In der Arbeit möchte ich mich mit der Frage auseinandersetzen, ob Frauen Diakoninnen werden konnten und im Zuge dessen den Diakonat der Frau in der Antike durchleuchten. Auch in dem wichtigsten Buch der Christen gibt es Befunde zu Frauen in kirchlichen Ämtern. Mit drei ausgewählten Bibelstellen möchte ich mich im nächsten Abschnitt auseinandersetzen.
In der Berichterstattung über das von Kardinal Woelki in Auftrag gegebene Missbrauchsgutachten wird auch Kritik von seitens der Bewegung Maria 2.0 laut. Die aus der katholischen Kirche entstandene Initiative fordert neben der Aufklärung des Missbrauchsskandals auch die Aufhebung der Zölibatsverpflichtung und die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen.
Derartige Forderungen gibt es aber nicht erst seit dem Aufkommen der Bewegung im Jahr 2019, auch das 2. Vatikanische Konzil beschäftigte sich vor über 50 Jahren mit dieser Frage. Es kam zu dem Schluss, dass ein Diakonat der Frau nicht mit der dreistufigen Ordo zu vereinbaren ist, so dass Katholikinnen weiterhin der Zugang zu kirchlichen Ämtern verwehrt bleibt. Grundlage der Diskussion rund um die Frauenfrage in unserer Kirche ist auch der Diakonat der Frau in der Antike.
Inhaltsverzeichnis der wissenschaftlichen Arbeit
1 Maria 2.0 – aktuelle Forderungen zur Öffnung der kirchlichen Ämtern für Frauen
2 Biblische Befunde im Neuen Testament
2.1 Diakonin Phöbe?
2.2 Philipper 1,1 und 1. Timotheus 3,8-13
3 Verbreitung des Diakonats der Frau
3.1 Diakoninnen in der Ostkirche
3.2 Diakonat der Frau in der Westkirche?
3.3 Gründe für die Verbreitung und den Niedergang des weiblichen Diakonats
4 Aufgaben einer Diakonin der Ostkirche
5 Weihe einer Diakonin und die Stellung in der damaligen Kirche
5.1 Weiheritus bei Diakoninnen und Diakonen
5.2 Weihe einer Diakonin – eine sakramentale Weihe?
5.3 Stellung der Diakoninnen in der damaligen Kirche
6 Fazit und die aktuelle Diskussion
6.1 Fazit: Konnten Frauen Diakoninnen werden?
6.2 Aktuelle Diskussion und mein abschließender Appell
Zielsetzung und thematische Ausrichtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Praxis des diakonischen Amtes für Frauen im Christentum der Antike. Ziel ist es, auf Basis biblischer Befunde und historischer Entwicklungen in der Ost- und Westkirche zu klären, inwieweit das Diakoninnenamt als historisches Vorbild für eine heutige Öffnung kirchlicher Ämter dienen kann oder ob es sich um ein historisch spezifisches Phänomen handelte, das nicht direkt auf moderne Ämterstrukturen übertragbar ist.
- Analyse biblischer Grundlagen bezüglich des weiblichen Dienstes in der frühen Gemeinde.
- Vergleichende Untersuchung der Entwicklung des Diakonats in der Ost- und Westkirche.
- Untersuchung der Weiheriten und der sakramentalen Bedeutung der Diakoninnenweihe.
- Kontextualisierung der Rolle der Frau innerhalb der damaligen kirchlichen Hierarchie.
- Kritische Reflexion der historischen Ergebnisse im Hinblick auf aktuelle innerkirchliche Reformdebatten.
Auszug aus dem Buch
3.1 Diakoninnen in der Ostkirche
Zu Beginn des dritten Jahrhunderts war der Diakonat der Frau ein klar distinktives Amt. In der syrischen Didascalia apostolorum (230 n. Chr.) ist von Diakoninnen die Rede – Bischöfe sollen sowohl Männer als auch Frauen in das Diakonenamt als Hilfe und Entlastung berufen. Der weibliche Diakonat stellte hier eine Neugestaltung dar, sodass die Didascalia apostolorum als erster eindeutiger Beleg gilt. Zwar gibt es einen Brief von Plinius dem Jüngeren an Kaiser Trajan um 111 n. Chr., der eine öffentliche Bekanntheit der Bezeichnung Diakonin belegt, jedoch lässt dies nicht auf ein institutionalisiertes Amt schließen.
