IFRS in deutschen, österreichischen und schweizerischen Unternehmen. Chemicals, Real Estate, Media und Retail

Branchenspezifische Werttreiber und Geschäftsmodelle – Teil 2


Diplomarbeit, 2007

108 Seiten, Note: 1,3

Harry Liedtke (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Das theoretische Grundkonzept
2.1 Die Branche
2.2 Die Wertschöpfungskette
2.3 Das Geschäftsmodell
2.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz
2.5 Die Kennzahlenanalyse
2.5.1 Die Analyse der Finanzierungsstruktur
2.5.2 Die Analyse der Vermögensstruktur
2.5.3 Skalierung
2.6 Die Bilanzpolitik

3. Branche D – Chemicals
3.1 Die Branche
3.2 Die Wertschöpfungskette
3.3 Das Geschäftsmodell
3.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz
3.5 Die Kennzahlenanalyse
3.6 Die Bilanzpolitik
3.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse

4. Branche G – Real Estate
4.1 Die Branche
4.2 Die Wertschöpfungskette
4.3 Das Geschäftsmodell
4.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz
4.5 Die Kennzahlenanalyse
4.6 Die Bilanzpolitik
4.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse

5. Branche K – Media
5.1 Die Branche
5.2 Die Wertschöpfungskette
5.3 Das Geschäftsmodell
5.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz
5.5 Die Kennzahlenanalyse
5.6 Die Bilanzpolitik
5.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse

6. Branche M – Retail
6.1 Die Branche
6.2 Die Wertschöpfungskette
6.3 Das Geschäftsmodell
6.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz
6.5 Die Kennzahlenanalyse
6.6 Die Bilanzpolitik
6.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse

7. Schlussbetrachtung
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Sperrvermerk

Danksagung

Die ersten Worte möchte ich den Menschen widmen, die mich in der Umsetzung dieser Arbeit unterstützt, begleitet und zu ihrem Erfolg beigetragen haben.

Ein besonderer Dank gilt dabei Herrn Prof. Dr. Tobias Hüttche für das Erstgutachten zu dieser Arbeit und die Bereitstellung der verschiedenen themenrelevanten Unterlagen sowie für seine konstruktive Kritik.

Dank sagen möchte ich zudem meinem Mitstreiter Clemens Taube, für das sehr gute Teamwork und den Spaß, den wir trotz und bei der Anfertigung dieser Arbeit hatten.

Last but not least ... und von ganzem Herzen natürlich auch meiner Familie und meiner Freundin, die mich durch ihre unendliche Geduld und ihre aufbauenden Worte während meines ganzen Studiums unterstützt hat. Ohne sie hätte ich dieses Studium und diese Diplomarbeit nur halb so erfolgreich absolvieren können.

Vieselbach, im Februar 2007 Harry Liedtke

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Branchenbilanz einer fiktiven Beispielbranche

Abbildung 2: Grafische Darstellung zur Analyse der Finanzierungsstruktur (A)

Abbildung 3: Grafische Darstellung zur Analyse der Finanzierungsstruktur (B)

Abbildung 4: Grafische Darstellung der 1. Kombinationsmöglichkeit

Abbildung 5: Grafische Darstellung der 2. Kombinationsmöglichkeit

Abbildung 6: Grafische Darstellung der 3. Kombinationsmöglichkeit

Abbildung 7: Grafische Darstellung der 4. Kombinationsmöglichkeit

Abbildung 8: Grafische Darstellung zur Analyse der Vermögensstruktur

Abbildung 9: Chemicals - Wertschöpfungskette der chemischen Industrie

Abbildung 10: Chemicals - Verteilung der Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette

Abbildung 11: Chemicals - Branchenbilanz der chemischen Industrie

Abbildung 12: Chemicals - Darstellungsvariante (1) für die chemische Industrie

Abbildung 13: Chemicals - Darstellungsvariante (2) für die chemische Industrie

Abbildung 14: Real Estate - Wertschöpfungskette der Immobilienbranche

Abbildung 15: Real Estate - Verteilung der Unternehmen innerhalb

der Wertschöpfungskette

Abbildung 16: Real Estate - Branchenbilanz der Immobilienbranche

Abbildung 17: Real Estate - Darstellungsvariante (1) für die Immobilienbranche

Abbildung 18: Real Estate - Darstellungsvariante (2) für die Immobilienbranche

Abbildung 19: Media - Wertschöpfungskette der Medienwirtschaft

Abbildung 20: Media - Verteilung der Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette

Abbildung 21: Media - Branchenbilanz der Medienwirtschaft

Abbildung 22: Media - Darstellungsvariante (1) für die Medienwirtschaft

Abbildung 23: Media - Darstellungsvariante (2) für die Medienwirtschaft

Abbildung 24: Retail - Wertschöpfungskette des Handels

Abbildung 25: Retail - Verteilung der Unternehmen innerhalb der Wertschöpfungskette

