Filmmarketing- und Filmpresseagenturen als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen - Berufsverständnis und Berufspraxis


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009
28 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Filmmarketing- und Filmpresseagenturen als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen: Berufsverständnis und Berufspraxis
Berufsverständnis und allgemeine Darstellung der Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche (als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen)
Filmmarketingagentur
Filmpresseagentur
Praxis der Zusammenarbeit von Agentur (Filmmarketing/Filmpresse) und Kunde (Produktion/Verleih): Problemfelder und Optimierungsansätze
Problemfelder
Optimierungsansätze

Zusammenfassung: Berufsverständnis und Berufspraxis

Gesamtaussagen-Übersicht

Filmmarketing- und Filmpresseagenturen als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen: Berufsverständnis und Berufspraxis

Im Rahmen der Kinofilmvermarktung von Produktions- und Verleihunternehmen ist es gängige Praxis, für bestimmte Tätigkeitsschwerpunkte und Aufgabenbereiche des Kinofilmmarketing professionelle und qualifizierte Filmmarketing- und/oder Filmpresseagenturen zu beauftragen. Mitunter wird sogar die gesamte Vermarktungsarbeit von den Verleih- und Produktionsfirmen an Agenturen delegiert. Das heißt, die filmwirtschaftlichen Unternehmensformen Filmmarketingagentur und Filmpresseagentur spielen im Bereich der Vermarktung von Kinofilmen eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang hat sich dieser Forschungsaufsatz zum Ziel gesetzt auf Basis vorliegender Interview-Daten von Marketingexperten namhafter Filmmarketing- und Filmpresseagenturen[1]einen Einblick in die allgemeinen Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche, sowie in die Arbeitspraxis und das berufliche Selbstverständnis der Filmmarketing- und Filmpresseagenturen zu gewähren. Insbesondere ist dabei von Interesse, wie sich die Arbeit der Agenturen (Filmmarketing/Filmpresse) als Dienstleister für die Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen gestaltet. Dabei wird unter anderem auch der Fokus auf vorhandene Konfliktfelder und mögliche Optimierungsansätze der Zusammenarbeit zwischen Dienstleister (Agentur) und Kunde (Produktion/Verleih) gerichtet.

Berufsverständnis und allgemeine Darstellung der Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche (als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen)

Filmmarketingagentur

Die filmwirtschaftliche Unternehmensform Filmmarketingagentur ist in der Regel als Dienstleister sowohl für Produktionsunternehmen als auch für Verleihunternehmen tätig.[2]Allerdings wird sich in diesem Zusammenhang von den Marketingakteuren eine gewisse „Sonderstellung“ zugesprochen – indem herausgestellt wird, dass es sich bei den entsprechenden Agenturen nicht ausschließlich um „reine Marketingagenturen“ handelt, sondern deren Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche mitunter darüber hinausgehen. Zum einen – so wird es zum Beispiel anhand der nachstehend aufgeführten Fall-Aussage deutlich – umfasst das Dienstleistungsrepertorie neben der klassischen Marketingbetreuung von Filmproduktions- und Verleihfirmen zuweilen zusätzlich die Betreuung weiterer Kunden aus dem Medienbereich, die Vertretung von Verbänden und die Verrichtung von Unternehmens-PR:

-Gesamtaussage-Nr.1096 – Teil-Aussage-Nr.1:Also wir haben so ein bisschen eine Sonderstellung, denn wir sind in dem Sinne nicht nur eine reine Marketingagentur für Filmverleiher und Produzenten, sondern haben darüber hinaus Kunden aus dem Medienbereich, machen Unternehmens-PR, vertreten Verbände, vertreten Schauspieler und machen klassisches Marketing für Film- und Fernsehproduktionen. (...)(23 Filmpresseagentur)

