Religion in der Bildungspolitik. Welche Relevanz hat der konfessionelle Religionsunterricht noch im Jahr 2022?


Hausarbeit, 2022

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Betrachtung der historischen Entwicklung

3. Die gesetzliche Grundlage des Religionsunterrichts heute

4. Verschiedene Formen des Religionsunterrichts heute

5. Diskussion

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Meldungen in den Nachrichten über Kirchenaustritte, Bischöfe, die sich einen Palast bauen lassen wollen oder über die Missbrauchsfälle und deren Aufarbeitung kursieren seit einigen Jahren immer wieder. Dazu kommen immer wieder kritische Anfragen an die Plausibilität der Religion auf Basis naturwissenschaftlicher Annahmen. Durch die Lockdowns der Corona-Pandemie ist sehr viel Religionsunterricht ausgefallen und hatte nie oberste Priorität in der Zeit des „Homeschoolings“ – im Gegensatz zu den Hauptfächern Mathematik, Englisch oder Deutsch. Diese Nachrichten und „neue Gegebenheiten“ haben nicht unerhebliche Auswirkungen auf den Religionsunterricht und dessen Stellung in der Gesellschaft und der Bildungspolitik. In der Folge haben Religionslehrer*innen an den Schulen immer mehr die „Anwaltschaft“ für das Fach übernommen. Sie sind zum einen für die angemessene Umsetzung des Religionsunterrichts in ihrer Schule verantwortlich, zum anderen treten sie für die Stellung und Akzeptanz des Religionsunterrichts gegenüber Schulleitungen und Eltern ein.

Angesichts dieser neuen Gegebenheiten stellt sich die Frage, welche Relevanz der konfessionelle Religionsunterricht im Jahr 2022 überhaupt noch hat.

Diese Frage soll in dieser Arbeit einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

2. Betrachtung der historischen Entwicklung

Die Stellung von Religion – und insbesondere des Religionsunterrichts - hat sich in den vergangenen Jahrhunderten stark gewandelt. Um diesen Wandel besser nachvollziehen zu können, lohnt sich eine kurze Betrachtung der historischen Entwicklung.

Geht man zurück in die Zeit des Mittelalters findet man ein Christentum, das in allen Lebensbereichen präsent war und ein unbestrittenes Weltdeutungsmonopol innehatte. Die Menschen damals erlebten Religion innerhalb der Familie und in allen Teilen des Alltags, das Schulwesen war kirchlich geprägt. Aus diesen Gründen konnte auf eine separate religiöse Unterweisung für Kinder und Jugendliche verzichtet werden. Breite Bevölkerungsschichten waren damals allerdings noch nicht für die schulische Bildung vorgesehen, die Schule war offen für zukünftige Kleriker und Gewerbetreibende.1

Mit der Reformationszeit setzt ein schrittweiser Bedeutungs- und Einflussverlust der Kirchen im Bildungsbereich ein. Erste Formen des schulischen Religionsunterrichts entstehen, das neu entstandene Schulwesen war zunächst stark konfessionell geprägt und in evangelische oder katholische „Bekenntnisschulen“ unterteilt.2

Mit dem Zeitalter der Aufklärung häuften sich auch immer mehr die Rufe nach einer Schule „für alle“, die in der Einführung der allgemeinen Schulpflicht Ende des 18. Jahrhunderts resultierten. Die Verantwortung über das Schulwesen trägt seit 1799 nicht mehr die Kirche, sondern der Staat mit der staatlichen Schulaufsicht. Aus pragmatischen Gründen übernahmen allerdings weiterhin Ortspfarrer die geistliche Schulaufsicht auf lokaler Ebene.3

Die geistliche Schulaufsichtspflicht wurde dann endgültig in der Weimarer Republik aufgehoben. Außerdem wurden christliche Gemeinschaftsschulen mit Religion als Pflichtfach zu Regelschulen.

