In dieser Forschungsarbeit soll anhand der Analyse einer Gruppendiskussion von drei geflüchteten Frauen, der Frage nachgegangen werden, wie geflüchtete Frauen ihr Leben und Ankommen in Deutschland konstruieren.
Seit der verstärkten Zuwanderung 2015 und 2016 stehen Menschen mit Fluchthintergrund vermehrt im Fokus der Öffentlichkeit. Im öffentlichen Diskurs spielen Frauen dabei eine untergeordnete Rolle und es wird hauptsächlich das Bild von jungen Männern gezeigt. Auch in der Migrationsforschung gelten Männer als prototypische Migranten und Migrantinnen werden als Ausnahme und Folgeerscheinung der Migration von Männern gesehen. Dabei sind fast die Hälfte der statistisch erfassten MigrantInnen Frauen und es wird angenommen, dass sie unter den weltweiten Flüchtlingen die Mehrheit ausmachen. In dem Zeitraum von 2012-2016 sind über 500.000 Asylanträgerinnen weiblichen Geschlechts und machen damit durchschnittlich ein Drittel der Asylanträge aus. In den Jahren 2015 und 2016 waren 40% der Antragsstellerinnen minderjährig und 38% im Alter von 18-35. Die Mehrheit der Frauen ist dabei muslimischen Glaubens, 2016 waren es 74,8%. 12,8% der Antragstellerinnen sind Christinnen und 8% Yezidinnen. Die Frauen stammen mehrheitlich aus nicht-europäischen Ländern und fliehen hauptsächlich aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.
Inhaltsverzeichnis
1. Forschungsdesign
1.1 Qualitative Sozialforschung
1.2 Das Gruppengespräch
1.3 Auswertung
2. Falldarstellung
2.1 Fallbeschreibung
2.1.1 Beginn der Gruppendiskussion
2.1.2 Eingangserzählung Frau Blade
2.1.3 Eingangserzählung Frau Hermy
2.1.4 Eingangserzählung Frau Lomer
2.1.5 Nachfragen an Frau Blade
2.1.6 Nachfragen an Frau Hermy
2.1.7 Nachfragen an Frau Lomer
2.1.8 Abschluss der Gruppendiskussion
2.2 Ergebnisse der Analyse
3. Einbindung in den aktuellen Genderdiskurs
3.1 Aktuelles zum Genderdiskurs
3.2 Gruppentypik und Gender
3.3 Gender und Bildung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer Gruppendiskussion mit drei geflüchteten Frauen, wie diese ihr Leben und ihr Ankommen in Deutschland konstruieren und welche Rolle dabei geschlechtsspezifische Themen sowie bildungsorientierte Selbstpräsentationen spielen.
- Rekonstruktion der Lebensentwürfe geflüchteter Frauen
- Analyse der Gruppendynamik und Identitätskonstruktion innerhalb der Diskussion
- Die Rolle von Bildung als Ressource für Emanzipation und Autonomie
- Einfluss von Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Erwartungen auf die Integration
Auszug aus dem Buch
1.1 Qualitative Sozialforschung
Ab 1900 ist in der deutschen Soziologie ein Zwiespalt darüber entstanden, ob eine induktive am Einzelfall orientierte oder eine statistisch empirische Vorgehensweise benutzt werden sollte (vgl. Boneß, W. 1982 Die Einübung des Tatsachenblicks, zit. n. Flick 2009: 30). In der amerikanischen Soziologie wurde bis in die 1940er Jahre der Fokus auf biographische Methoden, beschreibende Verfahren und Fallanalysen gelegt. Nachdem sich die Soziologie mehr etabliert hatte, wurden vermehrt standardisierte und quantitative Methoden verwendet (vgl. Flick 2009: 30f.). Bei der quantitativen Sozialforschung soll soziales Handeln basierend auf Statistiken erklärt werden. Dafür wird mit großen Stichproben gearbeitet. Die Methoden der Erhebung sind standardisierte Methoden wie ein festgelegter Fragenkatalog. Dabei dienen die Untersuchungsfragen der Testung von vorgefertigten Hypothesen (vgl. Schaffer 2014: 64).
