Die ökologischen Höhenstufen am Kilimanjaro. Expedition entlang der Maranga-Route


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2019

29 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Kapitel 1 | Gebietsbeschreibung
1.1 Lage
1.2 Plattentektonische Verhaltnisse
1.3 Die Klimabedingungen im Sudostbereich des Kilimanjaro
1.4 Bevolkerung

Kapitel 2 | Geographische Merkmale von Hochgebirgen
2.1 Definition der Hochgebirge
2.2 Merkmale von Gebirgsklimaten

Kapitel 3 | Die Vegetationshohenstufen am Kilimanjaro
3.1 Savanne und submontane Stufe:
3.2 Montane Regenwald-Stufe
3.3 Ericaceen-Stufe
3.4 Afro-alpine Wustenstufe
3.5 Afro-alpine Nivalstufe

Kapitel 4 | Methoden
4.1 Erfassung der Wetterdaten
4.2 Statistik der Wetterdaten
4.3 Gultigkeitsbereich der Wetterdaten
4.4 Validierung der Wetterdaten
4.5 Gehalt an Pflanzennahrstoffen im Boden

Kapitel 5 | Resultate
5.1 Tagesgange pflanzenokologisch relevanter Klimaelemente
5.2 Tagesgang der Lufttemperaturen
5.3 Tagesgang der Strahlung
5.4 Tagesgang der relativen Luftfeuchtigkeit
5.5 Tagesgang der bodennahen Windgeschwindigkeiten
5.6 Maximale Luft- und Bodentemperaturen in den vier Hohenstufen
5.7 Bodennahrstoffe in den Hohenstufen

Kapitel 6 | Klima-Erwarmung am Kilimanjaro
6.1 Forschungen zum Gletscherschwund
6.2 Mogliche Auswirkungen auf die Wasserversorgung der lokalen Bevolkerung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Majestatisch erhebt sich der verschneite Kibo uber die umliegende Savanne. Nur 350 km sudlich des Aquators gelegen, ist er der einzige Ort Afrikas an dem es permanent Eis und Schnee gibt (nur am Mt. Kenia gibt es noch ein sehr kleines Eisvorkommen).

Die Faszination fur den hochsten freistehenden Berg der Erde ist ungebrochen. 25000 aufstiegswillige Besucherinnen und Besucher zahlt der Kilimanjaro-Nationalpark jedes Jahr und beschert dem Tansanischen Staat Einnahmen von ca. 21 Millionen Schweizer Franken!

Ich danke dem Kanton fur das uberaus wertvolle Angebot der Intensivweiterbildung und der Schulleitung der Kantonsschule fur die Administration und Unterstutzung.

Besonders danke ich alien Einheimischen, welche die Expedition moglich gemacht haben, alien voran den Tragern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Team der Trager, welche personliche Ausrustungsgegenstande der Teilnehmerinnen und Teil- nehmer bis zur Kibo-Hutte tragen. Jede Person hat seinen eigenen Trager. Der gute Verdienst motiviert die Manner zwischen 63 und 22 Jahren zu dieser harten Arbeit [Photo: R. Wernli; 6.11. 2018].

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Hohenstufen Kilimanjaro | R. Wernli; 2018

Einleitung

Das Leben fasziniert. Daran andern auch naturwissenschaftliche Erkenntnisse nichts. Im Gegenteil: Sie sind die Inspiration, weiter zu fragen, weiter zu forschen, weiter zu staunen.

Die Evolution hat das Leben in allen Landschaftszonen der Erde entstehen lassen. Extrem- lebensraume faszinieren mich besonders. Dazu gehoren Hochgebirge im Allgemeinen und tropische Hochgebirge im Besonderen: Wie schaffen es ortsgebundene Pflanzen, den stark wechselnden Bedingungen zu widerstehen; den grossen Temperaturschwankungen in der bodennahen Luftschicht, der hohen solaren Strahlung nahe am Aquator?

Wahrend wir mit den Alpen ein Hochgebirge praktisch “vor der Hausture” haben, sind die tropischen tausende Kilometer entfernt.

Es war deshalb mein Wunsch, im Rahmen meiner Intensivweiterbildung Merkmale und Eigenschaften tropischer Hohenokosysteme vor Ort zu dokumentieren und damit authenti- sches Arbeitsmaterial fur den Geographie- und Biologie-Unterricht zu sammeln.

Kapitel 1 | Gebietsbeschreibung

1.1 Lage

Der Kilimanjaro ist das hochste Bergmassiv Afrikas. Es besteht aus drei Vulkanen, von de- nen nur noch der Kibo (5895 m.u.M.; Koordinaten 3° 4' S, 37° 22' O) als Schichtvulkan erkennbar ist.

Das Massiv liegt etwa 350 km sudlich des Aquators, im Nordosten Tansanias. Seit 1987 ist die Landschaft UNESCO-Weltnaturerbe. Nationalpark-Status hat der Kilimanjaro bereits seit 1973. Damit konnte der weiteren Abholzung des Berg-Regenwaldes Einhalt geboten wer- den.

1.2 Plattentektonische Verhaltnisse

Der Kilimanjaro besteht aus den Vulkanen Kibo, Mawenzi und Shira. Sie sind so ineinander- gewachsen, dass sie eine breite Bergschulter bilden und den hochsten freistehenden Berg der Erde markieren.