Zum anderen ergibt sich eine gewisse „Sonderstellung“ der befragten Filmmarketingagenturen auch daraus, dass ihre Mitarbeiter zuvor bisweilen in anderen Bereichen der Filmbranche tätig waren und somit diesbezügliches Erfahrungswissen mit in ihre Agenturtätigkeit einbringen können. So waren die Mitarbeiter zuvor insbesondere in Filmverleihunternehmen, aber auch im Presseagenturbereich oder im Kinobetrieb tätig. Speziell das Erfahrungswissen, das aus der vormaligen Filmverleihtätigkeit der Agenturmitarbeiter resultiert („Verleihbackground“) – oder auch die vormalige Tätigkeit im Kinobetrieb – , erlaubt es den Agenturmitarbeitern im Rahmen ihrer Vermarktungstätigkeit die jeweils andere Perspektive – nämlich die der Verleihunternehmen oder die der Kinobetriebe – einzunehmen und führt nach Ansicht der befragten Marketingakteure zu einer Art „Schlüsselfunktion“ im Kinofilmvermarkungsbetrieb:

-Gesamtaussage Nr.1113:
- Teil-Aussage-Nr.1:Wir sind eine Neugründung und eigentlich – wenn man es so sagen kann – eine „Zwitteragentur“. Das heißt, wir sind keine reine Presse- und Marketingagentur – obwohl wir diese Felder natürlich auch abdecken – , (...)(24 Filmmarketingagentur)
- Teil-Aussage-Nr.2:(...) sondern auch eine Verleihagentur, wobei das eher von unserem Hintergrund herrührt, da wir vorher alle gemeinsam bei einem Verleih in den verschiedensten Bereichen (Marketing, Presse, Material, wirtschaftliche und buchhalterische Geschäftsführung) gearbeitet haben. Von daher kennen wir beide Seiten und wissen von Verleihseite oder von unserem Verleihgefühl her, was wir für einen Film als gut empfinden. Deshalb sitzen wir immer so zwischendrin und bilden eine Art Schlüsselfunktion. (24 Filmmarketingagentur)
-Gesamtaussage-Nr.1155:
- Teil-Aussage-Nr.9:(...) Auch sind wir in dem Sinne keine reine Marketingagentur, denn wir haben durch unsere jahrelange Tätigkeit im Verleihbereich einen Verleihbackground. Ich betone das deswegen immer so, weil der Begriff „Marketing“ auch mittlerweile ein wenig abgegriffen ist. (...)(39 Filmmarketingagentur)
- Teil-Aussage-Nr.10:(...) Darüber hinaus verfügen wir zusätzlich über einen Presse- und Verkaufsbackground. Ich habe fast zwei Jahre in einer Presseagentur gearbeitet, die auf Filmpresse spezialisiert war und mein Geschäftspartner war lange Zeit selbst Kinobetreiber und kennt von daher praktisch auch die andere Seite. Das stellt aus dem Grund einen Vorteil dar, da ja die direkten Kunden eines Filmverleihs nicht die Endverbraucher (Kinobesucher), sondern in erster Linie die Kinobetreiber sind. (...)(39 Filmmarketingagentur)[3]

Der Interessenschwerpunkt dieses Forschungsaufsatzes bezieht sich auf die Dienstleistungstätigkeit der Filmmarketingagenturen für die filmwirtschaftlichen Unternehmensformen Kinofilmproduktion und Kinofilmverleih. Im Rahmen dieser Dienstleistungstätigkeit liegen die Tätigkeits- und Aufgabenschwerpunkte allgemein im Bereich der Beratung, Konzeption und Entwicklung der Verleih- und Marketingstrategien und Organisation bzw. Durchführung des Marketing und der Pressearbeit für einen Kinofilm. Ferner gehört dazu beispielsweise auch die Vermittlung von spezialisierten Grafikagenturen und Vertrieben.[4]Dennoch werden im Rahmen einer Dienstleistungstätigkeit für Kinofilmproduktions- oder Verleihunternehmen von den Filmmarketingagenturen unterschiedliche Tätigkeitsschwerpunkte gesetzt.

