De imperio Cn. Pompeii ad Quirites oratio

De lege Manilia


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 2-


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.: Historischer Diskurs

2.: Anlass und Konsequenzen der Rede

3.: Analyse der Rede
3.1.: Prooemio
3.2.: Narratio

4.: Argumentatio
4.1.: Confirmatio
4.2.: Confutatio

5.: Conclusio

6.: Zusammenfassung

7.: Bibliographie

1. Historischer Diskurs:

Zunächst einmal muss der geschichtliche Hintergrund als Anlass der Rede betrachtet werden. Da im Jahre 67 v. Chr. Seeräuber im Mittelmeerraum umherzogen und ihr Unwesen trieben, wurde dem damaligen Konsul Gnaeus Pompeius Magnus[1] zur Beseitigung dieses Problems von dem Volkstribun Aulus Gabinius ein außerordentliches Kommando erteilt[2]. Da er, zusammen mit seinem Konsulatskollegen Marcus Crassus, im Jahre 70 v. Chr. die tribunizische Gewalt der Volkstribunen wieder herstellte, war es möglich, ein solches Kommando erteilt zu bekommen. Der damalige Diktator Cornelius Sulla hatte zuvor unter seinem Reformprogramm die Rechte der Volkstribunen eingeschränkt, unter anderem die der tribunizischen Gewalt.

Zeitgleich schlug sich König Mithridates[3] IV. von Pontus von Osten her in die Provinzen Bithynien und Kilikien vor. Außerdem bestand Gefahr für die Provinz Kleinasien, wo nun die Geldanlagen der Steuerpächter und Geschäftsleute römischer Bürger und Ritter in Gefahr waren. Zuvor hatte bereits der Feldherr Lucius Lucullus in den Jahren „74 – 67 v. Chr[4].“ gegen Mithridates gekämpft. Dann wurden ihm jedoch nach und nach Provinzen und Kommandos entzogen[5] und Mithridates erlangte zunehmend immer mehr Territorium. Da nun „innerhalb von 40 Tagen“[6] Cn. Pompeius das Problem der Seeräuber weitestgehend beseitigte und sich nun im östlichen Kriegsgebiet gut auskannte, hatte er großes Ansehen im Bezug auf Heeresführung und Kriegsorganisation erlangt. Er wurde schließlich auf Grund dieser erfolgreichen Leistung im Jahre 66 v. Chr. von dem Volkstribun Gaius Manilius, dem Amtsnachfolger des A. Gabinius, für den Krieg gegen Mithridates im Osten vorgeschlagen[7]. Der Redner M. T. Cicero sollte nun diese Interessen vertreten und wurde der Herausforderung gegenübergestellt eine politische Rede zu halten. Somit schrieb er seine Rede über den Oberbefehl des Cn. Pompeius, oder auch über das Manilische Gesetz. Cicero erhoffte sich dadurch auch „die Dankbarkeit des Pompeius“[8] und gab sich daher in seiner Arbeit besonders viel Mühe. Außerdem war es für ihn als Angehörigen des Ritterstandes seine Pflicht, sich für diesen einzusetzen, da es nämlich auch dieser Stand war, dessen Gelder in der Provinz Kleinasien in Gefahr waren.

Um jetzt genauer auf die Rede einzugehen, lässt sich die Frage stellen, was denn Ciceros persönlicher Anlass war und warum er Cn. Pompeius als Feldherrn, bzw. die Interessen des Volkstribun C. Manilius vertrat und wie er damit umging.

2. Anlass und Konsequenzen der Rede:

Zunächst einmal war Ciceros persönliche Meinung eindeutig: Er wollte, dass Pompeius den Oberbefehl gegen Mithridates erteilt bekommt. Dies lässt sich allein an Hand des Titels[9] seiner für ihn konzipierten Rede festmachen. Hätte der Titel anders geheißen, so würde Ciceros Intention vielleicht nicht sofort klar. So sieht man jedoch sofort, dass er gleich über den Oberbefehl des Pompeius schrieb und redete, obwohl dieser ja noch nicht einmal vergeben war. Auch auf Grund beider Titelvarianten, kann man beobachten, dass er nicht nur Cn. Pompeius angibt, sondern auch auf C. Manilius eingeht und ihn namentlich nennt. Dies kann entweder nur den Sinn der namentlichen Nennung der Ehre wegen oder, was jedoch wahrscheinlicher ist, die Erwähnung eines anderen, um eine zusätzliche Wählergruppe zu gewinnen, so dass man folglich zwei verschiedene Wählergruppen auf seiner Seite hat[10]. Auch hier ist sein politisches Engagement gut zu erkennen. Ferner wird das Publikum, also die Zuhörerschaft bereits im Titel, konkret angesprochen und Ciceros Adressaten sind damit eindeutig: Die Bürger von Rom: „ ad Quirites[11]. Sie sind es letztendlich, die wählen.

Ein weiterer Punkt war Ciceros persönlich-politischer Werdegang innerhalb des cursus honorum[12]. Ohnehin ist uns seine politische Karriere nicht unbekannt. Er entstammte nicht der nobilitas[13] und hatte es trotzdem zu einem der wichtigsten Männer der gesamten römischen Antike gebracht! So hatte er zur Zeit der Rede, also 66 v. Chr., das Amt des Praetors inne, ergo war Cicero sicherlich davon gereizt das Konsulat zu erlangen. Sehr wahrscheinlich ist die Rede gerade deshalb in einem überaus übertriebenen und sehr geschmückten Stil geschrieben, worauf weiter unten noch näher eingegangen werden soll.