Abbildung 26: Retail - Branchenbilanz des Handels

Abbildung 27: Retail - Darstellungsvariante (1) für den Handel

Abbildung 28: Retail - Darstellungsvariante (2) für den Handel

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Branchenübersicht

Tabelle 2: Chemicals – Branchenzahlen für die chemische Industrie

Tabelle 3: Chemicals – Untersuchte Unternehmen der chemischen Industrie

Tabelle 4: Real Estate – Branchenzahlen für das Grundstücks- und Wohnungswesen

Tabelle 5: Real Estate – Untersuchte Unternehmen der Immobilienbranche

Tabelle 6: Media – Branchenzahlen für die Film- und Fernsehbranche

Tabelle 7: Media – Untersuchte Unternehmen der Medienbranche

Tabelle 8: Retail – Branchenzahlen für den Großhandel

Tabelle 9: Retail – Branchenzahlen für den Einzelhandel

Tabelle 10: Retail – Untersuchte Handelsunternehmen

1. Einleitung

Mit der Verordnung 1606/2002 der Europäischen Union (EU) vom 19. Juli 2002 über die EU-weite Anwendung internationaler Rechnungslegungsgrundsätze wurden alle börsennotierten Unternehmen ab 2005 zur Aufstellung ihres Konzernabschlusses nach den International Financial Reporting Standards (IFRSs) verpflichtet.

Ein IFRS-konformer Konzernabschluss verfolgt in erster Linie den Zweck, die Informationsbedürfnisse der Investoren und nicht, wie im deutschen Handelsrecht (HGB), die der Gläubiger zu erfüllen. Im Gegensatz zum HGB, in welchem die vergangenheitsbezogene Abbildung der Substanz bzw. des Vermögens im Vordergrund steht, fokussieren sich die IFRSs auf die zukünftige Performance des Unternehmens. Der verpflichtende Wechsel der Rechnungslegungsvorschriften von den nationalen Regelungen zu den IFRSs hat folglich umfassende Auswirkungen auf die Bilanzanalyse und deren Instrumentarium. Die bis dato verwendeten Kennzahlen und deren Bezugsgrößen verlieren im Wesentlichen ihre Aussagefähigkeit und sind somit für die Analyse eines IFRS-Abschlusses nur noch eingeschränkt nutzbar. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2005 das Kooperationsprojekt „Typologische Bilanzanalyse“ zwischen dem DSGV und der Fachhochschule Erfurt erstmalig durchgeführt. Dieses Projekt verfolgte auch 2006 das Ziel, branchenspezifisches Bilanzierungsverhalten mit Hilfe erhobener empirischer Daten von 247 börsennotierten Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu untersuchen. Aus den Projektergebnissen 2006 ergab sich die Frage: „Ist es möglich, anhand der erhobenen Daten der untersuchten Unternehmen, branchenspezifische Geschäftsmodelle und Werttreiber zu identifizieren?“

Diese Frage soll im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit beantwortet werden.

Grundlage der Untersuchung ist zunächst die Einordnung von 247 börsennotierten IFRS-Anwendern in Anlehnung an die von der Deutschen Börse vorgenommene Einteilung in Prime-Sektoren (Branchengruppen). Aus dieser Zuordnung der Unternehmen ergaben sich 17 Branchengruppen mit bis zu 15 Branchenvertretern. Dabei wurden nur solche Unternehmen berücksichtigt, deren Geschäftsjahr zum wesentlichen Teil auf das Kalenderjahr 2005 entfällt und deren Hauptsitz im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) liegt. Eine Übersicht über die einbezogenen Unternehmen und deren Zuordnung befindet sich auf der beiliegenden CD.

Die nachfolgende Tabelle listet die einbezogenen Branchen und die jeweilige Unternehmensanzahl auf.

Tabelle 1: Branchenübersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der hohen Anzahl der Branchen und der damit einhergehenden Datenmenge wurden im Rahmen dieser Diplomarbeit nur die in Tabelle 1 grau hinterlegten Branchen detailliert untersucht. Diese Branchen wurden aus folgenden Gründen ausgewählt:

Die deutsche chemische Industrie (D – Chemicals) ist führend in Europa und weltweit auf dem vierten Platz.[1]

Die Branche Retail (M) gilt als beschäftigungsintensivster Wirtschaftszweig in Deutschland.[2] Die anderen beiden Branchen Real Estate (G) und Media (K) wurden aufgrund ihrer spezifischen Merkmale hinsichtlich der zugrunde liegenden Wirtschaftsgüter und die sich daraus ergebenden Besonderheiten bei der Bilanzierung ausgewählt.

Um die Frage nach dem Vorliegen branchenspezifischer Geschäftsmodelle und Werttreiber zu beantworten, wurde im Rahmen der vorliegenden Arbeit zunächst ein allgemeingültiges Grundkonzept zur IFRS-Branchenanalyse entworfen. Das Grundkonzept setzt sich aus sechs Stufen zusammen, wobei die ersten drei Stufen das Geschäftsmodell und die Stufen vier bis sechs, anhand von den im Jahresabschluss veröffentlichten Zahlen, die Werttreiber analysieren.

Im ersten Kapitel wird das theoretische Grundkonzept vorgestellt. Im Anschluss daran erfolgt die Betrachtung und Bewertung der vier Branchen Chemicals, Real Estate, Media und Retail entsprechend der im Grundkonzept vorgesehenen Analyseschritte in jeweils einzelnen Kapiteln. Am Ende der Arbeit wird eine Zusammenfassung und Auswertung der im Rahmen dieser Branchenanalyse gewonnenen Erkenntnisse sowie ein Ausblick gegeben.

