Der Frage, ob in unserer Gesellschaft Rasurzwang herrscht, und wenn ja wieso, möchte ich in dieser Arbeit nachgehen. Auch welche Rolle die Gesellschaft bei der Entstehung solcher Phänomene spielt und wie Personen verschiedener Altersklassen und beider Geschlechter über das Thema denken, werde ich in dieser Arbeit untersuchen. Ich befasse mich ausschließlich mit Körperenthaarung bei Frauen an Beinen und Achseln in unserer Gesellschaft, unserer europäisch-westlichen Kultur. Den Intimbereich und Enthaarung bei Männern lasse ich aus. Dass Thema der Arbeit habe ich eher zufällig entdeckt, ich fand es aber von Beginn an sehr interessant und faszinierend, da es mich persönlich auch betrifft.
Enthaarung ist für die Kulturwissenschaft interessant, da sie am Körper passiert, der Teil des kulturellen Ausdrucks ist. Von ihm können Rückschlüsse auf die mentale Ebene gezogen werden, Normen und Konzepte der Gesellschaft spiegeln sich im Individuum wider. Der theoretische und mediale Diskurs im Alltag (z.B. Präsenz in der Werbung) ist ein Indiz für ein kulturelles Phänomen...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärungen
3. Haarentfernung und Ladyshave
3.1 Geschichte
3.2 Methoden der Haarentfernung – Damals und heute
4. Empirische Untersuchung
4.1 Methodik
4.2 Praxen und Einstellungen der Gesprächspartner
4.2 Auswertung der Ergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle Bedeutung der Körperenthaarung bei Frauen in der europäisch-westlichen Gesellschaft. Ziel ist es, den gesellschaftlichen Druck hinter dem Rasurzwang zu analysieren, die symbolische Bedeutung glatter Haut zu beleuchten und herauszuarbeiten, wie individuelle Einstellungen zu diesem Thema durch soziale Normen, Medien und Generationenzugehörigkeit geprägt sind.
- Die Entstehung und Etablierung des Schönheitsideals der Haarlosigkeit.
- Die psychologische und symbolische Wirkung von Körperbehaarung und glatter Haut.
- Einfluss von Medien und Werbung auf das individuelle Enthaarungsverhalten.
- Generationenübergreifender Vergleich der Einstellung zur Körperbehaarung.
- Die Rolle der Enthaarung als Mittel zur gesellschaftlichen Anpassung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichte
Frank Gnegel erläutert, dass schon im antiken Rom und in Griechenland Haarentfernungsmittel zu den zahlreich vorhandenen Schönheitsmitteln zählten. Von dem griechischen Arzt Dioskurides ist schon aus dem ersten Jahrhundert ein Rezept für ein Enthaarungsmittel überliefert. Auch in der frühmittelalterlichen Literatur finden sich zahlreiche Rezepte zur Entfernung von Haaren am Körper. Im 12. und 13. Jahrhundert wird in der höfischen Dichtung als Idealbild weiblicher Schönheit eine schneeweiße, blanke Haut am ganzen Körper gezeichnet. Im Mittelalter wurden die bis dahin noch handschriftlichen Arzneibücher in großen Sammlungen zusammengefasst und fanden nun Eingang in die Hausbuchliteratur.
Zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert spielte die Haarentfernung bei Frauen eine eher untergeordnete Rolle, ab dem 18. Jahrhundert waren Rezeptbücher aber auch den unteren Bevölkerungsschichten zugänglich. Wurden die Haare aber an ungewöhnlichen Stellen, zum Beispiel an Armen oder Oberlippe dichter und dunkler, so verursachten sie ein „missfälliges Aussehen“, dem durch Enthaarung entgegengewirkt wurde. Ende des 18. Jahrhunderts gehörten Arme und Handrücken noch nicht zu den Körperteilen, die enthaart werden mussten, es wurde nur empfohlen einen eventuellen Damenbart zu entfernen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des gesellschaftlich geforderten „Rasurzwangs“ bei Frauen ein und umreißt die zentrale Fragestellung der Arbeit im Kontext aktueller Schönheitsideale.
2. Begriffsklärungen: Hier werden grundlegende Begriffe wie „Symbol“ und „Schönheitsideal“ definiert und theoretisch hergeleitet, um die Körpersymbolik der Enthaarung zu verstehen.
3. Haarentfernung und Ladyshave: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Entwicklung von Enthaarungsmethoden und analysiert, wie sich Schönheitsnormen über die Jahrhunderte gewandelt haben.
4. Empirische Untersuchung: Dieser Teil dokumentiert eine qualitative Interviewstudie mit verschiedenen Generationen und Geschlechtern, um den aktuellen Stellenwert der Haarentfernung zu erfassen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass die Enthaarung tief als kollektives Schönheitsideal in der Gesellschaft verankert ist, auch wenn rationale Begründungen dafür fehlen.
Schlüsselwörter
Körperenthaarung, Rasurzwang, Schönheitsideal, Körpersymbolik, Frauenbild, Gesellschaftsnormen, Epilation, Kulturwissenschaft, Medienwirkung, Jugendlichkeit, Hygiene, weibliche Attraktivität, Generationenvergleich, Identität, Körperkult.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen Bedeutung der weiblichen Körperenthaarung in der modernen Gesellschaft und hinterfragt, warum und seit wann das Entfernen von Achsel- und Beinhaaren als gesellschaftlicher Standard gilt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Enthaarung, der psychologischen Symbolik des Haarlosen, dem Einfluss von Medien/Werbung sowie der empirischen Untersuchung von Einstellungen verschiedener Personen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu ergründen, warum der Rasurzwang in der heutigen Gesellschaft so tief verwurzelt ist und ob dieser Druck von den Individuen als persönliche Freiheit oder als gesellschaftliche Vorgabe wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturrecherche zur Theoriebildung und einer qualitativen, narrativen Interviewstudie im Freundes- und Familienkreis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition, eine geschichtliche Einordnung der Enthaarung sowie die detaillierte Auswertung und Analyse der durchgeführten Interviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Körperenthaarung, Schönheitsideal, Körpersymbolik, Gesellschaftsnormen und Kulturwissenschaft geprägt.
Wie unterscheidet sich die Einstellung der älteren Generation von der jüngeren?
Die Interviews zeigen, dass Enthaarung heute als unhinterfragte Norm gilt, während die ältere Generation (z. B. die Mutter) die Enthaarung in ihrer Jugend erst aufgrund eines Wandels des öffentlichen Bildes in den 70er Jahren bewusst begann.
Welche Rolle spielt die Werbung bei diesem Thema?
Die Werbung wird als treibende Kraft identifiziert, die glatte Haut mit Eigenschaften wie Jugendlichkeit, Sauberkeit und Kultiviertheit verknüpft und damit den sozialen Druck auf Frauen massiv verstärkt.
Wird das Thema auch aus männlicher Sicht beleuchtet?
Ja, durch ein Interview mit einem männlichen Kommilitonen wird deutlich, dass auch Männer das Fehlen von Enthaarung bei Frauen oft als „unästhetisch“ und „gesellschaftsuntauglich“ wahrnehmen, was den sozialen Druck für Frauen weiter legitimiert.
- Quote paper
- Farina Fontaine (Author), 2008, Zur kulturellen Bedeutung der Körperenthaarung bei Frauen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124838