"Auf den Lehrer kommt es an.", hört man nicht selten, wenn auf die eigene Schulzeit zurückgeblickt und über guten Unterricht, Lernerfolg und Freude am Lernen nachgedacht wird. Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen begleiten ihre Lerngruppe in einem Großteil der Fächer und über einen längeren Zeitraum hinweg, weshalb sie eine besondere Rolle in der Schullaufbahn ihrer Schülerinnen und Schüler spielen.
In mehreren deutschsprachigen Schulfilmen wird ebendiese Klassenlehrer-Schüler-Beziehung thematisiert. Doch was macht eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung aus? Unter welchen Bedingungen kann sie gelingen und welche Potenziale bringt sie mit?
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, was es für die Entwicklung einer konstruktiven Lehrer-Schüler-Beziehung benötigt und wie die Beziehungsgestaltung von Lehrpersonen zu ihren Klassen in ausgewählten Beispielen im deutschsprachigen Film dargestellt wird. Für die Analyse wurden folgende drei Filme ausgewählt: "Der Schüler Gerber",
"Fack ju Göthe" und "Die Lehrerin"
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Lehrer-Schüler-Beziehung
2.1 Empirische Hintergründe für die Lernleistung
2.2 Beschaffenheit der Lehrer-Schüler-Beziehung
2.3 Die Klassenlehrer-Schüler-Beziehung anhand des „Drei-Säulen-Modells“ nach Schubert und Friedrichs
2.1 Ermutigung
2.2 Kommunikation
2.3 Partizipation
3 Filmanalyse
3.1 Der Schüler Gerber
3.2 Fack ju Göthe
3.3 Die Lehrerin
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gestaltung der Lehrer-Schüler-Beziehung in ausgewählten deutschsprachigen Filmen und analysiert, welche Faktoren zu einer konstruktiven Interaktion beitragen oder deren Scheitern bedingen. Hierfür wird das Drei-Säulen-Modell der Pädagogik nach Schubert und Friedrichs als theoretischer Rahmen herangezogen.
- Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung für den Lernerfolg
- Analyse des Drei-Säulen-Modells (Ermutigung, Kommunikation, Partizipation)
- Vergleichende Filmanalyse (Der Schüler Gerber, Fack ju Göthe, Die Lehrerin)
- Einfluss von Machtstrukturen und Kommunikation auf das Klassenklima
- Herausforderungen der Klassenleitung im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Schüler Gerber
Der österreichisch-deutsche Film von Wolfgang Glück erschien 1981 und ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Friedrich Torberg. Er spielt 1929 an einem Wiener Gymnasium und handelt von Kurt Gerber, der sich im letzten Schuljahr vor seinem Abschluss befindet. Der neue Klassenvorstand Prof. Kupfer übt auf den Schüler Druck und psychische Gewalt aus, bis dieser Suizid begeht.
Bereits in seinem ersten Auftritt wird Prof. Kupfer unhöflich und selbstgefällig dargestellt, als er die Begrüßung des Schülers Gerber ignoriert (Glück, 1981: [00:04:01]). Dieser erklärt daraufhin seinem Vater „Gott Kupfer nennen sie den“ (ebd.: [00:04:28]), was für die Übermacht des Lehrers spricht und was der spätere Nachhilfelehrer Gerbers mit „Der Mensch denkt, Gott Kupfer lenkt“ (ebd.: [00:58:49]) bestätigt. Als Prof. Franz Kupfer sich der neuen Klasse präsentiert, findet abermals keine Begrüßung statt. Dies erweckt den Eindruck, die Schüler seien es nicht Wert gegrüßt zu werden und zeigt deutlich, dass keine Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet. Auch ist kein persönliches Interesse an den neuen Schülern sichtbar. In der heutigen Zeit würde die Klassenleitung Zeit aufwenden, um ihre Schüler besser kennen zu lernen und ein angenehmes Klassenklima zu schaffen. Es gilt jedoch zu bedenken, dass das Verhältnis von Lehrern und Schülern zu der Zeit, in der der Film spielt, deutlich distanzierter war. Herr Kupfer teilt seinen Schülern lediglich klare Regeln und Anweisungen mit. Er stellt sich mit der Aussage „Hauptmann Kupfer sieht alles, merkt alles, weiß alles“ (ebd.: [00.06:42]) auf eine übergeordnete Stufe und fügt bei, dass es bei ihm keine Gnadenakte gebe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Klassenlehrer-Schüler-Beziehung für den Lernerfolg und führt in die Fragestellung sowie die Auswahl der analysierten Filme ein.
