Die Parteien in Deutschland definieren sich schon ihrer Bezeichnung nach über ihre Mitglieder. Die Parteienforschung konstatiert jedoch seit längerer Zeit eine Krise eben dieser so genannten Mitgliederparteien durch den fortlaufenden Rückgang ihres Personenbestandes. Auch ein Wandel des Parteimitgliedprofils wird diskutiert und so sehen einige aktuelle Überlegungen auch eine Veränderung der Organisationen zu Parteien eines neuen Typs als notwendig, um aus der Krise heraus zu kommen. Ist das Modell der Mitgliederpartei also veraltet und ein Wandel tatsächlich erforderlich? Um diese Frage zu beantworten, wird die Arbeit sich mit dem wichtigsten Faktor bei einer Partei des Mitgliedertyps beschäftigen, der Partizipation. Wie stellt sie sich heute dar? Kann man aus dem Partizipationsverhalten einen notwendigen oder bereits erfolgten Mitglieder- und/oder Parteienwandel im Laufe der Zeit konstatieren? Dafür wird sowohl die Entscheidung, einer Partei beizutreten, als auch die Entscheidung über Ausmaß und Form innerparteilicher Partizipation untersucht.
Zunächst einmal muss jedoch geklärt werden, worauf die obigen Aussagen sich gründen und deshalb werden zuerst die faktische Mitgliederentwicklung, die daraus entstehenden Krisenfaktoren und die favorisierten theoretischen Erklärungsmuster für diese Entwicklung dargestellt. Darauf aufbauend werden die Wandelthesen sowohl zu neuen Mitglieds- als auch neuen Parteitypen umrissen.
Im Folgenden wird dann die allgemeine und innerparteiliche Partizipation in Deutschland dargestellt und daraufhin untersucht, ob sie die Notwendigkeit eines Parteienwandels untermauert. Die Basis dafür bilden vor allem die Potsdamer Parteimitgliederstudie und aus ihr entstandene empirischen Analyse von Markus Klein zu dieser Thematik. In diesem Zusammenhang wird versucht darzustellen, welche Motive hinter einem Parteieintritt und weiterführend hinter innerparteilicher Partizipation stehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Mitgliederentwicklung – Fakten, Krise, Hintergründe
- Definition: Mitgliederpartei
- Mitgliederentwicklung der Parteien
- 1945-1965
- 1965-2004
- Hintergründe der Mitgliederentwicklung
- Nachwuchskrise und Rekrutierungsschwäche
- Jungmitgliederdefizit
- Überalterung und Regenerationskrise
- Hintergründe des Mitgliederschwundes
- Individualisierung und Milieuerosion
- Kognitive Mobilisierung, Wertewandel und Partizipationsverlagerung
- Anreizschwäche der Parteien
- Politische Demobilisierung und massenmediale Freizeitgesellschaft
- Vertrauensschwund zwischen Parteien und Bürgern
- Zusammenfassung
- Von der Krise zum Wandel?
- Wandel wohin? Neue Parteitypen
- Wandel wodurch? Theorien des neuen Mitglieds
- Politische Partizipation in Deutschland
- Empirisches Vorgehen
- Überblick: politische Partizipation in Deutschland
- Struktur der Parteimitglieder
- Überblick innerparteilicher Partizipation
- Motive zur innerparteilichen Partizipation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Krise der Mitgliederparteien in Deutschland und mögliche Wege aus dieser Krise. Sie analysiert die Mitgliederentwicklung, identifiziert die Ursachen des Mitgliederschwunds und diskutiert verschiedene Theorien des Parteienwandels. Ein Schwerpunkt liegt auf der politischen Partizipation und ihren Auswirkungen auf die Parteienlandschaft.
- Mitgliederentwicklung deutscher Parteien
- Ursachen des Mitgliederschwunds (Individualisierung, Wertewandel, Anreizstrukturen)
- Theorien des Parteienwandels (Neue Parteitypen)
- Politische Partizipation und ihre Determinanten
- Das "Neue Mitglied" und seine Motive
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema der Mitgliederkrise deutscher Parteien ein. Kapitel 2 beleuchtet die Mitgliederentwicklung seit 1945, differenziert zwischen verschiedenen Phasen und analysiert die Ursachen des Rückgangs, wie Nachwuchsmangel, Überalterung und gesellschaftliche Veränderungen. Kapitel 3 diskutiert verschiedene Theorien des Parteienwandels und die Frage nach neuen Parteitypen. Kapitel 4 präsentiert empirische Befunde zur politischen Partizipation in Deutschland, untersucht die Struktur der Parteimitglieder und deren Motive.
Schlüsselwörter
Mitgliederparteien, Parteienwandel, politische Partizipation, Mitgliederentwicklung, Individualisierung, Milieuerosion, Wertewandel, Anreizstrukturen, Nachwuchskrise, Neue Parteitypen, Empirische Forschung, Potsdamer Parteimitgliederstudie.
- Arbeit zitieren
- Fabian Koba (Autor:in), 2007, Partizipation und Parteienwandel in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125141