Inwieweit lassen sich rechtspopulistische und links-liberale Parteien in Reckwitz‘ Gesellschaftsmodell einordnen? Lassen sich Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien finden? Ergeben sich Muster in der Argumentation? Dies soll anhand der Einstellung deutscher Parteien zur gleichgeschlechtlichen Ehe untersucht werden. Hierbei eignet sich Deutschland, da es erstens mit seinem Mehrparteiensystem eine reichhaltige Auswahl an Parteien aus dem rechten wie linken politischen Spektrum bietet. Zweitens ist die Thematik der gleichgeschlechtlichen Ehe im Gegensatz zu anderen Ländern verhältnismäßig neu. Als Partei der alten Mittelschicht wird die AfD in die Untersuchung einbezogen.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zuerst wird der begriffliche Rahmen erläutert. Hierbei wird sich insbesondere auf die für die Forschungsfrage relevanten Klassen der alten und neuen Mittelklasse konzentriert. Anschließend wird im empirischen Teil ausführlicher auf die Methodik eingegangen und die Parteien hinsichtlich ihrer Haltung zur gleichgeschlechtlichen in das Gesellschaftsmodell von Reckwitz eingeordnet. Es wird erwartet, dass sich die AfD als Vertreter der alten Mittelklasse gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausspricht, die Grünen hingegen als Vertreter der neuen Mittelklasse diese befürworten. Abschließend werden die Ergebnisse resümiert und ein kurzer Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der theoretische Rahmen: Von der nivellierten Mittelschicht der Nachkriegszeit zur 3+1-Struktur des 21. Jahrhunderts
3. Die Verortung der Alternativen für Deutschland und des Bündnis 90/Die Grünen in Reckwitz‘ Klassenmodell anhand ihrer Einstellung zur gleichgeschlechtlichen Ehe
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, inwieweit sich die Parteien "Alternative für Deutschland" (AfD) und "Bündnis 90/Die Grünen" als typische Vertreter der alten bzw. neuen Mittelschicht in das 3+1-Gesellschaftsmodell von Andreas Reckwitz einordnen lassen. Dabei wird analysiert, ob sich die zugeschriebenen unterschiedlichen Wertehaltungen zur gleichgeschlechtlichen Ehe in den offiziellen Bundestagswahlprogrammen der Jahre 2017 und 2021 widerspiegeln.
- Analyse der spätmodernen 3+1-Gesellschaftsstruktur nach Andreas Reckwitz.
- Gegenüberstellung der Merkmale von alter und neuer Mittelschicht.
- Untersuchung der Einstellung zur gleichgeschlechtlichen Ehe mittels Inhaltsanalyse.
- Vergleich der Parteiprogramme von AfD und Bündnis 90/Die Grünen.
- Überprüfung der soziologischen Klassenmodelle anhand politischer Realia.
Auszug aus dem Buch
Die postindustrielle Sozialstruktur und ihre Herausforderungen
Dass sich die westliche Gesellschaft zu Beginn der 1970er Jahre von einer nivellierten Mittelstandsgesellschaft mit einer breiten, verhältnismäßig homogenen Mittelschicht zu einer ausdifferenzierten 3+1-Gesellschaft entwickelte, stellt den Ausgangspunkt der Überlegungen von Reckwitz dar. Treiber dieser Entwicklung sind die spätmodernen Prozesse der Postindustrialisierung, der Bildungsexpansion und des Wertewandels. Bei diesen Entwicklungen fühlt sich die alte Mittelschicht zunehmend vernachlässigt, abgehängt und von ihrer Umwelt entfremdet. Politisch finden diese Gefühle Ausdruck in einer Neigung, rechtspopulistische Parteien zu wählen. Die akademische und kosmopolitische neue Mittelschicht hingegen profitiert von diesen Prozessen und fühlt sich links-liberalen Parteien zugehörig.
