Die Rolle der Sprache bei der Differenzierung von Gesellschaften


Essay, 2009

7 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

2. Sprache als Instrument der kulturellen Vereinheitlichung

3. Sie und wir

4. Sprache als „Motor“ bei der Bildung von Nationen

5. Sprache als Ware auf dem Sprachmarkt

6.Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Bourdieu, Pierre (1990): Was heißt Sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tauschs. Braumüller Verlag, Wien. Frz. Orig. 1982.

Gellner, Ernest (1991): Nationalismus und Moder ne. Rotbuch Verlag, Berlin. Engl. Orig. 1983.

Koselleck, Reinhart, (Hg.) (1989): Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Suhrkamp, Frankfurt/M.

Tenbruck, Friedrich H. (1989): Die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft. Der Fall der Moder ne. Westdeutscher Verlag, Opladen.

1. Einleitung

In diesem Essay soll es um die Rolle, die Sprache, gesprochen und geschrieben, bei der Differenzierung von Gesellschaften spielen kann. Das Essay wird sowohl auf Differenzierungen innerhalb einer Gesellschaft als auch auf Differenzierungen zwischen zwei oder mehr Gesellschaften kurz eingehen.

2.Sprache als Instrument der kulturellen Vereinheitlichung

Friedrich Tenbuck spricht in seiner Analyse der verschiedenen historischen Stadien der Gesellschaft ab der Stufe der Ausbildung der Hochkulturen davon, dass das die im Entstehen begriffenen überlokalen Herrschaftsschichten für die Sicherung ihrer Existenz eine einheitliche und überlokale Identität sowie Loyalität bedürfen. Dafür muss ein neuer kultureller Identifikationsraum entstehen, der über den bisherigen räumlich sehr eingegrenzten hinaus geht.[1]

Damit so ein überlokaler Indentifikationsraum nun entstehen kann, muss auch überlokal kommuniziert werden. Selbst bei der einfachsten Art der Verwaltung gehört hierzu schon die Entwicklung einer Schrift dazu.

Neben dieser Verwaltungsfunktion dient die Schrift aber auch der Mitteilung und hier ergeben sich neue Anforderungen. Sprache wird hier zu einer expliziten Aussage gedrängt und muss eine abstrakte und objektive Form annehmen.

Insoweit drängt die Sprache hier auf eine kulturelle Vereinheitlichung, die man als charakteristische Schöpfung einer Hochkultur ansehen kann.

In der modernen Gesellschaft sind die Menschen dann kurz gesagt aus ihrer lokalen Gebundenheit völlig losgelöst. Die Gesellschaften beginnen allmählich mit der Industrialisierung, Proletariat und Bourgeoisie entstehen. In den formal organisierten Bereichen wird das Handeln mittels expliziter und lehrbarer Anweisungen reguliert und koordiniert, so dass immer weniger auf gemeinsame Bedeutungswelten und direkte Kommunikation zurückgegriffen werden muss.

Die Wert- und Sinnwelten hingegen werden pluralisiert. Die Herstellung einer sozialen Zielübereinstimmung rückt in den Mittelpunkt. Sie findet in einer u.a. durch Massenmedien getragenen ständigen Diskussion statt.

3. Sie und wir

Reinhard Kosseleck beschäftigt sich in dem vorliegenden Text vor allem mit Selbst- und Fremdbezeichnungen. Diese können übereinstimmen oder auch nicht. Im Fall der Übereinstimmung ist die gegenseitige Anerkennung impliziert, im anderen Fall fall geschieht es häufig, dass die Gegenseite sich wohl angesprochen aber nicht wertgeschätzt fühlt. Die Wirksamkeit dieser Zuordnungen steigert sich, sobald ganze Gruppen angesprochen werden.[2]

Ein „Wir“ als politische oder soziale Handlungseinheit entsteht durch Begriffe mit denen Menschen eingegrenzt werden und andere ausgegrenzt. In den benutzten Begriffen muss die Gruppe wiederkennen und selbstbestimmen können.

Natürlich kann man sich eine Allgemeinbezeichnung geben, wie etwa „Volk“ und „Kirche“, hier müssen sich die anderen nicht ausgegrenzt fühlen, sondern können sich selbst einschließen. Durch die Benutzung eines Artikels „das Volk“, „die Kirche“ wird die Gruppe nun näher bestimmt und eine einfache Selbstzuordnung ist nicht mehr ohne weiteres möglich.

4.Sprache als „Motor“ bei der Bildung von Nationen

Ernest Gellner zufolge, stellt der Nationalismus dir Durchsetzung einer Hochkultur in einer Gesellschaft dar, in der zuvor niedrige Kulturen das Leben der Mehrheit bestimmt haben. Über ein Schulwesen wird eine generalisierte Sprache vermittelt, diese Sprache wird dann zu der gesprochenen in der jeweiligen Nation.[3]

Nun kommen durch die Industrialisierung immer mehr Menschen vom Land in die sich entwickelnden Städte. Nicht selten kommt es vor, dass die Menschen „vom Land“ einen anderen Dialekt oder gar eine andere Sprache mitbringen und somit erst einmal vom allgemeinen gesellschaftlichen Leben in der Stadt ausgeschlossen sind. Der eine Weg, mit dieser Situation umzugehen ist nun, dass die Einwanderer die allgemeine Sprache erlernen und sich völlig der städtischen Kultur anpassen.

