In der Moderne scheint die Entwicklung der religiös Suchenden eher hin zur privaten Religionsausübung und einer damit verbundenen „Entkirchlichung“ zu gehen. (vgl. z.B. Kaufmann 2000). So stehen die christlichen Kirchen – insbesondere die Katholische, deren Mittelpunkt ja eigentlich der allsonntägliche Gottesdienst ist (vgl. Kapitel 1) – insbesondere in Europa vor einer neuen Herausforderung im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung.
Um dieses Phänomen der erfolgreichen Verkündung des Wortes Gottes und der Mission der (katholischen) Kirche soll es in der vorliegenden Arbeit gehen. Denn der missionarische Auftrag der Kirche besteht auch in der heutigen Zeit noch und ist aktuell wie nie. So ist die Kirche nicht nur Objekt in den Medien, sondern nutzt diese auch aktiv als Forum der Öffentlichkeit, um ihr Eigenprofil medial zu präsentieren. Sie ist Teil der Medienlandschaft, in der sie ihre Position bestimmen muss. (vgl. Gilles 2000, S. 17)
So soll in diesem Rahmen zuerst die Liturgie der römisch-katholischen Kirche erläutert werden (Kapitel 1), anschließend kurz Entwicklung und Intention der Fernsehgottesdienste dargestellt werden (Kapitel 2) . Kapitel 3 beschäftigt sich mit den medientheoretischen bzw. didaktischen Zusammenhängen in Bezug auf Fernsehgottesdienste. In Kapitel 4 wird ein Resümee der Arbeit gezogen.
Die Gliederung dieser – eigentlich medientheoretischen bzw. medienpädagogischen – Arbeit ist bewusst so aufgebaut, dass die liturgischen bzw. theologischen Überlegungen quasi Anfang wie auch Rahmen der Arbeit bilden, während die Medientheorie eingeschoben scheint. Dies soll die Intention der Arbeit verdeutlichen, nämlich nicht die Liturgie auf Medienkompatibilität zu untersuchen und ggf. anzupassen, sondern ausgehend vom Wesen und der Intention der Liturgie und der Würde der Gottesdienstfeiern geschuldet, Chancen und Risiken der (Massen-)Medien aufzuzeigen, in angemessener Weise die „Frohe Botschaft“ zu verkünden.
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Inhaltsverzeichnis
1. Liturgie der römisch-katholischen Kirche
1.1 Begriffsklärung
1.2 Grundcharakter der Liturgie
1.2.1 Pascha-Mysterium
1.2.2 Dialog und Kommunikation
1.2.3 Gemeinschaft
1.2.4 Zeichenhaftigkeit
2. Fernsehgottesdienste
2.1 Geschichte
2.2 Grundlagen der kirchlichen Medienarbeit
2.3 Konzept der Gottesdienstübertragungen
2.3.1 Dokumente der Katholischen Kirche
2.3.2 Zielgruppen
2.3.3 Sendekonzepte
2.4 Liturgische Aspekte
2.4.1 Die Würde der Feier
2.4.2 Tatsächliche vs. intentionale Teilnahme
2.4.3 Mission
3. Medientheorie
3.1 Technische Darstellungsmöglichkeiten
3.2 Medienpädagogik
3.3 Funktion der Medien
3.4 Wirkung der (Massen-)Medien
3.4.1 Die Welt im Bild
3.4.2 Kommunikation
3.4.3 Emotionen
3.5 Medienkompetenz
3.6 Dramaturgie der Feier
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht medienpädagogische und liturgische Aspekte von katholischen Fernsehgottesdiensten. Ziel ist es, die Möglichkeiten und Herausforderungen der medialen Übertragung in Bezug auf den Verkündigungsauftrag der Kirche kritisch zu beleuchten.
