Der deutsche Thronstreit 1198 - 1208

Ein Wechselspiel von Zufällen und Schicksalsschlägen


Seminararbeit, 2008
13 Seiten, Note: 2-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Doppelwahl
2.1 Der staufische Kandidat – Philipp von Schwaben
2.2 Der welfische Kandidat – Otto von Braunschweig

3 Papst Innozenz III. – Eine Schlüsselfigur ?

4 Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

5 21. Juni 1208 – Der Königsmord von Bamberg

6 Fazit

7 Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Literatur

1 Einleitung

„Am 12. Juli 1198 krönte der Kölner Erzbischof Otto IV. in der Pfalzkapelle in Aachen mit eigens angefertigten Insignien, da sich die ‚echten‘ Reichsinsignien in der Hand Philipps von Schwaben befanden, der erst am 08. September von Erzbischof Aimo von Tarentaise in Mainz gekrönt wurde. Beide Königserhebungen wiesen insofern Mängel auf, als sie nicht in allen Teilen den üblichen Rechtsgewohnheiten entsprachen. [...] Doch diese Kriterien reichten nicht aus, um zu entscheiden, welcher der beiden Kandidaten der rechtmäßige König war. [...] So argumentierte Innocenz III. in der Bulle ‚Venerabilem‘, daß Otto von der Mehrheit der Fürsten gewählt worden sei, denen nach Recht und Gewohnheit die potestas zur Wahl des Königs und künftigen Kaisers zustehe“[1].

So führt Steffen Krieb in seiner Ausgabe über die Konfliktregelungen des deutschen Thronstreits das Thema der hier aufgeführten Hausarbeit auf. In dieser soll der deutsche Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig von 1198 bis 1208 einerseits, die Rolle des Papstes Innozenz III. als Schlüsselfigur des Streites andererseits dargestellt und verschiedene Ansätze hinterfragt werden.

Die Ausgangssituation war folgende: Einige Geistliche und Weltliche waren gerade auf dem 4. Kreuzzug als der deutsche, staufische Kaiser Heinrich VI. am 28. September 1197 starb. Dessen jüngerer Bruder, Herzog Philipp von Schwaben, war gerade dabei seinen Neffen, den späteren römisch-deutschen Kaiser Friedrich II., aus Sizilien nach Deutschland zu holen. Friedrich war erst knapp drei Jahre alt und wohnte nach der Ernennung zum Nachfolger Heinrichs VI. noch bei seiner Mutter Konstanze in Sizilien. Jedoch,

„die Versuche seines Onkels Philipp, ihn durch Italien über die Alpen zu geleiten, scheiterten in italienischen Tumulten gegen die Deutschen, die nach dem Tod des Kaisers ausbrachen. Also wählten unterschiedliche Fürstengruppierungen 1198 zwei Könige, den Staufer Philipp, [...] und den Welfen Otto [...]“[2].

Das sind zusammengefasst die Aspekte, die der deutsche Thronstreit mit sich brachte. Man war sich Problemen solcher Art nicht bewusst und vor allem aber wusste man keine Lösung hierauf.

Zunächst sollen die beiden Hauptkandidaten des Thronstreites aufgeführt werden, wobei nicht ihre Biographie dargelegt wird. Zuerst wird die staufische Seite näher beleuchtet.

2 Die Doppelwahl

2.1 Der staufische Kandidat – Philipp von Schwaben

Philipp von Schwaben wurde gehindert seinen Neffen nach Deutschland zu holen und kehrte schließlich ohne ihn zurück. Er hatte nun eine Pflicht und einen Wunsch gleichzeitig – er sollte das staufische Königs- bzw. Kaiserhaus in seinem Namen vertreten.

Er entschloss kurzer Hand, „daß sie“ (Erzbischof Ludolf von Magdeburg und Herzog Bernhard von Sachsen) „ von sich aus einen Wahlausruf erließen“[3]. Ebenso sollte unter anderem Adolf von Köln, der Erzbischof, auf die staufische Seite geholt werden und man bot ihm Bezahlungen. Er lehnte diese jedoch ab und unter dem Vorbehalt, er sei dem englischen Königshause treu, wechselte er die Seite nicht[4]. Trotzdem,

wählte man den Oheim allerdings nicht zum Könige, aber man übertrug ihm unter dem Titel eines Reichdefensors eine außerordentliche Gewalt, die dem vollen Umfang der königlichen Macht entsprachen, aber zeitlich beschränkt sein und erloschen sollte, sobald König Friedrich ins Land komme“.[5]

Somit war nun der Entschluss gefasst, man übertrug Philipp von Schwaben den Titel des Reichdefensors. Wie Eduard Winkelmann schreibt, hatten die Staufer jedoch nicht den gewöhnlichen – im Sinne von bekannten oder rechtmäßigen – Koronator Adolf von Köln auf die ihre Seite gewinnen können. Nichts desto trotz wählte man Philipp von Schwaben schließlich „ in Mühlhausen und Ichtershausen[6] am 8. März zum König und ließ ihn hierauf am 08. September[7] vom Erzbischof Aimo von Tarentaise in Mainz zum König krönen[8] . Wie zu Beginn bereits erwähnt, mit den gewöhnlichen Reichsinsignien, da sich diese schließlich der Kaiserdynastie wegen seither in staufischen Hand befanden.

