In seiner Gesta Chuonradi II. Imperatoris beschreibt Wipo, Angehöriger der Hofkapelle Heinrichs II. und später Kaplan unter Konrad II., dessen Königserhebung im Jahre 1024 n. Chr.. Er beginnt mit dem Tod Heinrichs II., der kinderlos gestorben war und dessen Reich in Unordnung und Unfrieden unterzugehen drohte, da einige Große mit Gewalt seinen Platz einnehmen wollten. Jedoch verwahrte die Witwe des Kaisers, Kunigunde, die Herrscherinsignien und konnte so, zusammen mit geistlichen und weltlichen Großen, das Reich zusammenhalten. Wipo berichtet, dass aus einer Auswahl von Vielen, nur zwei Kandidaten, als mögliche
Nachfolger Heinrichs II. in Frage kamen. Diese hießen Konrad der Ältere und Konrad der Jüngere, die beide aus der Herrscherfamilie der Salier stammten, welche kurz darauf die Herrschaft der Ottonen ablösen sollte. Nach einer Unterhaltung beider Konkurrenten und der anschließenden Einigung wird Konrad der Ältere schließlich zum König erhoben. In dieser Arbeit soll untersucht werden, inwiefern Wipos Weltbild die von ihm geschilderten Geschehnisse prägte und ob die ,,Königswahl" in Kamba wirklich ein völlig neuartiges Ereignis war, wie der Hofkaplan des Königs uns glauben lassen möchte. Nach einer Analyse
der Gesta Chuonradi II. Imperatoris folgt eine ausführliche Beschreibung der Ereignisse vom Tod Heinrichs II. über die "Königswahl" in Kamba und die Weihe Konrads II. in Mainz bis
zum Umritt des neuen Königs. Hierbei soll Wipos Absicht, die tatsächlichen Geschehnisse größtenteils vor dem Hintergrund seiner moralischen und pädagogischen Ziele zu erzählen, verdeutlicht werden und auf sein Streben, die Königserhebung vor Gott zu rechtfertigen, Bezug genommen werden. Abschließend wird ein Vergleich mit Widukinds "Idealdarstellung" der Königserhebung Ottos I. im Jahre 936 Aufschluss darüber geben, was letztendlich diese "Wahl" Konrads II. 1024 so anders und neuartig machte, indem analysiert werden soll, welche fünf Instanzen an beiden Erhebungen beteiligt waren und die Königswürde des jeweiligen Herrschers legitimierten.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Hauptteil
I. Analyse von Wipos Gesta Chuonradi II. Imperatoris
II. Der Tod Heinrichs II. und die Lage im Reich 1024
III. Die Vorstellung der beiden Konrade
IV. Die Königserhebung Konrads des Älteren
a) Die Königswahl in Kamba
1. Die Ausgangssituation Vorort
2. Die Rede Konrads des Älteren an Konrad den Jüngeren
3. Ablauf und Ende der „Königswahl“ in Kamba
b) Die Königsweihe in Mainz
V. Der Königsumritt Konrads II.
V. Vergleich mit Widukinds „Idealdarstellung“ der Königserhebung von Otto I.
C. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Königserhebung Konrads II. im Jahr 1024 auf Basis der "Gesta Chuonradi II. Imperatoris" von Wipo. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, inwiefern Wipos Darstellung als "Idealdarstellung" zu bewerten ist und ob die Wahl Konrads II. tatsächlich ein historisch neuartiges Ereignis ohne erbliche Legitimation oder vorherige designatio darstellte.
- Analyse von Wipos Tatenbericht als moralisch-pädagogisches Werk
- Die politische Situation nach dem Tod Heinrichs II.
- Prozess der Königswahl in Kamba und die Rolle der Salier
- Bedeutung des Königsumritts zur Festigung der Herrschaft
- Vergleichende Analyse der Königserhebung Ottos I. durch Widukind
Auszug aus dem Buch
III. Die Vorstellung der beiden Konrade
Beide Konrade stammten aus dem Geschlecht der Salier, welches schon ab dem siebten Jahrhundert zur politischen Führungsschicht des Frankenreiches zählte. Sie selbst kannten diese Bezeichnung ihrer Familie nicht. Um nun einen genauen Einblick über ihre Abstammung zu erhalten, ist es notwendig den Stammbaum der Vorfahren der Konrade zu analysieren.
Durch Liudgard, eine Tochter Ottos des Großen, waren sie mit dem alten Königshaus verwandt und erfüllten so die erbrechtlichen Voraussetzungen. Auch Wipo legt die erlauchte Herkunft in aller Ausführlichkeit dar, indem er beschreibt, dass beide Konrade nicht nur durch ihre Väter, welche Brüder waren, sondern auch durch ihre Mütter, von sehr hohem Adel waren. Des Weiteren sollten ihre Ahnen dem alten Königtum Trojas entstammen, was wohl eine der höchsten Auszeichnungen war, die ein zukünftiger König haben konnte.
Betrachtet man die anderen männlichen Mitglieder des salischen Herrscherhauses, so lassen sich diese schnell als mögliche Kandidaten ausschließen. Denn sie waren entweder Geistliche oder waren schon vorher zum geistlichen Beruf bestimmt worden. Somit verwundert es nicht, dass die Auswahl letztendlich nur auf die beiden Konrade fallen konnte.
Konrad der Ältere war damals etwa 35 Jahre alt und Konrad der Jüngere, der den Hauptteil des salischen Erbes innehatte, etwa 22 Jahre alt. Wipo erklärt, dass sich der Adel lange nicht zwischen den beiden entscheiden konnte, da man zwar den Älteren Konrad wegen seiner virtutem et probitatem bevorzugte, was man aber wegen der potentiam Konrads des Jüngeren nicht wagte offen darzulegen, um keinen Streit der beiden zu provozieren. Aber nur die Tugenden Konrads des Älteren, wie Wipo uns glauben lassen will, werden die Entscheidung der Großen zu seinen Gunsten wohl nicht ausschließlich gefördert haben. Die Betrachtung des Stammbaums zeigt nämlich, dass Konrad der Ältere in der Ehe mit Gisela einen Sohn vorweisen konnte, was die Herrschaftsfolge natürlich enorm sicherte und Thronvakanzen wie 1002 und 1024 verhindern sollte. Konrad der Jüngere konnte zu diesem Zeitpunkt im Vergleich weder einen Nachkommen, noch eine Ehe vorweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in die Thematik der Königserhebung Konrads II. und Zielsetzung der Untersuchung auf Basis von Wipos Gesta.
B. Hauptteil: Detaillierte Analyse der politischen Umstände, der Wahl in Kamba, der Rolle Wipos sowie des Königsumritts und ein Vergleich mit der Erhebung Ottos I.
I. Analyse von Wipos Gesta Chuonradi II. Imperatoris: Untersuchung der Quelle als tendenziöser Tatenbericht, der Wipos moralische Ziele über die reine historische Wahrheit stellt.
II. Der Tod Heinrichs II. und die Lage im Reich 1024: Beschreibung der krisenhaften Thronvakanz nach dem kinderlosen Tod Heinrichs II. und des sichernden Eingreifens der Kaiserin Kunigunde.
III. Die Vorstellung der beiden Konrade: Untersuchung der salischen Abstammung und der persönlichen Voraussetzungen der beiden Konrade im Kontext der Herrschaftsnachfolge.
IV. Die Königserhebung Konrads des Älteren: Darstellung der komplexen Verhandlungen in Kamba, der Rolle der Geistlichkeit und der Einigung der Kandidaten.
a) Die Königswahl in Kamba: Fokus auf die lokale Versammlung, die Anwesenheit der Stämme und den diplomatischen Prozess unter den Saliern.
1. Die Ausgangssituation Vorort: Analyse der politischen Gruppierungen und der Abwesenheit maßgeblicher Repräsentanten in Kamba.
2. Die Rede Konrads des Älteren an Konrad den Jüngeren: Aufarbeitung der Wipo-Quelle bezüglich der internen Einigung der beiden Konkurrenten.
3. Ablauf und Ende der „Königswahl“ in Kamba: Beschreibung der formalen Wahlakte, der Akklamation und der Insignienübergabe.
b) Die Königsweihe in Mainz: Analyse der symbolischen Salbung und des politischen Kontextes des Krönungsortes.
V. Der Königsumritt Konrads II.: Erläuterung der Bedeutung der Reise durch das Reich zur Festigung der Anerkennung bei oppositionellen Stämmen.
V. Vergleich mit Widukinds „Idealdarstellung“ der Königserhebung von Otto I.: Kontrastierung der Erhebung Konrads II. mit dem durch Widukind beschriebenen Idealbild der ottonischen Nachfolge.
C. Schluss: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage zur Einzigartigkeit der Königswahl Konrads II.
Schlüsselwörter
Konrad II., Wipo, Königserhebung, Salier, Kamba, Königswahl, Thronvakanz, Widukind, Otto I., Mittelalter, Herrschaftslegitimation, Reichskirche, Königsumritt, Mittelalterliche Geschichte, Gesta Chuonradi.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Königserhebung Konrads II. im Jahr 1024 und analysiert dabei kritisch das Werk des zeitgenössischen Autors Wipo, um dessen Absichten und die historische Einordnung des Ereignisses zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die dynastische Vakanz nach den Ottonen, der Übergang zur salischen Herrschaft, die Rolle der symbolischen Kommunikation und die Bedeutung rechtlicher sowie religiöser Legitimation bei mittelalterlichen Königswahlen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, inwiefern Wipos Darstellung von einer "Idealdarstellung" geprägt ist und ob die Wahl Konrads II. in Kamba historisch gesehen ein völlig neues, legitimatorisch eigenständiges Ereignis darstellte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse von Wipos "Gesta Chuonradi II. Imperatoris" durchgeführt, die durch einen systematischen Vergleich mit Widukinds "Res Gestae Saxonicae" ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Quelle, die politische Lage nach 1024, die Vorstellung der salischen Kandidaten, den Ablauf der Wahl in Kamba, die Königsweihe in Mainz sowie den Königsumritt und den Vergleich mit der ottonischen Tradition.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Konrad II., Wipo, Königserhebung, Thronvakanz, Salier, Kamba, Herrschaftslegitimation und die Res Gestae Saxonicae.
Warum spielt der Abzug der Lothringer und Sachsen in Kamba eine wichtige Rolle?
Der Abzug der Opposition verdeutlicht, dass die Wahl in Kamba keineswegs eine universelle, einmütige Zustimmung darstellte, weshalb der nachfolgende Königsumritt für Konrad II. existenziell war, um seine Herrschaft auch in diesen Gebieten zu festigen.
Inwiefern unterscheidet sich die Erhebung Konrads II. von der Ottos I.?
Der entscheidende Unterschied liegt in der fehlenden designatio (Bestimmung durch den Vorgänger) und dem mangelnden direkten Erbanspruch, was Konrad II. dazu zwang, sich seine Anerkennung vollständig durch die Zustimmung der Großen und symbolische Akte zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Christian Lübke (Autor:in), 2009, Königserhebungen im 10., 11. und 12. Jahrhundert , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124966