Die Bilanzierung von Bewertungseinheiten wurde sowohl in der Bilanzierungspraxis
als auch im Schrifttum lange Zeit intensiv diskutiert. Hierbei geht es um die Frage,
ob gegenläufige Wertentwicklungen eines Grundgeschäftes und eines korrespondierenden
Sicherungsinstruments kompensiert werden können. Eine rein formale Auslegung
der GoB würde aufgrund der asymmetrischen Behandlung von unrealisierten
Gewinnen und Verlusten zu einem nicht den wirtschaftlichen Tatsachen entsprechenden
Bild führen, da sich neutralisierende, gegenläufige Tendenzen unberücksichtigt
blieben. Mangels einer gesetzlichen Regelung stützte sich die Bilanzierung
von Bewertungseinheiten weitestgehend auf Stellungnahmen von Fachgremien und
dem Schrifttum. Die daraus resultierende Unsicherheit will der Gesetzgeber mit dem
neuen § 254 HGB-E im aktuellen RegE zum BilMoG beseitigen und eine handelsrechtliche
Kodifizierung des sog. Hedge Accounting herstellen. Eine Annäherung der
HGB-Rechnungslegung an die IFRS/IAS Standards und deren entsprechende Vorschrift
in IAS 39 ist hierbei unverkennbar.
Im Folgenden wird eine vergleichende Betrachtung der Regelungen nach BilMoG
und IFRS/IAS erfolgen. Aus steuerlicher Sicht wird die Frage zu klären sein, ob es
dem BilMoG gelingt eine belastbare Basis für die steuerliche Gewinnermittlung
nachzuliefern.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Konzeption der Bewertungseinheit
3 Vergleich von Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS/IAS und deutschem Steuerrecht
3.1 Gesetzliche Verankerung von Bewertungseinheiten
3.2 Grundgeschäft und Sicherungsinstrument
3.3 Arten von Bewertungseinheiten
3.3.1 Mikro-, Makro-, und Portfolio hedge
3.3.2 Antizipativer hedge
3.4 Voraussetzungen für die Bildung von Bewertungseinheiten
3.4.1 Abzusichernde Risiken
3.4.2 Dokumentation und Effektivität der Sicherungsbeziehung
3.5 Rechtsfolgen
3.6 Abbildung im Jahresabschluss
3.7 Anhang und Lagebericht
4 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die handelsrechtliche Kodifizierung von Bewertungseinheiten durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) im Vergleich zu den bestehenden IFRS/IAS-Regelungen. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit die neuen gesetzlichen Regelungen eine belastbare Grundlage für die steuerliche Gewinnermittlung bieten und ob sie den Anforderungen an eine ordnungsmäßige Bilanzierung gerecht werden.
- Vergleich der handelsrechtlichen Neuregelungen mit IAS 39.
- Untersuchung von Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten bei Bewertungseinheiten.
- Abgrenzung verschiedener Hedge-Arten (Mikro-, Makro-, Portfolio- und antizipative Hedges).
- Voraussetzungen und Dokumentationspflichten für wirksame Sicherungsbeziehungen.
- Steuerliche Auswirkungen und bilanzielles Missbrauchspotenzial.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Mikro-, Makro-, und Portfolio hedge
Um Bewertungseinheiten hinsichtlich ihres Umfangs abzugrenzen, werden in der Literatur die Begriffe Mikro-, Makro-, und Portfolio hedge verwendet. Je nach abgesichertem Risiko ist bei allen Varianten eine Ausgestaltung als fair value oder cash flow hedge möglich. Wird ein Sicherungsgeschäft in der Weise gebildet, dass ein einzelnes Grundgeschäft unmittelbar durch ein einzelnes Sicherungsinstrument gegen Wertänderungen immunisiert wird, spricht man von einem Mikro hedge. Er dient der Vermeidung von Wertverlustrisiken bei einzelnen und eindeutig differenzierbaren Aktiva und Passiva.
