Die historisch-kritische Exegese der Perikope Mk 2,23-28 "Ähreneraufe am Sabbat"


Quellenexegese, 2009

13 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2. 1 Synchrone Textanalyse
2. 1. 2 Abgrenzung des Textes
2. 1. 2 Kontextanalyse
2. 1. 3 Sprachlich – syntaktische Analyse
2. 1. 4 Semantische Analyse
2. 1. 5 Pragmatische Analyse
2. 1. 6 Spannungsbogen
2. 1. 7 Gliederung der Texteinheit
2. 2 Diachrone Textanalyse
2. 2. 1 Form- und Gattungskritik
2. 2. 2 Literar- bzw. Quellenkritik
2. 2. 3 Redaktions- bzw. Kompositionskritik
2. 2. 4 Traditionskritik im Sinne von Begriffs- und Motivkritik
2. 2. 5 Religionsgeschichtlicher Vergleich

3. Schlussteil

1. Einleitung

Die Sabbatkonflikte Jesu und seiner Jünger nehmen in allen vier Evangelien einen auffallend breiten Raum ein.

Die Perikope in Mk 2,23 – 28 ist traditionsgeschichtlich wohl die älteste Texteinheit im Vergleich zu den beiden synoptischen Parallelen in Lk 6,1 – 5 und Mt 12,1 – 8 sowie zu Joh 5,10, die in einem Streitgespräch zwischen den Pharisäern und Jesu mit seinen Jüngern die Nahrungsaufnahme am Sabbat thematisieren. Diese Thematik bewog mich, die Perikope in Mk 2,23 – 28 als die Analyseeinheit für meine neutestamentliche Exegese zu wählen: Es ist außerordentlich spannend zu verfolgen, wie Jesus und seine Jünger den heiligsten jüdischen Feiertag „entweihen“, indem sie die Vorschrift zur Sabbatheiligung Ährenraufen verboten missachten, und diese sogleich mit den Worten kritisieren, der Sabbat sei um des Menschen willen gemacht, nicht umgekehrt. Das „Warum“ und „Zu welchem Zweck“ will ich mit der Exegese dieses Streitgesprächs herausfinden.

Als grundlegende Bibelübersetzung für die Exegese werde ich die revidierte Fassung der Lutherübersetzung aus dem Jahre 1984 heranziehen, weil ich von der Schule an mit dieser Bibel gearbeitet habe und mich mit dem Schreibstil der Lutherübersetzung angefreundet habe.

Ich werde in meiner Exegesearbeit nun so vorgehen, dass ich mit der synchronen Textanalyse anfange und zu der diachronen Textanalyse übergehe, mit den Methodenschritten der Form- und Gattungskritik, der Literatur- bzw. Quellenkritik, der Redaktions- bzw. Kompositionskritik, der Traditionskritik im Sinne von Begriffs- und Motivkritik und des Religionsgeschichtlichen Vergleichs. Im Schlussteil werde ich versuchen den Ertrag meiner exegetischen Arbeit im Blick auf die kommunikative Funktion und die theologische Relevanz herauszustellen.

2. Hauptteil

2. 1 Synchrone Textanalyse

2. 1. 2 Abgrenzung des Textes

Die Geschichte des „Ährenraufen am Sabbat“ in Mk 2,23 – 28 hebt sich von der vorhergehenden Perikope über die „Frage nach dem Fasten“ (V. 18 – 22) durch die Veränderung der Zeit- und Ortsangabe (V.23: „am Sabbat durch ein Kornfeld“) und eine völlig neue Thematik ab.

Der Neueinsatz in Mk 3,1 wird durch die eingeleitete Ortsveränderung („Synagoge“) und die wiederrum veränderte Thematik, nämlich die Heiligung eines Mannes am Sabbat, deutlich.

2. 1. 2 Kontextanalyse

Die Perikope des „Ährenraufen am Sabbat“ gehört in den Komplex der „fünf sogenannten galiläischen Streitgespräche (Mk 2,1 – 3,6).“[1] Thematisch stehen in diesen immer der Menschensohn Jesu und die Beziehung von Mensch und Gesetz im Vordergrund.

Die Sequenz der Streitgespräche Jesu mit den Pharisäern beginnt mit der „Heilung eines Aussätzigen“ (Mk 2,1 – 12), wird fortgesetzt mit der Perikope „Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern“ (Mk 2,13 – 17) und der „Frage nach dem Fasten“ (Mk 2,18 – 22), wonach „Das Ährenraufen am Sabbat“ (Mk 2,23- 28) und „Die Heilung eines Mannes am Sabbat“ (Mk 3,1 – 6) erzählt werden. Die zu untersuchende Texteinheit steht in diesem Komplex an vierter Stelle und es wird deutlich, dass sich der Konflikt der Schriftgelehrten mit Jesus und seinen Jüngern im Verlauf der Sequenz zusehends verschärft, wobei dieser in der letzten Perikope über die Heilung eines Mannes am Sabbat seine Klimax erfährt, nämlich in der Absicht der Pharisäer Jesus umzubringen (Mk 3,6).

