Man hört immer wieder von Frauen, die von ihren Partnern/Ehemännern geschlagen werden und sich dennoch nicht trennen. Die Gewaltform kann psychisch oder physisch stattfinden. Auch wenn der Frau keine offensichtlichen Gewaltanwendungen, wie z.B. in Form von Hämatomen oder Frakturen, anzusehen sind, kann häusliche Gewalt in Paarbeziehungen auftreten. Doch wieso bleiben diese Frauen bei ihren Partnern, obwohl es für Außenstehende scheinbar logisch zu sein scheint, den Partner zu verlassen. Viele Opfer hören Kommentaren wie: „Mach doch einfach Schluss mit ihm“ oder „Du bist ja auch selbst schuld, wenn du dich immer wieder auf ihn einlässt“. Wieso das nicht so einfach ist, erforschte die Psychologin Lenore Edna Walker. Mit ihrem „Battered Woman Syndrome“ oder dem „misshandelte Frauen Syndrom“ arbeitete sie eine Theorie heraus, welche erklärt, wieso Frauen sich nicht „einfach so“ von ihren Männern trennen können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einleitung in die Frauenbewegung
2.1 Grundlagen der Bewegung
2.2 die neue Frauenbewegung in den USA 1960/1970
2.3 Machtverhältnisse
3. Was ist Gewalt?
4. Datenlage von Beziehungsgewalt in Deutschland
5. Battered Woman Syndrome (BWS) Definition
5.1 Viktimisierung
5.2 Diagnose
5.3 Methoden misshandelter Frauen
5.4 Erlernte Hilflosigkeit
5.5 Kontrolle in Gewaltbeziehungen
6. Arten der Gewalt
6.1 Psychische Gewalt
6.2 Sexualisierte und physische Gewalt
6.3 3-Phasen Gewaltzyklus
7. Kritik am BWS
8. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Battered Woman Syndrome" (BWS) nach Lenore E. Walker, um zu ergründen, warum Frauen in gewalttätigen Partnerschaften verbleiben, anstatt sich von ihren Partnern zu trennen, und beleuchtet dabei die psychologischen und sozialen Faktoren dieses Konstrukts.
- Historische Entwicklung der Frauenbewegung in den USA und Deutschland
- Soziologische Definition und Ausprägung von Gewalt in Paarbeziehungen
- Psychologische Erklärungsmuster wie das BWS und "erlernte Hilflosigkeit"
- Empirische Datenlage zur Gewalt gegen Frauen in Deutschland
- Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie von Walker
Auszug aus dem Buch
3. Was ist Gewalt?
Zum Grundverständnis über Gewalt in Paarbeziehungen soll zunächst der Gewaltbegriff definiert werden. In dieser Hausarbeit wird dabei lediglich auf den soziologischen Ansatz bezogen. Gewalt ist nach der Soziologie eine Form sozialen Handelns. Dieses Handeln ist jederzeit möglich, es ist aber jederzeit eine andere Handlungsweise möglich. Gewalt ist also allgegenwertig und kontingent zur gleichen Zeit (vgl. bpb, 2022). Sie kann positiv oder negativ sein. Im negativen Sinne geht es um die „Zerstörung von Menschen und Menschlichkeit“ (Imbusch, et.al., 2002, S. 19). Im positiven Sinne kann Gewalt aber gleichzeitig eine Sicherung sein und Menschlichkeit wiederherstellen. Somit ist Gewalt auch ambivalent (vgl. ebd. S.19). Es gibt zwei Begriffsbestimmungen, den engen und den weiten Gewaltbegriff. Der enge bezieht sich auf die physische Gewalt. Nach Nunner-Winkler hat Gewalt das Ziel der körperlichen Schädigung, sie ist eine Anwendung körperlicher Kraft und möchte einen Widerstand brechen (vgl. Nunner-Winkler 2004, S.21). Der weite Gewaltbegriff nach Galtung besagt, dass Gewalt dann vorliegt, wenn die somatische sowie die geistige Verfassung durch Beeinflussung geringer als die potenzielle Verwirklichung ist. (vgl. Galtung 1975, zitiert nach Nunner-Winkler 2004, S.23). Das bedeutet, dass Gewalt nicht nur vorliegt, wenn eine klare „Subjekt-Objekt-Beziehung“ vorhanden ist (vgl. Nunner-Winkler 2004, S.23). Gewalt liegt auch nicht nur vor, wenn etwas getan wird, sondern auch, wenn etwas unterlassen wird. So fällt beispielsweise unterlassene Fürsorgepflicht oder eine Hinnahme der Gesellschaftsform, welche manchen Menschen schadet, unter Gewalt (vgl. Korte, et.al. 2002, S.170f.). Sie ist als eine Form der Machtausübung anzusehen, da sie Widerstände überwinden kann und unmittelbaren Gehorsam erzwingt (vgl. ebd. S.170f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Thematik häuslicher Gewalt und führt in die theoretischen Grundlagen der Arbeit sowie die Fragestellung zum Battered Woman Syndrome ein.
