Die Baupolitik des Augustus


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Augustus: Monarch einer Republik und Bauherr

3. Formen augusteischer Baupolitik
3.1 Götterbezug und Siegeskult
3.2 Prinzeps, Friedensstifter und Patron
3.3 Dynastie und Nachfolge

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Rom wandelte sich, wie Augustus meinte, von einer Stadt aus Ziegeln, zu einer Stadt aus Marmor.[1] Mit dieser Beschreibung charakterisiert er ein umfangreiches Bauprogramm, eine gewaltige Selbstinszenierung, welche im Verlaufe seiner Herrschaft über Rom seine machtpolitischen Zielstellungen unterstützte.

Der Begriff Politik leitet sich aus dem griechischen Begriff polis für Stadt oder Gemeinschaft ab. Mit ihm wird vorausberechnendes, innerhalb der Gesellschaft auf ein bestimmtes Ziel gerichtetes Verhalten bezeichnet. Dieses Verhalten findet in unterschiedlichen Formen statt und wurde wissenschaftlich in verschiedene Kategorien eingeteilt. Eine Hauptkategorie ist dabei die Machtpolitik.[2]

Im Folgenden wird dargestellt wie es Augustus gelang, seine Baupolitik als Teil von zielstrebiger Machtpolitik einzusetzen. Sie war dabei Ausdruck seiner geschickten Steuerung und Beeinflussung des Baugeschehens im Römischen Reich, zur Vermittlung von bildhaften Darstellungen als auch für pragmatische Zwecke im Sinne seiner Machtinteressen. Dazu wird in Kapitel zwei erläutert, wie Augustus diese Baupolitik den jeweiligen Erfordernissen seiner Herrschaftszeit angepasst hat. Im Mittelpunkt von Kapitel drei stehen die dabei bestimmenden baupolitischen Inhalte und Ausdrucksformen. Mit eindrucksvollen Repräsentationsbauten, durch die Suggestionskraft von Architektur und Kunst, aber auch mit einer Vielzahl von populären Zweckbauten, unterstützte Augustus seine Machterlangung, den Machterhalt und die Absicherung seiner Nachfolge. Besonders prägnante Beispiele aus diesem Baugeschehen werden dazu im Weiteren aufgeführt.

Als Primärquellen sind Reste vieler Bauwerke dieser Zeit erhalten geblieben. Detaillierte Bilder und Inschriften geben so eine vorgestellte damalige Welt wieder. Die bedeutendste Inschrift dazu ist die Res gestae Divi Augusti, ein von Augustus selbst verfasster Tatsachenbericht, in dem er seine Taten rühmt und auch ausführlich sein Bauprogramm auflistet.[3] Sie war sowohl an seinem Grabmal in Rom, dem Mausoleum Augusti, auf Bronzeplatten befestigt, als auch in jeder Provinzhauptstadt aufgestellt.[4] Auf diesen Tatenbericht wird in Bezug auf einzelne Bauwerke in den folgenden Kapiteln verwiesen. Auch bestimmte historische Autoren vermittelten in erhalten gebliebenen Schriften ihren Blick auf das Geschehen dieser Zeit, wie Cassius Dio und Sueton, auf die im Weiteren ebenfalls Bezug genommen wird. Sie schrieben in einer Zeit, in der direkte Kaiserkritik ein Tabuthema war, hatten jedoch neben den vielen Lobpreisungen anderer Schriftsteller einen relativ kritischen Blick. Auch waren sie keine Zeitzeugen der augusteischen Herrschaft und unterlagen so nicht der Zensur seines mächtigen Propagandasystems. Sueton lebte ca. in den Jahren 70 bis 140, Cassius Dio ungefähr von 155 bis 235. Sie hatten aber als Angehörige der Oberschicht noch Zugang zu kaiserlichen Archiven und direkten Überlieferungen, welche im Laufe der Geschichte verloren gingen. Generationen von Wissenschaftlern der Neuzeit haben in ihrer Forschungsliteratur eine Vielzahl von Interpretationen zur Aussage dieses Baugeschehens anhand der archäologischen Überreste und literarischen Quellen entwickelt. Einige von ihnen, wie Diane Favro, Lothar Haselberger, Frank Kolb und Paul Zanker, werden in den folgenden Kapiteln mit ihren treffenden Aussagen zu diesem Thema zitiert.

Rom erstrahlte durch Augustus in neuem Glanz, symbolisierte seine neue Herrschaftsideologie und erhielt als Hauptstadt des Imperium Romanum ein angemessenes Erscheinungsbild.[5]

2. Augustus: Monarch einer Republik und Bauherr

Octavian, der vom Senat für seine Verdienste im Jahr 27 v. Chr. den Ehrennamen Augustus erhielt,[6] war durch Caesar protegiert. Er war aber auch intelligent und strategisch begabt. So gelang es ihm, zielstrebig seine Gegner auszuschalten und in Rom an die Macht zu kommen. Für Politik im Sinne von Augustus spricht treffend Nicollo Machiavelli, der die monarchistische Machtpolitik der Fürsten des Mittelalters charakterisierte. So meinte dieser:

Ein kluger Ordner eines Gemeinwesens, der die Absicht hat, nicht sich, sondern dem Allgemeinwohl, nicht seiner Nachkommenschaft, sondern dem gemeinsamen Vaterland zu dienen, muss danach streben, die uneingeschränkte Macht zu bekommen.[7]

Genau das war die Zielstellung von Oktavian. Ein Teil dieser Machtpolitik war auch seine Baupolitik, die er zielgerichtet den jeweiligen Erfordernissen seiner Macht-interessen anpasste und meisterlich in Szene setzte.