Im Rahmen einer Dienstleistungstätigkeit fürProduktionsunternehmenwird von den Filmmarketingagenturen der Aufgaben bzw. Tätigkeitsschwerpunkt insbesondere darauf gelegt, sehr früh – nämlich bereits während der Drehbuch- bzw. Stoffentwicklung – mit den Produktionsunternehmen zusammenzuarbeiten, um so bereits in dieser frühen Phase eine geeignete marketingspezifische Beratung und Hilfestellung anbieten und das Produktionsunternehmen im Idealfall über die Stoffentwicklung hinaus bis in den Bereich späterer Stufen des Produktionsprozesses begleiten zu können:

-Gesamtaussage-Nr.1096 – Teil-Aussage-Nr.2:(...) Wenn wir zum Beispiel für Produktionen tätig sind, dann sind wir in der Regel bereits bei der Stoffentwicklung mit dabei. Dann haben wir über die Betreuung des Unternehmens natürlich auch die Möglichkeiten bereits in dieser frühen Phase entsprechende Weichen zu stellen und dem Produzenten die entsprechende Hilfestellung zu geben. (...)(23 Filmmarketingagentur)[5]
-Gesamtaussage Nr.1114 – Teil-Aussage-Nr.4:(...) Darüber hinaus möchten wir den Produktionen sehr früh – am besten bereits in der Drehbuchphase – einen Ideenpool vorstellen, um so frühzeitig Impulse zu setzen. (...)(24 Filmmarketingagentur)[6]
-Gesamtaussage-Nr.1155 – Teil-Aussage-Nr.12:(...) Und jetzt in der Selbstständigkeit hat sich unsere Agentur darauf spezialisiert eben auch Produzenten bereits in der ganz frühen Phase der Projektentwicklung zu beraten. Und ich denke, dass gerade diese sehr früh einsetzende Beratung ein wenig das Alleinstellungsmerkmal unserer Agentur darstellt. (...)(39 Filmmarketingagentur)[7]

Darüber hinaus kann es beispielsweise auch ein Bestreben von Filmmarketingagenturen sein, den Produktionsunternehmen, die keinen Verleih an ihrer Seite haben, als Dienstleister eine Alternative zum Verleih zu bieten, indem sie mit ihrem Verleih-Know-how den Produzenten bzw. Produktionsunternehmen zum einen beratend zur Seite stehen und zum anderen – wenn vom Kunden gewünscht – durchaus als kompletter Verleihapparat fungieren:

-Gesamtaussage Nr.1114 – Teil-Aussage-Nr.3:(...) Wobei darüber hinaus zu betonen ist, dass wir als Dienstleister für Produzenten/Produktionen ohne eigenen Verleihapparat eine Alternative zum Verleih darstellen. Mit den Produzenten betreuen wir in direkter Absprache ihre Projekte und sie haben Mitspracherecht in allen Bereichen. Denn wir sind eher als beratende Verleihstruktur tätig und im Endeffekt bieten wir den Produzenten/Produktionen einen kompletten Verleihapparat, den sie projektweise zukaufen können. (...)(24 Filmmarketingagentur)[8]

Desgleichen werden Filmmarketingagenturen vonVerleihunternehmenbeauftragt Marketingkonzepte bzw. Herausbringungskonzepte zu entwickeln oder bei deren Entwicklung beratend zur Seite zu stehen. Diese Dienstleistungstätigkeit setzt – gleichermaßen wie bei den Produktionsunternehmen – entweder sehr früh – bereits im Bereich der Drehbuch- bzw. Stoffentwicklung – oder nach Fertigstellung des Kinofilmprojektes ein:

-Gesamtaussage-Nr.1095:Bei unserer Tätigkeit für einen Filmverleih gibt es zwei Modelle. Das eine ist, dass wir einen Film sehr früh – bei der Stoffentwicklung oder beim Drehbuch – bekommen und das andere Modell ist, dass uns ein Verleiher einen fertigen Film gibt und uns beauftragt ein Marketingkonzept dafür zu entwickeln. Beim zweiten Modell wird dann erst einmal der Film geguckt und danach ein relativ ausführliches Prozedere für die Disziplinen Presse, Promotion und Werbung erstellt. In dem Zusammenhang wird dann auch ganz klar definiert: Wo sind die Ziele, was sind die Erwartungen, wo sind die Schwierigkeiten – also wie sieht das Produkt aus. Worauf Maßnahmenkataloge für die einzelnen Disziplinen formuliert werden. Das alles geschieht in Zusammenarbeit mit dem Verleih und die einzelnen Maßnahmenkataloge sind immer individuell auf jeden Film zugeschnitten. Es gibt Filme, wo man weiß, dass man ein sehr gutes Presseecho hat und man den Schwerpunkt gewissermaßen darauf legen kann oder man hat Projekte, wo man weiß, dass die im Feuilleton nicht so ankommen und man ein anderes „backing“ braucht. Dasselbe gilt auch für Schauspieler. Entweder man hat Schauspieler, die in den Medien funktionieren oder aber wo die Resonanz weniger groß ist. Es gibt eben bestimmte Themen und wir sind da beratend und ausführend tätig. (23 Filmmarketingagentur)