Die Rede de imperio Cn. Pompeii war Ciceros erste politische Rede. Also eine Rede, die einen politischen Zweck hat und diesen im besten Fall ermöglichen soll, da ein Ausgangsproblem besteht. Da Cicero bereits selbst viel Erfahrungen in der Politik sammeln konnte und bekanntlich ein überaus guter Redner war, nahm er es mit Leichtigkeit auf sich, eine solche Rede zu verfassen. Sie wurde auf der rostra[14] auf dem comitium[15] vor der contio[16] gehalten und hatte, wie oben bereits erwähnt, die Quiriten als konkretes Publikum. Dadurch leitet Cicero die Aufmerksamkeit der Römer stets auf sich – den Redner selbst. Dies war vermutlich ein Indiz seiner Raffinesse, um seine Person noch mehr publik zu machen. Die Taktik, das Publikum und viele andere Menschen auf sich zu lenken, war zum einen für den Ausgang der Rede und zum andern für seine künftige Karriere als Politiker unabdingbar.

Die Konsequenzen der Rede waren folgende: Pompeius erhielt den Oberbefehl gegen Mithridates und innerhalb von nur 2 Jahren (bis 64 v. Chr.)[17] hatte er den gesamten Osten neu geordnet und somit die Provinzen und ihre Steuergelder wieder gesichert. Man kann also ohne Zweifel behaupten, dass es gewiss auch ein Teil Ciceros Errungenschaften war, dass der dritte Mithridatische Krieg für das römische Heer erfolgreichreich beendet wurde. Wenn er die Rede vielleicht auf eine andere Weise gehalten, oder sie nicht so extrem stilistisch und rhythmisch geschmückt hätte, wenn er sie an einem anderen Ort oder sogar überhaupt nicht gehalten hätte, wäre Pompeius eventuell nicht in den Krieg gezogen, sondern irgendjemand anderes, der es nicht wie er verstand, Krieg zu führen. Mithridates hätte sich dann von Osten her weiter vorschlagen und die römischen Provinzen besetzen können. Ergo war seine erste politische Rede für Cicero persönlich ein voller Erfolg, was ihm somit zusätzlich Ansehen und Popularität verschaffte. Der Erfolg zahlte sich auf ganzer Linie für ihn aus. Er wurde schließlich zum Konsul gewählt und bekleidete dieses Amt im Jahre 63 v. Chr. für ein Jahr lang. Trotz einiger Gegner des Gesetzesantrages des Manilius, vor allem aber vertreten durch Quintus Catulus und Quintus Hortensius, welche beide früher Konsuln waren und die Meinung vertraten, Pompeius könne mit einem außerordentlichen Kommando eine Diktatur erlangen[18], gelang es Cicero mit seiner Beredsamkeit die römischen Bürger zu überzeugen und die beiden Kritiker mit ihrem Standpunkt alleine zu lassen.

So möchte ich nun im Folgenden damit beginnen die Rede im Detail zu analysieren.

[...]


[1] Der Beiname Magnus ist Anlehnung an Alexander den Großen aus dem 4. Jh. v. Chr..

[2] Dieser Gesetzesantrag hieß lex Gabinia.

[3] Auch Mithradates. Der Name weicht je nach Literatur voneinander ab.

[4] K. Bringmann, Geschichte der römischen Republik, von den Anfängen bis Augustus, München 2002, 296.

[5] Vgl. Bringmann, Geschichte der römischen Republik, 296.

[6] J. Bleicken, Geschichte der römischen Republik, München 62004, 77. Vergleiche hierzu die Abweichung „49 Tage“ in M. Gelzer, Pompeius, Mit einer Einführung, München 1973, 71. Daraus folgt eine Ungenauigkeit. Jedoch ist anzunehmen, dass auf Grund des Erscheinungsjahres (2004) Bleickens Angabe wahrscheinlicher ist.

[7] Dieser Gesetzesantrag hieß lex Manilia.

[8] C. Habicht, Cicero der Politiker, München 1990, 40.

[9] de imperio Cn. Pompei(i) oder de lege Manilia. Beide Varianten sind vorhanden. Auch findet man sowohl Pompei, als auch Pompeii.

[10] Vgl. Habicht, Cicero der Politiker, 40.

[11] Zu deutsch: „An die römischen Bürger (gerichtet)“.

[12] Das ist die politische Ämterlaufbahn der Magistrate innerhalb des Senats.

[13] Zu deutsch: „Nobilität“. Familiäre Beamtenkarriere im republikanischen Rom.

[14] Zu deutsch: „Schiffschnabel“. Die rostra war die Rednerbühne auf dem forum romanum in Rom und hatte die Form eines Schiffschnabels. Daher das Wort.

[15] Zu deutsch: „Der Versammlungsplatz“.

[16] Zu deutsch: „Die römische Volksversammlung“.

[17] Vgl. Bleicken, Geschichte der römischen Republik , 78.

[18] Vgl. Cic. Manil., 51-53.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
De imperio Cn. Pompeii ad Quirites oratio
Untertitel
De lege Manilia
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Seminar für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Cicero und die römische Republik
Note
2-
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V124897
ISBN (eBook)
9783640307715
ISBN (Buch)
9783640305971
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pompeii, Quirites, Manilia
Arbeit zitieren
Joachim Golly (Autor), 2008, De imperio Cn. Pompeii ad Quirites oratio, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124897

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