Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - Modern History

Der Alltag des Hüttenmanns in Zeiten der Industrialisierung. Vergessene Berufe am Hochofen

Title: Der Alltag des Hüttenmanns in Zeiten der Industrialisierung. Vergessene Berufe am Hochofen

Textbook , 2022 , 75 Pages

Autor:in: Helga Martens (Author)

History of Germany - Modern History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Das Hüttenwesen hat weltweit eine jahrtausendalte Geschichte, das Herauslösen von Metallen aus Erzen und deren Verarbeitung ebenso, die weitere Technisierung machte die Industrialisierung erst möglich. Während dieser Entwicklung entstanden aus den unterschiedlichen Tätigkeiten am und um den Hochofen viele Berufe. Alle waren voneinander abhängig und man musste solidarisch zusammenarbeiten. Fehler in der Produktion konnten erhebliche Auswirkungen haben. Die Arbeiten waren insgesamt gefährlich und bargen große gesundheitliche Gefahren. Trotzdem war "man" stolz darauf, in einem solchen Betrieb arbeiten zu können.

Die Beschreibung der einzelnen beruflichen Tätigkeiten, aber auch die damals herrschenden Rahmenbedingungen, sind Bestandteil des Buches. Es soll einen Beitrag dazu leisten, dass diese Berufe nicht in Vergessenheit geraten. Schon heute können nur wenige mit Begriffen wie Gichter, Cowperwärter, Stopfmassenmischer oder Türenverkleber etwas verbinden. Zeitzeugen, die etwas über die Solidarität in der Arbeitswelt, der davon abhängigen Lebenswelt und den Einflüssen von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berichten können, gibt es kaum noch.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Das Hüttenwesen

4 Wie Lohnarbeit entstand

5 Entwicklung der Lohnarbeit in der Region untere Trave

6 Rahmenbedingungen und rechtliche Grundlagen

7 Einfluss von Gewerkschaften und politischen Gruppierungen auf die Arbeitswelt und auf das Hochofenwerk Lübeck

8 Produktion und Arbeit im Hochofenwerk Lübeck

8.1 Die Verwaltung

8.2 Betriebsgliederung des Hochofenwerks Lübecks

8.3 Arbeiten direkt am Hochofen

8.4 Arbeiten in der Gießhalle

8.5 Arbeiten in der Möllerung

8.6 Arbeiten in der Kokerei

8.7 Arbeiten in Hauptwerkstatt, Werkzeugmacherei und Maschinenhaus

8.8 Arbeiten am Hafen und im Transportwesen

8.9 Arbeiten in der Kupferhütte und der Zinkoxydanlage

8.10 Arbeiten in Zement-, Betonwaren- und Schlackensteinfabrik

8.11 Arbeiten ohne Aus- und Vorbildung

8.12 Arbeiten im Hauptlabor und in den dezentralen Laboren

9 Arbeiten, die von Frauen ausgeführt wurden

10 Gerätschaften hatten vielfach Tiernamen

11 Lohnstruktur im Betrieb

12 Nachbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit dokumentiert die historische Arbeitswelt und die spezifischen Berufsbilder im ehemaligen Hochofenwerk Lübeck. Das Ziel ist es, die vergessenen Arbeitsbedingungen und die soziale Struktur der Hüttenleute vor dem Hintergrund industrieller Entwicklungen aufzuarbeiten und die Erinnerung an diesen bedeutenden Teil der Lübecker Industriegeschichte zu bewahren.

  • Historische Entwicklung der Lohnarbeit und Industrialisierung in der Region untere Trave
  • Strukturen und Produktionsabläufe im Hochofenwerk Lübeck
  • Detailanalysen spezifischer Arbeitsbereiche vom Hochofen bis zum Labor
  • Einfluss von Gewerkschaften und Arbeiterkultur auf den Werksalltag
  • Genderperspektive und Rolle der Frau in einem industriellen Männerbetrieb

Auszug aus dem Buch

8.3 Arbeiten direkt am Hochofen

Im Hochofenwerk Lübeck liefen die meiste Zeit 3 Hochöfen, sie waren komplizierte Wesen mit vielen einzelnen Einheiten, die nur im Zusammenwirken funktionierten. Die Rohstoffe Eisenerz, Koks und Zuschläge wurden zugeführt, teilweise nach vorheriger notwendiger Vorverarbeitung. Der Hochofen bestand aus einem genieteten Stahlgestell, innen ausgemauert mit feuerfesten Steinen. Vom Boden aus führte außen ein Schrägaufzug nach oben an die Arbeitsbühne. Auf dem Schrägaufzug wurden die Hunde (siehe 3.8. Gerätschaften, die mit Tiernamen versehen wurden), in denen sich abwechselnd die Rohstoffe aus der Möllerung und der Koks befanden, hochgezogen und schichtweise durch die Gicht in den Hochofen entleert. Die genaue Reihenfolge und die Mengen der Rohstoffe errechneten die Ingenieure in den technischen Büros entsprechend den chemischen Zusammensetzungen der Rohmaterialien und der Sorten Roheisen, die produziert werden sollten.

