Die Bilanzierung von Bewertungseinheiten wurde sowohl in der Bilanzierungspraxis
als auch im Schrifttum lange Zeit intensiv diskutiert. Hierbei geht es um die Frage,
ob gegenläufige Wertentwicklungen eines Grundgeschäftes und eines korrespondierenden
Sicherungsinstruments kompensiert werden können. Eine rein formale Auslegung
der GoB würde aufgrund der asymmetrischen Behandlung von unrealisierten
Gewinnen und Verlusten zu einem nicht den wirtschaftlichen Tatsachen entsprechenden
Bild führen, da sich neutralisierende, gegenläufige Tendenzen unberücksichtigt
blieben. Mangels einer gesetzlichen Regelung stützte sich die Bilanzierung
von Bewertungseinheiten weitestgehend auf Stellungnahmen von Fachgremien und
dem Schrifttum. Die daraus resultierende Unsicherheit will der Gesetzgeber mit dem
neuen § 254 HGB-E im aktuellen RegE zum BilMoG beseitigen und eine handelsrechtliche
Kodifizierung des sog. Hedge Accounting herstellen. Eine Annäherung der
HGB-Rechnungslegung an die IFRS/IAS Standards und deren entsprechende Vorschrift
in IAS 39 ist hierbei unverkennbar.
Im Folgenden wird eine vergleichende Betrachtung der Regelungen nach BilMoG
und IFRS/IAS erfolgen. Aus steuerlicher Sicht wird die Frage zu klären sein, ob es
dem BilMoG gelingt eine belastbare Basis für die steuerliche Gewinnermittlung
nachzuliefern.
[...]
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Konzeption der Bewertungseinheit
- Vergleich von Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS/IAS und deutschem Steuerrecht
- Gesetzliche Verankerung von Bewertungseinheiten
- Grundgeschäft und Sicherungsinstrument
- Arten von Bewertungseinheiten
- Mikro-, Makro-, und Portfolio hedge
- Antizipativer hedge
- Voraussetzungen für die Bildung von Bewertungseinheiten
- Abzusichernde Risiken
- Dokumentation und Effektivität der Sicherungsbeziehung
- Rechtsfolgen
- Abbildung im Jahresabschluss
- Anhang und Lagebericht
- Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Bewertung von Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS und im deutschen Steuerrecht. Ziel ist ein vergleichender Überblick der Regelungen und die Klärung der Frage, ob das BilMoG eine tragfähige Basis für die steuerliche Gewinnermittlung liefert.
- Vergleich der Regelungen zur Bilanzierung von Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS/IAS und deutschem Steuerrecht.
- Analyse der gesetzlichen Verankerung von Bewertungseinheiten in den verschiedenen Rechtsrahmen.
- Untersuchung der Voraussetzungen für die Bildung von Bewertungseinheiten.
- Bewertung der Rechtsfolgen der Anwendung unterschiedlicher Bewertungsansätze.
- Auswirkungen auf die Abbildung im Jahresabschluss und den Lagebericht.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 (Einführung): Dieses Kapitel führt in die Thematik der Bilanzierung von Bewertungseinheiten ein und beleuchtet die historische Problematik der Kompensation gegenläufiger Wertentwicklungen von Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten. Die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung im BilMoG wird hervorgehoben.
Kapitel 2 (Konzeption der Bewertungseinheit): Kapitel 2 beschreibt die praktische Absicherung von Unternehmen gegen Risiken mithilfe von Sicherungsinstrumenten und die Problematik der strengen Anwendung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) in diesem Kontext.
Kapitel 3 (Vergleich von Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS/IAS und deutschem Steuerrecht): Dieser Abschnitt vergleicht die Regelungen der Bilanzierung von Bewertungseinheiten unter den verschiedenen Rechtsrahmen und beleuchtet die jeweilige gesetzliche Verankerung, die Arten von Bewertungseinheiten und die Voraussetzungen für deren Bildung. Die Rechtsfolgen und die Abbildung im Jahresabschluss werden ebenfalls behandelt.
Schlüsselwörter
Bewertungseinheiten, BilMoG, IFRS/IAS, Steuerbilanz, Hedge Accounting, Grundgeschäft, Sicherungsinstrument, Risikoabsicherung, Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB), Jahresabschluss, steuerliche Gewinnermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine Bewertungseinheit in der Bilanzierung?
Eine Bewertungseinheit (Hedge Accounting) fasst ein Grundgeschäft und ein Sicherungsinstrument zusammen, um gegenläufige Wertänderungen gemeinsam abzubilden.
Welche Neuerung brachte das BilMoG für Bewertungseinheiten?
Mit dem § 254 HGB wurde eine gesetzliche Kodifizierung geschaffen, die die asymmetrische Behandlung von Gewinnen und Verlusten bei Sicherungsgeschäften durchbricht.
Was sind die Voraussetzungen für die Bildung einer Bewertungseinheit?
Es muss ein abzusicherndes Risiko vorliegen, und die Sicherungsbeziehung muss dokumentiert sowie effektiv sein (Nachweis der Wirksamkeit).
Wie unterscheiden sich Mikro-, Makro- und Portfolio-Hedges?
Mikro-Hedges sichern Einzelgeschäfte ab, während Makro- und Portfolio-Hedges ganze Gruppen von ähnlichen Risikopositionen zusammenfassen.
Gibt es Unterschiede zwischen HGB (BilMoG) und IFRS?
Ja, obwohl sich das HGB an IAS 39 annähert, gibt es weiterhin Unterschiede in der strengen Auslegung der Dokumentationspflichten und der Bewertungsmethoden.
Welche Bedeutung haben Bewertungseinheiten für die Steuerbilanz?
Die Arbeit untersucht, ob die handelsrechtliche Regelung des BilMoG eine belastbare Basis für die steuerliche Gewinnermittlung bietet, da das Steuerrecht oft eigene Maßstäbe anlegt.
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- Holger Meyndt (Author), 2009, Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS und Steuerbilanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124884