Ein anderer Weg, der hier nur skizziert werden kann, ist dass die Sprecher der anderen Sprache eigene Wege gehen. Sie verfassen literarische Werke in dieser Sprache, kommunizieren untereinander in ihr, unterrichten sie ihren Kindern, kurzum sie erhalten ihr kulturelles Leben aufrecht. Allmählich wird der Wunsch nach Eigenständigkeit und eine eigene nationalistische Bewegung entstehen, die dann auf der Basis von Sprache und Kultur eine neue Nation errichtet.

5. Sprache als Ware auf dem Sprachmarkt

Laut Bordieu liegt der eigentliche Sinn der sozialen Verwendung von Sprache darin, ein System von sozialen Unterschieden herauszubilden. Die so genannte Hochsprache bildet den sprachlichen Standard einer Gesellschaft. Sie ist damit auch den gleichen Interessen wie der Staat verpflichtet. Mit ihr wird ein politisches Vokabular, ein neues Verweis- und Bezugssystem, Metaphern und Euphemismen und somit auch die Vorstellung einer sozialen Welt vermittelt.[4]

Um einen hohen sozialen Status zu erlangen braucht der Mensch also auch eine hohe Sprachkompetenz. Menschen ohne zureichende Sprachkompetenz werden von der Gesellschaft ausgeschlossen. Diese Sprachkompetenz wird vom Bildungssystem vermittelt. Da der Zugang zum Bildungssystem eng an den jeweiligen ökonomischen Status geknüpft ist, ist auch der Zugang zur Sprachkompetenz an den ökonomischen Status geknüpft.

Die Sprachkompetenz fungiert als Kapital auf dem Sprachmarkt, der ökonomischen Kriterien unterliegt. Auf diesem Sprachmarkt werden in gewisser Weise gesellschaftliche Positionen „verkauft“. Wer wenig Sprachkompetenz hat, wird sich also auch nur in eine der unteren gesellschaftlichen Positionen „einkaufen“ können.

6. Schlussfolgerungen

Friedrich Tenuck zeigte uns zunächst, wie Sprache dazu dienen kann die kulturelle Einheit einer Gesellschaft zu errichten. Allerdings ist mit dem aufkommen einer Hochkultur schon implizit verbunden, dass es eine niedrigere Stufe gibt, die Volkskultur. Hier geschieht bereits eine Differenzierung innerhalb einer Gesellschaft. Nur die Hochkultur kann überregional kommunizieren und verfügt über das sprachliche „Know How“, die Angehörigen der Volkskultur kommunizieren weiterhin in ihrem lokalen Dialekt.

Kosseleck zeigt uns wie wir uns mit sprachlichen Begriffen von anderen absetzen bzw. andere ausgrenzen können. Dies geschieht sowohl innerhalb von Gesellschaften (z.B. Inländer gegen Ausländer) als auch zwischen Gesellschaften bzw, Gruppen. (z.B. der Orient) Hier wird die Differenzierung zum konkret gemeinten Sinn der SprecherInnen.

Betrachtet man die Frage nach der sprachlichen Differenzierung mit Ernst Gellner, so sieht man noch einmal sehr deutlich, wie Sprache als Mittel der Differenzierung innerhalb von Gesellschaften gebraucht werden kann. Hier lehnen sich nun ganze Gruppen, die eine andere Sprache als die der Gesellschaft sprechen, gegen die Gesellschaft auf und versuchen kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit zu erlangen.

Die Frage der sprachlichen Differenzierungen einer Gesellschaft veranschaulicht auch nochmals Bordieu. Für ihn werden soziale Positionen nicht zuletzt nach den jeweiligen Sprachkompetenzen verteilt.

Man kann also sehen, dass Sprache nicht einfach ein Mittel zur Kommunikation innerhalb von Gesellschaften ist, sondern zu ihrer Differenzierung beiträgt.

[...]


[1] vgl. Tenbuck 1989

[2] vgl. Kosseleck 1989

[3] vgl. Gellner 1991

[4] vgl. Bordieu 1990

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Sprache bei der Differenzierung von Gesellschaften
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Kultur und Kommunikation - Einführung
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
7
Katalognummer
V124821
ISBN (eBook)
9783640299058
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Sprache, Differenzierung, Gesellschaften, Kultur, Kommunikation, Einführung
Arbeit zitieren
Katja Diedler (Autor:in), 2009, Die Rolle der Sprache bei der Differenzierung von Gesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124821

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