Ich möchte diesen Essay zum Hauptseminar "Atomkonflikt nach Tschernobyl" nutzen, um die Atompolitik Finnlands zu untersuchen und Rückschlüsse auf die zukünftige Politik der finnischen Regierung bei der zivilen und militärischen Nutzung der Atomenergie aber auch zu Fragen der Sicherheit von Kernenergie und deren Anlagen zu ermöglichen. Zusätzlich möchte ich die Fragen des finnischen Atommülls und eine Einbindung der finnischen Atomenergie in deren Nachbarschaftspolitik und Politik im Hinblick auf die Energiepolitik
der Europäischen Union erörtern.
Dabei beschäftige ich mich zu Beginn meiner Arbeit mit der Geschichte der Atomnutzung in Finnland und versuche den heutigen Stand der Atomnutzung darzustellen. Zudem möchte ich Finnlands Rolle in internationalen Organisationen, wie der Internationalen
Atomenergie-Behörde (IAEA) oder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation (OECD) näher beleuchten. Im weiteren Verlauf versuche ich dann die aktuelle finnische Politik hinsichtlich des radioaktiven Abfalls und der Reaktorsicherheit einzugehen und die entsprechenden Instrumente darzustellen. Nachdem ich den aktuellen Stand der finnischen Atompolitik untersucht habe, stelle ich im anschließenden Teil die aktuelle Diskussion um den Bau weiteren Nuklear-Reaktoren dar, werfe einen Blick auf die finnische Außenpolitik und der Bedeutung von Kernenergie bei ihren Nachbarschaftsbeziehungen und der Politik hinsichtlich der Europäischen Union und stelle abschließend die finnische Positionen im Hinblick auf Nuklear-Waffen dar. Diese Ausblicke der finnischen Politik konfrontiere ich anschließend mit den Bemühungen von internationalen Anti-Atom-Lobbyisten wie Greenpeace oder IPPNW aber auch nationalen Bewegungen, die einen weiteren Ausbau der finnischen Atompolitik verhindern wollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltliche Einleitung zur Thematik
2. Aktueller Stand der Nutzung der Kernenergie in Finnland
2.1 Geschichte der Atomnutzung in Finnland
2.2 Heutiger Stand der Nutzung von Kernenergie
2.3 Finnische Atompolitik zu radioaktivem Abfall und Reaktorsicherheit
3. Diskussionen um zukünftige Nutzung der Atomenergie
3.1 Bau eines sechsten Nuklear-Reaktors
3.2 Integration der Atompolitik in Finnische Nachbarschaftsbeziehungen
3.3 Diskussionen um Nuklear-Waffen
4. Kritik an der finnischen Atompolitik
4.1 Positionen von internationalen Nicht- Regierungsorganisationen
4.2 Nationale Anti-Atom Bewegung in Finnland
6. Auswertung und Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die finnische Atompolitik, um Rückschlüsse auf die zukünftige Strategie der Regierung hinsichtlich ziviler und militärischer Nutzung sowie Reaktorsicherheit zu ziehen. Dabei steht die These im Fokus, dass der Bau neuer Reaktoren weniger der Energiesicherheit dient, sondern primär ein strategisches Vorhaben darstellt, dessen Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.
- Historische Entwicklung der Kernenergienutzung in Finnland.
- Aktueller politischer und rechtlicher Rahmen der Atompolitik.
- Diskussion über den Bau des sechsten Nuklear-Reaktors.
- Analyse der Kritik durch internationale NGOs und nationale Bürgerinitiativen.
- Einordnung der finnischen Atompolitik in den europäischen und internationalen Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.2 Heutiger Stand der Nutzung von Kernenergie
Finnland besitzt momentan vier arbeitende Kernreaktoren, die am Netz und in Betrieb sind und 2006 eine Gesamtenergieleistung von 22 Milliarden kWh in die nationale Energieversorgung eingespeist haben. Dabei handelt es sich um zwei Reaktoren in Loviisa (betrieben von Fortum Power and Heat Oy) und zwei Reaktoren in Olkiluoto (betrieben von Teollisuuden Voima Oy). Nach Aussagen der „World Nuclear Association“ hatten diese Reaktoren in den 90er Jahren einen der weltweit höchsten Effiziengrade von 94 Prozent.
Die zwei Reaktoren in Loviisa werden mit sowjetischen Wasserdruckreaktoren VVER-44 betrieben, die durch westliche Instrumente gesteuert und kontrolliert werden. Beide Lizenzen für die Reaktoren wurden am 26. Juli 2007 durch die finnische STUK-Behörde (Radiation and Nuclear Safety Authority) für Fortum auf 2027 und 2030 verlängert, wobei zwischenzeitlich weitere Sicherheitstest notwendig werden.
Bei den beiden Reaktoren in Olkiluoto (Nähe von Eurajoki) handelt es sich um zwei Heißwasserreaktoren, die von Swedish Asea-Atom gebaut worden sind. An diese Reaktorenwird momentan der fünfte finnische Kernreaktor „European Pressurized Reactor“ angebaut, der 2011 mit einer Gesamtleistung von 1.600 MW ans Netz gehen soll und aus einem Konsortium um den französischen AREVA Konzern und der deutschen Siemens AG gebaut wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Inhaltliche Einleitung zur Thematik: Der Autor erläutert seine Zielsetzung, die finnische Atompolitik zu analysieren, und stellt seine kritische These zu den Kosten und dem strategischen Nutzen der neuen Reaktoren vor.
2. Aktueller Stand der Nutzung der Kernenergie in Finnland: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die historische Entwicklung, die regulatorischen Grundlagen und den aktuellen Status der vier bestehenden Reaktoren.
3. Diskussionen um zukünftige Nutzung der Atomenergie: Es wird der Diskurs um den Bau eines sechsten Reaktors sowie die sicherheitspolitische Einbindung der finnischen Atompolitik in Nachbarschaftsbeziehungen und Abrüstungsfragen thematisiert.
4. Kritik an der finnischen Atompolitik: Der Fokus liegt hier auf den Argumenten und Protesten von internationalen NGOs wie Greenpeace sowie regionalen Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der Kernkraft.
6. Auswertung und Diskussion: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, hinterfragt die wirtschaftliche Amortisierung des Ausbaus und plädiert für mehr Transparenz bei der Entscheidung über den Energiemix.
Schlüsselwörter
Finnland, Atompolitik, Kernenergie, Nuklear-Reaktor, Energiesicherheit, Radioaktiver Abfall, Reaktorsicherheit, Europäische Union, Kyoto-Protokoll, Greenpeace, Bürgerinitiativen, European Pressurized Reactor, Loviisa, Olkiluoto, Energiewende.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die finnische Atompolitik und deren Entwicklung im Kontext der zivilen Nutzung sowie die sicherheitspolitischen Herausforderungen und gesellschaftlichen Diskussionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Geschichte der Atomnutzung in Finnland, den aktuellen Bau von Reaktoren, regulatorische Rahmenbedingungen sowie die Kritik von Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die finnische Atompolitik zu beleuchten und zu hinterfragen, ob die hohen Investitionskosten für neue Reaktoren in einem angemessenen Verhältnis zur nationalen Energiesicherheit stehen oder primär strategischen Interessen folgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Analyse von Fachberichten, Gesetzestexten, Statistiken internationaler Organisationen (IAEA, OECD) sowie journalistischer und NGO-Quellen, um die politische Argumentation kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der finnischen Kernenergie, Diskussionen über weitere Reaktoren und internationale Beziehungen sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Kritik an der aktuellen Atompolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Finnland, Atompolitik, Kernenergie, Reaktorsicherheit, Energiesicherheit, Kyoto-Protokoll und gesellschaftlicher Protest.
Warum wird der Bau des fünften und sechsten Reaktors kritisiert?
Kritiker führen Sicherheitsmängel, hohe zusätzliche Kosten, die Problematik der Endlagerung von Atommüll und die mangelnde Notwendigkeit gegenüber regenerativen Energiequellen an.
Welche Rolle spielt die STUK-Behörde?
Die STUK (Radiation and Nuclear Safety Authority) ist die zuständige finnische Aufsichtsbehörde, die Grenzwerte überwacht, den Bau lizenziert und für die Einhaltung technischer Sicherheitsstandards sorgt.
Wie steht Finnland in der Diskussion um Nuklearwaffen?
Finnland verfolgt eine klare ablehnende Haltung gegenüber Nuklearwaffen, unterstützt den Nichtverbreitungsvertrag (NPT) und setzt sich international für eine atomwaffenfreie Zone ein.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Pol. Björn Richter (Autor:in), 2007, Atompolitik in Finnland: Zwischen Expansion und Degression!? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124949