-Gesamtaussage-Nr.1155 – Teil-Aussage-Nr.14:(...) Auch für Verleiher entwickeln wir komplette Herausbringungskonzepte. Dazu gehören die Steuerung von Pressestrategien, die Erarbeitung von Verkaufsstrategien und die Empfehlung von Verkaufsaktivitäten. Und ich denke, so eine umfassende Beratung können nicht viele Agenturen anbieten. (39 Filmmarketingagentur)[9]

Filmpresseagentur

Analog zu den Filmmarketingagenturen sind auch die Filmpresseagenturen in der Regel als Dienstleister sowohl für Produktionsunternehmen als auch für Verleihunternehmen tätig.[10]

Der grundlegende Tätigkeitsschwerpunkt dieser Dienstleistungstätigkeit liegt im Großen und Ganzen auf der Pressearbeit für ein Kinofilmprojekt, wobei in diesem Zusammenhang wiederum zu unterscheiden ist zwischen der Startpresse und Produktions-/Set-Presse für einen Kinofilm. Das Aufgaben- und Tätigkeitsfeld der Startpresse sowie der Produktions-/Set-Presse für ein Kinofilmprojekt wird mittels der nachstehend aufgeführten Fall-Aussage anschaulich skizziert:

-Gesamtaussage-Nr.1166:
- Teil-Aussage-Nr.3:(...) Alles in allem sind wir nur für das Redaktionelle zuständig. Werbung machen wir nicht. Pressearbeit ist das Haupttagesgeschäft. Das heißt, wenn wir einen Kinofilm betreuen, machen wir in erster Linie Startpresse. Zu unserer Arbeit gehört die Organisation von Pressevorführungen, die komplette vorlaufgerechte bundesweite Medienansprache – also das heißt Print, Radio, Fernsehen, Online, Interviewkoordination – wobei ganz viel nicht nur passive, sondern auch aktive Pressearbeit ist. Das heißt, wir gehen auf die Redaktionen zu und bringen ihnen den Film, das Produkt nahe. Darüber hinaus werden Interviewtage oder eben bei amerikanischen Produktionen sogenannte Junkets organisiert. (…)(32 Filmpresseagentur)
- Teil-Aussage-Nr.4:(…) Bei deutschen Filmen machen wir auch manchmal die Set-Presse. Das kann entweder von der Produktionsfirma, vom Fernsehsender oder vom Verleih beauftragt sein, je nachdem wie die Konstellationen im Vertrag aussehen. Bei der Set-Presse ist man Ansprechpartner für die Presse und bearbeitet alle von außen kommenden Anfragen. Gleichermaßen überlegt man, wen man zum Set einladen möchte und organisiert die Set-Termine. (32 Filmpresseagentur)[11]

Je nachdem ob die Filmpresseagentur mit der Durchführung der Produktions-/Set-Presse oder Startpresse beauftragt wird, beginnt die Dienstleistungstätigkeit in der Regel entweder einige Wochen vor Produktionsbeginn (Produktions-/Set-Presse)[12]oder drei Monate vor Start des Kinofilms (Startpresse)[13].