1970 wurde die kritische Arbeit von Cicourel gegenüber quantitativen Methoden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Durch den Import von Sammelbänden zu den amerikanischen Diskussionen in Bezug auf die soziologischen Forschungsmethoden, in den deutschsprachigen Raum, wurden diese zugänglich gemacht. Gegenstand der Diskussion ist dabei die genauere Erhebung des Forschungsinteresses, als es mit quantitativen Methoden möglich ist. Ende der 1970er Jahre etabliert sich im deutschsprachigen Raum eine eigenständige Diskussion zu qualitativen Methoden und zur Anwendung und Auswertung von Interviews sowie zu methodischen Fragen. Zu Beginn der 1980er Jahre haben sich zwei eigenständige Forschungsmethoden etabliert. Zum einen das narrative Interview nach Schütze (1977) und zum anderen die objektive Hermeneutik nach Oevermann (1979), die auf eine ausführliche Forschungspraxis zurückgehen. Mitte der 1980er Jahre kamen verstärkt Fragen zu der Gültigkeit und der Verallgemeinerung der Ergebnisse sowie zu deren Überprüfbarkeit auf. Ende der 1980er Jahre wurden die ersten Lehrbücher zu den Methoden, deren Auswertung und Gültigkeit herausgebracht. Daraufhin hat sich eine Vielzahl von Schulen und Forschungsansätzen der qualitativen Sozialforschung etabliert (vgl. Flick 2009: 31ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Forschungsdesign: Dieses Kapitel führt in die Grundlagen der qualitativen Sozialforschung, die Methode des Gruppengesprächs und die spezifischen Auswertungsschritte für diese Untersuchung ein.
2. Falldarstellung: Hier wird der Verlauf der Gruppendiskussion detailliert rekonstruiert und die aus dem Gespräch hervorgehenden Ergebnisse und Fallstrukturen analysiert.
3. Einbindung in den aktuellen Genderdiskurs: Das Kapitel verknüpft die erarbeiteten Ergebnisse mit theoretischen Ansätzen zu Gender, Gruppentypik und der Bedeutung von Bildung für Emanzipation.
Schlüsselwörter
Qualitative Sozialforschung, Gruppendiskussion, Fluchterfahrung, Geschlechterrollen, Bildung, Emanzipation, Integration, Empowerment, Genderdiskurs, Identitätskonstruktion, Alltagsbewältigung, Migration, Autonomie, Sozialarbeit, Gruppendynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Lebenswelten und dem Ankommen von geflüchteten Frauen in Deutschland, analysiert durch eine Gruppendiskussion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Bewältigung des Alltags, die Bedeutung von Bildung, der Umgang mit der Fluchterfahrung und die Konstruktion von Geschlechterrollen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu verstehen, wie geflüchtete Frauen ihr Leben konstruieren, welche Strategien sie zur Etablierung von Stärke und Autonomie nutzen und wie sie sich in der neuen Umgebung positionieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Gruppendiskussion durchgeführt und nach den Prinzipien der interpretativen Sozialforschung, inklusive einer sequenziellen Textanalyse nach Rosenthal, ausgewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in das Forschungsdesign, die detaillierte Falldarstellung des Gruppengesprächs und die theoretische Einbettung der Ergebnisse in den Genderdiskurs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind qualitative Sozialforschung, Fluchterfahrung, Bildung, Emanzipation, Empowerment und Gruppendynamik.
Welche Rolle spielt die Bildung für die Teilnehmerinnen?
Die Teilnehmerinnen nutzen Bildung als zentrale Ressource, um sich als intellektuell, engagiert und unabhängig zu präsentieren und dem Stigma des "Wirtschaftsflüchtlings" entgegenzuwirken.
Wie beeinflusst die Anwesenheit der Interviewerin die Kommunikation in der Gruppe?
Die Teilnehmerinnen neigen dazu, Deutschland und die Unterstützungsangebote positiv darzustellen, um die Interviewerin nicht mit Kritik zu belasten, während unterschwellige Probleme eher indirekt thematisiert werden.
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- Philine Best (Autor), 2020, Ankommen und Leben von geflüchteten Frauen in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1247353