Möchte man sich ein Bild über die katholischen Armenfürsorgepraktiken des 19. Jahrhunderts machen, so kommt man wohl an Mutter Rosa und ihrer Gründung nicht vorbei.
Das Profil der Waldbreitbacher Franziskanerinnen passt sich entsprechend gut in die Armenfürsorge des 19. Jahrhunderts ein: Wie Wilhelm Liese schreibt, war der Tätigkeitsbereich der neuen Genossenschaften in diesem Zeitrahmen weniger das traditionelle Spital, sondern eine neue Form der Pflege: die Hauskrankenpflege. Die Waldbreitbacher Schwestern waren somit auch eine von vielen neu entstandenen caritativen Gemeinschaften.
Die neu entstandenen Waldbreitbacher Schwestern waren also auch ein Produkt des „Ordensfrühlings“, innerhalb dessen eine ungemein große Zahl von neuen Gemeinschaften entstand. Sie konzentrierten sich nicht auf die traditionelle Spitalpflege, sondern auf die ambulante Hauskrankenpflege und trafen damit den Nerv der Zeit.
Was macht diese Waldbreitbacher „Erfolgsstory“ darüber hinaus so interessant?
Dieser Frage soll diese Seminararbeit nachgehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Kontext
3 Das Leben Mutter Rosas (1826-1906)
3.1 Ihre Kindheit
3.2 Ihre Jugend
3.3 Anfänge der Gemeinschaft
3.4 Intrigen gegen M. Rosa
3.5 Ihr Tod
3.6 Translation und Seligsprechungsprozess
4 Das Wirken der Waldbreitbacher Franziskanerinnen
4.1 Die Marienhaus GmbH – Weitere Entwicklungen
4.2 Waisenfürsorge
4.3 Ambulante Krankenpflege
4.4 Lazarettdienst
4.5 Filialen in Deutschland
4.6 Ordensniederlassungen in den USA, Niederlande und Brasilien
4.7 Kulturkampf und Maigesetze
4.8 Äußere und innere Weiterentwicklung der Gemeinschaft
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben von Mutter Rosa Flesch und die Entwicklung der von ihr gegründeten Waldbreitbacher Franziskanerinnen im 19. Jahrhundert, um den Zusammenhang zwischen ihrer persönlichen Spiritualität und dem karitativen Wirken der Gemeinschaft in der Armenfürsorge aufzuzeigen.
- Historische Einordnung der sozioökonomischen Bedingungen des 19. Jahrhunderts.
- Biografische Analyse des Lebensweges und der Leiden von Mutter Rosa.
- Darstellung der karitativen Arbeitsfelder wie Waisenfürsorge und ambulante Krankenpflege.
- Untersuchung der strukturellen Entwicklung und Ausbreitung der Ordensgemeinschaft.
- Analyse der Auswirkungen des Kulturkampfes auf die Arbeit der Schwestern.
Auszug aus dem Buch
3.4 Intrigen gegen M. Rosa
Christusnachfolge im Leiden sollte Mutter Rosa auch weiterhin als Lebensaufgabe beschieden sein. Neid und Missgunst sowie Mutter Rosas asketischer Lebensstil führten zu andauernden Demütigungen und Intrigen gegen sie. Der damalige Rektor Probst, Mutter Agatha Simons und der bischöfliche Geheimsekretär Ägidius Dittscheid schlossen sich zusammen, um die Erinnerung an Mutter Rosa zu tilgen.
Die vorliegende Literatur behandelt hier besonders das Wirken des Rektors Probst. Er wurde zu einer Zeit Rektor, als Mutter Rosa und manch andere Schwester in den Jahren 1870/71 an der Kriegsfront Verletzte behandelte. Mutter Rosa hatte ihre Sekretärin beauftragt, während ihrer Abwesenheit das Mutterhaus zu führen und die Gemeinschaft zu leiten. Probst kam also nach Waldbreitbach, sah die sehr ärmlichen Verhältnisse, in denen die Schwestern lebten – Bischof Korum wird diese Verhältnisse nach seiner Visitation sogar „polizeiwidrig“ nennen - und versuchte, daran etwas zu ändern. Langsam aber sicher konnte er die Leitung an sich reißen.
