Lizenzzeitungen am Beispiel der Rhein-Neckar-Zeitung


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Lizenzzierungsprozess

3. Die drei Besatzungszonen im Vergleich zur Amerikanischen
3.1. Die britische Besatzungszone
3.2. Die französische Besatzungszone
3.3. Die sowjetische Besatzungszone

4. Die Rhein-Neckar-Zeitung

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1. Quellen:
6.2. Internet:
6.3. Literaturhinweise:

1. Einleitung

„Die vier Besatzungsmächte sind mit von einander abweichenden Medienkonzeptionen in unser geschlagenes Land gekommen. Nur in einem waren sie sich, jedenfalls oberflächlich betrachtet, einig: mit der Praxis nicht nur des Dritten Reiches, sondern der ganzen deutschen Pressegeschichte Schluß zu machen und alle ,die aktiv an der nationalsozialistischen Propaganda beteiligt waren, von jeder Betätigung auszuschließen.“[1]

Mit diesen Worten leitet Kurt Koszyk seinen Beitrag zur Geschichte der deutschen Presse im vierten Teil mit dem Titel: Pressepolitik für Deutsche 1945 – 1949 ein. Hierbei wird deutlich, dass er gleich zu Beginn seines Beitrages die Umstände der Pressepolitik der Nachkriegszeit in Deutschland darlegt und die festgelegten Maßnahmen der Besatzungsmächte verdeutlicht.

Dass die vier Besatzungsmächte Großteils die gleichen Absichten hatten Deutschland zu denazifizieren und zur Demokratie zu lenken, ist bekannt. Doch dass sie die reeducation[2] auch ganz offensichtlich im deutschen Pressewesen ausübten, soll in dieser Hausarbeit dargelegt werden. Es wird dabei nicht auf die Umerziehung durch andere Medien, wie beispielsweise den Film eingegangen werden.

Eine der vielen Maßnahmen, die unter anderem auf den drei Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam eingeleitet wurden, war die der „ Verantwortlichkeit der Informationskontrolle.“[3] Doch der Weg diese Maßnahmen durchzusetzen war nicht sofort beschritten, sondern musste erst noch geebnet werden. Dies kostete sowohl die Alliierten, als auch das auserwählte Gremium von bestimmten Personen Zeit und verlangte Kompetenz in Organisation und Struktur.

Um ein Vermerk auf den Titel dieser Arbeit zu geben, waren es hier vor allem die Lizenzzeitungen, die eine der Maßnahmen jener Informationskontrolle konkretisierten. Am Beispiel der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) soll hier ein kurzer Einblick auf solch eine Lizenzzeitung gegeben werden. Sie war – soviel sei vorweggenommen – eine der ersten Lizenzzeitungen überhaupt in Deutschland.

Die Lizenzzeitungen wurden allerdings als solche nicht gleich beschlossen. Sie etablierten sich viel mehr zu einem demokratisch-politischen Wegweiser, der durch die Medienkontrolle der jeweiligen Besatzungsmacht in gewisser Hinsicht geleitet wurde. Doch waren es alle vier Besatzungsmächte? Wollten tatsächlich die Briten die selbe Zeitung wie beispielsweise die Russen oder die Franzosen? Diesen und weiteren Fragen soll in dieser Hausarbeit auf den Grund gegangen werden.

Im Folgenden soll zunächst mit der Erläuterung des Lizenzierungsprozesses begonnen werden. Wie ging dieser eigentlich von Statten?

2. Der Lizenzzierungsprozess

„Bevor PWD[4] in Deutschland direkt tätig werden konnte, produzierten sie Flugblätter und –zeitungen, die mit Flugzeugen über feindlichem Gebiet abgeworfen wurden.[5] Diese Flugblätter waren demnach die erste in die Praxis umgesetzte Maßnahme, die die Alliierten zur Informationsverbreitung anwandten. War es auch der Anfang der späteren Lizenzzeitung? Die Antwort ist schlichtweg: ja. Wie oben bereits erwähnt, waren die Zeitungen nicht von heute auf morgen gedruckt und an den Mann gebracht. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Zeitungen sich zu solchen entwickeln konnten.

Die Lizenzierung wurde an drei aufeinanderfolgenden Phasen festgemacht. Diese lauteten wie folgt: „ 1. Totales Verbot auf dem Gebiet des Informations- und Unterhaltungswesens, Schließung aller Zeitungsbetriebe, 2. Herausgabe von Militärzeitungen, 3. Herausgabe von deutschen Zeitungen unter alliierter Kontrolle.[6]

Der erste Schritt war ein Gesetz, das es den Alliierten bewilligte, Presse herauszugeben. Dieses Gesetz ließ die erste Phase der „ amerikanischen Kulturpolitik[7] beginnen. Die Verabschiedung des Gesetztes Nummer 191 geschah bereits am 24. November 1944 durch General Eisenhower, das später noch einmal erneuert werden sollte[8]:

„1. Vorbehaltlich anderer Anordnungen oder sonstiger Ermächtigung durch die Militärregierung wird folgendes verboten: Das Drucken, Erzeugen, Veröffentlichen, Vertreiben, Verkaufen und gewerbliche Verleihen von Zeitungen, Magazinen, Zeitschriften, Büchern, Broschüren, Plakaten, Musikalien und sonstigen gedruckten oder mechanisch vervielfältigten Veröffentlichungen [...]“ [9] .

