Eine große Untersuchung von Unternehmenskrisen zeigt, dass meist nicht äußere Umstände, sondern falsche Strategien zum Desaster führten. Des Weiteren wird häufig auf operatives Versagen verwiesen. Es hat sich aber gezeigt, dass es ein Irrtum ist. Sofern nicht äußere Ereignisse zur Krise führen, hat sich in der Regel das Management für eine falsche Strategie entschieden.
Die Untersuchung der Wirtschaftswissenschaftler Carroll und Mui zeigte, dass die überwiegenden Pleiten durch falsche Strategien hervorgerufen worden sind. Es ist bemerkenswert, dass es immer wieder dieselben sieben gängigen Strategien waren, die, in der falschen Situation verfolgt, zum Desaster führten.
In diesem Pamphlet werden die Risiken der jeweiligen Strategie beleuchtet und kritisch hinterfragt. Es wird ein neues Instrument, welches als Kontrollinstanz zur frühzeitigen Erkennung dient vorgestellt. Durch die neue Kontrollinstanz können Führungskräfte erkennen, wann sie auf dem falschen Weg sind und rechtzeitig gegensteuern.
Inhaltsverzeichnis
0. Vorwort
1. Wenn bewährte Strategien fehlschlagen
2. Kontrollgremium
2.1 Einführung einer hilfreichen Kontrollinstanz
2.2 Fragenkatalog für den Selbsttest
3. Die sieben häufigsten Strategien
3.1 Der Synergiemythos
3.2 Riskante Finanzakrobatik
3.3 Blind Kurs halten
3.4 Unüberlegte Markterweiterung
3.5 Auf die falsche Technik setzen
3.6 Übereilte Fusionen
3.7 Zu schnelles Wachstum
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Risiken verbreiteter Geschäftsstrategien kritisch zu beleuchten und ein neues Instrument zur frühzeitigen Identifikation von Fehlentwicklungen in Unternehmen vorzustellen, um Führungskräften ein rechtzeitiges Gegensteuern zu ermöglichen.
- Analyse von Ursachen für spektakuläre Unternehmenspleiten
- Vorstellung einer effektiven Kontrollinstanz für Strategieprozesse
- Kritische Hinterfragung gängiger Wachstums- und Fusionsstrategien
- Präsentation eines Fragenkatalogs zur Selbstevaluation von Strategien
- Ableitung von Lernpotenzialen aus historischen Managementfehlern
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Synergiemythos
Häufig versuchen Unternehmen zu wachsen, indem sie sich mit einem anderen Unternehmen zusammenschließen, das über ergänzende Stärken verfügt. Das Ganze ist jedoch nicht immer größer als die Summe seiner Teile. Ein Beispiel ist die Fusion der Erwerbsunfähigkeitsversicherer Unum und Provident im Jahr 1999. Das eine Unternehmen war in der Gruppenversicherung und das andere in der Einzelversicherung tätig. Die Manager gingen davon aus, dass die Verkaufmitarbeiter der beiden Unternehmen die Produkte des jeweils anderen Unternehmens mit verkaufen könnten. Doch die beiden Unternehmen bedienten zwei völlig unterschiedliche Kunden mit verschiedenen Methoden. Die Verkaufsmitarbeiter von Unum wendeten sich an Unternehmen, um Gruppenpolicen zu verkaufen, während die Verkaufsmitarbeiter von Provident Verkaufsslogans für Privatpersonen formulierten. Sie verfügten über unterschiedliche Fähigkeiten und waren an Cross-Selling nicht besonders interessiert. [1], [3]
Die Fusion der beiden Unternehmen erwies sich als teuer und kompliziert. Die Folgen waren höhere Preise für alle und eine aggressive Haltung beim Zurückweisen von Ansprüchen, was zu einer Reihe von Kundenklagen führte. Diese wiederum wirkten sich negativ auf den Ruf und die Finanzen von UnumProvident aus. Unum machte im Jahr 2007 schließlich die Fusion rückgängig, strich den Namen Provident und verabschiedete sich komplett vom Einzelversicherungsmarkt. Unums Aktienkurs stürzte ab und beträgt immer noch weniger als die Hälfte des Kurses vor 1999. Außerdem muss sich das Unternehmen auch 2008 noch mit Sammelklagen auseinandersetzen. [1]
Zusammenfassung der Kapitel
0. Vorwort: Es wird dargelegt, dass Unternehmenskrisen meist auf falsche Strategien zurückzuführen sind und ein neues Instrument zur frühzeitigen Erkennung von Risiken eingeführt werden soll.
1. Wenn bewährte Strategien fehlschlagen: Das Kapitel analysiert, dass zahlreiche wirtschaftliche Katastrophen durch vermeidbare Strategiefehler entstanden sind und plädiert für den Einsatz eines kritischen Kontrollgremiums.
2. Kontrollgremium: Hier wird die Notwendigkeit einer unabhängigen Kontrollinstanz, etwa durch einen Advocatus Diaboli, sowie die methodische Vorgehensweise zur Hinterfragung von Annahmen beschrieben.
3. Die sieben häufigsten Strategien: Dieser Abschnitt erläutert im Detail sieben typische Strategien, die regelmäßig zu Unternehmensdesastern führen, von Synergiemythen bis hin zu zu schnellem Wachstum.
4. Fazit: Das Fazit betont das hohe Lernpotenzial, das in der Analyse gescheiterter Unternehmen liegt, und fordert Manager auf, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.
Schlüsselwörter
Unternehmensstrategie, Risikomanagement, Strategiefehler, Kontrollgremium, Advocatus Diaboli, Fusionen, Unternehmenskrisen, Strategische Planung, Unternehmensführung, Marktüberdehnung, Fehlgeschlagene Expansionen, Wachstumsrisiken, Fehlentscheidungen, Selbstreflexion, Wirtschaftsprüfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse von Managemententscheidungen und zeigt auf, dass viele Unternehmenspleiten auf fundamental falschen Strategien beruhen, statt auf unvorhersehbaren externen Ereignissen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die psychologischen Fallen bei der Strategieentwicklung, die Risiken von Fusionen, die Gefahren von Markterweiterungen und die Bedeutung unabhängiger Kontrollgremien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Führungskräften ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie eigene Strategien kritisch hinterfragen und rechtzeitig vor einem drohenden Scheitern gegensteuern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse historischer Unternehmenskrisen (insbesondere basierend auf der Datengrundlage von Carroll und Mui) und kontrastiert diese mit theoretischen Managementmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Anleitung zur Einrichtung einer Kontrollinstanz sowie eine detaillierte Erläuterung von sieben gängigen Strategieansätzen, die das Potenzial haben, Unternehmen in den Ruin zu treiben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Strategiefehler, Unternehmenskrisen, Kontrollgremium, Advocatus Diaboli, Fusionen und Unternehmenswachstum.
Warum wird der "Advocatus Diaboli" als Konzept empfohlen?
Dieses Konzept soll verhindern, dass Entscheidungsträger in einer Strategiephase ihr objektives Urteilsvermögen verlieren und wichtige Warnsignale ignorieren, indem eine unabhängige Instanz gezielt unbequeme Fragen stellt.
Was ist die Kernbotschaft bezüglich des Wachstums durch Fusionen?
Der Autor warnt davor, dass Synergien oft überschätzt werden und Fusionen häufig zu Komplexitätssteigerungen und kulturellen Problemen führen, die den eigentlich erhofften Nutzen zerstören.
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- Dipl.-Ing., MBA Jens Magenheimer (Author), 2008, Management - Kritische Hinterfragung von bewährten Strategieansätzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125280