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Bewertung der DDR-Geschichtsforschung

Title: Bewertung der DDR-Geschichtsforschung

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Andreas Lilienthal (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Im Jahre 1990 löste sich das Staatengebilde der DDR (Deutsche Demokratische Republik) vollkommen auf. Nicht nur eine über vierzig jährige Geschichte fand in der politischen Wende ihr Ende sondern natürlich auch ihre Geschichtswissenschaft. Im Gegensatz zu vielen Wissenschaftlern anderer Forschungsfelder wie zum Beispiel der Naturwissenschaften war die Arbeit der meisten Historiker an diesem Punkt beendet.
Da die DDR Geschichtswissenschaft wie allgemein bekannt größtenteils dazu diente das vorherrschende Führungsregimes, die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), in ihrem Wirken und Handeln zu legitimieren, war ihr Aufgabenfeld nun plötzlich erloschen und drohte Zusammenzubrechen. Die oberste Maxime, das Handeln nach der marxistisch- leninistischen Geschichtswissenschaft war abgeschafft. Das einzige was blieb waren Fragen. Wie sollte man sich rechtfertigen den westlichen Kommentatoren gegenüber?
Man befürchtete eine vernichtende Analyse der letzten vierzig Jahre Geschichtsschreibung in der ehemaligen DDR. 1
Bereits im Dezember des Jahres 1990 kam es in Berlin zu einer Tagung von Historikern aus den verschiedensten Teilen Deutschlands sowie Europas. 2 Es sollte eine Bilanz der geschichtlichen Forschung in der ehemaligen DDR erarbeitet werden.
Siebzehn Jahre nach diesem Ereignis werde ich erneut versuchen die DDR- Geschichtsforschung zu analysieren und eine kleine Bilanz zu erstellen.
Ziel dieser Arbeit wird sein, ausgewählte Felder der Geschichtswissenschaft der DDR kritisch zu betrachten aber auch zu würdigen. Des Weiteren werde ich einige ihrer Wegbereiter wie zum Beispiel Horst Bartel. Auch bleibt die Frage zu klären wie es mit der marxistisch- leninistischen Geschichtsschreibung während und nach dem Transformationsprozess weitergehen sollte. Der Aspekt des Zusammenbruchs der DDR- Geschichtswissenschaft soll dabei noch einer kleiner Exkurs auf das Wirken der Geschichtswissenschaft nach 1990 dienen. Dabei wird es mir auf Grund des eingeschränkten Rahmens dieser Seminararbeit nicht gelingen alle Fragestellungen und Forschungsfelder mit denen sich die Geschichtsforschung der DDR beschäftigt hat zu beleuchten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der SED „Geschichtsbeschluss“ von 1955

2.1. Die Bewertung des SED Beschlusses

3. Die Bewertung des deutsch- deutschen Wissensaustauschs

4. „Weiße Flecken“ in der Geschichtswissenschaft der DDR

4.1. Die Geschichte des deutschen Kommunismus als Beispiel für Geschichtsverfälschung in der DDR- Geschichtswissenschaft

5. Der Zusammenbruch der DDR- Geschichtswissenschaft

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Rolle und Entwicklung der Geschichtswissenschaft in der DDR. Ziel ist es, die ideologische Einflussnahme der SED zu analysieren, den Wandel der Forschungsbedingungen durch den innerdeutschen Wissensaustausch aufzuzeigen und eine Bilanz der historischen Forschung in der DDR zu ziehen.

  • Der Einfluss des SED-„Geschichtsbeschlusses“ von 1955 auf die Forschung
  • Die Rolle der Geschichtsschreibung als Instrument der politischen Legitimation
  • Die Auswirkungen des deutsch-deutschen wissenschaftlichen Austauschs ab den 1970er Jahren
  • Der Umgang mit sogenannten „Weißen Flecken“ und ideologischen Tabuthemen
  • Der Zusammenbruch der DDR-Geschichtswissenschaft nach 1990

Auszug aus dem Buch

4. „Weiße Flecken“ in der Geschichtswissenschaft der DDR

Als „Weiße Flecken“ wurden allgemeine verleugnete beziehungsweise verschwiegene Tatbestände oder Ereignisse, welche in der Zeit des Stalinismus vorkamen, jedoch nicht in das Geschichtsbild passten oder nicht in die Ideologie der Partei passten, bezeichnet. Wie im vorangegangen Kapitel gab die SED Führung vor immer nach der so genannten Gesetzmäßigkeit der Geschichte handeln und von ihr stets legitimiert zu sein. Auch die Theorien der Partei sollten geschichtlich bewiesen sein.

Damit diese Vorgaben vorherrschen konnten mussten DDR- Historiker den geschichtlichen Verlauf ein ums andere mal für ihre Sicht Verdrehen oder verbiegen beziehungsweise einige Fakten und Ereignisse tabuisieren. Auch die Entstehungsgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik wurde durchaus mit einigen Legenden verziert wenn nicht sogar verklärt. Natürlich wurde auch die Geschichte des Kommunismus so ausgeschmückt und geschönt dargestellt, dass jederzeit das politische Handeln der Parteiführung im Sinne des Marxismus- Leninismus legitimiert ist.

