Die Prädestinationslehre als Ursache der rastlosen Berufsarbeit unter psychologischen Aspekten


Hausarbeit, 2007

12 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Begriff Prädestination

Die calvinistische Prädestinationslehre

Die Berufsarbeit

Berufsethik

Lebensführung und Alltag

Lebensstil

Askese

Innerliche Vereinsamung

Die Entzauberung der Welt

Askese und der kapitalistische Geist

Fazit

Bibliografie

Einleitung

Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich auf den Zusammenhang zwischen der Prädestinationslehre und der rastlosen Berufsarbeit eingehen. Ebenfalls werde ich den daraus entstehenden Geist des Kapitalismus kurz anschneiden. Beginnen möchte ich mit einer Begriffsdefinition der Prädestinationslehre, die den Zusammenhang zu der unermüdlichen Berufsarbeit darstellen soll. Die Hausarbeit soll verdeutlichen, welche Rolle die Religion der Calvinisten in Bezug auf die Berufsarbeit gespielt hat. Ein psychologischer Aspekt, warum die Menschen sich dennoch in die rastlose Berufsarbeit stürzen, obwohl sie nicht genau wissen, ob sie ihre Heilsgewissheit erlangen und das ewige Leben erhalten, soll geklärt werden.

Begriff Prädestination

Der Begriff der Prädestination ist aus der Religionsgeschichte entstanden. Es ist die Erwählung oder Verwerfung, die allein dem Willen Gottes entspringt, unabhängig vom menschlichen Handeln. Der Schöpfer der Prädestinationslehre war Augustinus. In der Reformation wurde sie von Johannes Calvin aufgegriffen. Unter den nichtchristlichen Religionen wird die Prädestination am konsequentesten vom Islam vertreten.[1]

Die calvinistische Prädestinationslehre

„Prädestination nennen wir Gottes ewigen Beschluß, mit dem er sich festgelegt hat, was nach seinem Willen mit jedem Menschen geschehen soll. Es werden nämlich nicht alle mit gleichem Los erschaffen, sondern den einen wird ewiges Leben, den anderen ewige Verdammnis vorausbestimmt. Daher sagen wir, dass, je nachdem, auf welches von beiden Zielen hin jeder erschaffen worden ist, er entweder zum Leben oder zum Tod vorherbestimmt ist.“[2]

„Wir sagen, daß, was demnach die Schrift klar zeigt, Gott in einem ewigen und unveränderlichen Ratschluß ein für allemal festgelegt hat, wen er einst ein für allemal für das Heil annehmen und wen er dagegen dem Untergang weihen will; wir behaupten, dass dieser Ratschluß in Bezug auf die Erwählten in seiner grundlosen Barmherzigkeit sein Fundament ohne Berücksichtigung einer menschlichen Würdigkeit habe; daß aber denjenigen, die er der Verdammnis überlasse, aufgrund seines zwar gerechten und untadeligen, aber unfassbaren Urteils der Zugang zum Leben versperrt werde.“[3]

Gott ist sich bereits vor der Zeugung des Menschen seiner Entscheidung im Klaren. Er umfasst mit seiner Vorherbestimmung den gesamten Zeitraum von der Beschlussfassung vor der Welterschaffung bis hin zur Vollendung nach der Erneuerung der Welt.[4]

Die Gewissheit des Erwähltseins wird der Mensch in seinem diesseitigen Leben nicht erlangen. Das Ziel des Menschen ist es, ewiges Leben und Heilsgewissheit zu bekommen. Jedoch hat Gott nicht alle erwählt, sondern nur einige wenige, die in sein Reich kommen dürfen. Die Nicht-Erwählten überlässt er Satan. Für den Menschen ist es nicht ersichtlich, ob er in den Himmel oder in die Hölle kommt. Es ist allein Gottes Beschluß festzulegen, welches menschliche Leben durch die Erlangung des ewigen Lebens gelingen soll und welches in der ewigen Verdammnis enden und somit scheitern soll.[5]

Nun stellt sich die Frage, wie denn der gläubige Calvinist mit dieser unsicheren Situation umgeht. Denn wie auch immer der Calvinist lebt, ob er nur gute Taten vollbringt oder gottlos lebt, er hat nie die Gewissheit seines Gnadenstandes.

Das Jenseits der damaligen Menschen nahm eine größere und elementare Position ein, als das Diesseits. Um die ständige Unsicherheit zu bewältigen und Selbstsicherheit zu erlangen wurde die rastlose Berufsarbeit als Mittel eingesetzt. Die aufopfernde Hingabe zum Beruf sollten Zweifel verscheuchen.

Die rastlose Berufsarbeit ist eine wohl unbeabsichtigte Folge der Unsicherheit, die durch die Prädestinationslehre ausgeführt wurde.

Die Berufsarbeit

Die tägliche Arbeit wurde erstmals vom Protestantismus sittlich aufgewertet. Bisher galt die Arbeit als eine Art Zwang der notwendigen Lebensunterhaltung.

Durch die Reformation wurde Arbeit nun zum sittlichen Verdienst. Der Beruf wurde zur Aufgabe und Erfüllung des Lebens. Nach Martin Luther galten weltliche Berufe dem Individuum von Gott zugeteilte Verpflichtungen zum sittlichen Wirken in der Welt. Der Beruf wurde zur Berufung. Bei den Reformatoren war die Berufsarbeit die einzige Möglichkeit ein gottgefälliges Leben zu führen. Jeder Beruf gilt als Beruf Gottes Wille. Im Calvinismus galt es den Beruf zu nutzen und ihn pflichtbewusst und erfolgreich auszuüben, um die eigene Erwähltheit durch Gott zu beweisen. Es durfte ohne weiteres Reichtum angesammelt werden. Als ein äußeres Zeichen, des Erfolges und somit auch die Verbundenheit zum Calvinismus wurde dies sogar erwünscht. Jedoch war der pure Luxus und eine verschwenderische Art des Genusses gottlos und verboten.

[...]


[1] Vergleich Der Brockhaus. 7.Aufl. S.713

[2] Zitat aus: Gnade und Erkenntnis in Calvins Prädestinationslehre S.17

[3] Zitat aus: Gnade und Erkenntnis in Calvins Prädestinationslehre S.17

[4] Vergleich aus: Gnade und Erkenntnis in Calvins Prädestinationslehre S.23

[5] Vergleich aus: Gnade und Erkenntnis in Calvins Prädestinationslehre S.23

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Prädestinationslehre als Ursache der rastlosen Berufsarbeit unter psychologischen Aspekten
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Soziologie)
Veranstaltung
Soziologische Theorien
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V125134
ISBN (eBook)
9783640308255
ISBN (Buch)
9783640306398
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prädestinationslehre, Ursache, Berufsarbeit, Aspekten, Soziologische, Theorien
Arbeit zitieren
Magister Anika Geldner (Autor:in), 2007, Die Prädestinationslehre als Ursache der rastlosen Berufsarbeit unter psychologischen Aspekten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125134

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