Im vierten Jahrhundert wurden die außerliturgischen Aufgaben für die Diakoninnen erweitert – die Constitutiones apostolorum ist hierfür ein Zeugnis. Die Zeit zwischen 300–600 nach Christus gilt als Hochzeit mit Weihen vieler Diakoninnen. In diesem Zeitraum fungierten auch viele Diakoninnen für Bischöfe als Beraterinnen und Helferinnen, was aus vielen Briefen hervorgeht. Am bekanntesten sind die Briefe von Johannes Chrysostomos an Olympias, die ihrerseits die berühmteste und wohl auch einflussreichste Diakonin ihrer Zeit war. Sie wurde als junge Witwe ordiniert und hat für die zahlreichen Bischöfe, die nach Konstantinopel kamen, ein Gästehaus errichtet und sie auch in kirchenpolitischen Fragen beraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Maria 2.0 – aktuelle Forderungen zur Öffnung der kirchlichen Ämtern für Frauen: Einleitung in die Thematik vor dem Hintergrund aktueller Forderungen der Initiative Maria 2.0 und Einordnung der Relevanz für die heutige Kirchenkritik.
2 Biblische Befunde im Neuen Testament: Analyse neutestamentlicher Stellen, insbesondere der Erwähnung von Phöbe sowie Auslegungen zu Timotheus, um frühe Hinweise auf diakonische Dienste von Frauen zu prüfen.
3 Verbreitung des Diakonats der Frau: Historischer Vergleich der unterschiedlichen Entwicklungen des weiblichen Diakonats in der Ostkirche, in der ein Amt entstand, und der Westkirche, in der dies unter komplizierteren Bedingungen stattfand.
4 Aufgaben einer Diakonin der Ostkirche: Darstellung der spezifischen Tätigkeitsfelder, darunter Mission, Unterstützung bei der Taufe von Frauen, Krankenkommunion und Seelsorge unter Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Trennung.
5 Weihe einer Diakonin und die Stellung in der damaligen Kirche: Untersuchung der Weiheriten und der sakramentalen Wertung, um die Stellung der Diakonin im Vergleich zum männlichen Klerus zu definieren.
6 Fazit und die aktuelle Diskussion: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage zur historischen Existenz des Diakoninnenamtes und Transfer der Ergebnisse in die heutige kirchliche Debatte.
Schlüsselwörter
Diakonat der Frau, Diakoninnen, Alte Kirche, Ostkirche, Westkirche, Weiheamt, Kirchendienst, Antike, neutestamentliche Befunde, Sakramentalität, Kirchengeschichte, Frauen in der Kirche, Ämterstruktur, Pastoral, Didascalia apostolorum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Existenz, die Aufgaben und die kirchenrechtliche Bedeutung des Diakoninnenamtes im antiken Christentum.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf biblischen Grundlagen, historischen Quellen (wie der Didascalia apostolorum), regionalen Unterschieden zwischen Ost- und Westkirche sowie der Weihepraxis.
Was ist die Forschungsfrage der Publikation?
Die Kernfrage lautet: „Konnten Frauen Diakoninnen werden?“ und wie lässt sich das historische Amt in das aktuelle Verständnis von Ämtern in der katholischen Kirche einordnen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine kirchengeschichtliche Untersuchung, die primär textkritische Methoden der Exegese und historische Quellenanalyse nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Detailliert werden die Entwicklung des Amtes, die spezifischen Aufgabenbereiche (z.B. Taufe von Frauen), der Weiheritus im byzantinischen Ritus und die Stellung der Diakoninnen zum Klerus analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Diakonat, Diakonin, Antike, Kirchengeschichte, Weiheamt, Ostkirche, Frauenfrage und Ämterverständnis.
Welche Rolle spielte die Einordnung in die „Ostkirche“ im Vergleich zur „Westkirche“?
Die Autorin hebt hervor, dass der Diakonat in der Ostkirche ein institutionalisiertes Amt war, während er in der Westkirche aufgrund einer anderen Sozialstruktur und fehlender Quellen nur vereinzelt und eher als Ehrenamt oder asketisches Ideal in Erscheinung trat.
Welches Fazit zieht die Arbeit hinsichtlich der heutigen Diskussion?
Die Autorin stellt klar, dass der historische Diakonat nicht direkt mit heutigen Ämtern identisch ist, fordert jedoch eine kritische Auseinandersetzung mit der Begründung des Ausschlusses von Frauen von den kirchlichen Ämtern im 21. Jahrhundert.
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- Anonym (Author), 2021, Konnten Frauen Diakoninnen werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1248113