Die Gicht war der obere Abschluss des Hochofens und wurde mit einer hochziehbaren Glocke aus Metall abgeschlossen. Später gab es den doppelten Gichtabschluss, ein Patent von Dr. Neumark, um die Beschickung zu erleichtern und Unfallgefahren zu mindern. Heiße Luft aus den Winderhitzern wurde unten in den Hochofen eingeblasen. Dadurch brannte der Koks und erzeugte eine Temperatur von ca. 1.400 Grad Celsius, die für den Schmelzprozess des Eisenerzes zu Roheisen notwendig war. Das schwere flüssige Roheisen sank nach unten in eine Pfanne und wurde durch das Abstichloch regelmäßig abgelassen. Die leichtere Schlacke schwamm auf dem flüssigen Roheisen, sie wurde seitlich gesondert abgeleitet.

Kapitelübersicht

Einleitung: Umreißt die Industrialisierung Lübecks durch das Hochofenwerk und die soziale Lebenswelt der Arbeiter.

Das Hüttenwesen: Erläutert die technologische Entwicklung von den Anfängen der Eisenzeit bis zu modernen Hochöfen.

Wie Lohnarbeit entstand: Beschreibt die historische Genese der Lohnarbeit und die Entstehung der sozialen Arbeiterbewegung.

Entwicklung der Lohnarbeit in der Region untere Trave: Analysiert den lokalen Strukturwandel vom Agrarland zum Industriegebiet.

Rahmenbedingungen und rechtliche Grundlagen: Beleuchtet die gesellschaftlichen und rechtlichen Bedingungen der Industrialisierung.

Einfluss von Gewerkschaften und politischen Gruppierungen auf die Arbeitswelt und auf das Hochofenwerk Lübeck: Beschreibt den Kampf um Mitbestimmung und die Rolle politischer Vereine.

Produktion und Arbeit im Hochofenwerk Lübeck: Detaillierte Darstellung der betrieblichen Organisation und der spezifischen Arbeitsbereiche im Werk.

Arbeiten, die von Frauen ausgeführt wurden: Untersucht die eingeschränkte, aber notwendige Rolle von Frauen in der industriellen Produktion.

Gerätschaften hatten vielfach Tiernamen: Listet die spezifische, teils lokale Nomenklatur der Arbeitsgeräte auf.

Lohnstruktur im Betrieb: Beschreibt die streng hierarchische Entlohnung und soziale Stellung der verschiedenen Berufsgruppen.

Nachbetrachtung: Historisches Fazit zum Niedergang des Werkes und dessen soziale sowie ökologische Folgen.

Schlüsselwörter

Hochofenwerk Lübeck, Hüttenleute, Lohnarbeit, Industriemuseum, Herrenwyk, Industrialisierung, Gewerkschaft, Schlacke, Roheisenproduktion, Arbeitsschutz, Sozialgeschichte, Schmiede, Metallurgie, Betriebsgeschichte, Arbeitskämpfe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Arbeitswelt im Hochofenwerk Lübeck und dokumentiert die verschiedenen Berufsbilder und sozialen Lebensbedingungen der Beschäftigten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Felder sind die historische Entwicklung der Schwerindustrie in Lübeck, die betriebsinterne Organisation, die Rolle von Gewerkschaften und die soziale Identität der Hüttenleute.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Bewahrung der Erinnerung an das Hochofenwerk Lübeck, dessen Arbeitsweise und das Leben der dort tätigen Menschen vor dem Vergessen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Kombination aus Zeitzeugenberichten, betriebsinternen Dokumenten, historischer Fachliteratur und ihrer eigenen langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit in der regionalen Industriekultur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Funktionsbeschreibung des Werkes, eine Aufschlüsselung der einzelnen Arbeitsbereiche und eine Analyse der sozialen Schichtung innerhalb des Betriebes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Buch?

Die wichtigsten Begriffe sind unter anderem: Hochofenwerk Lübeck, Industrialisierung, Gewerkschaften, Arbeitsbedingungen, Hüttenleute und soziale Gerechtigkeit.

Welche Bedeutung hatten "Tiernamen" für die Gerätschaften im Werk?

Diese Namen waren ein Teil der Identität und des Werksjargons; sie zeugen von der jahrhundertelangen Tradition im Hüttenwesen und der spezifischen Kultur auf dem Betriebsgelände.

Wie wirkten sich die beiden Weltkriege auf die Struktur der Belegschaft aus?

Die Kriege führten zu massivem Personalmangel bei Männern, was den verstärkten Einsatz von Frauen sowie – vor allem im Zweiten Weltkrieg – den Einsatz von Zwangsarbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Folge hatte.

Warum war das Schicksal der ehemaligen Schlackenhalden ein zentraler Kritikpunkt der Autorin?

Die Autorin kritisiert, dass ökologische Altlasten durch den Konkurs des Werkes auf die Allgemeinheit und den Steuerzahler abgewälzt wurden, während die ursprünglichen profitorientierten Flick- und US-Steel-Konzerne weitgehend sanktionsfrei blieben.

Excerpt out of 75 pages  - scroll top

Details

Title
Der Alltag des Hüttenmanns in Zeiten der Industrialisierung. Vergessene Berufe am Hochofen
Author
Helga Martens (Author)
Publication Year
2022
Pages
75
Catalog Number
V1248594
ISBN (PDF)
9783346675644
ISBN (Book)
9783346675651
Language
German
Tags
Hochofen Hüttenwerk alte Berufe Eisenhüttenwerk Schwerindustrie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Helga Martens (Author), 2022, Der Alltag des Hüttenmanns in Zeiten der Industrialisierung. Vergessene Berufe am Hochofen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1248594
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  75  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint