Die Arbeit zeigt, inwiefern der sprachsensible Fachunterricht laut Lehrkräften notwendig ist und was die sprachsensible Umsetzung in Form von Scaffolding bedeutet, um den bildungssprachlichen Wortschatz im Sachunterricht zu fördern.
Viele Studien konnten belegen, dass schulischer Erfolg und sprachliche Fähigkeiten einander bedingen. Demnach sollten in jedem Unterrichtsfach fachliche Inhalte und Sprache von den Lehrkräften berücksichtigt werden. Dies ist in Form eines sprachsensiblen Fachunterrichts möglich, der allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Chancen auf Bildung und eine aktive Teilnahme am Unterricht bietet.
Diese Teilnahme setzt die Bildungssprache voraus. Der sprachsensible Fachunterricht berücksichtigt fachliche Inhalte und die Bildungssprache. Dabei wird Scaffolding als zielführendendes Rahmenkonzept des sprachsensiblen Fachunterrichts eingeschätzt.
Die internationale Vergleichsstudie PISA konnte mehrfach erheben, dass sprachliche Fähigkeiten den schulischen Erfolg beeinflussen. Im Jahr 2000 belegte die PISA-Studie außerdem, dass Schülerinnen und Schüler mit einem Migrationshintergrund schlechtere Ergebnisse erzielen. Dies lässt sich auf fehlende sprachliche Fähigkeiten zurückführen. Der sprachsensible Unterricht soll dem entgegenwirken und allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Chancen auf Bildung ermöglichen.
Insbesondere durch die Flüchtlingssituation, leben aktuell in Deutschland mehr Menschen mit Migrationshintergrund als jemals zuvor. Diese Entwicklung birgt Herausforderungen für eine Lehrkraft. Denn neben der Heterogenität ihrer Schülerschaft müssen individuelle Lernvoraussetzungen und sprachliche Fähigkeiten einzelner Schülerinnen und Schüler berücksichtigt werden.
Jede Schülerin und jeder Schüler sollte im Unterricht die Chance erhalten, aktiv teilzunehmen. Dies setzt die Bildungssprache voraus, die für die Schülerinnen und Schüler ein neues Register darstellt und durch die Lehrkraft bewusst im Unterricht vermittelt werden sollte. Besonders der bildungssprachliche Wortschatz wird als Problematik angesehen, welcher die sprachliche Vermittlung von Wissen erschweren kann, da es oft um mehrdeutige bzw. abstrakte Begrifflichkeiten geht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Definitionen der Sprachregister Alltagssprache, Fachsprache, Schulsprache und Bildungssprache
2.1.1 Merkmale der Bildungssprache
2.1.2 Bildungssprachlicher Wortschatz
2.2 Sprachsensibler Fachunterricht
2.2.1 Sprache und Bildungserfolg
2.2.2 Sprachsensibler Sachunterricht
2.3 Scaffolding als Konzept des sprachsensiblen Fachunterrichts
2.3.1 Makro- Scaffolding
2.3.2 Mikro- Scaffolding
2.3.3 Phasen der Umsetzung von Scaffolding
3. Aktueller Forschungsstand
3.1 Sprachsensibler Fachunterricht
3.2 Bildungssprache
3.3 Bildungssprache und Mehrsprachigkeit
3.4 Bildungssprachlicher Wortschatz
3.5 Scaffolding
4. Herleitung der Fragestellung
5. Untersuchungsmethode
5.1 Forschungsdesign und Stichprobe
5.2 Erhebungsmethode und Erhebungsinstrument
5.3 Auswertungsmethode
5.4 Das Kategoriensystem
5.5 Gütekriterien der qualitativen Forschung
6. Darstellung der Ergebnisse
6.1 Rolle der Sprache im Sachunterricht
6.2 Sprachsensibler Sachunterricht
6.3 Scaffolding
6.4 Alltags- und Bildungssprache
6.5 Bildungssprachlicher Wortschatz
7. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
7.1 Einordnung der Ergebnisse in den Stand der Forschung
7.2 Implikationen für die Praxis
7.3 Methodenkritische Diskussion
8. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Perspektiven von Lehrkräften auf den Einsatz von Scaffolding im Sachunterricht der Primarstufe zu analysieren, um zu verstehen, wie sie diese Methode nutzen, um bildungssprachlichen Wortschatz systematisch zu fördern.
- Bedeutung des sprachsensiblen Fachunterrichts in der Grundschule
- Einsatz und Reflexion der Scaffolding-Methode durch Lehrkräfte
- Förderung des bildungssprachlichen Wortschatzes im Sachunterricht
- Herausforderungen und Barrieren bei der Umsetzung sprachsensibler Maßnahmen
- Methodische Gestaltung von Lehr-Lern-Prozessen in heterogenen Klassen
Auszug aus dem Buch
Die Rolle von Scaffolding als förderpädagogisches Konzept
Ursprünglich stammt der Begriff ‚Scaffolding‘ aus der Erstspracherwerbsforschung von Wood, Bruner und Ross (1976, S. 90), die Unterstützungsmaßnahmen auf sprachlicher Ebene während der Interaktion zwischen Eltern und ihrem Kleinkind erforschten. Diese überwiegend sprachlichen Unterstützungsmaßnahmen implizieren eine ,,vorübergehende Hilfestellung‘‘ und werden deswegen als ,,Baugerüst‘‘ bezeichnet (Kniffka, 2010, S. 1).