2. Einleitung in die Frauenbewegung: Dieses Kapitel skizziert die historische Entstehung der Frauenbewegung in den USA und in Deutschland als Kontext für das Verständnis von Machtstrukturen.
3. Was ist Gewalt?: Es erfolgt eine theoretische Abgrenzung und soziologische Definition von Gewalt, wobei zwischen engem und weitem Gewaltbegriff unterschieden wird.
4. Datenlage von Beziehungsgewalt in Deutschland: Hier werden aktuelle statistische Daten zu Gewaltphänomenen in deutschen Partnerschaften auf Basis des BKA dargelegt.
5. Battered Woman Syndrome (BWS) Definition: Das Kernkapitel definiert das BWS nach Walker und beleuchtet die psychologischen Aspekte wie Viktimisierung und die erlernte Hilflosigkeit.
6. Arten der Gewalt: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Gewaltformen wie psychische, physische und sexualisierte Gewalt sowie den zyklischen Verlauf.
7. Kritik am BWS: Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Theorie von Walker, die verschiedene Kritikpunkte der Fachwelt thematisiert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Fortdauer der untersuchten Problematiken in der heutigen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Gewalt gegen Frauen, Battered Woman Syndrome, Lenore E. Walker, häusliche Gewalt, Paarbeziehungen, erlernte Hilflosigkeit, Viktimisierung, Frauenbewegung, Machtverhältnisse, Beziehungsdynamik, Posttraumatische Belastungsstörung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der häuslichen Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen und untersucht das psychologische Konzept des "Battered Woman Syndrome" (BWS) nach Lenore E. Walker.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die historische Entstehung der Frauenbewegung, soziologische Gewaltdefinitionen, statistische Daten zur Gewalt in Deutschland sowie die psychologischen Auswirkungen auf die Betroffenen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Autorin?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Was ist das 'Battered Woman Syndrome' nach Walker?" und warum es betroffene Frauen daran hindert, sich aus toxischen Partnerschaften zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer und psychologischer Fachquellen zur Gewaltforschung sowie der Auswertung bestehender empirischer Daten.
Was wird im Hauptteil des Dokuments detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Gewalt, die Viktimisierung von Opfern, die Konstrukte der erlernten Hilflosigkeit und die Kontrollmechanismen innerhalb gewalttätiger Beziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Battered Woman Syndrome, erlernte Hilflosigkeit, häusliche Gewalt, Machtdynamik und Viktimisierung.
Welche Rolle spielt die "erlernte Hilflosigkeit" innerhalb des BWS-Modells?
Sie dient als psychologische Erklärung dafür, warum misshandelte Frauen trotz der Gewalt keine Fluchtversuche unternehmen, da sie durch wiederholte Traumatisierung den Glauben an ihre Selbstwirksamkeit verloren haben.
Wird das BWS heutzutage von Kritikern unterschiedlich bewertet?
Ja, in Kapitel 7 wird dargelegt, dass das Modell von Teilen der Fachwelt kritisch hinterfragt wird, insbesondere hinsichtlich der fehlenden klinischen Standardisierung und der möglichen negativen Stigmatisierung der Frauen.
Welchen Einfluss hatte die Frauenbewegung auf die Wahrnehmung von Beziehungsgewalt?
Die Bewegung trug maßgeblich dazu bei, das Thema aus der Privatsphäre in den öffentlichen Diskurs zu heben und rechtliche sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu fordern.
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- Marie Holtorff (Autor), 2022, Das „Battered Woman Syndrome“ nach Walker, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1252762