Anders als Faltengebirge, ist der Kilimanjaro nicht durch Kollision an einer Subduktions- zone entstanden, sondern durch Dehnung am Ostafrikanischen Grabenbruchsystem. Ausge- lost wurde diese Dehnung durch einen Mantel-Diapir, der unter der Afar-Region aufstieg, die Erdkruste anhob und auf etwa 16 km Dicke ausdunnte. Am Scheitel der aufgewolbten Erdkruste entstanden Bruche in der Erdkruste, an denen sich zahlreiche Rift-Vulkane form- ten und sich die Erdkruste absenkte (Grabenbildung). Der sudliche Abschnitt des Graben- bruch-Systems teilt sich in einen ostlichen und einen westlichen Arm. Diese umringen den starren Viktoriasee-Block. Der Kilimanjaro befindet sich im Westarm. Beide Teilsysteme sind aktiv - es kommt also noch zu Erdbeben und Vulkanausbruchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Blick auf die Vulkane Shira, Kibo und Mawenzi (von links nach rechts). Durch Erosion ist beim Mawenzi ein Schwarm von Basaltgangen freigelegt [Photo: R. Wernli, 7.11. 2018].

1.3 Die Klimabedingungen im Sudostbereich des Kilimanjaro

Das Kilimanjaro-Massiv liegt auf drei Grad sudlicher Breite und damit in der Vegetations- zone des immergrunen tropischen Regenwaldes. Tatsachlich aber erstreckt sich ostlich des Victoriasees eine Trocken- und Dornsavanne, die fast an den Indischen Ozean reicht.

Wegen seiner Lage an der Ostafrikanischen Grabenschulter herrscht hier ein wechsel- feuchtes Klima mit zwei Regenzeiten: Die grosse Regenzeit von Marz bis Mai und die kleine Regenzeit von Mitte Oktober bis Anfang November (vgl. Klimadiagramme von Arusha und Moshi). Die Trockenzeit dauert in der Savanne etwa funf Monate, verkurzt sich aber auf gut zwei Monate fur die Regionen am Fusse des Kilimanjaro (vgl. Moshi). Hier wird der Einfluss des Steigungsregens wirksam.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am Kilimanjaro selbst variieren Niederschlag und Temperatur mit der Hohe und dem Ein- fluss des vorherrschenden Sudost-Passates aus dem Indischen Ozean. Die sudexponierten Luv-Hange erhalten deshalb ca. 500 mm mehr Niederschlage als die nordlichen Hange der Lee-Seite. Der jahrliche Niederschlag erreicht sein Maximum in der Mittelgebirgszone zwi- schen 1800 und 2400 Meter. In hoheren Lagen nimmt der Niederschlag bereits wieder ab (vgl. Graphik unten; HEMP, 2001).

Die mittlere Jahrestemperatur betragt an den Vulkanauslaufern 23.4° C (Moshi, 816 m.u.M.; (Walter et al., 1975) und sinkt auf -7.11° C an der Spitze des Kibo (Thomson et al. (2002)). Uber die knapp 5100 Meter Hohendifferenz nimmt die Temperatur damit linear um 0.6 °C pro 100 Meter ab, was einem durchschnittlichen feuchtadiabatischen Gradienten entspricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein zyklisches Windsystem versorgt die afro-alpine Wuste mit Feuchtigkeit

Ich konnte am Kilimanjaro ein Windmuster erkennen, das einen grossen Einfluss auf den Tagesgang von Luft-Temperatur und Feuchte hat.

Wahrend der Trockenzeit stellt sich an der Bergflanke der Maranga-Route ein tageszeit- liches Regional-Windsystem ein: Am Vormittag erwarmt sich in der afro-alpinen Stufe der weitgehend vegetationslose Boden rasch und stark. Das fuhrt zu einem Bodentief, in wel­ches feuchte Luft aus den tieferliegenden Hohenstufen fliesst. Dabei entsteht adiabatisch Nebel. Eindrucksvoll ist dieses Phanomen oberhalb des Kibo-Sattels in der afro-alpinen Wustenstufe zu beobachten, weil der Nebel einem dann entgegen kommt. Manchmal losen sich die Nebel auf, manchmal wird man aber auch von der aufsteigenden Feuchtigkeit ein- gehullt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Talwind, der jeweils am Nachmittag aus der Ericaceen-Stufe in die afro-alpine Wustenstufe stromt. In der Trockenzeit ist der Nebel weitgehend die einzige Wasserquelle fur die sparlichen Horst- und Polsterpflanzen [Photo: R. Wernli, 10.11. 2018].

1.4 Bevolkerung

Am Kilimanjaro lebt das Volk der Chagga. Die bantu-sprechenden Menschen betreiben eine traditionelle Agroforst-Landwirtschaft mit ausgeklugeltem Bewasserungssystem. „In ihren Hausgarten verwenden die Chagga vier Vegetationsschichten. Unter einer Baumschicht, die Schatten, Futter, Medikamente, Brennholz und fruher auch Bauholzbananen liefert, werden unter den Bananen Kaffeebaume und unter diesen Gemusesorten angebaut. Dieses Mehr- schichtsystem maximiert die Nutzung von begrenztem Land. Das Gebiet wird durch ein Netz von Kanalen bewassert, die von Hauptfurchen gespeist werden, die aus dem Bergwald stam- men“ (HEMP, C.; 2008).

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Details

Titel
Die ökologischen Höhenstufen am Kilimanjaro. Expedition entlang der Maranga-Route
Autor
Jahr
2019
Seiten
29
Katalognummer
V1247259
ISBN (Buch)
9783346683298
Sprache
Deutsch
Schlagworte
höhenstufen, kilimanjaro, expedition, maranga-route
Arbeit zitieren
Roger Wernli (Autor:in), 2019, Die ökologischen Höhenstufen am Kilimanjaro. Expedition entlang der Maranga-Route, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247259

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