Während der Beschäftigung mit Dietrich Bonhoeffers am Ende doch recht kurzem Leben ergeben sich viele interessante Anknüpfungspunkte, die eine eingehende Beschäftigung rechtfertigen, wenn nicht sogar fordern. Damit sind nicht nur solche entscheidenden Stationen in Bonhoeffers Leben gemeint wie die Arbeit im Finkenwalder Predigerseminar oder aber auch die Entscheidung zur Teilnahme an der Konspiration. Mit der vorliegenden Arbeit soll ein weiterer wichtiger Aspekt im Wirken Bonhoeffers bearbeitet werden. Dabei wird es um eine Betrachtung seiner beiden Amerikareisen 1930/31 und 1939 gehen. Es soll insbesondere darauf geachtet und anhand des Berichtes an das Kirchenbundesamt 1931 und seiner Schrift zum amerikanischen Protestantismus 1939 näher verdeutlicht werden, welche Sicht Bonhoeffer während der beiden Aufenthalte auf den amerikanischen Protestantismus erhalten hat. Hierbei wird zu klären sein, inwieweit sich Bonhoeffers Einschätzung des amerikanischen Protestantismus gegenüber der ersten Reise in der zweiten gewandelt hat oder ob sich keine nennenswerte Veränderung ergab. Neben diesem Hauptaugenmerk wird folglich weiter zu untersuchen sein, welche entscheidenden Momente sich für Bonhoeffer während seiner beiden Reisen ereignet haben. Hierbei soll verwiesen werden auf Freundschaften, Reisen und Erfahrungen mit den schwarzamerikanischen Kirchen in Amerika.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ERSTE AMERIKAREISE 1930
2.1 Entscheidung zum Auslandsaufenthalt
2.2 The Union Theological Seminary
2.3 Der Student Dietrich Bonhoeffer am Union
2.4 Bonhoeffers Erfahrungen in der Abyssinian Baptist Church
2.5 Bonhoeffers Reisen in Amerika: Kuba und Mexiko
2.6 Studienbericht für das Kirchenbundesamt
2.7 Einschätzung des ersten Amerikaaufenthaltes
3. GESCHICHTLICHER ABRISS DER ZEITLICHEN EREIGNISSE ZWISCHEN DEN BEIDEN AMERIKAREISEN
4. BONHOEFFERS ZWEITE AMERIKAREISE 1939
4.1 Beweggründe zur erneuten Reise nach Amerika
4.2 Bonhoeffers Tätigkeit in New York und die Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland
4.3 Bonhoeffers Schrift: Protestantismus ohne Reformation
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung von Dietrich Bonhoeffers Sicht auf den amerikanischen Protestantismus während seiner beiden Auslandsaufenthalte in den Jahren 1930/31 und 1939, wobei insbesondere die kritische Analyse seiner Berichte und Schriften im Vordergrund steht.
- Vergleichende Analyse der beiden Amerikareisen Bonhoeffers
- Einfluss der Erfahrungen in der Abyssinian Baptist Church
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Union Theological Seminary
- Wandel der Wahrnehmung durch den Kontext der Zeitgeschichte
- Entscheidungsprozesse hinsichtlich der Rückkehr nach Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.2 The Union Theological Seminary
Das Union wurde im Jahr 1836 als presbyterianische Kirche gegründet und war somit bei Bonhoeffers Amerikaaufenthalt rund 100 Jahre alt. Die Leitung hatte damals H. S. Coffin inne. Um die Jahrhundertwende überarbeitete man die Gründungssatzung in dem Maße, dass aus der ehemaligen Presbyterianerkirche eine Theologische Hochschule für Protestanten aller unterschiedlichen Richtungen wurde. Folglich zog ein moderner und liberaler Geist in die Mauern des Union ein, welcher die Hochschule zu einer der fortschrittlichsten und kritischsten des ganzen Landes werden ließ.
Schon zu dieser Zeit verfügte das Union über kirchliche und theologische Beziehungen weit über die Landesgrenzen hinaus bis nach Europa. So ist es nicht verwunderlich, dass bereits damals eine Reihe von Stipendien für ausländische Studenten existierten. Eines von ihnen wurde Dietrich Bonhoeffer zuteil. Er war infolgedessen ein sogenannter Sloane-Fellow. Eine gewisse Frau Sloane hatte 1920 ein Stipendium für ein Jahr für einen französischen Stipendiaten finanziert. Dieses wurde später in eine Stiftung umgewandelt, womit jährlich drei Europäern die Möglichkeit gegeben werden konnte für ein Gastjahr nach Amerika zu gehen. Bonhoeffers Mitstipendiaten waren der Schweizer Erwin Sutz und der Franzose Jean Lasserre. Beide freundeten sich während des Aufenthalts am Union mit Bonhoeffer an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Relevanz von Bonhoeffers Amerikareisen für sein Gesamtwerk und die Zielsetzung der Untersuchung.
2. ERSTE AMERIKAREISE 1930: Detaillierte Betrachtung des Gastjahres am Union Theological Seminary, der persönlichen Begegnungen und der kritischen Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Protestantismus.
3. GESCHICHTLICHER ABRISS DER ZEITLICHEN EREIGNISSE ZWISCHEN DEN BEIDEN AMERIKAREISEN: Überblick über Bonhoeffers kirchliches und ökumenisches Wirken in der Zeit des erstarkenden Nationalsozialismus.
4. BONHOEFFERS ZWEITE AMERIKAREISE 1939: Analyse der Beweggründe für die zweite Reise, der intensiven Gewissensentscheidung zur Rückkehr nach Deutschland und der inhaltlichen Reflexion in der Schrift "Protestantismus ohne Reformation".
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Bewertung der Erkenntnisse aus Bonhoeffers Amerikareisen und deren Bedeutung für seine spätere theologische Arbeit.
Schlüsselwörter
Dietrich Bonhoeffer, Amerikareisen, Protestantismus, Union Theological Seminary, Abyssinian Baptist Church, Sozialer Protestantismus, Ökumene, Bekennende Kirche, Nationalsozialismus, Reformation, Theologie, Pragmatismus, Pazifismus, Diaspora, Ethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die beiden Amerikareisen von Dietrich Bonhoeffer (1930/31 und 1939) und untersucht, wie diese Erfahrungen seine Sicht auf den amerikanischen Protestantismus geprägt und verändert haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Studium am Union Theological Seminary, die Begegnungen mit der schwarzamerikanischen Kirche in Harlem, das Verhältnis von Kirche und Staat sowie die kritische Reflexion des amerikanischen "Social Gospel".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit Bonhoeffers anfänglich kritische Haltung gegenüber der amerikanischen Theologie durch den historischen Kontext und seine reifere Reflexion in der Schrift "Protestantismus ohne Reformation" ergänzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologiegeschichtliche Untersuchung, die primär auf der Auswertung von Bonhoeffers Berichten, Briefen und den Werken "Studienbericht für das Kirchenbundesamt" sowie "Protestantismus ohne Reformation" basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt chronologisch den ersten Aufenthalt, die Zwischenjahre im nationalsozialistischen Deutschland, die kurze zweite Amerikareise 1939 sowie die detaillierte schriftliche Ausarbeitung seiner Beobachtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bonhoeffer, Amerikareisen, Ökumene, Protestantismus, Abyssinian Baptist Church, ethischer Humanismus und Säkularisierung.
Warum war der Kontakt zur Abyssinian Baptist Church so prägend für Bonhoeffer?
Bonhoeffer fand in dieser Gemeinde eine Lebendigkeit und eine Verkündigung des Evangeliums, die er im restlichen weißen amerikanischen Protestantismus vermisste, was seine Sicht auf das Christentum nachhaltig beeinflusste.
Welche Bedeutung hatte die Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1939?
Die Entscheidung war eine schwere Gewissensprüfung, da Bonhoeffer erkannte, dass er angesichts des Leids unter dem Nationalsozialismus nicht in der Sicherheit Amerikas bleiben konnte, während seine Freunde und die Kirche in Deutschland litten.
- Quote paper
- Peter Griesbach (Author), 2007, Bonhoeffers Amerikareisen 1930 und 1939 sowie seine daraus resultierende Sicht des amerikanischen Protestantismus , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125086