Darüber hinaus bezieht sich im Rahmen dieser vorab beschriebenen Pressearbeit als Dienstleistungstätigkeit zudem eine weitere wesentliche Funktion der Filmpresseagenturen darauf, ein gutes Verhältnis zwischen den Kunden (Produktions- oder Verleihfirma) und den Journalisten herzustellen:

-Gesamtaussage-Nr.1166 – Teil-Aussage-Nr.2:(...) Eine wichtige Funktion einer Agentur ist, ein gutes Verhältnis zwischen Produktions- und/oder Verleihfirma und Journalisten herzustellen. Unsere Aufgabe ist es, zu vermitteln und zu gucken, dass jeder das bekommt, was er für seine Arbeit braucht und möchte. (...)(32 Filmpresseagentur)

Praxis der Zusammenarbeit von Agentur (Filmmarketing/Filmpresse) und Kunde (Produktion/Verleih): Problemfelder und Optimierungsansätze

Während im vorherigen Punkt die allgemeinen Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche der Filmmarketing- und Filmpresseagenturen sowie deren berufliches Selbstverständnis dargestellt wurden, erfolgt in den kommenden Abschnitten die Beschreibung einiger von den befragten Akteuren der Filmmarketing- und Filmpresseagenturen benannten Aspekte zur beruflichen Praxis, die sich aus Agentursicht problematisch auf die Dienstleistungstätigkeit für den Kunden bzw. auf die Zusammenarbeit mit den Kunden (Produktions-/Verleihunternehmen) auswirken können. Zugleich werden in diesem Kontext einige aus Agentursicht benannte Gesichtspunkte skizziert, die wiederum dazu beitragen könnten, diese Dienstleistungstätigkeit bzw. Zusammenarbeit zu optimieren.

Problemfelder

Im Rahmen eines Dienstleistungsverhältnisses vonFilmmarketingagenturenmit ihren Kunden (Kinofilmproduktions- und Kinofilmverleihunternehmen) kann es im Zuge der gemeinsamen Zusammenarbeit insbesondere bei der Zielgruppen-Definition und somit der Abstimmung der grundsätzlichen Positionierung sowie bei den kreativen Prozessen, das heißt der Gestaltung und Ausrichtung der Marketinginstrumente- und Materialien, zu Unstimmigkeiten kommen, da beide Parteien diesbezüglich in der Regel jeweils unterschiedliche Erfahrungen, Vorstellungen und Meinungen mit in die Zusammenarbeit einbringen:

-Gesamtaussage-Nr.1098 – Teil-Aussage-Nr.1:Bei kreativen Prozessen kann es zu Konflikten kommen, denn da stoßen im Zusammenspiel zwischen Regie, Produzent, Verleih und Agentur auch gewisse Erfahrungen, Erwartungen und Anforderungen aufeinander. Doch wenn man von Konflikten spricht, klingt es immer so, als würde man nicht zueinanderfinden. Besser ist es von verschiedenen Perspektiven und Erfahrungshorizonten zu sprechen, die jeder aufgrund der jeweiligen Professionalität und Position mitbringt – die nicht unweigerlich zu einem Gegeneinander führen müssen, sondern sich durchaus ergänzen können. (...)(23 Filmmarketingagentur)
- Gesamtaussage-Nr.1116:
- Teil-Aussage-Nr.2:(...) Es gibt unterschiedliche Vorstellungen und Erfahrungen. Das ist normal, denn wenn ein Produzent einen tollen Film gemacht hat, dann möchte er in jeglichem Bereich das Optimale herausholen. Das geht aber leider nicht immer. Genauso gibt es ja auch den umgekehrten Fall, dass wir irgendetwas möchten und die Produktion uns dann sagen muss, dass es nicht geht. Es gibt einfach Dinge, die kann die Produktion nicht über unseren Bereich wissen und wir nicht über den Bereich der Produktion. (...)(24 Filmmarketingagentur)
- Teil-Aussage-Nr.3:(...) Natürlich kann es in einigen Bereichen zu völlig unterschiedlichen Meinungen kommen, zum Beispiel wer – also welches Zielpublikum – eigentlich für den Film anzusprechen ist. (...)(24 Filmmarketingagentur)

Für die Dienstleistungstätigkeit von Filmpresseagenturen können sich hingegen primär die aus Agentursicht unrealistischen Vorstellungen seitens der Produktions- und Verleihunternehmen hinsichtlich der Pressearbeit und der Zusammenarbeit mit den Journalisten problematisch auswirken:

-Gesamtaussage-Nr.1170:
- Teil-Aussage-Nr.1:Was zu Konflikten führen kann, ist, dass Verleih- oder Produktionsfirmen zum Teil Wünsche und Vorstellungen haben, die beim besten Willen nicht umsetzbar sind. Das heißt, wenn man sich beispielsweise bereits dreimal das „Nein“ eines Journalisten abgeholt hat und der Kunde dann sagt: „Ruft doch noch mal an und fragt noch mal nach“ – worauf man ein viertes Mal anruft, um sich das „Nein“ abzuholen. Also wenn jemandem der Film nicht gefallen hat, dann hat ihm der Film eben nicht gefallen. (...)(32 Filmpresseagentur)
- Teil-Aussage-Nr.2:(...) Oder es werden von uns Voraussagen darüber gewünscht, wie bestimmten Pressemedien der Film gefallen wird und was sie schreiben werden. Darüber kann man natürlich spekulieren, aber man kann es nicht wissen. Und dann gibt es manchmal Auftraggeber, die dann sagen: „Aber, ihr habt doch gesagt ..., und jetzt ist da eine schlechte Kritik erschienen ...“. (...)(32 Filmpresseagentur)

Ferner stehen für die Durchführung der Presse- und Medienarbeit mitunter nicht immer die entsprechenden Schauspieler oder Regisseure wie gewünscht zur Verfügung.[14]

Ein weiterer Aspekt, der aus Sicht der Presseagenturen insbesondere bei der Organisation und Realisierung der Startpresse für einen Kinofilm zu Schwierigkeiten führen kann, ist die „Zeit“. Der Faktor „Zeit“ bezieht sich speziell auf die Vorlaufsfristen bei den Presse- und Sendemedien, die von den Presseagenturen zur Platzierung ihrer Beiträge eingehalten werden müssen. Häufig aber werden vom Kunden (Produktions- und Verleihunternehmen) gewisse Wünsche hinsichtlich der Pressearbeit zu kurzfristig angefragt, sodass sie – aufgrund der Vorlaufsfristen – nicht mehr umgesetzt werden können.[15]Verstärkt wird diese Problematik häufig auch von Startterminverschiebungen für den Kinofilm. Insbesondere wenn der geplante Start eines Kinofilms terminlich vorgezogen wird, gerät die Pressearbeit aus dem „Takt mit den Vorläufen der Magazine und Sendungen“. Der Filmpresseagentur obliegt in solchen Fällen dann die Aufgabe, dem Kunden diese Problematik mit dem Ziel einer eventuellen Lösung zu kommunizieren:

-Gesamtaussage-Nr.1169 – Teil-Aussage-Nr.2:(...) Darüber hinaus gibt es ganz oft auch Startterminverschiebungen. Das heißt, die Starttermine werden entweder nach vorne gezogen oder nach hinten geschoben. Das hat dann ganz spezifische marketingstrategische Gründe, wie zum Beispiel Startumfeld, Jahreszeit etc., und die Pressearbeit muss dann mitziehen. Das ist für uns manchmal extrem schwierig, weil das dann sozusagen nicht mehr im Takt mit den Vorläufen der Magazine und der Sendungen ist. Denn wenn man beispielsweise darauf hinarbeitet, den Film in die Oktoberhefte zu kriegen und der Film wird vorgezogen, dann nehmen die den natürlich aus dem Oktoberheft wieder raus. Doch leider kommt man in die anderen Hefte auch nicht mehr rein, weil die dann schon zu sind. Denn die meisten Monatsmagazine haben nun mal einen Vorlauf von drei Monaten. Und dann taucht der Film da gar nicht auf und das ist richtig schlecht. Ein bisschen einfacher ist es, wenn der Starttermin des Films nach hinten verschoben wird. Die Filmzeitschrift „Cinema“ zum Beispiel hat einen Vorlauf von zwei Monaten, aber die meisten Frauenzeitschriften haben einen längeren Vorlauf, und wenn man einen Film mit einer weiblichen Zielgruppe betreut, dann sollte man da wirklich drin sein. Aber solche Starttermingeschichten werden selten danach entschieden, wie es für die Presse am besten passt. Auch wenn die Presse zum Marketing gehört, sind es dann eher Verkaufsargumente, die zählen. Unsere Aufgabe ist es dann zu kommunizieren: „Wenn ihr den Film da und da hinschiebt, dann fallen wir aus diesen und jenen Magazinen raus“, damit es vielleicht doch noch mit in die Planungen einbezogen werden kann. (...)(32 Filmpresseagentur)

[...]


