Kategorischer Imperativ, Moralmotivation und die Unterscheidung von normativer und deskriptiver Ethik charakterisieren.
Inwiefern kritisiert Schopenhauer den theologischen Ursprung von Kants Ethik?
Schopenhauer bemängelt, dass Kants Pflichtbegriff durch den Dekalog der christlichen Religion geprägt sei und somit keinen rein philosophischen Ursprung verfolge, was einer wissenschaftlichen Begründung widerspreche.
Warum hält die Autorin Schopenhauers Kritik für teilweise nicht haltbar?
Die Autorin argumentiert, dass Kants Ansatz durch die Vernunft dem Menschen ermöglicht, über sich zu reflektieren, was ihn in der sozialen Realität nützlicher und anwendbarer macht als das auf Mitleid basierende, oft als rein deskriptiv gesehene Modell Schopenhauers.
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- Master of Education Lena Förste (Author), 2016, Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1246703