Fasst man nun einmal zusammen, stellt man fest, dass der staufische Nachfolger weder am richtigen Ort, noch vom richtigen Koronator gekrönt wurde. Jedoch befanden sich die Reichsinsignien in seinen Händen, welche den dritten Wahlritusaspekt bewilligten. Dies stellte ein kleines Problem dar, das jedoch so gesehen nicht ganz so schlimm gewesen wären. Man hätte sicherlich die Wahl auch so hingenommen, wenn sich nicht plötzlich, wie aus dem Nichts, ein Gegenspieler auftat und ebenfalls Anspruch auf die Krone erhob – Otto von Poitou oder auch: Otto von Braunschweig. Nun kristallisierte sich schon ein etwas größeres Problem heraus.

2.2 Der welfische Kandidat – Otto von Braunschweig

Otto wuchs am Hofe seines Onkels Richard Löwenherz auf. Dies sieht Winkelmann auch als Indiz dafür, dass er für die Wahl überhaupt in Frage kam. Er hatte von seinem Onkel diverse Allodien erhalten, unter anderem Poitou, daher auch sein Name[9]. Neben diesen Gütern hatte er auch die nötige finanzielle Unterstützung von ihm erhalten[10]. Zudem kommt hinzu, dass das welfische Haus, man darf es hier einmal als „Glück haben“ bezeichnen, den Erzbischof von Köln auf seiner Seite hatte. Wie oben schon erwähnt, weigerte sich dieser der Wahl Philipps von Schwaben zuzustehen und somit hatten die Welfen, gewöhnlich gesehen, nun den richtigen Koronator, der seines Amtes bewilligt war. Außerdem kam noch hinzu, dass Aachen, wo der eigentliche Krönungsakt für gewöhnlich vollzogen wurde, in jenem Gebiet lag, dass dem welfischen Hause zu jener Zeit treu gewesen war. Also, waren zwei der drei Wahlritusaspekte bestätigt: Der Koronator, nämlich der Erzbischof von Köln, und der Ort, nämlich Aachen. Der dritte Punkt, die Reichsinsignien, waren nicht in welfischer Hand. Somit krönte der Erzbischof Adolf von Köln schließlich Otto von Braunschweig bereits am 12. Juli 1198 in Aachen mit eigens nachgestellten Insignien zum König[11].

Auffällig und interessant ist jedoch, dass es die welfische Seite zeitlich betrachtet eher geschafft hatte einen König zu krönen, als die staufische. Wieso? War es ein Wetteifern? War bereits hier die Entscheidung des deutschen Thronstreites, der letztendlich knapp elf Jahre andauerte gefallen? Oder kamen die Welfen den Staufern nur deshalb zuvor, weil sie im Besitz des richtigen Ortes waren, der richtige Koronators auf ihrer Seite war oder es den Staufern einfach nicht so schnell gelang einen passenden Koronator zu erreichen? Letzteres ist wohl am Wahrscheinlichsten.

Fakt war aber gewesen, dass nun zwei Könige gewählt waren. Die welfische Seite hatte einen „Gegenkönig“ gewählt und zwar noch bevor Philipp von Schwaben zum König gekrönt wurde. War die Erhebung Ottos vielleicht sogar Rache auf den Sturz Heinrich des Löwen aus dem Jahre 1180? Damals hatten einige Geistliche und Weltliche die Besitzungen Heinrich des Löwen in dessen Abwesenheit verteilt und in der sogenannten Gelnhäuser Urkunde dokumentiert. Die Untersuchungen diesbezüglich sind jedoch sehr vage und würden hier eine eigene Ausarbeitung in Anspruch nehmen.

Im Folgenden wird der dritte Protagonist des deutschen Thronstreites, der sich nun zwangsläufig bis nach Rom ausweitete, aufgeführt.

[...]


[1] Krieb, Steffen, Vermitteln und Versöhnen. Konfliktregelungen im deutschen Thronstreit 1198 – 1208, S. 10.

[2] Schneidmüller, Bernd, Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819 – 1252), S. 242.

[3] Winkelmann, Eduard, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig, S. 66.

[4] Vgl. Ebd., S.66/67.

[5] Ebd., S.68.

[6] Hucker, Bernd, U., Kaiser Otto IV., S. 22.

[7] Ebd., S. 24.

[8] Winkelmann, Eduard, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig, S. 69.

[9] Vgl. Winkelmann, Eduard, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig, S. 74.

[10] Vgl. Hucker, Bernd, U., Kaiser Otto IV., S. 25-33.

[11] Vgl. Ebd., S. 24.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der deutsche Thronstreit 1198 - 1208
Untertitel
Ein Wechselspiel von Zufällen und Schicksalsschlägen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Staufer und Welfen
Note
2-
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V124900
ISBN (eBook)
9783640307722
ISBN (Buch)
9783640305988
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Thronstreit, Wechselspiel, Zufällen, Schicksalsschlägen
Arbeit zitieren
Joachim Golly (Autor), 2008, Der deutsche Thronstreit 1198 - 1208, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124900

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