Vergleich der politischen Philosophien Arendts und Machiavellis, bezogen auf Moral, Menschenbild, Macht und Stabilitätskriterien des politischen Systems.
Große Staatsmänner werden häufig wegen ihrer aufopfernden Taten für den Staat gefeiert. So auch der ehemalige Präsident Frankreichs Charles de Gaulle, der nicht nur eine führende Rolle im Kampf um die Freiheit Frankreichs im zweiten Weltkrieg spielte, sondern diesen Staat auch mit wiederaufbaute. Hierbei standen ihm sehr große Vollmachten zu. Seine erfolgreiche Machtpolitik besitzt einen Vordenker, dessen Denken in der öffentlichen Meinung eigentlich einen schlechten Ruf genießt. Dabei ist Machiavelli mehr als die allgemein bekannten Parolen des überrationalen Machtpolitikers. Sein Wunsch auf Machterhalt und das daraus resultierende Verhalten, der so erfolgreich bei Charles de Gaulle eingesetzt wurde, wird hier besonders hervorgestellt. Deswegen soll es in dieser Arbeit um die Frage gehen, warum der Fürst in der Beziehung zu seinen Untertanen besonders aktiv handeln soll, um seine Macht zu erhalten. Dies versuche ich, anhand eines Vergleichs mit der politischen Theorie Hannah Arendts zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Einleitung
2. Überblick über die politische Theorie
3. Das Menschenbild
4. Was ist Macht und wie äußert sie sich
5. Moral
6. Stabilität
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die komplexen Abhängigkeitsbeziehungen zwischen der Machtposition eines Souveräns und dem Volk im Kontext der Machterhaltung. Durch einen systematischen Vergleich zwischen Niccolò Machiavellis „Der Fürst“ und der politischen Theorie von Hannah Arendt wird analysiert, wie Macht legitimiert, ausgeübt und durch moralische Normen oder deren Fehlen beeinflusst wird.
- Vergleich der Machtkonzepte bei Machiavelli und Arendt
- Analyse des Menschenbildes als Grundlage politischen Handelns
- Untersuchung der moralischen Legitimation bei staatlichem Machterhalt
- Gegenüberstellung von systemischer Stabilität und demokratischer Dynamik
- Bewertung der Rolle des Volkes zwischen politischer Teilhabe und Exklusion
Auszug aus dem Buch
4. Was ist Macht und wie äußert sie sich
„Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“ (Weber 1980: 28)
Mit dieser, dem Denken Machiavellis nahen Definition, wird also klar, Macht bedeutet Gewalt und Zwang, um das Seinige als das Richtige zu verbreiten. Diese wird eingesetzt, um den Staatsapparat effektiv auf seine Ziele zu trimmen. Macht ist jedoch niemals sicher und von Natur aus beschränkt. Deswegen ist es auch immer notwendig, auf der Hut zu sein, da sich hinter allem die Gefahr verbergen kann, ebendiese zu verlieren. So bietet es sich an, diese Gefahr zu verringern, indem man die Situation nach seinem besten Können mit furchteinflößenden, realitätsverfremdenden Mitteln beeinflusst. Dies kann auch positiv ausgelegt werden. Das Volk wird so vom harten, hoffnungslosen, politischen Alltag verschont. Die Inszenierung der Macht lässt sich dabei gleichzeitig mit der Vorbildfunktion des Herrschenden verbinden, der durch Macht eine Verpflichtung des guten Verhaltens an die Bürger trägt (Diesner 1988: 61ff). Die Revitalisierung und Erinnerung an das Wichtige im Leben gehen daraus hervor (Machiavelli sieht hierbei sogar eine Aufopferung für den Staat), wird sie nur klug eingesetzt.
Macht definiert Hannah Arendt als: „Menschliche Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln“ (Arendt 1970:45). Des Weiteren ist es wichtig für sie festzuhalten, dass Macht nur innerhalb einer Gruppe, zwischenmenschlich, entstehen kann und auch nur von dieser besessen wird. Eine einzelne Person ist also nicht in der Lage, Macht auszuüben. Dies aber in dem Sinne eingeschränkt, dass eine Gruppe eine Ermächtigung erteilen kann, um somit Macht auf eine Person zu überschreiben. Wichtig hierbei ist aber, diese Person als eine Form der Stellvertretung wahrzunehmen, der die Macht durch den eigentlichen Ursprung ebendieser, der Gruppe, leicht wieder entzogen werden könnte. (Arendt 1970: 45).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, warum ein Fürst aktiv handeln muss, um Macht zu erhalten, und stellt den Vergleich zu Arendt als methodisches Instrument vor.
