Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage der Waldorfpädagogik Teilaspekte


Zwischenprüfungsarbeit, 2000
27 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Beschreibung und Abgrenzung vorliegender Arbeit

4 Der Mensch und seine Entwicklung in der Anthroposophie
4.1 Aufbau der menschlichen Person
4.2 Die Entwicklung des Menschen
4.3 Die Entwicklung des Menschen in Bezug auf die Erziehung in der Waldorfpädagogik
4.4 Die menschlichen Temperamente – Aspekte aus Steiners Temperamenten- und Charakterlehre

5 Die Rolle des Lehrers in der Waldorfschule

6 Aspekte des Lehrplanes in der Waldorfschule
6.1 Deutsch in der Waldorfschule
6.2 Kunst in der Waldorfschule

7 Abschließend

8 Literaturverzeichnis
8.1 Schriften Rudolf Steiners
8.2 Sekundärliteratur

2 Einleitung

Das Interesse an der von Rudolf Steiner Anfang des 19. Jahrhunderts veröffentlichten Geisteswissenschaft namens Anthroposophie und den 1919 gegründeten Waldorfschulen ist groß. Waldorfschulen, Waldorfkindergärten, anthroposophische Weiterbildungen etc. gründen und vergrößern sich stetig. Die Plätze in Waldorfschulen und –kindergärten werden bereits Jahre im voraus belegt und die Klassen sind in der Regel bis zum äußersten Maximum gefüllt (bis zu 40 SchülerInnen pro Klasse unter Umständen).

Es stellt sich die Frage, warum Schulen, die sich jeder wissenschaftlichen Untersuchung widersetzen und über dessen Konzeption daher keine wissenschaftlichen Untersuchungen und Forschungen existieren, einen derartigen Zulauf verzeichnen können.

Einer der Gründe wird sicherlich in der Darstellung der Waldorfschulen von anthroposophischer Seite begründet sein. Anthroposophie selber als Weltanschauung und Lebenseinstellung weist viele Ähnlichkeiten zu anderen esoterischen Lehren auf, welche primär im Kontrast zu der ständig zunehmenden Technisierung, Rationalität und vor allem einer als „festgefahren“ und staatlich kontrollierten sowie bestimmten Erziehung stehen.

Übersinnliche Welten, kosmische Vorbestimmung, neue Erkenntnisformen, Reinkarnations- und Karmalehre, das allgemeine Menschenbild der Anthroposophie sollen neue Zugänge zur Wirklichkeit und dem Sinn des Lebens eröffnen.

Praktisch umgesetzt soll dies in den anthroposophischen Einrichtungen sein, ohne die Anthroposophie selber zum Thema zu machen. Es soll eine Alternative zu den öffentlichen und stattlichen Einrichtungen geschaffen werden.

Dass Waldorfschulen sich selber nicht als Weltanschauungsschulen sehen, sondern die Anthroposophie lediglich als „..das pädagogische Werkzeug, mit dem in der Waldorfschule gearbeitet wird“[1] ist mehr als umstritten. Die klare Verneinung von seiten Rudolf Steiners und der anthroposophischen Bewegung zur Frage der Waldorfschule als Weltanschauungsschule, bezeichnet Johannes Kiersch als „weitverbreitete Torheit, einen Unterricht für möglich zu halten, der nicht weltanschauungsbildend wirkt.“[2]

Zwar wird wie erwähnt die Anthroposophie selber nicht thematisiert, doch die anthroposophische Weltanschauung dient als Grundlage auch für den Lehrplan der Waldorfschulen und gestaltet somit den gesamten Unterricht.

Literatur über Anthroposophie und deren Leitthemen besteht größtenteils aus Arbeiten, welche sich vorwiegend paraphrasierend an den Texten Steiners orientieren. Es bietet die Sekundärliteratur in diesen Fällen also kaum einen Fortschritt, sondern lediglich den Zugang zu den Texten Steiners.

Diese Arbeiten wiederum teilen sich auf zum einen in eine verehrende Anhängerschaft Rudolf Steiners. Es entstehen oft fanatische und daher sehr unkritische Darstellungen.

