In der folgenden Verschriftlichung wird das Referat „Die erste secessio plebis“ zum Thema „Die römischen Ständekämpfe“ näher erläutert. Historisch sind diese im frühen Rom etwa zur Zeit von 494 v. chr. einzuordnen. Dabei wird näher auf die Frage eingegangen, inwiefern Titus Livius die Geschichtsschreibung zur secessio plebis durch sein Auftreten als einziger Autor beeinflusste. Parallel dazu wurde die These aufgestellt, dass Livius Bericht differenziert betrachtet werden muss, da er der einzige Berichterstatter war. Diese These wird im Folgenden analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Historischer Kontext
3. Die erste secessio plebis
3.1 Begriffserklärung
3.2 Ablauf der secessio plebis
3.3 Die secessio plebis bei Livius
4. Die Fabel von Magen und Gliedern
5. Problematik in der Geschichtsschreibung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das historische Ereignis der ersten secessio plebis im frühen Rom (ca. 494 v. Chr.) und analysiert kritisch die Berichterstattung des römischen Historikers Titus Livius, der als einzige Hauptquelle für dieses Ereignis fungiert.
- Analyse der römischen Ständekämpfe und der sozialen Spannungen zwischen Patriziern und Plebejern.
- Untersuchung der Rolle des Titus Livius als zentraler, jedoch parteiischer Berichterstatter.
- Interpretation der Fabel von Magen und Gliedern als politisches Instrument zur Konfliktlösung.
- Hinterfragung der Verlässlichkeit antiker historiographischer Überlieferungen anhand historischer Widersprüche.
Auszug aus dem Buch
Die erste secessio plebis bei Livius
Von der ersten secessio plebis wird ausführlich nur bei Titus Livius berichtet. Titus Livius war römischer Historiker, der von 59 v. Chr. bis 17 n. Chr. lebte. Er gehörte dem Bürgertum an und hatte zwar eine hohe Schulbildung, jedoch keine militärische oder politische Ausbildung. In seinem Geschichtswerk Ab urbe condita verfasst er römische Geschichte in 142 Bänden von der Gründung Roms im Jahre 753 v. Chr. bis zum Tod von Augustus Verwandten Drusus im Jahre 9 v.Chr.
Über die erste secessio plebis wird in Liber II in den Kapiteln 23 bis 32 berichtet. Die ersten fünf Bücher von Livius können in ihrer Entstehung zwischen 27 und 25 v. Chr. datiert werden. Das bedeutet, dass Livius über den Auszug der Plebejer erst etwa 450 Jahre später berichtete.
Livius Bericht über die secessio plebis lässt bemessen, wie Livius zu den Ständekämpfen stand und sie bewertete. Zu Beginn von Liv. 2, 23 lässt Livius den Leser erahnen, wie elendig die damaligen Zustände für Plebejer sich gestalteten, denn ein alter Mann stürzt auf das Forum („Magno natu quidam cum omnium malorum suorum insignibus se in forum proiecit.“) der früher einmal Centurio war und jetzt mit Schmutz und Narben bedeckt war. Obwohl er als Soldat im Krieg gedient hatte, waren seine Felder zerstört und sein Haus in Brand gesteckt worden, zusätzlich musste er dann auch noch hohe Steuern zahlen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Thematik der Ständekämpfe um 494 v. Chr. ein und definiert die zentrale Fragestellung zur Einseitigkeit der livianischen Geschichtsschreibung.
2. Historischer Kontext: Hier werden die gesellschaftlichen Gruppen der Patrizier und Plebejer sowie die sozialen Ursachen des Konflikts vor der secessio plebis erläutert.
3. Die erste secessio plebis: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Sezession, beschreibt den historischen Ablauf und analysiert die explizite Darstellung durch Livius.
4. Die Fabel von Magen und Gliedern: Der Inhalt der Fabel des Menenius Agrippa wird dargelegt und ihre Funktion zur Deeskalation des Ständekonflikts untersucht.
5. Problematik in der Geschichtsschreibung: Hier werden historische Widersprüche in der Überlieferung, etwa zur Person des Agrippa und dem Zielort der Sezession, kritisch hinterfragt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bestätigung der These zusammen, dass Livius' einseitige Berichterstattung eine differenzierte Quellenkritik zwingend erforderlich macht.
Schlüsselwörter
secessio plebis, Titus Livius, Ständekämpfe, Patrizier, Plebejer, Ab urbe condita, Fabel von Magen und Gliedern, Menenius Agrippa, Geschichtsschreibung, Antike, Mons Sacer, Historische Quellenkritik, Rom, Überlieferung, Sozialkonflikt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ersten secessio plebis im antiken Rom und der Frage, wie die historiographische Überlieferung durch den Autor Titus Livius geprägt wurde.
Welche zentralen gesellschaftlichen Gruppen stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Patrizier als adlige Führungsschicht und die Plebejer als unterrepräsentierte Bürgerklasse, deren Konflikt in den sogenannten Ständekämpfen gipfelte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Livius als einziger ausführlicher Berichterstatter die historische Wahrnehmung des Ereignisses maßgeblich beeinflusst hat und sein Bericht daher quellenkritisch differenziert betrachtet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historiographische Literaturanalyse, bei der primäre Quellen (Livius) mit moderner Sekundärliteratur und lexikalischen Werken abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung des historischen Kontexts, die Analyse des Ablaufs der Sezession, die Deutung der Fabel von Magen und Gliedern sowie die kritische Aufarbeitung von Überlieferungswidersprüchen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Ständekämpfe, Livius, secessio plebis, Überlieferungsproblematik und historische Quellenkritik charakterisiert.
Warum hält der Autor die Fabel von Magen und Gliedern für signifikant?
Die Fabel ist signifikant, da sie als rhetorisches Mittel der Patrizier diente, um die Plebejer zur Rückkehr nach Rom zu bewegen und die damalige gesellschaftliche Ordnung metaphorisch zu legitimieren.
Wie bewertet der Autor die Zuverlässigkeit von Livius als Geschichtsschreiber?
Der Autor konstatiert, dass Livius zwar Empathie für die Plebejer zeigte, aufgrund des zeitlichen Abstands von ca. 450 Jahren zum Ereignis aber keine objektive Wahrheitsfindung garantieren kann und stellenweise Fehler und subjektive Wertungen einfließen ließ.
- Arbeit zitieren
- Lina Kürschner (Autor:in), 2021, Die erste secessio plebis. Beeinflussung der Geschichtsschreibung durch Livius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1246724