2. Überblick über die politische Theorie: Dieses Kapitel vergleicht die Grundlagen: Machiavellis Fokus auf die römische Kultur und den Mittel-Zweck-Pragmatismus versus Arendts Inspiration durch die antike Polis und den Wert des pluralistischen Handelns.
3. Das Menschenbild: Es wird analysiert, wie Machiavelli den Menschen als egoistisch und lenkungsbedürftig zeichnet, während Arendt den Menschen als handelndes Wesen in einer pluralistischen Gesellschaft begreift.
4. Was ist Macht und wie äußert sie sich: Dieses Kapitel kontrastiert Macht als Instrument zur Durchsetzung des eigenen Willens (Machiavelli) mit Macht als einvernehmliches zwischenmenschliches Handeln innerhalb einer Gruppe (Arendt).
5. Moral: Die Untersuchung zeigt, dass bei Machiavelli Moral der Effizienz untergeordnet ist, während bei Arendt Vertrauen und Verzeihen als eine eigene politische Moral innerhalb pluralistischer Strukturen fungieren.
6. Stabilität: Die Darlegung beleuchtet das Konzept der Staatsraison bei Machiavelli gegenüber Arendts Betonung eines dynamischen, sich stets erneuernden politischen Raums.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Denker die Notwendigkeit von Staatsstrukturen anerkennen, jedoch grundlegend unterschiedliche Wege hinsichtlich der Partizipation und Freiheit des Volkes aufzeigen.
Schlüsselwörter
Machiavelli, Hannah Arendt, Machttheorie, Staatsraison, Machterhaltung, Politisches Handeln, Pluralismus, Politische Philosophie, Souveränität, Menschenbild, Politische Stabilität, Räterepublik, Gewaltenteilung, Virtù, Gemeinwohl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Machtverständnis Niccolò Machiavellis und stellt dieses in einen direkten Vergleich zur politischen Theorie von Hannah Arendt, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zum Volk.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Natur der Macht, die Bedeutung von Moral in der Staatsführung, das jeweilige Menschenbild und die Frage nach langfristiger staatlicher Stabilität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, warum der Fürst in der Beziehung zu seinen Untertanen aktiv handeln muss, um seine Macht zu sichern, und wie sich dies durch einen Vergleich mit Arendts pluralistischer Theorie einordnen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Literaturrecherche, gestützt durch eine Inhaltsanalyse von Primär- und Sekundärquellen ausgewählter philosophischer Werke.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Menschenbild, Machtdefinition, moralischer Bewertung von Herrschaftsmethoden und dem Stabilitätsdenken im Staat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Machterhaltung, Staatsraison, Pluralismus, politisches Handeln und die antithetische Betrachtung von Macht und Gewalt geprägt.
Wie unterscheidet sich Machiavellis Machtkonzept von dem Arendts?
Machiavelli versteht Macht als Chance zur Willensdurchsetzung (oft mittels Gewalt), während Arendt Macht ausschließlich als kollektives, einvernehmliches Handeln einer Gruppe definiert, aus der Einzelne keine Macht beziehen können.
Warum wird im Buch das Beispiel von Charles de Gaulle erwähnt?
Charles de Gaulle dient als aktuelles Beispiel für einen Staatsmann, der trotz großer Vollmachten erfolgreich Macht ausübte, was die Brücke zum theoretischen Denken Machiavellis schlägt.
Welche Rolle spielt das "Wunder des Neuanfangs" bei Hannah Arendt?
Für Arendt verkörpert der radikale Neuanfang die Vollendung des Politischen und ist essenziell für die Dynamik und Freiheit innerhalb einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft.
Ist die moralische Bewertung von Regierungshandeln in beiden Theorien gleich?
Nein. Während bei Machiavelli die Moral der Effizienz untergeordnet ist, um das Staatswohl zu sichern, leitet Arendt eine politische Moral aus dem Vertrauen und dem Diskurs zwischen gleichberechtigten Bürgern ab.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Die Abhängigkeitsbeziehung der Machtposition zum Volk im Zuge der Machterhaltung. Ein Vergleich zwischen Machiavellis "Fürst" und Hannah Arendt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1252779