Wenn Reckwitz mit seinen Annahmen Recht hat, sollten rechtspopulistische Parteien Positionen der alten Mittelklasse vertreten, linke Parteien hingegen Positionen der neuen Mittelklasse. Inwieweit lassen sich rechtspopulistische und links-liberale Parteien in Reckwitz‘ Gesellschaftmodell einordnen? Lassen sich Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien finden? Ergeben sich Muster in der Argumentation? Dies soll anhand der Einstellung deutscher Parteien zur gleichgeschlechtlichen Ehe untersucht werden. Hierbei eignet sich Deutschland, da es erstens mit seinem Mehrparteiensystem eine reichhaltige Auswahl an Parteien aus dem rechten wie linken politischen Spektrum bietet. Zweitens ist die Thematik der gleichgeschlechtlichen Ehe im Gegensatz zu anderen Länder verhältnismäßig neu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert das Phänomen des Rechtspopulismus, stellt das 3+1-Gesellschaftsmodell von Andreas Reckwitz vor und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Einordnung von AfD und Grünen.
2. Der theoretische Rahmen: Von der nivellierten Mittelschicht der Nachkriegszeit zur 3+1-Struktur des 21. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Wandel der Sozialstruktur, die Triebkräfte der Postindustrialisierung und charakterisiert die unterschiedlichen Wertewelten von alter und neuer Mittelschicht.
3. Die Verortung der Alternativen für Deutschland und des Bündnis 90/Die Grünen in Reckwitz‘ Klassenmodell anhand ihrer Einstellung zur gleichgeschlechtlichen Ehe: Hier erfolgt die empirische Inhaltsanalyse der Wahlprogramme von 2017 und 2021, um die tatsächliche politische Positionierung beider Parteien in Bezug auf das familienpolitische Spektrum zu prüfen.
4. Fazit: Das Kapitel resümiert die Untersuchungsergebnisse, bestätigt die theoretischen Annahmen von Reckwitz empirisch und schlägt Ansätze für zukünftige politikwissenschaftliche Forschungen vor.
Schlüsselwörter
Rechtspopulismus, 3+1-Gesellschaft, Andreas Reckwitz, neue Mittelschicht, alte Mittelschicht, Postindustrialisierung, Wertewandel, gleichgeschlechtliche Ehe, AfD, Bündnis 90/Die Grünen, Inhaltsanalyse, Wahlprogramme, Sozialstruktur, politische Einstellung, gesellschaftliche Spaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Einordnung der Parteien AfD und Bündnis 90/Die Grünen in das soziologische Klassenmodell von Andreas Reckwitz, speziell anhand ihrer familienpolitischen Äußerungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die postindustrielle Sozialstruktur, den Wandel von der nivellierten Mittelschicht zur 3+1-Gesellschaft, sowie die politische Kommunikation in Wahlprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es zu belegen, ob die von Reckwitz für die alte und neue Mittelschicht identifizierten konservativen bzw. linksliberalen Wertemuster sich in den Parteiprogrammen zu Ehe- und Familienmodellen empirisch nachweisen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Zur Anwendung kommt eine quantitative Inhaltsanalyse von Bundestagswahlprogrammen der Jahre 2017 und 2021.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Klassentheorie erörtert und anschließend die empirischen Daten zur Einstellung gegenüber der gleichgeschlechtlichen Ehe und dem traditionellen Familienbild codiert und ausgewertet.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Reckwitz, 3+1-Gesellschaft, Klassenmodell, politische Parteien, Inhaltsanalyse und Rechtspopulismus.
Warum wird die gleichgeschlechtliche Ehe als Indikator gewählt?
Die Ehe für alle dient als klar erfassbare politische Bruchlinie, da sie das Spannungsfeld zwischen traditionellen, wertekonservativen Auffassungen und progressiv-liberalen, postmaterialistischen Vorstellungen ideal verdeutlicht.
Wie unterscheidet sich die AfD in den Ergebnissen von den Grünen?
Während die AfD durch eine explizite Betonung traditioneller Familienmuster das konservative Milieu anspricht, dokumentieren die Grünen eine deutliche Offenheit gegenüber alternativen Ehemodellen und eine positive Einstellung zur Homosexualität.
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- Bachelor Nils Keukert (Author), 2022, Die postindustrielle Sozialstruktur Deutschlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1249790