Zum anderen ebenso fanatische Gegner der Anthroposophie und „Steiner-Hasser“.

Das Resultat ist zwar sicherlich eine große Fülle von Literatur, welche aber eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Anthroposophie oder der Waldorfpädagogik nicht entstehen läßt. Die Auseinandersetzung basiert in vielen Fällen auf praktischen Erfahrungen und es entsteht eine eher unwissenschaftliche Singularität.

3 Beschreibung und Abgrenzung vorliegender Arbeit

Da der Umfang dieser Arbeit eine vollständige, gründliche und kritische Betrachtung der Anthroposohie als Grundlage der Waldorfpädagogik nicht zuläßt, beschränkt sich die Ausarbeitung auf einige Teilaspekte der Anthroposophie, welche sich auf eine Erziehung, somit die der Waldorfpädagogik, beziehen und den seit Gründung der ersten Waldorfschule bestehenden (und lange der „Öffentlichkeit“ schwer zugänglichen) Lehrplan Rudolf Steiners.

Einige Aspekte aus den Grundzügen des anthroposophischen Menschenbildes sollen behandelt werden, welche die Architektur der menschlichen Person beinhalten, die Entwicklung der menschlichen Person sowie Auszüge aus Rudolf Steiners Temperamenten- und Charakterlehre, durch welche das von Steiner kosmologische und deterministische Verständnis vom Menschen verdeutlicht wird.

Es handelt sich um einen Bereich, welcher schwer in vorliegendem Umfang darzustellen ist, da es sich um eine Lehre handelt welche ein eigenes Weltbild, eine eigene Vorstellung vom Menschsein darstellt. Ohne dieses wenigstens ansatzweise verstanden bzw. gelesen zu haben, wird ein Verstehen des Lehrplanes nicht möglich sein.

Daher wird versucht, durch einige Aspekte einen Einblick in die Anthroposophie zu vermitteln.

Beispielhaft sollen zu oben genannten Themen einige Absätze aus dem Lehrplan zitiert und bearbeitet werden, um eine direkte Übertragung auf die Waldorfschulen darzustellen.

4. Der Mensch und seine Entwicklung in der Anthroposophie

4.1 Aufbau der menschlichen Person

Der Mensch wird von Steiner als eine Dreiheit verschiedener Leiber dargestellt, welche in einem zeitlichen Abstand von jeweils sieben Jahren geboren werden.

Als erstes wird der „physische Leib“[3] geboren. Diese Geburt ist diejenige, welche gemeinhin auch als Geburt bezeichnet wird.

Da der Mensch mit diesem Leib den Gesetzen des pysischen Lebens unterworfen ist, setzt Steiner den physischen Leib (er meint das, welches greifbar und sichtbar ist), der mineralischen Welt gleich[4].

Als nächstes folgt der „Lebensleib oder Ätherleib“[5]. In anderen Schriften auch „Bildekräfteleib“[6] genannt. Dieser setzt sich zusammen aus Kräften, welche Steiner als „Lebenskraft“[7] bezeichnet. Dieser Leib wird gleichgesetzt mit dem der Pflanzen und Tiere. „Er bewirkt, dass die Stoffe und Kräfte des physischen Leibes sich zu den Erscheinungen des Wachstums, der Fortpflanzung, der inneren Bewegung der Säfte usw. gestalten. Er ist also Erbauer und Bildner des physischen Leibes, dessen Bewohner und Architekt.“[8]

Der dritte Leib nennt sich „Empfindungs- oder Astralleib“[9].

Dies ist der „Träger von all dem, was wir Leidenschaften (...) nennen, alles was der Mensch an Lust und Leid, Freude und Schmerz, Begierde und Trieb in sich trägt“[10].

Oder auch „dasjenige, was das Leben immer wieder aus dem Zustand der Bewußtlosigkeit erweckt“[11] Diesen Leib hat der Mensch mit den Tieren gemeinsam.[12]

Dieser Astralleib, auch „Seelenleib“[13] genannt, ermöglicht ein Bewußtsein. „Ein Ätherleib, der bloß sich selbst überlassen wäre, müsste sich fortdauernd in dem Zustande des Schlafens befinden. Man kann auch sagen: er könnte in den physischen Leibe nur ein Pflanzendasein unterhalten.“[14]

Das vierte Element welches nun hinzukommt, ist das maßgebliche Element des Menschen und was diesen ausmacht, das „Ich“[15], durch welches der Mensch sich abhebt und vom pflanzlichen und tierischen Reich unterscheidet.