Wenn ein Kind dazu fähig ist, sprachliche Handlung ohne Unterstützung zu vollziehen, dann wird das Gerüst entfernt (ebd.). Hierbei spielt die ,Zone der nächsten Entwicklung‘ (ZNE) nach Lev Vygotsky (1978, S. 79) eine elementare Rolle. Demnach kann der Lernprozesse eines Kindes beschleunigt werden, indem eine soziale Interaktion mit anderen kompetenten Personen stattfindet, die das Kind dabei unterstützen, Aufgaben zu bewältigen, die über die Zone seiner aktuellen Entwicklung hinausgehen (Vygotsky, 1978, S. 85f). Somit übernimmt das Kind die Fähigkeiten einer sachkundigen Person und entwickelt sich entsprechend weiter (ebd.).
Der Ansatz nach Wood, Bruner und Ross (1976) und die Berücksichtigung der ZNE können als Ausgangspunkte bezeichnet werden, an denen Gibbons (2002, S. 8) ein förderpädagogisches Konzept etablierte. Scaffolding definiert Gibbons wie folgt:
This sociocultural approach to learning recognizes that with assistance, learners can reach beyond what they can do unaided, participate in new situations, and take on new roles. […] This assisted performance is encapsulated in Vygotsky's notion of the zone of proximal development, or ZPD, which describes the 'gap' between what learners can do alone and what they can do with help from someone more skilled. This situated help is often known as scaffolding (2009, S. 15).
Nach dieser Definition sollen insbesondere Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund unterstützt werden, um neue Fähigkeiten, Inhalte und Konzepte sprachlich und fachlich erschließen zu können. Beim Scaffolding geht es nicht nur darum, Hilfe anzubieten, sondern ein ,,temporäres Gerüst aufzubauen, um es Lernenden zu ermöglichen, sich neue Fertigkeiten anzueignen und neue Konzepte zu entwickeln‘‘ (ÖSZ, 2015, S. 12). Wenn Schülerinnen und Schüler eine Aufgabe eigenständig bewältigen können, dann wird dieses Gerüst abgebaut bzw. neu zusammengesetzt (Cameron, 2001, S. 8; Kniffka, 2010, S.1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Sprachförderung im Sachunterricht ein, benennt Scaffolding als zentrales Rahmenkonzept und umreißt die Struktur der Arbeit.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden Definitionen zu Sprachregistern, zum sprachsensiblen Fachunterricht sowie zum Konzept des Scaffoldings und dessen praktische Umsetzung erläutert.
3. Aktueller Forschungsstand: In diesem Kapitel werden relevante Studien und Projekte zur Sprachbildung und zum Scaffolding im Fachunterricht diskutiert, um den wissenschaftlichen Rahmen zu setzen.
4. Herleitung der Fragestellung: Das Kapitel verknüpft den Forschungsstand mit der zentralen Fragestellung der Arbeit und präzisiert die individuellen Unterfragestellungen.
5. Untersuchungsmethode: Dieser Abschnitt beschreibt das explorative Forschungsdesign, die qualitative Befragung von Lehrkräften sowie die Auswertung anhand der Inhaltsanalyse nach Mayring.
6. Darstellung der Ergebnisse: Hier werden die generierten Daten der Interviews chronologisch nach den Kategorien aufbereitet und mit Zitaten belegt.
7. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse: Die Befunde werden in den theoretischen Kontext eingeordnet und methodenkritisch reflektiert, wobei Implikationen für die Schulpraxis abgeleitet werden.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Dieses abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und zeigt Potenziale für zukünftige Forschungsbedarfe auf.
Schlüsselwörter
Sprachsensibler Fachunterricht, Scaffolding, Sachunterricht, Bildungssprache, bildungssprachlicher Wortschatz, Grundschule, Lehrkräfte, Experteninterview, qualitatives Forschungsdesign, Sprachförderung, Inklusion, Differenzierung, Fachbegriffe, Operatoren, Migrationshintergrund
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz von Scaffolding als didaktische Methode im sprachsensiblen Sachunterricht an Grundschulen, um bildungssprachliche Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern gezielt zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Sprachregister, Scaffolding als Rahmenkonzept für den Unterricht, die Verzahnung von fachlichem Lernen mit sprachlicher Bildung sowie die Herausforderungen der Lehrkräfte im Umgang mit bildungssprachlichem Wortschatz.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Fragestellung lautet: „Inwieweit nutzen Lehrkräfte Scaffolding als Methode des sprachsensiblen Fachunterrichts, um den bildungssprachlichen Wortschatz im Sachunterricht zu fördern?“
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Zur Beantwortung der Fragestellung wurde eine explorative Studie mit Expertinnen- und Experteninterviews durchgeführt, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurde.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Fachbegriffe und Konzepte, eine Darstellung des aktuellen Forschungsstandes sowie eine detaillierte Auswertung und Diskussion der empirisch gewonnenen Interviewdaten.
Was charakterisiert diese Arbeit besonders?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von theoretischem Wissen über Sprachförderkonzepte (wie Leisens sprachsensiblen Unterricht) mit der subjektiven Wirklichkeitsdimension von Lehrkräften in der täglichen Unterrichtspraxis aus.
Welche Rolle spielen Operatoren laut den befragten Lehrkräften?
Die Lehrkräfte identifizieren Operatoren als eine der zentralen Hürden für Schülerinnen und Schüler, da diese oft missverstanden werden, was zu fachlichen Fehlern führt – dies betrifft alle Kinder, unabhängig von ihrem Hintergrund.
Warum ist laut der Studie eine fächerübergreifende Kooperation wichtig?
Da die Vorbereitung sprachsensiblen Unterrichts zeitaufwendig ist, plädieren die Lehrkräfte für Kooperationen, um nachhaltige Methoden wie den "Wortspeicher" fächerübergreifend zu etablieren und so die Schülerinnen und Schüler besser zu entlasten.
- Quote paper
- Sarah Brink (Author), 2021, Scaffolding im sprachsensiblen Sachunterricht. Ein förderpädagogisches Rahmenkonzept in der Primarstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1249642