2. Das theoretische Grundkonzept

Um die verschiedenen Branchen besser miteinander vergleichen zu können, ist es notwendig, jede Branche nach dem gleichen Schema zu analysieren. Zu diesem Zweck wird in diesem Kapitel zunächst das theoretische Grundkonzept zur Branchenanalyse vorgestellt, mit dessen Hilfe jede Branche einheitlich ausgewertet werden soll. Dazu werden zu Beginn allgemeine Aussagen zur Branche getroffen, anschließend eine branchenspezifische Wertschöpfungskette aufgestellt und schließlich ein branchentypisches Geschäftsmodell generiert. Die sich aus der Rechnungslegung ergebenden Werttreiber werden anhand einer Branchenbilanz dargestellt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse im Anschluss mit Hilfe mehrer Kennzahlen genauer analysiert und überprüft. In einem letzten Schritt erfolgt die Untersuchung des Bilanzierungsverhaltens der jeweiligen Branche bezüglich gewisser Wahlmöglichkeiten, welche von den IFRSs eingeräumt werden, und deren Einfluss bei Ausübung bzw. Nichtausübung auf die Werttreiber in der Bilanz.

2.1 Die Branche

Im ersten Schritt der Branchenanalyse erfolgt eine allgemeine Definition der jeweiligen Branche und ihrer Besonderheiten, zudem wird ein Überblick über die in der Untersuchung der Branche berücksichtigten Unternehmen gegeben. Es wurden nur solche Unternehmen einbezogen, die ihren Sitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben, nach IFRS bilanzieren und an einer amtlichen Börse gelistet sind. Die Abgrenzung der Branchen und die Zuordnung der Unternehmen erfolgt in Anlehnung an die Brancheneinteilung der Deutschen Börse. In diesem Zusammenhang teilt die Deutsche Börse die Unternehmen in 18 Prime-Sektoren auf. Dabei richtet sich die Zuteilung der Unternehmen zu den jeweiligen Branchen nach deren Umsatzschwerpunkt.[3]

Zunächst wird anhand der Fachliteratur der Begriff „Branche“ definiert. Unter dem Begriff Branche oder Wirtschaftszweig wird in der Fachliteratur übereinstimmend eine Gruppe von Unternehmen verstanden, die ähnliche Produkte herstellen und/oder ähnliche Dienstleistungen erbringen.[4]

2.2 Die Wertschöpfungskette

Im zweiten Schritt wird die jeweilige branchenspezifische Wertschöpfungskette generiert. Im Anschluss daran erfolgt die Zuordnung der einbezogenen Unternehmen zu einzelnen bzw. mehreren Gliedern der Wertschöpfungskette. Diese Zuordnung basiert auf den im jeweiligen Geschäftsbericht gemachten Angaben über die Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Darauf erfolgt eine Auswertung der festgestellten branchentypischen Ergebnisse. In einem weiteren Schritt sollen die gewonnenen Erkenntnisse zur Herleitung eines bzw. mehrerer branchenspezifischer Geschäftsmodelle genutzt werden.

Zunächst wird anhand der Fachliteratur eine Definition des Begriffs „Wertschöpfungskette“ gegeben.

Porter definiert die Wertkette („value chain“) als analytisches Instrument, welches die Unternehmen in strategisch relevante Tätigkeiten untergliedert. Ziel dieser Aufgliederung ist das Herausfiltern von Wettbewerbsvorteilen gegenüber den Konkurrenten und der Branche.[5] Gaitanides versteht die Wertschöpfungskette als ein System aus unterschiedlichen technischen und ökonomischen Aktivitäten, die in Verknüpfung miteinander ein interdependentes Gefüge bilden. Überdies definiert er die Wertschöpfungskette als bereichs- und abteilungsunabhängige betriebliche bzw. auch überbetriebliche Ablauflogik. In diesem Zusammenhang wird auch von hintereinander gelagerten Vorgangsketten gesprochen.[6]

In einem aktuelleren Aufsatz definiert Knyphausen-Aufseß die Wertkette als sequentielle Aneinanderreihung der gesamten Aktivitäten eines Unternehmens, die zur Wertschöpfung beitragen.[7]

Grundsätzlich kann die Erkenntnis erlangt werden, dass zwar unterschiedliche Definitionen des Begriffs Wertschöpfungskette existieren, aber der Grundgedanke der Darstellung aufeinander folgender Aktivitäten und deren Verknüpfungen innerhalb eines Unternehmens allen Definitionen gemein ist.

2.3 Das Geschäftsmodell

In diesem Unterpunkt der Branchenanalyse erfolgt, anhand der bisher gewonnenen Erkenntnisse, die Erstellung eines, für die jeweilige Branche typischen, Geschäftsmodells. Dazu werden dem Ansatz von Knyphausen-Aufseß folgend, die einbezogenen Unternehmen, anhand der ihnen eigenen Positionierung in der branchencharakteristischen Wertschöpfungskette, den Kategorien vertikale oder horizontale Integratoren (Spezialisten) oder Unternehmensnetzwerken zugeordnet.[8] Zusätzlich werden, soweit die Datenlage eine Analyse zulässt, die jeweiligen Geschäftsmodelle unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte wie Hauptgeschäftstätigkeit, geografische Aufstellung o.ä. betrachtet.

Anfänglich wird zunächst eine Definition des Begriffs „Geschäftsmodell“ gegeben. Die Suche nach einer eindeutigen Begriffsbestimmung erwies sich als problematisch, da in der Fachliteratur viele gegenläufige Definitionen verwendet werden. Übereinstimmung besteht nur in der Erkenntnis, dass es keine einheitliche Definition gibt. In diesem Zusammenhang sei auf den Aufsatz von Scheer / Deelmann / Loos verwiesen, in welchem die Autoren im Rahmen ihrer Arbeit 28 verschiedene Definition des Begriffs Geschäftsmodell analysiert haben. Als Essenz ihrer Untersuchung haben sie folgende eigene Definition formuliert, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit übernommen wird:

„Ein Geschäftsmodell kann als eine abstrahierende Beschreibung der ordentlichen Geschäftstätigkeit einer Organisationseinheit angesehen werden. Diese Abstraktion basiert auf einer Abbildung von Organisationseinheiten, Transformationsprozessen, Transferflüssen, Einflussfaktoren sowie Hilfsmitteln oder einer Auswahl hieraus.“[9]

2.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz

Jede Branche ist durch ihre eigenen individuellen Werttreiber gekennzeichnet. Dabei handelt es sich allgemein um Faktoren, die einen Einfluss auf den Unternehmenswert haben. Diese Werttreiber können verschiedener Natur sein, d.h. sie können in den verschiedensten betrieblichen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette liegen und demzufolge auch unterschiedliche Ursachen haben.

Im Rahmen dieser Arbeit soll nur auf solche Werttreiber eingegangen werden, deren Ursachen in der Vermögens-, Finanz- und Liquiditätslage liegen und die anhand der Daten der Jahresabschlüsse erhoben werden können. Um diese Werttreiber darstellen zu können, wird in diesem Abschnitt der Branchenanalyse in Anlehnung an Boulton, Libert und Samek und das von ihnen entwickelte „Value Imaging“ eine Branchenbilanz erstellt.[10] Diese Bilanz wird aus den Konzernbilanzen der Unternehmen, die in die Untersuchung der jeweiligen Branche einbezogen wurden, und den daraus ermittelten Branchendurchschnittswerten aufgestellt. Zudem wird das Verhältnis der Branchendurchschnittswerte des buchhalterischen Eigenkapitals und der Marktkapitalisierung zum Stichtag dargestellt. In diesem Zusammenhang wird die Marktkapitalisierung als Produkt aus der Aktienanzahl und dem jeweiligen Preis der Aktie zum Stichtag definiert. Dieser Vergleich soll einen Überblick über die Bewertung des Eigenkapitals zu Marktwerten ermöglichen. Darüber hinaus wird durch die Verschiebung der „Mittelachse“ in Richtung Aktiva oder Passiva, die Abhängigkeit der Branche von der jeweiligen Bilanzseite dargestellt werden. Eine Verschiebung der „Mittelachse“ in Richtung Aktiva wird im Folgenden als eine kapitalinduzierte Erfolgsstruktur definiert. Das Pendant, also die Verschiebung in Richtung Passiva, wird entsprechend als vermögensinduzierte Erfolgsstruktur definiert. Als Anhaltspunkt für die Verschiebung der „Mittelachse“ soll der Leverage-Faktor dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Berechnung der Eigenkapital-Quote wurde nicht das buchhalterische Eigenkapital sondern die Marktkapitalisierung angesetzt, da bei der Aufstellung der Branchenbilanz der Marktkapitalisierungsmehrwert Berücksichtigung fand.

Je höher der Leverage-Faktor ausfällt, desto stärker ist die Eigenkapitalrentabilität von der vorherrschenden Kapitalstruktur abhängig. Dabei muss zunächst für alle Unternehmen ein durchschnittlicher Leverage-Faktor ermittelt werden. Einschränkend sei erwähnt, dass bei der Ermittlung des durchschnittlichen Leverage-Faktors Werte jenseits der Bandbreite von -10 bis +10 aus Gründen der Verzerrung keine Berücksichtigung finden. Von diesem Wert aus wird die „Mittelachse“ dann in Richtung Aktiva (Passiva) verschoben, wenn der jeweilige Branchendurchschnittswert größer (kleiner) ist als der gesamte durchschnittliche Leverage-Faktor. Je größer die Bilanzseite, desto größer ist die Abhängigkeit von dieser und umgekehrt, d.h. in der unten veranschaulichten Beispielbilanz ist die Branche von der Aktivseite und speziell von den Sachanlagen abhängig. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass relativ hohe Abschreibungen und hohe Fixkosten das Ergebnis bei Unterauslastung der Anlagen überproportional belasten und somit überdurchschnittliche Verluste entstehen können. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass durch eine hohe Auslastung der Anlagen überdurchschnittliche Gewinne aufgrund fallender Stückkosten erwirtschaftet werden können. Darüber hinaus ist diese fiktive Branche durch eine gute Eigenkapitalausstattung und eine geringere Abhängigkeit vom Fremdkapital gekennzeichnet. Dies hat zur Folge, dass das operative Ergebnis und die Liquidität nur in geringem Ausmaß durch Zinsen belastet werden. Abschließend lässt sich für diese Beispielbranche sagen, dass die Werttreiber zum einen auf der Aktivseite der Bilanz in den Sachanlagen und deren Auslastung liegen und zum anderen in den Fremdkapitalkosten auf der Passivseite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[11]

Abbildung 1: Branchenbilanz einer fiktiven Beispielbranche

Quelle: Eigene Darstellung.

2.5 Die Kennzahlenanalyse

In der Kennzahlenanalyse wird die Branche nun anhand von vier Kennzahlen und zwei grafischen Darstellungen abgebildet. Dadurch sollen die im vorangegangenen Abschnitt aufgestellte Branchenbilanz und die daraus gewonnen Erkenntnisse einer vertiefenden Untersuchung zugeführt werden. Dazu werden jeweils zwei der vier Kennzahlen in Beziehung zueinander gesetzt. Das erste Kennzahlenpaar zeigt dabei die Auswirkungen der Finanzierungsstruktur, das zweite den Einfluss der Vermögensstruktur. Zur Abbildung dieser Kennzahlenpaare wurden zwei annähernd identische Darstellungsvarianten gewählt, die sich nur hinsichtlich ihrer Gesamtaussage unterscheiden. Die erste Darstellungsvariante (1) zeigt die ermittelten Durchschnittswerte der jeweiligen Branche für beide Kennzahlenpaare im Vergleich zum Gesamtdurchschnittswert aller untersuchten Unternehmen. Die zweite Darstellungsvariante (2) bildet die Verhältnisse innerhalb der konkreten Branche ab. Es werden also alle Einzelwerte der jeweils untersuchten Branche und der aus diesen Werten ermittelte Durchschnittswert dargestellt.

In den beiden folgenden Unterabschnitten werden die zur Analyse der Finanzierungs- und Vermögensstruktur jeweils notwendigen Kennzahlenpaare separat vorgestellt und erläutert.

2.5.1 Die Analyse der Finanzierungsstruktur

Die Auswirkungen der Finanzierungsstruktur auf das Jahresergebnis und die Liquidität des operativen Bereiches werden anhand der beiden Kennzahlen „Zinsbelastungsquote des Ergebnisses“ und „Zinsbelastungsquote der Liquidität“ untersucht. Diese beiden Kennzahlen wurden ausgewählt, weil sie den Einfluss der Zinsen auf das Ergebnis und die Liquidität am ehesten verdeutlichen. Zunächst werden die beiden Kennzahlen getrennt voneinander erläutert und im Anschluss daran mögliche Interpretationen für die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der beiden Kennzahlen dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Kennzahl zeigt die Auswirkung der Zinsaufwendungen auf das Jahresergebnis. Dabei wird das EBI (E arnings B efore I nterest) in Beziehung zum Jahresüberschuss gesetzt. Das EBI stellt ein um die Zinsaufwendungen bereinigtes Jahresergebnis dar.

Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass das EBI genauso groß ist wie der Jahresüberschuss und somit im Berichtsjahr keine Zinsaufwendungen angefallen sind, d.h. das Jahresergebnis ist nicht durch Zinsaufwendungen belastet. Ein Wert von 2,0 bringt zum Ausdruck, dass Zinsaufwendungen in gleicher Höhe wie das Jahresergebnis angefallen sind. Je höher der Wert für die Zinsbelastungsquote des Ergebnisses ausfällt, desto stärker beeinflussen die Kapitalstruktur und die damit zusammenhängenden Zinsaufwendungen das Jahresergebnis. Negative Werte dieser Kennzahl sind auf einen negativen Jahresüberschuss zurückzuführen, d.h., dass durch die Zinsaufwendungen aus einem vorher positiven Ergebnis ein Jahresfehlbetrag entstanden ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Grafische Darstellung zur Analyse der Finanzierungsstruktur (A)

Quelle: Eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zinsbelastungsquote der Liquidität zeigt die Auswirkung der im Geschäftsjahr gezahlten Zinsen auf die operative Liquidität. Dabei werden die im Geschäftsjahr gezahlten Zinsen in Beziehung zum operativen Cash Flow gesetzt.

Ein Wert von 0,0 bedeutet, dass im Geschäftsjahr keine Auszahlungen für Zinsen getätigt wurden und dadurch die Liquidität nicht belastet wurde. Bei einem Wert von 1,0 sind die gezahlten Zinsen genauso hoch wie der operative Cash Flow, d.h. der operative Cash Flow wurde vollständig für die Zahlung von Zinsen verwendet. Je höher dieser Wert ausfällt, desto stärker beeinflussen die Finanzierungsstruktur und die damit zusammenhängenden Zinszahlungen die Liquidität des operativen Bereiches. Negative Werte dieser Kennzahl sind auf einen negativen operativen Cash Flow zurückzuführen, was bedeutet, dass die Zinszahlungen nicht aus dem operativen Cash Flow getätigt werden können und sich somit die negative operative Liquiditätssituation weiter verschlechtert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Grafische Darstellung zur Analyse der Finanzierungsstruktur (B)

Quelle: Eigene Darstellung.

(C) Gesamtanalyse der Finanzierungsstruktur (A + B)

Im Nachfolgenden werden die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der beiden Kennzahlen näher erläutert. Zur Veranschaulichung dient eine Vier-Felder-Matrix, mit deren Hilfe die möglichen Kombinationsvarianten dargestellt werden.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Schnittpunkt der vier Quadranten in der ersten Darstellungsvariante (1) genau in dem Punkt liegt, in dem sich die Werte für den Gesamtdurchschnitt aller Unternehmen befinden. In der zweiten Darstellungsvariante (2) befindet sich der Schnittpunkt der vier Quadranten im Punkt des jeweiligen Branchendurchschnittes.

Kombinationsmöglichkeiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dieser Kombination sind die Werte für beide Kennzahlen hoch und befinden sich im 1. Quadranten. Alle Werte, die sich in diesem Bereich befinden, lassen darauf schließen, dass die Finanzierungsstruktur und die daraus resultierenden Zinsaufwendungen und Zinszahlungen zu einer erheblichen Belastung des Jahresergebnisses und der Liquidität des operativen Bereiches führen. Unternehmen bzw. Branchen, die sich in diesem Feld befinden, sollten zukünftig, bei sonst gleich bleibenden Erträgen und Aufwendungen sowie Ein- und Auszahlungen, kein weiteres Fremdkapital aufnehmen, da ihre Liquidität und ihr Ertrag bereits zu stark durch Fremdkapitalzinsen belastet sind. Eine solche Situation bedeutet, dass die erwirtschafteten Erträge und Einzahlungsüberschüsse die anfallenden Zinsen nicht tragen können. Somit ist die Ertrags- und Liquiditätslage nicht an die individuelle Kapitalstruktur angepasst. Dies gilt in gleichem Maße für den Fall, dass die Werte beider Kennzahlen negativ sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Grafische Darstellung der 1. Kombinationsmöglichkeit

Quelle: Eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Falle dieser Kombination sind die Werte für beide Kennzahlen niedrig und befinden sich im 4. Quadranten. Alle Werte, die sich in diesem Feld befinden, lassen darauf schließen, dass die Finanzierungsstruktur und die daraus resultierenden Zinsaufwendungen und Zinszahlungen zu keiner bzw. einer nur geringen Belastung des Jahresergebnisses und der Liquidität des operativen Bereiches führen. Derartige Unternehmen bzw. Branchen, können zukünftig, bei sonst gleich bleibenden Erträgen und Aufwendungen sowie Einzahlungsüberschüssen, weiter Fremdkapital aufnehmen, da ihr Ergebnis und ihre Liquidität bisher nur gering belastet sind. Die erwirtschafteten Erträge und Einzahlungsüberschüsse sind also an die existierende Kapitalstruktur angepasst und es besteht die Möglichkeit, durch eine Optimierung der Kapitalstruktur, die Eigenkapitalrendite weiter zu erhöhen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Grafische Darstellung der 2. Kombinationsmöglichkeit

Quelle: Eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Kombinationsmöglichkeit ist durch einen hohen Wert für die Zinsbelastungsquote des Ergebnisses und einen niedrigen Wert für die Zinsbelastungsquote der Liquidität gekennzeichnet und spiegelt sich im 2. Quadranten wieder. An dieser Stelle ist das Jahresergebnis durch einen hohen Zinsaufwand belastet und die operative Liquidität wird nicht oder nur in geringem Maße durch Zinszahlungen beeinflusst. Gleiches gilt auch für den Fall, dass der Wert für die Zinsbelastungsquote des Ergebnisses negativ ist. Eine mögliche Ursache für diese Konstellation könnte in einer nicht an die Finanzierungsstruktur adjustierten Ertragslage liegen. Außerdem kommen Zinsaufwendungen, die im Geschäftsjahr noch nicht zu Auszahlungen geführt haben bzw. zahlungsunwirksame Zinsaufwendungen, wie z.B. die Abzinsung von Rückstellungen, als weitere Ursache in Frage.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Grafische Darstellung der 3. Kombinationsmöglichkeit

Quelle: Eigene Darstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Konstellation befindet sich im 3. Quadranten und setzt sich aus einem niedrigen Wert für die Zinsbelastungsquote des Ergebnisses und einem hohen Wert für die Zinsbelastungsquote der Liquidität zusammen. Unternehmen bzw. Branchen, die in Feld 3 liegen, sind dadurch gekennzeichnet, dass die operative Liquidität in erheblichem Maße durch Zinszahlungen beeinflusst ist. Das Jahresergebnis ist im Gegensatz dazu nur unwesentlich durch Zinsaufwendungen belastet. Dies gilt auch für den Bereich, wenn der Wert der Zinsbelastungsquote der Liquidität negativ ausfällt. Bei dieser Kombinationsvariante ist zu erwarten, dass sie eher selten in Erscheinung tritt. Mögliche Ursachen können zum einen eine nicht an die Finanzierungsstruktur angepasste Liquiditätslage und zum anderen die Zahlung von Zinsen für Zinsaufwendungen sein, die einer vom Geschäftsjahr abweichenden Periode zu zuordnen sind. Unternehmen oder Branchen, aus diesem Bereich, könnten möglicherweise in kommenden Perioden im 2. Quadranten anzutreffen sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Grafische Darstellung der 4. Kombinationsmöglichkeit

Quelle: Eigene Darstellung.