Als Prinzeps des römischen Staates, durch Leistung und Herkunft einflussreichster und angesehenster Mann, herrschte er mit seinen Machtbefugnissen wie ein Monarch und war auch zugleich oberster Bauherr.[8] Durch eine enorme und dauernde Machtfülle, die sich im Verlaufe seiner Herrschaftszeit zunehmend herausbildete, entstand die Monarchie des Augustus, und er wurde damit zum ersten Kaiser in der römischen Geschichte.

Mit dem Tod Iulius Caesars im Jahr 44 v. Chr. war in Rom ein Machtvakuum entstanden, in welchem sich sowohl Caesar-Erbe Octavian als auch sein Konkurrent Antonius um die Nachfolge bemühten.[9] Octavian hatte den Vorteil, sich auf Vermächtnis und Ansehen der iulianischen Familie beziehen zu können. Im Jahr 42 v. Chr. wurde der vergöttlichte Caesar in den Staatskult aufgenommen.[10] Auch konnte sich Oktavian klarer in anerkannten Grundwerten von Moral und Ethik sowie zur Stadt Rom positionieren,[11] während sich der von Ägypten aus agierende Antonius mit seinem Hang zu Luxus und Vergnügen sowie seinem testamentarischen Bekenntnis zu Kleopatra und Ägypten immer mehr Gegner in Rom machte.[12] In der römischen Welt und Psyche war die Stadt am Tiber das entscheidende Identifikationszentrum, und Augustus nutzte diesen Imagevorteil geschickt für seine politischen Interessen aus.[13]

Mit der Seeschlacht von Actium im Jahr 31 v. Chr., fiel dann die Entscheidung um die Vorherrschaft im Römischen Reich zugunsten Octavians.[14] Durch die Eroberung Ägyptens und mit der gewaltigen Kriegsbeute hatte Oktavian nun immense Mittel zur Verfügung.[15] Damit konnte er in der Folgezeit auch sein schon begonnenes Bauprogramm verstärkt fortsetzen und in die Inszenierung seiner Machtpolitik einfügen. Da Ägypten zur kaiserlichen Provinz wurde, hatte Oktavian nun alleinigen Zugriff auf die Erträge aus dieser reichen Provinz, was einen wichtigen Stabilitätsfaktor für seine Herrschaft bildete.[16]

Als Oktavian im Jahr 27 v. Chr. in kalkuliertem Selbstverzicht auf seine bisherigen Sondervollmachten formal die Republik wiederherstellte,[17] blieben alle wesentlichen Machtinstrumente, insbesondere das Heer, in seinen Händen. Damit war die Basis für eine Herrschaft durch dauernde Befugnisse, das Prinzipat des Augustus geschaffen. Karl Christ spricht in diesem Bezug treffend von einer Erneuerung der republikanischen Fassade.[18]

[...]


[1] Suet. Aug. 28,3; Vgl. Haselberger: Urbem: 15.

[2] Siep: Naturrecht: 43-47; Vgl. Bubner: Polis: 111-113.

[3] Diesner: Tatenbericht: 35-42; Vgl. Kolb: Augustus: 124f.

[4] Suet. Aug. 100,4; Vgl. Hesberg: Grabmal: 353.

[5] Favro: Image: 103.

[6] R. gest. 34; Vgl. Kienast: Augustus: 184.

[7] Machiavelli: Discorsi I,9,36; Vgl. Kersting: Machiavelli: 78-79.

[8] Wickert: Prinzipat: 76f.

[9] Cass. Dio 44,19; Vgl. Suet. Iul. 82; Hölscher: Forum: 113.

[10] Suet. Iul. 88; Vgl. Zanker: Macht: 42, 45.

[11] Bringmann: Augustus: 175

[12] Cass. Dio 49,41,1-6; Ebd. 50,3,1; Ebd. 50,4,1-5; Vgl. Favro: 82.

[13] Favro: 98.

[14] Cass. Dio 50,12-16; Ebd. 50,30-35; Vgl. Favro: 99.

[15] Cass. Dio 51,17,6-8;Vgl. Suet. Aug. 41,1.

[16] Cass. Dio 15,17,1; Vgl. Kienast: 311.

[17] R. gest. 34.

[18] Christ: Krise: 464.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Baupolitik des Augustus
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V125279
ISBN (eBook)
9783640300570
ISBN (Buch)
9783640305407
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Baupolitik, Augustus, Rom, Römisches Reich, Octavian, Alte Geschichte, Machtpolitik
Arbeit zitieren
Jan Andrejkovits (Autor), 2009, Die Baupolitik des Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125279

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