2 Die Lehrer-Schüler-Beziehung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen, wie die Hattie-Studie und das Drei-Säulen-Modell, zur professionellen Beziehungsgestaltung dargelegt.
3 Filmanalyse: Dieses Kernkapitel untersucht die Lehrer-Schüler-Dynamik in drei konkreten Filmen und bewertet diese anhand der Prinzipien Ermutigung, Kommunikation und Partizipation.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und betont die Schlüsselrolle der Klassenleitung trotz der hohen emotionalen und organisatorischen Anforderungen an Lehrpersonen.
Schlüsselwörter
Lehrer-Schüler-Beziehung, Klassenleitung, Drei-Säulen-Modell, Pädagogik, Filmanalyse, Ermutigung, Kommunikation, Partizipation, Erziehung, Lernleistung, Klassenklima, Selbstwirksamkeit, Machtverhältnis, Schule, Konfliktmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Qualität und Gestaltung der Lehrer-Schüler-Beziehung in verschiedenen deutschsprachigen Filmen vor dem Hintergrund pädagogischer Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind pädagogische Beziehungsarbeit, professionelles Classroom-Management und die Anwendung von Modellen wie Ermutigung, Kommunikation und Partizipation im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, wie Lehrpersonen zu ihren Klassen in unterschiedlichen filmischen Darstellungen agieren und welche Faktoren zur Entwicklung einer konstruktiven Beziehung beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Fundierung durch einschlägige Literatur (z.B. Hattie-Studie, Schubert/Friedrichs) mit einer qualitativen Analyse ausgewählter Spielfilme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Beziehungsfaktoren und eine darauf basierende detaillierte Filmanalyse der Beispiele „Der Schüler Gerber“, „Fack ju Göthe“ und „Die Lehrerin“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Klassenleitung, Pädagogik, Filmanalyse, Kommunikation und Partizipation charakterisiert.
Inwiefern beeinflusst das „Drei-Säulen-Modell“ die Bewertung der Filme?
Die drei Säulen Ermutigung, Kommunikation und Partizipation dienen als normativer Maßstab, um das professionelle Handeln der Filmlehrer objektiv zu bewerten und Defizite in der Beziehungsgestaltung aufzuzeigen.
Was ist das zentrale Problem bei Professor Kupfer im Film „Der Schüler Gerber“?
Kupfer verkörpert einen autoritären Stil, der durch Machtmissbrauch, mangelnde Empathie und eine rein instruktionale Haltung gekennzeichnet ist, was die persönliche Entwicklung der Schüler unterdrückt.
Wie verändert sich die Rolle von Zeki Müller in „Fack ju Göthe“?
Zeki Müller entwickelt sich von einem desinteressierten Quereinsteiger mit gewaltvollem Auftreten hin zu einer engagierten Bezugsperson, die die individuellen Stärken ihrer Schüler erkennt und fördert.
Worin liegt die Besonderheit der Darstellung von Andrea Liebnitz in „Die Lehrerin“?
Sie repräsentiert eine spezialisierte Fachlehrerin, die zunächst durch eine kühle, rein stofforientierte Haltung geprägt ist, aber durch die Krise nach einem Amoklauf lernt, die Bedeutung von Empathie und Beziehungsarbeit für ihre Rolle als Klassenleitung anzuerkennen.
- Arbeit zitieren
- Vivien Werle (Autor:in), 2020, Klassenlehrer und Klassenlehrerinnen in deutschsprachigen Filmen. Über ihre pädagogische Beziehung zu ihren Schülerinnen und Schülern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247219