Zusammenfassend sagt Steiner „Wie der physische Leib zerfällt, wenn ihn nicht der Ätherleib zusammenhält, wie der Ätherleib in die Bewußtlosigkeit versinkt, wenn ihn nicht der Astralleib durchleuchtet, so müßte der Astralleib das Vergangene immer wieder in die Vergessenheit sinken lassen, wenn dieses nicht vom „Ich“ in die Gegenwart herübergerettet würde. Was für den physischen Leib der Tod, für den Ätherleib der Schlaf, das ist für den Astralleib das Vergessen. Man kann auch sagen: dem Ätherleib sei das Leben eigen, dem Astralleib das Bewußtsein und dem Ich die Erinnerung.“[16].

Das wären aber bei weitem nicht alle Glieder, in welche Steiner die menschliche Person teilt.

Eine Dreiergruppe verschiedener Seelen steht in unmittelbarem Zusammenhang zu der vorangegangenen Leibergruppe und dem Ich. Diese Teilung erwähnt Steiner in den Vorträgen zur Eröffnung der Waldorfschule in Stuttgart und ist auch nachzulesen in der Geheimwissenschaft, wird allerdings in seinen früheren pädagogischen Schriften nicht erwähnt.

Der Astralleib, welcher auch aus diesem Grunde „Seelenleib“ genannt wird, wäre ohne eine Seele nicht in der Lage, Gegenstände über ihr gegenwärtiges Erscheinen hinaus aufzunehmen. Dieses ermöglicht die Seele: „Dasjenige aber, was dem Wissen Dauer gibt, bezeichnet man als Seele.“[17]

Obwohl unterschiedlich dargestellt, vereint Steiner den Astralleib mit dieser Seele, da er meint: „Beide sind gewissermaßen zu einem Gliede der menschlichen Wesenheit vereinigt. Deshalb kann man auch diese Vereinigung als Astralleib bezeichnen.“[18]

Die mit dem Astralleib verbundene Seele nennt Steiner „Empfindungsseele“[19].

Ein weiterer Teil der Seele wird als „Verstandes-oder Gemütsseele“[20] bezeichnet.

Dieser Teil verarbeitet das Wahrgenommene und macht es zu seinem Besitz:

„Das Ich steigt zu einer höheren Stufe seiner Wesenheit, wenn es seine Tätigkeit auf das richtet, was es aus dem Wissen der Gegenstände zu seinem Besitztum gemacht hat. Dies ist die Tätigkeit, durch welche sich das Ich von dem Gegenständen der Wahrnehmung immer mehr loslöst, um in seinem eigenen Besitze zu arbeiten.“[21]

So steht das Ich in einem engen Zusammenhang mit der Verstandes- oder Gemütsseele.

Das Wissen von sich selber erlangt der Mensch erst durch die „Bewußtseinsseele“[22].

„..während sich die Seele in Empfindung und Verstand an anderes verliert, ergreift sie als Bewußtseinsseele ihre eigene Wesenheit.“[23]

Ein wesentlicher Punkt der Bewußtseinsseele besteht in einer Erkenntnis, wie es sich zum Göttlichen verhält und das in direktem Bezug zu der eigenen Wesenheit. Dass ein „Göttliches“ in der eigenen Wesenheit gefunden wird und ein Verständnis für sich selber entstehen kann. „Der Mensch kann in sich ein Göttliches finden, weil sein ureigenstes Wesen dem Göttlichen entnommen ist.“[24]

An dieser Stelle fällt der Begriff Geist. Die Bewußtseinsseele ist mit dem Geiste verbunden, der das Verborgene in allem Offenbaren ist. Die Geistigkeit dringt „wie ein Tropfen (..) in die Bewußtseinsseele (..).Wenn der Mensch nun den Geist in aller Offenbarung ergreifen will, so muß der dies auf dieselbe Art tun, wie er das Ich in der Bewußtseinsseele ergreift.“[25]

Auch der Geistbegriff beinhaltet wieder drei Teile: Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch[26]. Ein jeder Geist läßt sich auf einen der drei Leiber zuordnen, da sich die ganze Person vergeistigt.