2.5.2 Die Analyse der Vermögensstruktur

Die Auswirkungen der Vermögensstruktur auf das Jahresergebnis werden anhand der zwei Kennzahlen „EBIT-Marge“ und „EBITDA-Marge“ untersucht. Diese Kennzahlen wurden gewählt, da sie eine internationale Vergleichbarkeit vereinfachen und unabhängig von nationalen Steuervorschriften sind.[12] Darüber hinaus ermöglichen diese Kennzahlen, in Relation zueinander gesetzt, eine Aussage über die Auswirkungen der Abschreibungen auf das Ergebnis.

Nachfolgend werden die beiden Kennzahlen zunächst getrennt voneinander erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kennzahl „EBIT-Marge“ (E arnings B efore I nterest and T axes) zeigt den prozentualen Anteil des operativen Gewinns vor Zinsen und Steuern an den Umsatzerlösen und gibt somit Auskunft über die Ertragskraft des Unternehmens.[13] Diese Kennzahl stellt eine von der Finanzierungsstruktur unabhängige Umsatzrendite dar. Je höher die EBIT-Marge ausfällt, desto größer ist der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kennzahl „EBITDA-Marge“ (E arnings B efore I nterest, T axes, D epreciation and A mortisation) zeigt den prozentualen Anteil des operativen Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen an den Umsatzerlösen und gibt somit ebenfalls Auskunft über die Ertragskraft eines Unternehmens.[14] Sie stellt eine von der Finanzierungs- und Vermögensstruktur unabhängige Umsatzrendite dar. Je größer die EBITDA-Marge ausfällt, desto größer ist der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

(C) Gesamtanalyse der Vermögensstruktur (A+B)

Werden die beiden Kennzahlen nun in Beziehung zueinander gesetzt, lassen sich Rückschlüsse auf die Vermögensstruktur und deren Auswirkungen auf das Jahresergebnis ziehen. Zum besseren Verständnis soll die nachfolgende Abbildung dienen, mit deren Hilfe mögliche Verhältnisse zwischen beiden Kennzahlen dargestellt werden.

An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass in der Branchenanalyse zwei zusätzliche Linien in die Darstellungsvariante (1) eingezeichnet werden, die sich parallel zur Winkelhalbierenden befinden und eine bessere Vergleichbarkeit gewährleisten sollen. Diese beiden Geraden spiegeln zum einen den Gesamtdurchschnitt aller in die Untersuchung einbezogenen Unternehmen und zum anderen den jeweiligen Branchendurchschnitt wieder. In der Darstellungsvariante (2) wird nur der jeweilige Branchenschnitt abgebildet, um so eine bessere Einordnung der Einzelwerte zu ermöglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Grafische Darstellung zur Analyse der Vermögensstruktur

Quelle: Eigene Darstellung.

Von entscheidender Bedeutung bei dieser Darstellungsform ist, dass die Skalierung der beiden Achsen einheitlich vorgenommen wird. Ist dies der Fall, lassen sich mit Hilfe der eingezeichneten Winkelhalbierenden folgende Aussagen treffen: Liegt ein Unternehmen oder sogar die ganze Branche auf der Winkelhalbierenden, so sind die Werte für beide Kennzahlen gleich. Daraus lässt sich schließen, dass im Berichtsjahr keine Abschreibungen angefallen sind und das Jahresergebnis nicht durch Abschreibungen belastet wird. Dies bedeutet, dass die Vermögensstruktur und die damit zusammenhängenden Abschreibungen keinen Einfluss auf die Ertragslage haben.

Unternehmen bzw. Werte, die sich in dem mit 4. gekennzeichnetem Feld befinden, weisen einen großen Unterschied zwischen beiden Kennzahlen auf. Dies bedeutet, dass die EBITDA-Marge wesentlich größer ist als die EBIT-Marge, woraus sich schließen lässt, dass die Abschreibungen einen erheblichen Einfluss auf die Umsatzrendite und damit auf die Ertragslage haben. Das Ergebnis ist also stark von der Vermögensstruktur und den daraus resultierenden Abschreibungen abhängig. Zusammenfassend kann verallgemeinert werden, dass sich der Einfluss der aus der Vermögensstruktur resultierenden Abschreibungen auf die Ertragslage verstärkt, je weiter sich die Werte für eine Branche von der Winkelhalbierenden entfernen.

Ergänzend muss noch darauf hingewiesen werden, dass die in Abbildung 8 (siehe S. 18) mit 1.-4. gekennzeichneten Felder nur zu Veranschaulichungszwecken im diesem theoretischen Grundkonzept eingezeichnet wurden.

2.5.3 Skalierung

Um eine einheitliche Skalierung zu gewährleisten, wurden die erhobenen Einzelwerte der Kennzahlen innerhalb der jeweiligen Branche verglichen. Dieser Vergleich zeigte, dass die ermittelten Bandbreiten durch extreme Einzelwerte stark verzerrt bzw. unverhältnismäßig ausgedehnt werden. Um diese Verzerrungen zu eliminieren, wurden feste Bandbreiten für die Kennzahlen definiert. Für die Kennzahl Zinsbelastungsquote der Liquidität wurde eine Bandbreite von -0,9 bis +0,9 festgelegt. Die Bandbreite für die Kennzahl Zinsbelastungsquote des Ergebnisses reicht von -1,0 bis +4,0. Wie in Abschnitt 2.5.2 bereits beschrieben, erfolgt für die Kennzahlen EBIT-Marge und EBITDA-Marge eine einheitliche Skalierung. Für diese beiden Kennzahlen wurde eine Bandbreite von -0,5 bis +0,8 festgelegt.