Ihre wohl dunkelsten Stunden und den größten Einflussverlust in der Schule erlebten die Kirchen zur Zeit des Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten um Adolf Hitler bemühten sich mit aller Macht darum, ihre Weltanschauung auf allen Ebenen der gesamten Bevölkerung aufzuzwingen und den damals relativ großen Einfluss der Kirchen zurückzudrängen. Infolgedessen wurden Klosterschulen geschlossen, kirchliche Lehrer entlassen, das Schulgebet verboten und Kreuze aus dem Klassenzimmer entfernt.4

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst das konfessionelle Schulwesen wieder eingeführt. Dies erwies sich allerdings sehr schnell angesichts der veränderten, pluralen Gesellschaft als nicht mehr sinnvoll. Im Jahr 1949 verfassten – und bis heute gültigen – Grundgesetz wurde der Religionsunterricht fest verankert. Die Würzburger Synode im Jahr 1974 bezeichnete den Religionsunterricht als Dienst der Kirche in der pluralen Gesellschaft und zog eine klare Trennlinie zwischen Religionsunterricht und Gemeindekatechese.5

Nachdem nun die Geschichte von Religion in der Bildungspolitik umrissen wurde, soll nun ein genauer Blick auf die heute gültige gesetzliche Grundlage des Religionsunterrichts auf Bundes- und Landesebene geworfen werden.

3. Die gesetzliche Grundlage des Religionsunterrichts heute

Wie bereits erwähnt, steht die gesetzliche Grundlage des Religionsunterrichts im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im siebten Artikel. Im dritten Absatz steht geschrieben: „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.“6

Diese Sonderstellung ist für ein Unterrichtsfach einzigartig. Kein Unterrichtsfach ist grundgesetzlich so abgesichert wie der Religionsunterricht.

Weiter heißt es: „Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.“7

In diesem zweiten Abschnitt des Artikels lässt sich eine weitere Besonderheit finden: Im Gegensatz zu anderen Staaten – wie beispielsweise Frankreich - wurden in Deutschland Staat und Kirche auf der Gesetzesebene nicht vollständig getrennt. Im Gegenteil: Der Staat benötigt auf manchen Gebieten Unterstützung durch gesellschaftliche Einrichtungen. Der Religionsunterricht in Deutschland ist dadurch eine sogenannte „res mixta“, also ein gemischter Bereich, an dem die Kirchen neben dem Staat ebenfalls zur Mitwirkung verpflichtet sind. Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass der grundgesetzlich verankerte Religionsunterricht kein Vorrecht der beiden großen christlichen Kirchen ist. Er kann – und wird auch – von anderen Religionsgemeinschaften in Anspruch genommen.8

Der Religionsunterricht ist allerdings nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Landesebene gesetzlich verankert. Nur die Länder Berlin und Bremen sind von dieser Regelung des Grundgesetzes durch die sogenannte „Bremer Klausel“ ausgenommen.

In Baden-Württemberg sind die Verhältnisse traditionell sehr religionsfreundlich. So spielt das Thema Religion und christliche Bildung auch in der Landesverfassung an mehreren Stellen eine Rolle.

[...]


1 Vgl. Mendl, 2018, S. 25.

2 ebd.

3 ebd., S. 26

4 ebd.; S. 26f.

5 ebd.

6 https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01-245122 (Zugriff am: 29.03.2022)

7 ebd.

8 Vgl. Mendl, 2018, S.24f.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Religion in der Bildungspolitik. Welche Relevanz hat der konfessionelle Religionsunterricht noch im Jahr 2022?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,0
Jahr
2022
Seiten
13
Katalognummer
V1248327
ISBN (Buch)
9783346684288
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religion, bildungspolitik, welche, relevanz, religionsunterricht, jahr
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Religion in der Bildungspolitik. Welche Relevanz hat der konfessionelle Religionsunterricht noch im Jahr 2022?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1248327

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Religion in der Bildungspolitik. Welche Relevanz hat der konfessionelle Religionsunterricht noch im Jahr 2022?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden