Zu: Caesars "Bellum Gallicum" - Der Germanenexkurs


Seminararbeit, 1998

11 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Vergleich Caesars Germanenexkurs mit Tacitus´ Germania

C. Die Intention des Exkurses

D. Der Suebenexkurs IV, 1,3 - 3,4 im Vergleich mit dem Germanenexkurs

E. Die Interpolationsfrage und die Frage nach der Niederschrift

F. Zusammenfassung

G. Bibliographie

A. Einleitung

Caesars Germaneneexkurs im sechsten Buch des Bellum Gallicum, der neben einer ausführlichen Beschreibung der germanischen Lebensgewohnheiten auch den Abschnitt über den Hercynischen Wald und seiner Tierwelt beinhaltet, gehört wohl zu den umstrittensten Abschnitten des BG, was die Interpolationsfrage betrifft. Vor allem die fabel-haft klingenden Tierbeschreibungen passen nicht in das Bild des so nüchtern wirkenden Caesars.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die betreffenden Stellen nachträglich interpoliert wurden, oder wenn nicht, was Caesar damit bezwecken wollte.

Als Vergleichsmöglichkeit in bezug auf die Darstellungen bietet sich natürlich die Germania von Tacitus an, die einzige uns vollständig erhaltene ethnographische Monographie, die circa 150 Jahre nach Caesar die germanischen mores beschreibt.

Die Absicht einer ethnographischen Beschreibung besteht darin, den Leser zu unterhalten und ihm gleichzeitig das Land, seine Bewohner und deren Sitten bekannt, ja vertraut zu machen. Und das geschieht meist mit einem Vergleich zum eigenen Land, der ein direkter Bezugs- und Vergleichspunkt wird, und durch die interpretatio Romana (bzw. Graeca), die meist im religiösen Bereich die Dinge beim römischen Namen nennt (vergl. auch die Gleichsetzung der verschiedenen Götter).

B. Vergleich Caesars Germanenexkurs mit Tacitus´ Germania

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Warum gibt es zum Teil solch frappierende Unterschiede in der Darstellung der Germanen durch Tacitus und Caesar? Was wollte Caesar durch das Hinzufügen, beziehungsweise durch das Weglassen bestimmter Eigenschaften bei seinen Lesern bewirken?

Im Folgenden werde ich Caesars Intention darlegen.

C. Die Intention des Exkurses

Zunächst einmal muß man die geschichtlichen Hintergründe um das sechste Buch des Bellum Gallicum betrachten: Während des Winters 55 v.Ch. brechen zwei germanische Stämme, die Usipeter und Tencterer, über den Rhein, weil sie von den Sueben aus ihrem Gebiet verdrängt worden sind. Es ist bezeichnend für die neue politische Situation, die das Ergebnis der drei Kriegsjahre ist, daß Caesar diese Germanenwanderung als Grenzverletzung sieht. Er antwortet nicht nur mit der Vernichtung der Germanen, sondern schließt daran noch den ersten Vorstoß über den Rhein an, der als Strafexpedition und Abschreckungsmaßnahme gedacht ist.

Im Jahr 53 folgt der zweite Rheinübergang. Caesar beschließt, nicht länger in Germanien zu bleiben (BG, VI, 29,1: Caesar...constituit non progredi longius).

Wenn man diesen Rahmen bedenkt, in dem sich der Germanenexkurs befindet, kann man ihn zum einen als Ablenkung von der ergebnislosen ersten Germanienexpedition ansehen, die ihm vorangeht. Zum anderen aber kann er als Rechtfertigung Caesars gesehen werden, nicht nach Germanien vorzustoßen und die Germanen zu unterwerfen. Denn die Unterwerfung und Eingliederung in das römische Reich wurde als Segen und Bereicherung für das betreffende Volk angesehen. Die Germanen aber haben es nicht verdient, in das römische Reich aufgenommnen zu werden. Dies wird begündet: a) materiell- bei den Germanen gibt es nichts zu holen, agricultura non student; b) militärisch- einziger Lebensinhalt der Germanen sind die Kriegsübungen, die Körperertüchtigung und das Abhärten; c) psychologisch- die ganze Art der Germanen macht sie zu einem Volk, das einfach nicht beherrschbar ist.

Caesar erkennt als erster den ethnischen Unterschied zwischen Galliern und Germanen. Jenseits des Rheines lebt ein anderes Volk; eine Tatsache, die den Verzicht auf Eroberungszüge jenseits des Stromes erklären soll, wo die terra incognita beginnt.

“Auf eine Eroberung Germaniens zu drängen, bedeutete also, über die Grenzen eines vernünftigen Imperialismus und militärischer Aussichten hinauszugehen.”[1] Der Rhein ist die Grenze des römischen Reiches: populi Romani imperium finire (IV, 16,4) und das Ergebnis des Kriegsjahre: das römische Reich hat sich von der Rhone bis zum Rhein ausgedehnt. Die Begründung für den Rhein als Grenze erfolgt an der Stelle, wo die frisch gewonnene Erkenntnis für die Politik endgültig wirksam wird, die Tatsache selbst beherrscht die räumliche Vorstellung des Bellum Gallicum von Anfang an- Germanis, qui trans Rhenum incolunt (I, 1,3). Auch der Wesensunterschied zwischen Gallien und Germanien wird schon vorher erwähnt- vergl. I, 31,5 und I, 31,11.

“Rambauds Verdacht, daß gerade hierin sich Caesars “deformistische” Tendenz auswirke, nämlich dergestalt, daß es ihm gerade darauf angekommen sei, den ethnischen Unterschied zwischen Galliern und Germanen nicht nur größer erscheinen zu lassen, als er in Wahrheit war, sondern erst eigentlich zu erfinden, um damit eine Rechtfertigung seines Beharrens an der Rheingrenze zu haben”[2]

[...]


[1] Adcock, Frank: Caesar als Schriftsteller. S.67

[2] Seel, Otto: Caesar-Studien. S.41

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Zu: Caesars "Bellum Gallicum" - Der Germanenexkurs
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Klassische Philologie)
Veranstaltung
Proseminar: Caesar, De Bello Gallico
Note
1,5
Autor
Jahr
1998
Seiten
11
Katalognummer
V12510
ISBN (eBook)
9783638183765
ISBN (Buch)
9783638937290
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Caesars, Bellum, Gallicum, Germanenexkurs, Proseminar, Caesar, Bello, Gallico
Arbeit zitieren
Somchai Areerasd (Autor), 1998, Zu: Caesars "Bellum Gallicum" - Der Germanenexkurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12510

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