Die Vorsokratiker

Die Schwierigkeiten der empedokleischen Kosmogonie und Eschatologie sowie die Frage nach einen Dualismus


Hausarbeit, 2008

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II. 1. Die vier Elemente
II. 2. Die Prinzipien
II. 3. Abriss der Kosmogonie
II. 4. Die Schwierigkeiten des Kosmogoniemodells
II. 4. 1. Übergang zwischen Ruhe und Bewegung
II. 4. 2. Bewegung und Leere
II. 4. 3. die dritte Phase – die Vorherrschaft des Streits
II. 4. 4. Die Entstehung der Welt (überliefert von Aristoteles)
II. 4. 5. Die Einwände des Aristoteles
II. 5. Die Eschatologieproblematik bei Empedokles Kosmogonie
II. 6. Empedokles als Wegbereiter für einen Dualismus?

III. Schluss

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Empedokles von Akragas, dem heutigen Arigent, war zu seiner Zeit nicht nur ein bedeutender Arzt und Wanderprediger, sondern auch ein großer Philosoph, der in seinen Schriften die Lehren der Eleaten und des Heraklits mit eigenen, vor allem naturphilosophischen Gedanken verband. Während über das Ableben des Empedokles zahlreiche Berichte überliefert sind und sich viele Gelehrte, wie beispielsweise Hölderlin, diesen Thema widmeten, sind von seinen Lehren nur zwei fragmentarisch erhalten geblieben – Die „Peri physeos“ (über die Natur) und die „Kartharmoi“ (die Reinigung).[1]

Die Kosmogonie entwickelt Empedokles in seinem Naturlehrgedicht rückgreifend auf Gedankengut vor allem von Parmenides. Obgleich er seinen Vorgänger zu polemisieren scheint, zeigen sich zahlreiche Parallelen, so zum Beispiel die Annahme eines unwandelbaren Seins, das ewig und unveränderlich ist oder auch das Wirken von Kraft, um den Weltentstehungsprozess in Gang zu setzen. Zugleich hebt sich Empedokles aber auch stark von den Eleaten ab, indem er sein Sein aus vier Komponenten, den so genannten Wurzeln (heute auch Elemente), zusammengesetzt denkt und eine Doppelung der Kräfte in Erwägung zieht, um die von Parmenides verworfene Bewegung zu erklären. Die parmenideische Leugnung von Bewegung wird in „Über die Natur“ überwunden, sodass Empedokles nun in der Lage ist, nicht nur das heraklitische Werden sondern auch das Vergehen zu erklären, als ein Mischungs- und Austauschprozess der vier Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft.

Doch bereits diese Annahmen, die Empedokles in den Kapitel „Prinzipienteil“ abhandelte und vermutlich seiner Kosmogonie voranstellte, enthalten nicht zuletzt aufgrund seiner poetischen und missverständlichen Ausdrucksweise zahlreiche Schwierigkeiten, die sich dann auch in der Kosmogonie abzeichnen. Aus diesem Grund ist es wichtig die Kosmogonie und deren Fundament genauer zu beleuchten, um herauszufinden, ob Empedokles, wie es Aristoteles sagt, „nur stammelt“ oder doch etwas „Richtiges“ hervorgebracht hat.[2]

Zu diesem Zweck soll in einen ersten Anlauf die Annäherung an Empedokles erfolgen durch die Darstellung seines Prinzipienteils, der sich einerseits in eine Abhandlung über die Wurzeln und andererseits in eine Einführung der Prinzipien Liebe und Streit unterteilt. Daran anknüpfend wird die Kosmogonie kurz umrissen, um im weiteren Verlauf die mit dieser (Kosmogonie) einhergehenden Einwände und Probleme aufzeigen zu können. Unter dem Titel „Die Schwierigkeiten der Kosmogonie“ soll zuerst das Problem vom Übergang zwischen Ruhe und Bewegung abgehandelt werden, welches immer noch in der Literatur sehr präsent ist. Als zweites wird speziell die Bewegung und die Leugnung von Leere beziehungsweise Nicht-Seiendem in Anlehnung an Parmenides betrachtet. Des Weiteren ist es auch wichtig, die Kontroverse in Bezug auf den Übergang vom eindringenden Streit hinzu der Vorherrschaft dieser Kraft zu skizzieren und zu hinterfragen. Daran anschließend erreicht die Kosmogoniedarstellung ihren Höhepunkt in einen Abriss der Entstehung der Welt, der von Aristoteles überliefert wurde. Am Ende des Kapitels stehen die Einwände von Aristoteles selbst, die kurz skizziert und genauer beleuchtet werden sollen. Die Einwände beziehen sich dabei: Erstens darauf, dass Empedokles die Liebe und den Streit nicht durchgängig gleich gebrauchte, sodass die Liebe auch trennend und der Streit auch vereinend wirken kann. Zweitens darauf, dass durch das Gesagte es so scheint, als ob der Philosoph nicht vier sondern sechs Elemente gebrauchte, aus denen heraus die Welt entsteht. Drittens darauf, dass Empedokles die vier Elemente nicht im Sinne von vier gleichwertigen lehrt, sondern vielmehr dass er von zwei Elementen ausgeht, wovon eines das Feuer ist und die anderen (Erde, Wasser und Luft) von einer einzigen Natur sind, wodurch das Feuer einen „Sonderstatus“ einnehmen würde. Und zu guter Letzt, viertens der Hinweis, dass Empedokles als erster die Prinzipien gut und böse eingeführt habe. Im Anschluss an die Darstellung wird das Kritikfeld verlassen, um kurz auf die, mit der Kosmogonie verwobene Eschatologie-Problematik einzugehen. Während des Beschäftigens mit der Literatur entbrannte darüber hinaus die Frage, ob Empedokles, der ein Pluralist zu sein scheint, nicht in Wirklichkeit einen Dualismus entwickelte, weshalb dies den abschließenden Punkt der Arbeit ausmachen soll.

II. Hauptteil

Über die Kosmogonie bei Empedokles reden zu wollen, bedarf einiger weitreichender Vorüberlegungen, da diese die Kenntnis der vier Elemente und der Prinzipien Liebe und Hass antizipiert, sowie Folgen, die sich aus deren Zusammenwirken ergeben. Deshalb muss notwendigerweise erst der Prinzipienteil abgehandelt werden, bevor man sich mit der Entstehung des Kosmos und der damit verwobenen Frage der Eschatologie auseinandersetzt.

II.1. Die vier Elemente

Die Wurzeln des Empedokles sind die grundlegenden Konstituenten des Weltalls, weshalb vor der Abhandlung der Kosmogonie auf sie eingegangen werden muss.

346: „Denn höre zuerst die vier Wurzelgebilde aller Dinge: hell scheinender Zeus (Feuer); Leben spendende Hera (Luft); [unsichtbarer] Aidoneus (Erde) und [fließende] Nestis (Wasser), die mit ihren Tränen den sterblichen Quellstrom benetzt.“

Gelegentlich werden die Wurzeln mit Göttern gleichgesetzt, vermutlich um ihre Charakteristika als seiende, ewige und unentstandene zu betonen. Über die Benennung der Elemente als Gottheiten stimmt die Literatur nicht überein. Rückgreifend auf Theophrast identifizert dieser Zeus als Feuer, Hera als Luft, Aidoneus (Hades) als Erde. Der einzige, über den diesbezüglich Einigkeit herrscht, ist der dem Wasser zugeschriebene Nestis.[3]

Empedokles schreibt den vier Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft erstmalig eine sowohl qualitative als auch quantitative Gleichwertigkeit zu und charakterisiert sie gleichwohl als die letzte Wirklichkeit. Die Gleichwertigkeit, Gleichaltrigkeit und gleiche Stärke der Wurzeln wird zusätzlich noch ergänzt durch sämtliche Eigenschaften des parmenideischen Seins, wodurch die Nähe zu diesen verstärkt wird. Allerdings schließt der vorsokratische Philosoph die Unbewegtheit des Parmenides aus, sodass seinen Seienden die Attribute ungeworden, unvergänglich, unveränderlich, homogen und konstant zugeschrieben werden, sowie die erwähnte Bewegtheit.

„Nun entsprechen die Elemente des Empedokles und des Anaxagoras in der Tat den Prinzipien, die man aus Parmenides herausziehen kann. Diese Elemente sind (1) ewig, (2) von einer einzigen Natur, (3) in ihrer Natur unveränderlich, (4) vollständig in dem Sinne, daß nichts erforderlich ist, um sie Wirklichkeit werden zu lassen. Sie konstituieren (5) nicht einen Dualismus (von dem man annehmen darf, daß Parmenides ihn kritisierte) sondern (5a) einen Pluralismus, der gleichwohl (6) Gegensätze verkörpert (daraus aber nicht besteht). Ferner sind die Elemente (7) unabhängig voneinander und (8) einander gleich.“[4]

Ebenfalls von seinem Vorgänger übernommen ist die Leugnung des Leeren beziehungsweise eines Nicht-Seienden. Das, was in der Natur als leer angesehen werden könnte, ist laut Empedokles in Wirklichkeit Luft. Dabei bewies er die Inexistenz der Leere nicht nur theoretisch sondern auch experimentell, indem er in Versuchen zeigte, dass dasselbe Volumen Luft in der Lage ist Wasser zu verdrängen und umgekehrt.[5]

Darüber hinaus kommt den Wurzeln des Empedokles ein Sein zu, welches in der Lage ist alles „Andere“ (die natürlichen Dinge) hervorzubringen. Durch das Konstituieren von Dingen verlieren die Wurzeln ihre „ursprüngliche Gestalt“ und zeigen sich nicht mehr als „Fundamente“, sondern bilden in ihrem Zusammenwirken ein Endprodukt. So sind sie als Wurzeln zwar nicht mehr erkennbar, aber dennoch als solche, aus eigenem Recht existierende, gegeben. Anders formuliert bedeutet es, dass die vier Wurzeln ihrer Natur nach immer unveränderlich bleiben, sich aber als veränderte, durch das Eingehen einer Synthese aus der heraus sich das Mannigfaltige ergibt, offenbaren können. Empedokles konstruiert folglich mit Hilfe seiner Wurzeln eine Mannigfaltigkeit, die in sich einheitlich aus einer mannigfaltigen Einheit hervorgegangen ist.

Wie vielleicht aufgefallen ist, war bisher immer die Rede von Wurzeln, obwohl die Lehre des Empedokles heute stets mit den vier Elementen assoziiert wird. Die Rede von „Elementen“ wirft aber Probleme auf, die meist jedoch nicht berücksichtigt werden.[6] So zum Beispiel ist das „bei sich bleiben können“, das „sich selbst treu bleiben“ der Wurzeln nur schwer fassbar, wenn man von Elementen spricht. Diese, so scheint es, werden in einen Schmelztiegel geworfen, aus dem heraus irgendetwas entsteht und wieder vergeht, der Ursprung aber bleibt stets unbekannt. Bei den Wurzeln hingegen verhält es sich anders. Sie wachsen zusammen und entfalten eine Blüte wobei aber die Wurzel gleichfalls als Fundament erhalten bleibt. Veranschaulicht würde das heißen, dass eine Pflanze, die bekanntlich aus Wurzeln, Stiel und Blüte besteht, „oberirdisch“ ein Produkt der „unterirdisch“ verschiedenen Wurzeln darstellt und dass der Stiel den Zusammenlauf der unterschiedlichen Verwurzelungen symbolisiert. So gesehen werden die einheitlich gedachten Mannigfaltigen im Wachstum Eines, die durch verschiedene Mischungsverhältnisse die Vielheit aus ein und denselben vier Wurzeln hervorzubringen vermögen. Ergo muss man bei der Lehre des Empedokles immer von einer Einheit als auch von einer Vielheit zugleich ausgehen, da die Einheit der Elemente (beispielsweise in einer Pflanze) ohne deren Vielheit nicht gedacht werden kann. Demzufolge ist Empedokles, der von einer Beteiligung aller vier Elemente bei der Erschaffung der Dinge ausgeht, ein Pluralist.

II.2. Die Prinzipien

Die Kraft, die die Einheit aus der Vielheit hervorzubringen vermag, ist die Liebe. Der Antipod dazu, also das, was in der Lage ist, die Einheit auf die Stufe der Vielheit zurückzuwerfen, ist der Streit. Diese zwei personifizierten Kräfte sind laut Empedokles göttlich, unsterblich, unsichtbar, gleichgewichtig und gleichaltrig und darüber hinaus in alle Richtungen gleichmäßig ausgespannt im Raum, folglich gleich an Länge und Breite.[7] Anders gesagt könnte man sie sich auch als ausgespanntes, isotropes und homogenes Kraftfeld vorstellen, das sich sowohl auf die materielle als auch auf die belebte Welt auswirkt und so die Ursache für alle Ereignisse und Erscheinungen in der Welt ist.

Die zwei Prinzipien müssen immer zusammen mit den vier Elementen gedacht werden, da sie zwar von diesen unabhängig, aber ohne diese keinerlei Funktion hätten. Folglich sind sie nicht, wie häufiger vermutet, zwei zusätzliche Elemente, sondern eher die Situation der Elemente ausdrückende Modi, denn ohne die Liebe kann die Situation der Anziehung nicht erklärt werden und ohne den Streit nicht der Umstand der Abstoßung. Dennoch scheint sich eine Asymmetrie zwischen den beiden Grundmodi abzuzeichnen, denn Empedokles wähnt selbst, dass sich die Liebe in und durch alle Wurzeln bewegt, also als in diesen „angelegt“ erscheint, während der Streit außerhalb stehend, in den Hintergrund tretend, keinen Rückhalt in den für die natürlichen Dinge Fundamentalen findet. Wenn dem aber so ist, warum setzt sich dann Empedokles durch die Doppelung der Kräfte von Parmenides ab, anstatt sich wie dieser nur auf die Kraft der Liebe zu beschränken? Er könnte doch auch selbst, wenn er ein solches Phänomen wie Vergehen annehmen möchte, dieses mit weniger Anziehungskraft (Schwinden der Liebe) erklären. Dem ist aber nicht so, denn eine solche Annahme würde wiederum die Frage aufwerfen, weshalb etwas, sich einst stark Anziehendes, auf einmal diese Kraft verlieren sollte. Da Empedokles sich die durch Liebe und Streit begünstigte Mischung und den Austausch als „Zusammenwachsen“ und „Auseinaderwachsen“ dachte, brauchte er zwei als Attraktion und Repulsion wirkende Kräfte, da er ansonsten nicht erklären könnte, warum Verbundenes zerfällt.[8] Aber auch für die Induktion von Bewegung ist der Streit fundamental, was an späterer Stelle gezeigt werden soll. Folglich ist es nicht möglich, dem Philosoph vorzuwerfen, das Prinzip der Liebe sei für sich genommen ausreichend gewesen.

Auch die schon angedeutete Interpretation der Prinzipien als zusätzliche Elemente muss revidiert werden, da sie im Vergleich zu den Wurzeln wesentliche Unterschiede aufweisen. Zum einen kommt den Prinzipien keine Quelle/kein Ursprung zu, während die Elemente mit Sonne, Himmel, Meer und dergleichen assoziiert werden. Zum anderen, sind die Prinzipien keinen Prozessualen unterworfen, sondern vielmehr sind sie es, die den Prozess steuern und durch ihr Wirken die Entstehung der Welt und der Lebewesen ermöglichen. Eo ipso sind Liebe und Streit die fundamentalen Kräfte der Kosmogonie, durch deren Wirken die Mannigfaltigkeit der natürlichen Dinge entsteht.

Doch wie können die vier Wurzeln die gesamten natürlichen Dinge erschaffen?

Auf das Wurzelfundament wirken zwei äußere, gegenstrebige Kräfte ein, die Liebe (philotes) und der Streit (neikos), durch die die Wurzeln bewegt werden. Im Zustand der absoluten Liebe liegt eine homogene Einheit der Elemente vor; im Zustand des höchsten Hasses hingegen sind die Elemente separiert voneinander. Zwischen den Maximum-Phasen von Liebe und Streit sind Übergangsphasen zu verzeichnen, in denen die Prinzipien miteinander kämpfen. Sofern sich in dieser Phase die Abstoßungs- und Anziehungskräfte duellieren, entstehen aus der Vermischung der Wurzeln die konkreten Dinge. Laut den Philosophen ist es möglich aus den vier „Grundbausteinen“ die beliebige Vielfalt zu schaffen, wie es auch der Maler aus Farben vollbringt, ohne das etwas zu den Wurzeln hinzu entsteht oder weggenommen wird.[9] Die Schwierigkeit besteht nun darin, die Wurzeln, die als Seiende charakterisiert wurden, als bewegt und veränderbar zu fassen. Die Elemente sind im Zustand maximaler Liebe und maximalen Streits unbewegt. Durch den Kampf zwischen den beiden Prinzipien werden sie zu bewegten, die in der Lage sind sich zu mischen.

Neben den Zwischenstadien, in denen sich die Liebe und der Streit im Kampf befinden, sind andere Phasen existent, in denen jeweils eines der beiden Prinzipien sein Maximum erreicht. Das Höhepunkt der Liebe, das durch einen Zustand der völligen Einheit der Elemente gekennzeichnet ist, wird auch als Sphairos bezeichnet, was den Ausgangspunkt für die Entwicklung des Weltgefüges bildet und gleichzeitig den Übergang von der Prinzipienlehre zur Kosmogonie markiert.

II.3. Abriss der Kosmogonie

Ausgangspunkt der Kosmogonie des Empedokles ist vermutlich der Sphairos, also der höchste Zustand von Harmonie und Einsamkeit der Elemente, geschaffen durch die Liebe. Obgleich die Annahme eines immerwährenden Kreislaufs die Rede von einem Anfangspunkt nahezu unmöglich macht, soll in Anlehnung an die zur Verfügung stehende Literatur der Sphairos an den Anfang der Kosmogonie gesetzt werden.

Der Sphairos, dem eine Kugelgestalt zugeschrieben wird, vereinigt in sich die vier Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft in einer homogen gemischten Weise, sodass das Zusammensein in der Kugel in einer Ununterscheidbarkeit der Elemente resultiert. Im Sphairos können aber die Elemente nicht einfach so zusammengehalten werden, sondern es bedarf der Kraft der Liebe, während der Streit in dieser Periode ganz in den Hintergrund tritt, dennoch aber anwesend bleibt. Das Stadium des Sphairos ist die erste so genannte Ruhephase auf dem Weg zur Weltenstehung.

Aus einem unerfindlichen Grund aber dringt in einer zweiten Phase der Streit aus „den Tiefen“ in den Sphairos ein und zerstört dessen Symmetrie. Das so geschaffene Ungleichgewicht führt zum Einsetzen einer kreisförmigen, immer schneller werdenden Bewegung, die unter den Namen Wirbel oder Strudel bekannt ist und zentrifugale Eigenschaften besitzt. Anders ausgedrückt: Der Streit, der in dieser Phase aus dem Hintergrund kommend in die Kugel – den Sphairos – eindringt, initiiert eine Bewegung, durch die die Kugel auseinander fällt. Im weiteren Verlauf entsteht angeblich nicht nur die uns bekannte Welt, sondern auch die Lebewesen.

[...]


[1] Vgl. Brockhaus der Philosophie, S. 80.

[2] Vgl. Hegel, S. 350.

[3] Vgl. Geoffrey, S. 316. Auch die Deutung, dass Hera der Erde und Hades der Luft entspricht, ist denkbar, sowie die Klassifizierung: Zeus entspricht Luft, Hera der Erde und Aidoneus dem Feuer.

[4] vgl. Long, S. 155.

[5] vgl. Vamvacas, S. 239f.

[6] Obgleich Empedokles die Grundbausteine der Welt nicht als „stoicheia“ sondern als „rhizomata“, also Wurzeln oder Verwurzelungen verstanden wissen wollte, soll der mittlerweile eingebürgerte Begriff der Elemente auch in dieser Hausarbeit, der Einfachheit halber, beibehalten werden beziehungsweise synonym mit dem der Wurzeln verwandt werden.

[7] vgl. Vamvacas, S. 241.

[8] Attraktion lat. ad trahere (zu sich hin ziehen)

Attraktion und Repulsion sind zwei, für die Phänomenologie typische Begriffe in Bezug auf Fremdes und Neuartiges. In diesem Fall ist gemeint, dass etwas Fremdes und Unbekanntes eine gewisse Faszination und Anziehungskraft auf die Elemente ausübt – Attraktion – aber ebenso, durch eben die Neuartigkeit auch eine gewisse Abstoßung, Vorsicht oder Zurückhaltung – Repulsion entsteht.

[9] Vgl. Long, S. 145.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Vorsokratiker
Untertitel
Die Schwierigkeiten der empedokleischen Kosmogonie und Eschatologie sowie die Frage nach einen Dualismus
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Die Vorsokratiker
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
27
Katalognummer
V125026
ISBN (eBook)
9783640299997
ISBN (Buch)
9783640304851
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorsokratiker
Arbeit zitieren
Susanne Zozmann (Autor), 2008, Die Vorsokratiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125026

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