Dazu trug auch bei, dass Probst Priester war und Mutter Rosa ihren Schwestern stets den Gehorsam und die Ehrerbietung gegenüber Priestern eingeschärft hatte. Probst konnte wohl den Geist nicht erfassen, in dem Mutter Rosa handelte: der Geist Christi und das Ideal des Heiligen Franziskus. Er sah nur, wie eine kleine, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Müllerstocher einen Großbetrieb aufgebaut hat, der weiterhin wächst und gedeiht. Hier können wir Rektor Probst wohl auch Neid attestieren, sowie Angst, die erarbeitete Machtposition zu verlieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Mutter Rosa und der Waldbreitbacher Franziskanerinnen für die katholische Armenfürsorge des 19. Jahrhunderts.
2 Historischer Kontext: Analyse der sozioökonomischen Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Verstädterung und Industrialisierung, die zur Armut führten.
3 Das Leben Mutter Rosas (1826-1906): Darstellung der Biografie, beginnend bei ihrer Kindheit, über die Ordensgründung bis hin zu den internen Konflikten und ihrem Tod.
4 Das Wirken der Waldbreitbacher Franziskanerinnen: Erläuterung der operativen Tätigkeiten, der weltweiten Ausbreitung und der Entwicklung der Gemeinschaft unter äußeren politischen Druckbedingungen.
5 Fazit: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung der Gründerpersönlichkeit und des spirituellen Erbes für das Fortbestehen der Gemeinschaft.
Schlüsselwörter
Mutter Rosa Flesch, Waldbreitbacher Franziskanerinnen, Armenfürsorge, Ordensgeschichte, Hauskrankenpflege, Waisenfürsorge, 19. Jahrhundert, Spiritualität, Kulturkampf, Marienhaus GmbH, Ordensgründung, Caritas, Armutsdiskurse, Klosterleben, Sozialfürsorge.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Gründungsgeschichte der Waldbreitbacher Franziskanerinnen und dem Leben ihrer Stifterin, Mutter Rosa Flesch, im Kontext der katholischen Armenfürsorge des 19. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Armutssituation des 19. Jahrhunderts, der Entwicklung caritativer Arbeitsfelder und der biografischen Aufarbeitung der Konflikte, denen Mutter Rosa innerhalb ihres eigenen Ordens ausgesetzt war.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, das Wirken Mutter Rosas und der Schwesternschaft unter Berücksichtigung der spärlichen Quellenlage sowie der politisch-gesellschaftlichen Einflüsse, wie etwa des Kulturkampfes, angemessen zu würdigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine kirchenhistorische Untersuchung, die primär auf der Auswertung von Biografien, Jubiläumsschriften der Gemeinschaft sowie Archivquellen basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden neben der Biografie Mutter Rosas vor allem die spezifischen Wirkungsbereiche wie Krankenpflege, Waisenfürsorge und die internationale Expansion der Kongregation analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den zentralen Begriffen gehören Armenfürsorge, Ordensgründung, Mutter Rosa Flesch, Waldbreitbacher Franziskanerinnen und caritative Arbeit.
Warum wurde Mutter Rosa innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft ausgegrenzt?
Aufgrund von Machtbestrebungen des Rektors Probst und anderer Akteure wurde Mutter Rosa durch Intrigen und Zensur ihrer Aufzeichnungen systematisch aus der Erinnerung der Gemeinschaft getilgt.
Welche Rolle spielten die Waldbreitbacher Schwestern während des Kulturkampfes?
Sie überstanden den Kulturkampf, indem sie ihre Arbeit als Krankenschwestern fortführten, verfolgten Priestern Zuflucht boten und neue Mitglieder teils unter dem Deckmantel von Volontärinnen aufnahmen.
- Quote paper
- Christian Baltes (Author), 2007, Neugründung im Dienst der Armen und Vernachlässigten: Rosa Flesch und die Waldbreitbacher Franziskanerinnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125218