In der Hausarbeit wird die Frage geklärt, inwieweit die Kinokis ihren eigenen Erwartungen und Forderungen aus dem Manifest "Wir. Variante eines Manifestes" filmisch gerecht werden. Hat sich der „Rat der Drei“ bei ihrem Film „Der Mann mit der Kamera“ an die eigenen Ansprüche gehalten oder gibt es möglicherweise Abweichungen oder sogar Widersprüche? Was möchten die Kinokis verändern und gelingt ihnen die Umsetzung mit ihrem Film?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Manifest: Wir. Variante eines Manifestes
2.1 Kritik der Kinokis
2.2 Anforderungen der Kinokis
2.3 Erwartungen an den „neuen“ Menschen
3. Filmtheorien
3.1 Stummfilm
3.2 Sowjetisches Montagekino
3.3 Experimentalfilm
4. Film: Der Mann mit der Kamera
4.1 Allgemeines
4.2 Besondere Szenen „Mensch und Maschine“
4.2.1 Szene 1: Kameraauge vs. Menschenauge
4.2.2 Szene 2: Mensch und Maschine bei der Arbeit
4.2.3 Szene 3: Der Mann mit der Kamera
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Mensch und Maschine im filmischen Werk von Dziga Vertov, indem sie die theoretischen Forderungen seines Manifests "Wir. Variante eines Manifestes" mit der filmischen Praxis im Film "Der Mann mit der Kamera" vergleicht und überprüft, inwieweit die Vision des maschinisierten "neuen Menschen" filmisch umgesetzt wurde.
- Kritik an traditioneller Filmkunst und Inszenierung
- Entwicklung des "Kinoglaz" (Kino-Auge) als überlegenes Wahrnehmungsinstrument
- Bedeutung von Rhythmus, Tempo und Montagetechnik
- Analyse der Verschmelzung von Mensch und Maschine in der filmischen Praxis
- Untersuchung der dreifachen Kamerafunktion: Blick, Produktion und Rezeption
Auszug aus dem Buch
Besondere Szenen „Mensch und Maschine“
Vertov verbindet in seinem Film Aufnahmen von Menschen und Maschinen und lässt daraus das Bild einer neuen Einheit der Produktivität entstehen, „in der sich weder der Mensch der Maschine noch die Maschine dem Menschen unterwerfen muss“. Er vereinigt diejenigen Bilder mit den Bildern von der Schaffung dieser Aufnahmen zu einem programmatischen Poem: „So wie zwischen der Wirklichkeit und dem Film die Kamera arbeitet, so arbeitet zwischen der alten und der neuen Ordnung die Wahrnehmung.“ Das ist unter anderem an der Szene des galoppierenden Pferdes zu beobachten, das eine Kutsche zieht, während gleichzeitig der Kameramann in riskanter Position parallel auf einem Auto mitfährt und filmt. Der Mann mit der Kamera „zerlegt, überwindet, bewahrt, erhöht […] die Maschinen, die Menschen, die Welt und sich selbst darin.“ Es ist der Moment, in dem die Maschine nicht als „Ausdruck, sondern als Überwindung der menschlichen Entfremdung wirkt.“ Das Kinoglaz (Kamera-Auge), so Vertov, ist die erste wirksame Verbindung von Mensch und Maschine. Bei Der Mann mit der Kamera handelt es sich um einen Film, dessen Einfallsreichtum angesichts der Zusammensetzung von Bildsequenzen, einzigartig erscheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die kritische Haltung Vertovs gegenüber der zeitgenössischen Filmkunst dar und definiert das Ziel der Untersuchung des Manifests "Wir" sowie des Films "Der Mann mit der Kamera".
2. Manifest: Wir. Variante eines Manifestes: Dieses Kapitel erläutert die ideologische Abgrenzung der Kinokis von der klassischen Filmindustrie und definiert ihre Anforderungen an eine neue, maschinelle Filmkunst.
3. Filmtheorien: Hier werden der theoretische Kontext des Stummfilms, der sowjetischen Montagetechnik und des Experimentalfilms als Grundlagen für Vertovs Arbeiten dargelegt.
4. Film: Der Mann mit der Kamera: In diesem Hauptteil wird der Film analysiert, insbesondere hinsichtlich der drei Funktionen der Kamera und der spezifischen Darstellung des Verhältnisses von Mensch und Maschine durch Montagetechniken.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Übereinstimmungen und Widersprüche zwischen Vertovs theoretischen Manifestationen und seiner praktischen filmischen Umsetzung.
Schlüsselwörter
Dziga Vertov, Der Mann mit der Kamera, Wir. Variante eines Manifestes, Kinokis, Kino-Auge, Kinoglaz, Filmmontage, Mensch und Maschine, Stummfilm, Sowjetisches Montagekino, Experimentalfilm, Filmtheorie, Rhythmus, Maschinisierung, Filmgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das filmtheoretische Konzept der Kinokis und dessen praktische Umsetzung im Film "Der Mann mit der Kamera", mit speziellem Fokus auf die Beziehung zwischen Mensch und Maschine.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die filmische Ablehnung der theatralischen Inszenierung, die Entwicklung eines neuen Filmalphabets durch Montage sowie die Vision eines "neuen Menschen" im Zeitalter der Technik.
Was ist das zentrale Forschungsziel?
Das Ziel ist zu klären, inwieweit Dziga Vertov und der "Rat der Drei" ihre eigenen theoretischen Forderungen aus dem Manifest filmisch in "Der Mann mit der Kamera" konsequent umsetzen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die theoretische Programmschriften (Manifeste) mit der tatsächlichen filmischen Umsetzung (Analyse einzelner Filmszenen) abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Filmgeschichte und Montage sowie eine detaillierte Szenenanalyse von "Der Mann mit der Kamera" bezüglich der Mensch-Maschine-Interaktion.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kinoglaz, Montagetechnik, Avantgarde-Film, Maschinisierung und visuelle Wahrnehmung charakterisieren.
Warum ist das "Kino-Auge" für Vertov so wichtig?
Für Vertov ist das "Kino-Auge" (Kinoglaz) ein technisches Instrument, das die menschliche Wahrnehmung übertrifft und als Gegengift zur psychologisierten, "faulen" Filmkunst der damaligen Zeit fungiert.
Gibt es Widersprüche zwischen Theorie und Film in der Arbeit?
Ja, die Autorin hinterfragt kritisch, warum trotz des Verbots von Narration und Inszenierung Effekte, Musik und bestimmte arrangierte Szenen im Film dennoch eingesetzt wurden.
- Quote paper
- Iris Gutsche (Author), 2019, Die Maschinisierung des Menschen bei Dziga Vertov. Vergleich zwischen dem Manifest "Wir. Variante eines Manifestes" und dem Film "Der Mann mit der Kamera", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247218