Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie


Hausarbeit, 2016

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kants Moralphilosophie

3. Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie

4. Schopenhauers Moralphilosophie

5. Kritische Stellungnahme

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In seiner Preisschrift „Über die Grundlage der Moral“ entwirft Schopenhauer seine Moralphilosophie und stellt mit der Maxime „Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst.“ ein moralisches Prinzip auf, das von „hoher ethischer Relevanz“ ist und die heutige Ethik noch immer prägt (Fleischer, S.61). Dies lässt sich auch über Kant sagen, welcher seine Moralphilosophie unter anderem in Grundlegung zur Metaphysik der Sitten darlegt. Die Ausführungen von Kant und Schopenhauer unterscheiden sich dabei bereits in der Auffassung darüber, was Ethik als Teil der Philosophie leisten kann und soll. Auch die Quelle der Moral bestimmen beide Philosophen unterschiedlich. Dabei gibt sich Schopenhauer jedoch nicht damit zufrieden, nur seine eigene Moralphilosophie darzustellen; er macht es sich auch zur Aufgabe, Kants Ethik zu kritisieren. Die Hauptkritikpunkte sind dabei der imperative und rationale Charakter der Kantischen Ethik.

In der folgenden Arbeit werden die beiden Hauptkritikpunkte Schopenhauers an Kants Ethik herausgearbeitet und anschließend überprüft, ob Schopenhauers Ethik seinen somit gesetzten Ansprüchen an eine Moralphilosophie entspricht. Dieser Ausarbeitung liegt eine theoretische, textanalytische Methode zu Grunde, die sich vor allem auf Schopenhauers „Über die Grundlage der Moral“ sowie Kants Grundlegung zur Metaphysik der Sitten als Primärquellen stützt. Im ersten Teil dieser Arbeit wird die Moralphilosophie Kants in ihren Grundzügen dargestellt und anschließend die Kritik Schopenhauers an ihr herausgearbeitet. Darauf folgt eine Darstellung der Moralphilosophie Schopenhauers, welche als Basis für die abschließende kritische Stellungnahme zu den Fragen dient, ob Schopenhauers Moralphilosophie seinen eigenen Kritikpunkten standhält und ob seine Kritik an Kant überzeugend ist.

2. Kants Moralphilosophie

Kant entwirft seine Moralphilosophie in seinem Werk Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS), in welchem er mit dem kategorischen Imperativ ein normatives Prinzip aufstellt, nach welchem der Mensch handeln sollte. Seine Moralphilosophie ist dabei deontologisch, da der Wert einer Handlung nicht danach bestimmt wird, aus welcher Absicht sie durchgeführt wird, sondern nach dem Handlungsprinzip, welches der Handlung zu Grunde liegt.

Kants Moralphilosophie beruht auf der Prämisse, dass jedes natürliche Ding nach Naturgesetzen funktioniert. Vernünftige Wesen, wie es der Mensch ist, sind zusätzlich in der Lage, neben diesen Naturgesetzen auch gemäß ihres eigenen Willens zu handeln. Dieser eigene Wille unterliegt dabei einerseits Trieben und Neigungen und andererseits der praktischen Vernunft. Diese befähigt den Menschen dazu, das zu tun, was die Vernunft unabhängig von persönlichen Neigungen als objektiv richtig ansieht. Der Wille eines vernünftigen Menschen wird demnach durch die Vernunft bestimmt, obgleich der Wille nicht immer den Prinzipien der Vernunft folgt. Diese von der Vernunft bestimmten, objektiven Prinzipien nennt Kant die Gebote der Vernunft, welche sich durch Imperative ausdrücken lassen. (GMS, S.34f)

Ein Imperativ gibt dabei an, was man nach objektiven Gesetzen tun sollte, weil es gut ist. Das Gute ist dabei von dem Angenehmen zu unterscheiden, da letzteres auf Grund von subjektiven Empfindungen als gut betrachtet wird (GMS, S.35f). Er unterschiedet zwischen kategorischen und hypothetischen Imperativen. Ein kategorischer Imperativ ist die objektive Notwendigkeit einer Handlung, unabhängig von einer ihr übergeordneten Handlung bzw. eines Zwecks (GMS, S.36). Handlungen, die dem kategorischen Imperativ unterliegen, sind somit unabhängig von anderen Dingen gut (GMS, S.37). Hypothetische Imperative dagegen sind Handlung, die in Relation zu einem anderen Zweck notwendig ist. Sie sind objektiv gut, wenn sie sich zum Erreichen eines Zwecks eignen. Gleichzeitig sind sie jedoch nur subjektiv gut, da sie nur in Relation zu ihrem Zweck gut sind (ibid.).

Für den Entwurf eines Moralprinzips eignet sich für Kant somit nur der kategorische Imperativ, da dieser unabhängig von Gefühlen und Situationen angibt, welche Handlungen um ihrer selbst Willen gut sind. Kant bestimmt den kategorischen Imperativ als ein Gesetz, welches beschreibt, wie ein Mensch handeln sollte, damit seine Taten objektiv gut sind (GMS, S.42ff). Dieser kategorische Imperativ ist dabei nicht inhaltlich, sondern gibt ein Prinzip vor, aus welchem sich gute Einzelhandlung ableiten lassen. Er beschreibt also nicht einzelne Handlungen und ihre Folgen, sondern ein allgemeines uneingeschränkt gültiges Prinzip. Folgt man diesem Prinzip, sind die eigenen Handlungen unabhängig von subjektiven Bedingungen um ihrer selbst willen gut. (GMS, S.39) Eine Handlung ist laut Kant genau dann moralisch gut, wenn sie auf Grund des kategorischen Imperativs ausgeführt wurde und nicht wegen anderer Gründe. Kant betont weiterhin, dass der Mensch die Pflicht hat, nach dem kategorischen Imperativ zu handeln, auch, wenn er andere Neigungen verspürt (GMS, S.45f). Das Prinzip, nach welchem der Mensch handeln sollte, formuliert Kant folgendermaßen:

„[H]andle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (GMS, S.45)

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Philosophie)
Veranstaltung
Gefühle in der moralischen Bildung
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
12
Katalognummer
V1246703
ISBN (Buch)
9783346673466
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schopenhauer, Kant, Moral, Moralphilosophie, Ethik, praktische Philosophie, moralische Bildung, Grundlage der Moral, Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten, kategorischer Imperativ, normative Ethik, deskriptive Ethik, deontologisch, Deontologie, Triebfedern, Imperativ, das Gute, gut, moralisch gut, hypothetischer Imperativ, Moralprinzip, präskriptive Ethik, Pflicht, Pflichtbegriff, petitio principii, apriori, Vernunft, Egoismus, Leid, Arthur Schopenhauer
Arbeit zitieren
Master of Education Lena Förste (Autor:in), 2016, Schopenhauers Kritik an Kants Moralphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1246703

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