Zusammenfassend ein weiteres Zitat Steiners:

„So stellt sich der Mensch für die Geheimwissenschaft als eine aus verschiedenen Leibern zusammengesetzte Wesenheit dar. Leiblicher Art sind: der physische Leib, der Ätherleib und der Astralleib. Seelisch sind: Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele. In der Seele breitet das Ich sein Licht aus. Und geistig sind: Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch.“[27]

Zusammengefasst sind Empfindungsseele und Astralleib; Bewußtseinsseele und Geistselbst „denn in der Bewußtseinseele leuchtet der Geist auf und von ihr aus durchstrahlt er die anderen Glieder der Menschennatur“[28].

Verstandesseele wird mit dem Ich zusammengeschlossen „weil sie (die Verstandesseele Anm.d.V.) an der Ich-Natur Teil hat, weil sie in einer gewissen Beziehung schon das „Ich“ ist, dass sich seiner Geistwesenheit nur noch nicht bewußt ist“[29]

Es entstehen laut Steiner folgende sieben Teile: Der Physische Leib, der Ätherleib, der Astralleib, das Ich, Geistselbst, Lebensgeist Geistmensch.

Steiners beschreibt Verwandlungen der jeweiligen Leiber, des Astralleibes zum Geistselbst unter anderem, durch „Veredelung“ der geistigen Tätigkeit.

„Die intellektuelle Entwicklung des Menschen, seine Läuterung und Veredelung von Gefühlen und Willensäußerungen sind das Maß seiner Verwandlung vom Astralleib zum Geistselbst.“[30]

Die Gruppe Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch siedelt Steiner einer höheren Stufe des Menschendaseins an während sich die Empfindungsseele, die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele auf einer niedrigeren Stufe befinden.

Die „Veredelung“ ist das Ziel, welches zu erreichen ist und nach welchem im irdischen Dasein gestrebt wird.

Insgesamt ist wichtig an diesem Punkt zu bemerken, dass sich Steiners Erkenntnisse nicht auf gemachte Erfahrungen beziehen, wie es in einer empirischen Psychologie oder Anthropologie der Fall wäre, sondern allein auf Steiners hellseherische Befähigung, von der er bereits in jungen Jahren „heimgesucht“ wurde.

Wie Steiner letztlich zu seinen Ergebnissen kam, ist in seinen Vorträgen nicht erwähnt. Seine Ergebniss werden als Tatsachen dargestellt und die Zweifler und „Nichtgläubigen“als „Nicht-Verstehende“ behandelt.

„Er befaßt sich mit außergewöhnlichen Vorstellungen, für die er meistens fast ganz alleine einsteht, und zwar durch seine eigene übersinnliche Schau. (...) Er entwickelt ein gesetzhaftes System der Weltaufnahme durch die Ichperson, eingekreist durch selbstbestätigende und beruhigende Selbstgewißheit. In dieses System wird jedoch nur hereingelassen, was Steiners Geheimwissenschaft (Anthroposophie) entspricht.“[31]

Dazu kommen Widersprüche in der mehr als verwirrenden Ausführung der Systematik bzw. den Darstellungen und Zuordnungen Rudolf Steiners.

Die am Anfang stehende Dreiergruppe Physischer Leib, Ätherleib und Astralleib wird in vielen Schriften (unter anderem die Oxforder Vorträge Steiners zur Erziehung) als eine Dreigliederung von Leib, Seele und Geist bezeichnet. Dieses wird in folgendem Teil noch genauer dargestellt, weil basierend darauf die Erziehungsphasen ansetzen.

Es heißt: „So schreitet der Mensch vom Leiblichen durch das Seelische in das Geistige.“[32]

Dieser Systematik entspricht nicht der bereits zitierten Aufzählung, in welcher die erste Dreiergruppe komplett als „leiblich“ bezeichnet wird.