Durch das radikale Druckverbot entstand zunächst ein „‚ Blackout ‘“[10], welchen es zu überwinden galt. Wenn man bedenkt, dass es während der Zeit des Naziregimes nur zwei große Zeitungen für Deutschland gab, nämlich den Führer und den Stürmer und die, wie man an Hand ihrer Titel leicht erkennen kann, eher das Bild eines Nazi-Deutschland vermitteln sollten, so ist die erste Maßnahme im Hinblick auf das Druckverbot bereits ein voller Erfolg für die Alliierten gewesen. Denn mit der Denazifizierung musste dort begonnen werden, wo sie schnell und offensichtlich Adressaten gewann – bei der deutschen Zivilbevölkerung.

So lässt sich folglich aufzeigen, dass die Flugblätter und –zeitungen den Beginn einer neuen Printära in Deutschland festlegten. Diese zeigten den Menschen schließlich, dass es neben den vom NS-Regime gedruckten Informationen, noch andere, richtige und nicht nationalsozialistisch-gefärbte Nachrichten gab.

Die erste der drei Phasen war mit den Flugblättern eingeleitet worden. Was darauf folgen sollte, war ein weiterer Schritt hin zur Lizenzzeitung – die sogenannten Heeresgruppenblätter oder auch Mitteilungsblätter.[11]

In der zweiten Phase des Lizenzzierungsprozesses wurden Zeitungen herausgegeben, die vom Militär gedruckt wurden. Die Militärzeitungen wurden in deutscher Sprache verfasst und einmal pro Woche herausgegeben.[12] Sie waren vor allem ein „ Anordnungs- und Informationsmedium der Besatzungsmacht und hatte(n) als solches keinen Zeitungscharakter.“[13] In Heidelberg erschien im April 1945 Die Mitteilungen als erstes Mitteilungsblatt.[14]

Es war von vornherein klar, dass die Mitteilungsblätter nicht auf Dauer bestehen bleiben sollten. Sie dienten vielmehr der zeitlichen Überbrückung zwischen dem Blackout und der Lizenzzeitung. Jedoch vermittelten die Heeresgruppenblätter im Vergleich zu den Flugblättern eher einen Zeitungscharakter. Es häuften sich zudem Beschwerden den amerikanischen Mitteilungsblättern gegenüber, unter dem Vorbehalt, sie leisteten weniger einen sinnvollen Beitrag zur politischen Umerziehung.[15]

[...]


[1] Koszyk, Kurt, Pressepolitik für Deutsche, S. 10.

[2] Im besetzten Deutschland sollte eine Umerziehung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Menschen geschehen, was vor allem durch die Medien passierte. Vgl. Ebd., S. 17.

[3] Ebd., S. 22.

[4] Psychological Warfare Division. Vgl. Koszyk, Kurt, Pressepolitik für Deutsche, S. 21.

[5] Koszyk, Kurt, Pressepolitik für Deutsche, S. 39.

[6] Meyn, Hermann, Massenmedien in Deutschland, S. 66.

[7] Pape, Birgit, Kultureller Neubeginn in Heidelberg und Mannheim 1945 – 1949, S. 86.

[8] Vgl. Ebd., S.36.

[9] http://www.filmportal.de/df/37/Artikel,,,,,,,,EE6FD9F3182D944BE03053D50B371838,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html.

[10] Koszyk, Kurt, Pressepolitik für Deutsche, S. 36.

[11] Vgl. Pape, Birgit, Kultureller Neubeginn in Heidelberg und Mannheim 1945 – 1949, S. 88.

[12] Vgl. Ebd., S. 88.

[13] Ebd., S. 89.

[14] Vgl. Ebd., S. 90.

[15] Vgl. Ebd., S. 95-96.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Lizenzzeitungen am Beispiel der Rhein-Neckar-Zeitung
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Veranstaltung
Proseminar - „Stunde Null?“ – Das Kriegsende in Deutschland 1945
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V124869
ISBN (eBook)
9783640299355
ISBN (Buch)
9783640304295
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lizenzzeitungen, Beispiel, Rhein-Neckar-Zeitung
Arbeit zitieren
Joachim Golly (Autor), 2008, Lizenzzeitungen am Beispiel der Rhein-Neckar-Zeitung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124869

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