[1]Grundlage für die diesbezüglichen theoretischen Ausführungen ist das im Rahmen der Dissertation „Theorie und Praxis des Kinofilmmarketing – Professionelles Marketing durch Produktions- und Verleihunternehmen“ von Marketingexperten ausgewählter in Deutschland ansässiger Filmmarketing- und Filmpresseagenturen erhobene Interview-Datenmaterial. Sämtliche zu dieser Fragestellung vorliegenden Interview-Aussagen sind in der im Anhang dieses Aufsatzes dokumentierten Gesamtaussagen-Übersicht einzusehen.

[2]Vgl. dazu beispielhaft: Gesamtaussage-Nr.1114 – Teil-Aussage-Nr.1 von Fall-Nr.24 (Filmmarketingagentur).

[3]Vgl. dazu auch: Gesamtaussage-Nr.1156 – Teil-Aussage-Nr.1 und 7 und Gesamtaussage-Nr.1155 – Teil-Aussage-Nr.1 und 8 von Fall-Nr.39 (Filmmarketingagentur).

[4]Vgl. dazu: Gesamtaussage-Nr.1114 – Teil-Aussage-Nr.2 von Fall-Nr.24 (Filmmarketingagentur).

[5]Vgl. dazu auch: Teil-Aussage-Nr.4 und 5.

[6]Vgl. dazu auch: Teil-Aussage-Nr.5.

[7]Vgl. dazu auch: Teil-Aussage-Nr.13.

[8]Vgl. dazu auch: Teil-Aussage-Nr.11, 12 und 14.

[9]Vgl. dazu auch: Gesamtaussage-Nr.1156 – Teil-Aussage-Nr.7 von Fall-Nr.39 (Filmmarketingagentur).

[10]Vgl. dazu beispielhaft: Gesamtaussage-Nr.1166 – Teil-Aussage-Nr.1 von Fall-Nr.32 (Filmpresseagentur); Gesamtaussage-Nr.1193 von Fall-Nr.38 (Filmpresseagentur).

[11]Des weiteren wird in Gesamtaussage-Nr.1167 – Teil-Aussage-Nr.2 und 3 dieZielgruppenarbeitals ein wesentlicher Aspekt der Pressearbeit herausgestellt.

[12]Vgl. dazu: Gesamtaussage-Nr.1196 – Teil-Aussage-Nr.1 von Fall-Nr.38 (Filmpresseagentur).

[13]Vgl. dazu: Gesamtaussage-Nr.1169 – Teil-Aussage-Nr.1 von Fall-Nr.32 (Filmpresseagentur); Gesamtaussage-Nr.1196 – Teil-Aussage-Nr.2 von Fall-Nr.38 (Filmpresseagentur).

[14]Vgl. dazu: Gesamtaussage-Nr.1197 von Fall-Nr.38 (Filmpresseagentur).

[15]Vgl. dazu: Gesamtaussage-Nr.1170 – Teil-Aussage-Nr.3 von Fall-Nr.32 (Filmpresseagentur).

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Filmmarketing- und Filmpresseagenturen als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen - Berufsverständnis und Berufspraxis
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
-
Note
"-"
Autor
Jahr
2009
Seiten
28
Katalognummer
V124861
ISBN (eBook)
9783640299317
ISBN (Buch)
9783640304257
Dateigröße
807 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Grundlage für diesen Forschungsaufsatz ist das im Rahmen der Dissertation „Theorie und Praxis des Kinofilmmarketing – Professionelles Marketing durch Produktions- und Verleihunternehmen“ von Marketingexperten ausgewählter in Deutschland ansässiger Filmmarketing- und Filmpresseagenturen erhobene Interview-Datenmaterial.
Schlagworte
Film, Kinofilm, Filmmarketing, Kinofilmmarketing, Marketingagentur, Presseagentur, Filmindustrie, Filmwirtschaft
Arbeit zitieren
Inga Backen (Autor), 2009, Filmmarketing- und Filmpresseagenturen als Dienstleister für Kinofilmproduktions- und Verleihunternehmen - Berufsverständnis und Berufspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124861

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