- Strukturen und Merkmale der römisch-katholischen Liturgie
- Entwicklung und Funktionen von Gottesdienstübertragungen
- Medientheoretische Analysen zur Wirkungsweise von (Massen-)Medien
- Didaktische Konzepte der "liturgischen Bildung"
- Spannungsfeld zwischen medialer Inszenierung und liturgischer Würde
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Die Würde der Feier
Die Kritik an Gottesdienstübertragungen dreht sich hauptsächlich um die Würde der Feier. So befürchtete Romano Guardini, dass durch die Zurschaustellung der „heiligen Dinge“ in den Medien, diese ebenso verbraucht werden wie alle anderen Sensationen auch. Spaeman spricht gar von „Belauerung“ und „Entweihung der Liturgie“. Auch wird kritisiert, die Teilnehmenden hätten nicht immer die angemessene Haltung gegenüber dem Gezeigten bzw. ihnen fehle die (Feier-)Atmosphäre der Teilnahme in der Kirche. So resümiert Hans Erich Thomé: „Wir blicken, ohne erblickt zu werden. Wir registrieren einen Vorgang, ohne involviert zu sein. Der Pfarrer steht im Talar auf der Kanzel, und die Rezipienten leben im Morgenmantel oder im Jogginganzug ihren Sonntagmorgen.“ (Thomé 1991, S. 216)
Durch die einzelnen Kameraeinstellungen und Bilder wird der Gottesdienst segmentiert, der Rezipient nimmt nicht die Perspektive eines Gemeindemitgliedes, sondern der Kamera ein. Aber auch der Gottesdienst bzw. die Gemeinde in der Kirche wird beeinflusst und durch die Kamera geprägt. (Gilles 2000, S. 94f.) So besteht die Gefahr, dass die Feier des Gottesdienstes, die ja eigentlich im Zentrum stehen soll, aus fernsehgestalterischer Perspektive in den Hintergrund tritt. (ebd., S. 103)
Auch die sog. ‚Arkandisziplin’ wird diskutiert. Dies meint allerdings nicht Geheimhaltung gegenüber den Heiden, sondern das Prinzip der frühen Kirche, die Katechumenen (Taufbewerber) langsam in den Glauben hineinwachsen zu lassen, und sie so z.B. von der Teilnahme (auch räumlich) der Eucharistiefeier auszuschließen. Dieses Prinzip ist allerdings heute nicht mehr aufrechtzuerhalten. (ebd., S. 97)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Liturgie der römisch-katholischen Kirche: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Liturgie, insbesondere den Pascha-Mysterium-Gedanken, die dialogische Struktur und die Bedeutung von Zeichenhandlungen.
2. Fernsehgottesdienste: Hier werden die Geschichte, die kirchlichen Leitlinien und die pastoralen wie missionarischen Funktionen sowie Konzepte von Gottesdienstübertragungen detailliert beschrieben.
3. Medientheorie: Dieser Abschnitt analysiert die technischen, pädagogischen und dramaturgischen Aspekte, die bei der medialen Vermittlung religiöser Inhalte eine entscheidende Rolle spielen.
4. Resümee: Das Kapitel zieht ein Fazit über die zukünftige Stellung von Gottesdienstübertragungen im Spannungsfeld zwischen statistischem Rückgang der Kirchenbindung und dem missionarischen Auftrag.
Schlüsselwörter
Liturgie, Fernsehgottesdienst, Medienpädagogik, Kirche, Verkündigung, Medientheorie, Kommunikation, Emotionen, Fernsehübertragung, Mission, Gottesdienst, Sakrament, Teilnehmer, Bild, Inszenierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die mediale Vermittlung katholischer Gottesdienste und deren pädagogische sowie theologische Einordnung im Kontext moderner Medien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Liturgiewissenschaft, der Medientheorie (darunter Wirkung und Funktion von Medien) sowie der medienpädagogischen Reflexion über den kirchlichen Sendungsauftrag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Kirche moderne Medien nutzen kann, ohne ihr liturgisches Wesen und die Würde der Gottesdienstfeier zu opfern oder einer bloßen Inszenierung zu unterwerfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die theologische Dokumente (Konzilstexte, Enzykliken) mit medienwissenschaftlichen Modellen (z.B. Agenda-Setting, Stimulus-Response-Modelle) verbindet.
Was wird im medientheoretischen Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden technische Möglichkeiten wie Kameraeinstellungen, die Funktion der Medien als Erkenntnismittel, die Rolle von Emotionen bei der Medienrezeption und medienpädagogische Anforderungen diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie liturgische Bildung, mediale Inszenierung, missionarische Herausforderung und das Spannungsfeld zwischen Fernsehkonsum und spiritueller Teilnahme beschreiben.
Wie unterscheidet sich die "tatsächliche" von der "intentionalen" Teilnahme?
Die tatsächliche Teilnahme erfolgt physisch in der Gemeinde vor Ort, während die intentionale Teilnahme eine bewusste, aber räumlich distanzierte Form der Mitfeier durch den Rezipienten vor dem Bildschirm bezeichnet.
Warum spielt die Kameraeinstellung für die Liturgie eine wichtige Rolle?
Die Kameraeinstellungen segmentieren das Geschehen und lenken den Blick des Betrachters, was das Verständnis des Gottesdienstes maßgeblich beeinflussen kann, aber auch das Risiko birgt, das Ereignis zur bloßen medialen Unterhaltung zu verkürzen.
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- Miriam Federer (Author), 2006, Religion in den Medien , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124820