Der Komplex der galiläischen Streitgespräche fügt sich in den ersten Hauptteil des Markusevangeliums: Dieser behandelt in den Kapiteln 1 – 8,26 Jesu Wirken innerhalb und außerhalb Galiläas. Im zweiten Hauptteil wird der Weg Jesu nach Jerusalem in die Passion beschrieben (Mk 8,27 - 10,52), wonach der Einzug Jesu in Jerusalem (Mk 11, 1ff) den dritten Hauptteil eröffnet und im überlieferten Markusevangelium mit der Auffindung des leeren Grabes Jesu (Mk 16,1ff) endet.[2] Die Perikope des Ährenraufens am Sabbat gehört in den ersten Hauptteil des Markusevangeliums und steht hier ganz am Anfang Jesu Wirkens. Auf den Gesamtkontext fokussierend lässt sich die untersuchende Texteinheit als eine Voraussage der Passion und des Todes Jesu deuten, da sich schon hier ein Konflikt der Schriftgelehrten mit Jesus herauskristallisiert sowie die Absicht der Pharisäer, Jesus zu töten (Mk 3,6).

2. 1. 3 Sprachlich – syntaktische Analyse

Die Geschichte über das Ährenraufen am Sabbat ist in einem schlichten und leicht verständlichen Wortschatz verfasst. Der Autor konzentriert sich auf die Schilderung des Geschehens am Sabbat, was die Jünger für die jüdischen Gesetze Unerlaubtes getan haben, weswegen sie und Jesus auch von den Pharisäern angeklagt werden und wie Jesus sich und die Jünger verteidigt. Hier verwendet er die Schlüsselwörter Sabbat und Menschensohn, wobei der Menschensohn pragmatisch über den Sabbat gestellt wird.

Innerhalb der Wortarten kommen viele Verben vor, die die Situation beschreiben, z. B. „anfingen“, „Ähren ausraufen“, „gingen“ (V. 23). Auch in den weiteren Versen, als Jesus sich in der Diskussion mit den Pharisäern befindet und ihnen die Begründung für die angebliche Verfehlung der Jünger darlegt, kommen viele Verben vor, wie „sprachen“, „gelesen“, „hungerte“, „essen“, „gemacht“, etc. Als Tempus wird bei der Erzählung das Imperfekt benutzt, bei der direkten Rede der Kontrahenten wechseln sich Präsens, Perfekt und Imperfekt ab.

Die Perikope benutzt als Satzartenkonstruktion insbesondere Aussagesätze, vor allem in der Erzählung des Geschehens. In der direkten Rede der Pharisäern und Jesu treten Fragesätze und Aufforderungssätze in den Vordergrund, jedoch in der Schlussrede Jesu findet sich ein Aussagesatz (V. 27+28), um die Gültigkeit des Gesagten auch syntaktisch zu verdeutlichen.

Jeder Vers, außer Vers 26 und 28, wird mit der Konjunktion „und“ eingeleitet, was ebenfalls die Einfachheit der Sprache des Textes unterstreicht. Zwischen Vers 24 und 25f kommt es zu einem Wechsel der Diskussionsebenen, was auch durch die Nicht-mehr-Verwendung der Konjunktion „und“ deutlich wird: Aus dem Sabbatbruch entwickelt sich ein Disput über das Gesetz. Der letzte Vers beginnt mit einer schlussfolgenden Konjunktion „so“, weswegen dieser Vers als Resümee oder Fazit fungiert: Jesus hat die Macht des Menschensohnes in Anspruch genommen und legt fest, was vor Gott erlaubt ist und was nicht.

Zu der stilistischen Eigenart der Texteinheit gehört vor allem die Stilfigur der Wiederholung, die Alliteration: In Vers 23, 24, 25 und 27 finden wir die Wiederholung der Konjunktion „und“. Die Stilfiguren der Hinzufügung, die Rahmung und der Chiasmus, werden hier ebenso zur sprachlichen Untermalung herangezogen: Die Rahmung erfolgt durch die Wiederholung des Wortes „Sabbat“ am Anfang der Perikope in Vers 23 sowie am Ende dieser in Vers 28, was die Themenstellung der Texteinheit noch mal verdeutlicht. In Vers 27 benutzt der Autor den Chiasmus: Es soll verdeutlichen, dass der Sabbat für den Menschen geschaffen wurde und nicht umgekehrt. Die rhetorische Frage in Vers 25f soll als erstes die Pharisäer bloßstellen und zweitens die genaue Kenntnis Jesu über die Schrift und die Gesetze anzeigen.

[...]


[1] Aichinger, H.: Quellenkritische Untersuchung der Perikope vom Ährenraufen am Sabbat Mk 2, 23-28, In: Fuchs, A., Jesus in der Verkündigung der Kirche, Linz 1976, S. 110.

[2] Schnelle, U.: Einleitung in das Neue Testament, 5. Auflage, Göttingen 2005, S. 249.

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Details

Titel
Die historisch-kritische Exegese der Perikope Mk 2,23-28 "Ähreneraufe am Sabbat"
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
gut
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V124754
ISBN (eBook)
9783640298662
ISBN (Buch)
9783640373802
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Vollständige Zitierung über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis.
Schlagworte
Exegese, Perikope, Sabbat, Ährenraufen
Arbeit zitieren
Alina Heberlein (Autor), 2009, Die historisch-kritische Exegese der Perikope Mk 2,23-28 "Ähreneraufe am Sabbat", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124754

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