Es ist nicht nur in diesem Fall zu bemerken, dass dieselben Begriffe in unterschiedlichen Ordnungen und Zuordnungen gebraucht werden und somit zweierlei bedeuten. Weiter entstehen ernsthafte Probleme bei dem Versuch einer klaren Zuordnung zur Vervollkommnung des physischen Leibes.

Dass viele Worte einer eigenen Sprachschöpfung Rudolf Steiners entstammen oder Begriffen des Okkultismus (Astralleib und Ätherleib) sei an dieser Stelle nur kurz angemerkt.

Um die im vorangegangenem Text kurz dargestellte Wesensgliederung auf die Erziehungsphasen beim Kinde anzuwenden, muß die Darstellung so angenommen werden, wie beschrieben.

4.2 Die Entwicklung des Menschen

Die bereits dargestellten Leiber werden laut Steiner getrennt voneinander geboren.

Wie bereits erwähnt, stellt die Geburt des physischen Leibes die Geburt dar, welche allgemein als Geburt bezeichnet wird.

Die Geburt des Ätherleibes findet mit dem Zahnwechsel statt und wird in der Altersangabe als das siebte Jahr bezeichnet. Wieder sieben Jahre später erfolgt die Geburt des Astralleibes, zur Zeit der Geschlechtsreife. Zwischen dem 21.und dem 28. Jahr entwickelt sich das Ich und wirkt auf die verschiedenen Leiber.[33]

„So komme ich dazu, sagen zu können, dass so, wie bei der Geburt der räumliche Organismus geboren wird, mit 7 Jahren der zeitliche, mit 14 Jahren der seelische Organismus zur Geburt kommen und mit 21 Jahren das Ich. Daher sprechen wir in der Waldorf-Pädagogik von mehreren „Geburten“, die im Rhythmus von jeweils 7 Jahren erfolgen.“[34]

4.3 Die Entwicklung des Menschen in Bezug auf die Erziehung in der

Waldorfpädagogik

Jedes dieser Jahrsiebte wird von Rudolf Steiner ausgiebig beschrieben, was sich im Kinde entwickelt und worauf der Erzieher zu achten hat. Das bezieht sich nicht nur auf Fähigkeiten, die sich entsprechend der jeweiligen Leiber entwickeln, sondern auch die einzelnen Organe und Körperfunktionen unterliegen nach Steiner seinem Geburtenrythmus.

Im den ersten Jahren ist daher unbedingt auf die richtige physische Umgebung zu achten, da: „Nur diese richtige physische Umgebung wirkt auf das Kind so, dass seine physischen Organe sich in die richtigen Formen prägen.“[35]

Dinge und Handlungen, welche einen der noch nicht geborenen Leiber ansprechen, müssen unterlassen werden, da dies sonst zu Schädigungen des Kindes führen würde. Das bezieht sich auch auf Ansprüche, die an ein Kinde gestellt werden. Da in dieser Arbeit mehr das Schulalter des Kindes von Interesse ist, wird an diesen Stellen ausführlicher die Situation dargestellt.

Das wäre im zweiten Jahrsiebt der Fall, da hier die Einschulung erfolgt.

Die Geburt des Ätherleibes findet statt und Waldorflehrer sollten über diese Vorgänge Bescheid wissen. „Derjenige, welcher Erziehungs- und Unterrichtskünstler sein will, muss durchaus auf diese Metamorphose sachkundig eingehen können.“[36]

Das beinhaltet auch, über die sogenannten „Richtlinien“ Bescheid zu wissen, an welche sich der Erzieher zu halten hat. Diese beziehen sich jeweils auf ein Jahrsiebt und sollen den Fähigkeiten entgegenkommen, welche durch die Geburt des jeweiligen Leibes entfaltet werden können. Danach richtet der Lehrer sein gesamtes pädagogisches Konzept aus, wie auch später im Lehrplan ersichtlich wird.

Waren für die ersten sieben Jahre „Nachahmung und Vorbild“ die Richtlinien an welche sich der Erzieher zu halten hatte, bestimmen ab dem siebten Jahre „Nachfolge und Autorität“[37] das Handeln des Erziehers; bzw. dass des Lehrers an der Waldorfschule.