Eine weitere Aufgabe der Geschichtswissenschaftler der DDR war das Schaffen eines Traditionsbilds, welches ebenfalls in das Leitbild der Parteiführung passte. Da die Partei vorgab, dass ihre aktuelle Politik immer in die Geschichte zu transformieren sei, mussten die DDR- Historiker die Historie bei jedem politischen Kurswechsel beziehungsweise Korrektur nach den Vorgaben der Partei umdeuten oder „umschreiben“. Bis Mitte der sechziger Jahre war es leider gang und gäbe, dass eine gewisse Geschichtsfälschung betreiben wurde. Es worden in Einzelfällen sogar Dokumente gefälscht, verschwiegen oder auch vernichtet. Auch die geschichtliche Auslöschung von Parteifeinden war keine Seltenheit. Dafür wurden ganze Lebensläufe vernichtet oder zu Ungunsten des „Feindes“ der Partei umgeschrieben. Selbst die Retuschierung von Fotos — also aktive Bildfälschung wurde betrieben. Das Verschweigen von Tatsachen war also die harmloseste Praktik von Geschichtsfälschung oder Verblendung.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ende der DDR-Geschichtswissenschaft nach 1990 und erläutert die Zielsetzung, die historische Forschung der DDR kritisch zu analysieren und zu bilanzieren.

2. Der SED „Geschichtsbeschluss“ von 1955: Dieses Kapitel thematisiert die zentralen Vorgaben der SED zur totalen ideologischen Ausrichtung der Geschichtsforschung und Lehre.

2.1. Die Bewertung des SED Beschlusses: Hier wird analysiert, wie die Beschlussdoktrin als Instrument zur Unterdrückung kritischer Historiker und zur Durchsetzung eines marxistisch-leninistischen Geschichtsbildes fungierte.

3. Die Bewertung des deutsch- deutschen Wissensaustauschs: Der Abschnitt befasst sich mit der allmählichen Zunahme wissenschaftlicher Kontakte ab den 1970er Jahren und deren Einfluss auf die Differenzierung innerhalb der DDR-Geschichtsschreibung.

4. „Weiße Flecken“ in der Geschichtswissenschaft der DDR: Dieses Kapitel erläutert die Praxis der Tabuisierung und Verschleierung von Ereignissen, die nicht mit der Parteilinie vereinbar waren.

4.1. Die Geschichte des deutschen Kommunismus als Beispiel für Geschichtsverfälschung in der DDR- Geschichtswissenschaft: Es wird exemplarisch dargelegt, wie die Geschichte der KPD im Sinne des Stalinismus umgeschrieben und manipuliert wurde.

5. Der Zusammenbruch der DDR- Geschichtswissenschaft: Das Kapitel beschreibt das plötzliche Ende des fachlichen Wirkens der meisten DDR-Historiker infolge der politischen Wende von 1990.

6. Fazit: Die abschließende Bilanz unterteilt die DDR-Geschichtswissenschaft in zwei Phasen und würdigt die trotz Zensur erbrachten wissenschaftlichen Leistungen vieler Historiker.

Schlüsselwörter

DDR, Geschichtswissenschaft, SED, Geschichtsbeschluss, Geschichtsfälschung, Marxismus-Leninismus, Ideologie, Historiker, deutsch-deutscher Austausch, Weiße Flecken, Stalinismus, Legitimation, Transformation, Geschichtsverblendung, Geschichtsschreibung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung, den ideologischen Rahmenbedingungen und dem Zusammenbruch der Geschichtswissenschaft in der DDR zwischen 1945 und 1990.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die staatliche Lenkung durch die SED, die methodische Geschichtsfälschung, den wissenschaftlichen Austausch mit der Bundesrepublik und die kritische Bewertung der Forschungsprodukte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die DDR-Geschichtswissenschaft kritisch zu würdigen und aufzuzeigen, wie sie einerseits als Propagandainstrument diente und andererseits eine eigene, komplexe Entwicklung durchlief.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und historischen Analysen zur Historiographie der DDR basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil behandelt den SED-Geschichtsbeschluss von 1955, den Umgang mit unerwünschten historischen Themen (sogenannte „Weiße Flecken“), den Einfluss des innerdeutschen Austauschs und das Ende der Fachdisziplin nach der politischen Wende.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ideologie, staatliche Lenkung, Geschichtsfälschung, Marxismus-Leninismus und Transformationsprozess charakterisiert.

Wie bewertet der Autor die Rolle des „Geschichtsbeschlusses“ von 1955?

Der Autor stuft den Beschluss als essenzielles Instrument der SED ein, um die Geschichtswissenschaft vollständig zu verstaatlichen und gegen bürgerliche Ansätze abzuschirmen.

Inwiefern hat der deutsch-deutsche Wissensaustausch die DDR-Historiker beeinflusst?

Ab den 1970er Jahren führte der Kontakt zu westlichen Historikern zu einer sukzessiven Abkehr von der extremen Polemik und ermöglichte differenziertere Forschungsansätze innerhalb der DDR.

Was bedeutet der Begriff „Weiße Flecken“ im Kontext der DDR-Geschichtsschreibung?

Er beschreibt Ereignisse und historische Fakten, die aufgrund ihrer Unvereinbarkeit mit der offiziellen Parteilinie verschwiegen, verfälscht oder aus der Geschichtsschreibung getilgt wurden.

Warum kam die DDR-Geschichtswissenschaft nach 1990 so schnell zum Erliegen?

Da die Disziplin eng mit der SED verknüpft war und viele Historiker ihre Forschung an deren Vorgaben ausrichteten, verlor sie mit dem politischen System der DDR ihre ideologische und institutionelle Grundlage.

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Details

Title
Bewertung der DDR-Geschichtsforschung
College
Technical University of Chemnitz  (Professur Europäische Regionalgeschichte)
Course
Landes- und Regionalgeschichte in der DDR
Grade
2,0
Author
Andreas Lilienthal (Author)
Publication Year
2008
Pages
14
Catalog Number
V125167
ISBN (eBook)
9783640308439
ISBN (Book)
9783640306541
Language
German
Tags
Bewertung DDR-Geschichtsforschung Landes- Regionalgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Lilienthal (Author), 2008, Bewertung der DDR-Geschichtsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125167
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