Soll hingegen die risikokompensierende Wirkung mehrerer Geschäfte bzgl. etwaiger Risiken zusammenfassend betrachtet werden, führt dies zu unangemessen hohen Transaktionskosten. Im Rahmen eines modernen Risikomanagementsystems haben sich daher die Instrumente des Makro- und Portfolio hedge herausgebildet. Diese werden im Schrifttum teils unterschiedlich abgegrenzt, im Sprachgebrauch der IFRS/IAS sogar synonym verwendet, weshalb sich diese Arbeit an den Ausführungen des RegE orientieren wird. Demnach bezeichnet man einen Sicherungszusammenhang als Makro hedge, wenn die risikokompensierende Wirkung ganzer Gruppen von verschiedenartigen Grundgeschäften zusammenfassend betrachtet wird. Ein Portfolio hedge deckt die Risiken mehrerer, hinsichtlich Laufzeit, Art und Risikofaktor, gleichartiger Grundgeschäfte, durch ein oder mehrere Sicherungsinstrumente ab. Beide Varianten erlauben eine wertkompensierende Wirkung innerhalb der Bewertungseinheit, so dass lediglich eine überschießende Nettogröße abgesichert werden muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Diskussion um die Bilanzierung von Bewertungseinheiten und die Motivation des Gesetzgebers, mit dem BilMoG eine handelsrechtliche Kodifizierung des Hedge Accounting herbeizuführen.
2 Konzeption der Bewertungseinheit: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Notwendigkeit von Bewertungseinheiten, um gegenläufige Wertentwicklungen von Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten zu kompensieren und Verstöße gegen das True and Fair View Prinzip zu vermeiden.
3 Vergleich von Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS/IAS und deutschem Steuerrecht: Der Hauptteil analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Arten von Bewertungseinheiten, die spezifischen Anforderungen an Dokumentation und Wirksamkeit sowie die Rechtsfolgen im Jahresabschluss.
4 Ausblick: Das Fazit stellt fest, dass § 254 HGB-E eine Annäherung an die IFRS/IAS darstellt, jedoch aufgrund der vagen Formulierungen weiterhin erheblicher Konkretisierungsbedarf besteht, um Missbrauchspotenziale zu begrenzen.
Schlüsselwörter
Bewertungseinheit, BilMoG, HGB-E, Hedge Accounting, IAS 39, Sicherungsinstrument, Grundgeschäft, Mikro hedge, Makro hedge, Portfolio hedge, Antizipativer hedge, Risikomanagement, Gewinnermittlung, Bilanzierung, Dokumentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die handelsrechtliche Behandlung von Bewertungseinheiten im Zuge der Bilanzrechtsmodernisierung (BilMoG) in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der Vergleich zwischen HGB und IFRS/IAS, die Anforderungen an die Bildung von Bewertungseinheiten sowie deren steuerliche Anerkennung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu bewerten, ob das BilMoG eine belastbare Anwendungsbasis für die steuerliche Gewinnermittlung liefert und die bestehenden Unklarheiten beseitigen kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine rechtsvergleichende und analytische Untersuchung auf Basis von Fachliteratur, Gesetzesentwürfen und internationalen Rechnungslegungsstandards.
Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die gesetzliche Verankerung, die Definition von Grundgeschäften und Sicherungsinstrumenten, die Differenzierung verschiedener Hedge-Arten sowie Dokumentations- und Effektivitätsvorgaben.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bewertungseinheit, Hedge Accounting, Risikomanagement, BilMoG und steuerbilanzielle Gewinnermittlung.
Warum sind antizipative Hedges besonders umstritten?
Sie ermöglichen Gestaltungspielräume, die zur Manipulation des Jahresergebnisses genutzt werden könnten, weshalb ihre Dokumentation eine besondere Herausforderung darstellt.
Welche Rolle spielt die Dokumentation für die Wirksamkeit?
Eine lückenlose und für Dritte nachvollziehbare Dokumentation ist zwingende Voraussetzung, um eine missbräuchliche Bildung von Bewertungseinheiten zu verhindern und den Sicherungszusammenhang zu belegen.
- Quote paper
- Holger Meyndt (Author), 2009, Bewertungseinheiten nach BilMoG, IFRS und Steuerbilanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124884