Logik und Intellektuelles ist zu vermeiden. Künstlerische Elemente sollen das Wesen des Kindes lebendig machen, da die Seele erst aufgetaucht ist und dementsprechend zart behandelt werden sollte.

„Zwischen dem 7. Jahre ungefähr und dem 14.-15. Jahre ist das Kind aus dem Sinnesorgan ganz Seele geworden, noch nicht Geist, noch nicht so, dass es den Hauptwert auf logischen Zusammenhang, auf das Intellektualistische legt; da würde es innerlich in der Seele verknöchern.“[38]

Weiter sollte explizit auf einen Rhythmus beim Kind geachtet werden, da die Kräfte der ersten Jahre, welche sich im Stoffwechsel geäußert haben nun solche sind, die sich auf das Herz und die Atmung beziehen.

„Da werden gewisse Kräfte mehr geistig-seelisch, und sie greifen jetzt nur ein in die Bewegungen, die sich im Herz-, im Atmungsrythmus äußern. (...) Es ist notwendig, zu berücksichtigen, dass man alles, was man an das Kind nach dem Zahnwechsel heranbringt, in einer solchen taktmäßigen, rythmischen Weise gestaltet, damit es sich in dasjenige eingliedert, was das Kind eigentlich haben will. Man muß gewissermaßen als Lehrer und Erziehungskünstler in einem taktmäßigen, rythmischen Element leben können, damit das an das Kind heranschlägt und das Kind sich in seinem Element fühlt.“[39]

[...]


[1] Kiersch, Johannes:Die Waldorfpädagogik, S.:26

[2] Ebd.: S.:26

[3] Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft, S.: 10

[4] Vgl.:Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft

[5] Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft, S.: 10

[6] Steiner, Rudolf: Die gesunde Entwicklung des Leiblich-Physischen als Grundlage der freien Entfaltung des Seelisch-Geistigen, S.: 157

[7] Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes...,S.:10

[8] Ebd.: S.:13

[9] Ebd.: S.:13

[10] Steiner, Rudolf: Elemente der Erziehungskunst, menschenkundliche Grundlagen der Waldorfpädagogik, S.:18

[11] Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß, S.:58

[12] Vgl. Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes..,S.:15

[13] Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß, S.:65

[14] Ebd.: S.:59

[15] Steiner, Rudolf: Elemente der Erziehungskunst.., S.:19

[16] Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß, S.:61-62

[17] Ebd.: S.:67

[18] Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß, S.:65

[19] Ebd.: S.:65

[20] Ebd.: S.:65

[21] Ebd.: S.:65

[22] Ebd.: S.:67

[23] Ebd.: S.:69

[24] Ebd.: S.:67

[25] Ebd.: S.:70

[26] Vgl.: S.:77

[27] Ebd.: S.:77

[28] Ebd.: S.:77

[29] Steiner, Rudolf: Die Geheimwissenschaft im Umriß, S.:77

[30] Ebd.: S.:75

[31] Rutt, Theodor: Anthroposophische Pädagogik .., S.:16-17

[32] Steiner, Rudolf: Die geistig-seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst, S.:47

[33] Vgl.Steiner, Rudolf: Elemente der Erziehungskunst..S.:20ff

[34] Wyneken, H.-G. in: Montessori-, Freinet-, Waldorfpädagogik, S.:179

[35] Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes..; S.:21

[36] Steiner, Rudolf: Die gesunde Entwicklung des Leiblich-Physischen.., S.:157

[37] Vgl. Steiner, Rudolf: Die Erziehung des Kindes.., S.:27

[38] Steiner, Rudolf: Die Geistig-Seelischen Grundkräfte der Erziehungskunst, S.:20-21

[39] Steiner, Rudolf: Die gesunde Entwicklung des Leiblich-Physischen.., S.:158

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage der Waldorfpädagogik Teilaspekte
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (FB Pädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
27
Katalognummer
V12483
ISBN (eBook)
9783638183550
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand. 187 KB
Schlagworte
Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, Anthroposophie
Arbeit zitieren
Anke Grams (Autor), 2000, Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage der Waldorfpädagogik Teilaspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12483

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