Von den insgesamt 247 untersuchten Unternehmen lagen bei der Analyse der Finanzierungsstruktur 22 Unternehmen außerhalb der definierten Bandbreiten. Dies entspricht einem Anteil von rund 9%. Zur Analyse der Vermögensstruktur wurde ein Anteil von etwa 3% der Grundgesamtheit aller untersuchten Unternehmen als Ausreißer eliminiert, dies entspricht 8 Unternehmen. Die jeweiligen Branchendurchschnittswerte und der Gesamtdurchschnitt wurden nach der Eliminierung der Ausreißer berechnet.

Um die Vergleichbarkeit zu optimieren, wurden für Darstellungsvariante (1), welche die Branchendurchschnittswerte dem Gesamtdurchschnitt gegenüberstellt, einheitliche Bandbreiten festgelegt. Diese Bandbreiten ermittelten sich aus der Streuung aller Durchschnittswerte und befinden sich innerhalb der oben genannten Bandbreiten.

Bei Darstellungsvariante (2), die die Verteilung innerhalb der jeweiligen Branche abbildet, orientieren sich die Bandbreiten an den kleinsten und größten Einzelwerten ebenfalls nach der Eliminierung der Ausreißer. Auch diese Werte befinden sich innerhalb der oben definierten Bandbreite. Abschließend sei darauf hingewiesen, dass sämtliche Kennzahlen zunächst für alle 17 Branchen erhoben wurden, um die ermittelten Ergebnisse der vier untersuchten Branchen in einen Gesamtkontext einordnen zu können.

2.6 Die Bilanzpolitik

Diese Werttreiber, die sich positiv oder negativ auf das Bilanzbild und damit auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage auswirken, können durch verschiedene Bilanzierungswahlmöglichkeiten der internationalen Rechnungslegung IFRS beeinflusst werden. In diesem Abschnitt der Branchenanalyse soll untersucht werden, ob hinsichtlich der Wahlmöglichkeiten innerhalb der jeweiligen Branche ein gewisses Bilanzierungsverhalten existiert. Zunächst wird ein Überblick über ausgewählte Wahlmöglichkeiten der Bilanzierung gegeben, mit deren Hilfe der Einfluss und die Auswirkungen der Werttreiber auf die Rechnungslegung und damit das Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage widergespiegelt werden kann. Es wurden die nachfolgend dargestellten und für die Untersuchung relevanten Wahlrechte sowie die damit zusammenhängende Bilanzierungsspielräume identifiziert, deren Erläuterung an dieser Stelle unter Verwendung der IAS / IFRS (Stand 2006) erfolgen soll.

(A) Aktivierung von Finanzierungskosten

Die Aktivierung von Finanzierungskosten wird im IAS 23.13ff geregelt. Der Standard stellt die Aktivierung von Fremdkapitalzinsen dem bilanzierenden Unternehmen frei, wenn die Voraussetzungen der eindeutigen Zuordnung zu einem qualifizierten Vermögenswert gegeben sind und die Fremdkapitalzinsen nicht angefallen wären, wenn der Vermögenswert nicht angeschafft worden wäre. Eine Aktivierung der Fremdkapitalkosten bedeutet, dass sich die Anschaffungs- und Herstellungskosten, mit denen der Vermögenswert bilanziert wird, erhöhen. Die Fremdkapitalzinsen werden somit im Rahmen der planmäßigen Abschreibungen über die gesamte Nutzungsdauer des Vermögenswertes verteilt, wodurch auch die damit im Zusammenhang stehende Ergebnisbelastung über die Nutzungsdauer verteilt wird. Bei Nichtausübung des Wahlrechtes führt die aufwandswirksame Erfassung der Fremdkapitalzinsen in der Periode des Anfalls zu einer höheren Ergebnisbelastung. In den Folgejahren fallen die auf den Vermögenswert anfallenden planmäßigen Abschreibungen dann jedoch niedriger aus als bei Ausübung des Wahlrechtes.

(B) Aktivierung von Entwicklungskosten

Entwicklungskosten dürfen generell nur bei Erfüllung aller Ansatzkriterien gem. IAS 38.57ff als Immaterieller Vermögenswert aktiviert werden. Angefallene Forschungskosten sowie nicht alle Kriterien des IAS 38.57ff erfüllende Entwicklungskosten sind in der Periode des Anfalls aufwandswirksam zu erfassen und dürfen nicht aktiviert werden. Die Aktivierung von Entwicklungskosten als Immaterieller Vermögenswert führt in der Periode der Aktivierung zu einer Bilanzverlängerung und einer damit einhergehenden Ergebnisentlastung. Die Entwicklungskosten werden über eine bestimmte Nutzungsdauer planmäßig abgeschrieben und jährlich bzw. bei Vorliegen eines konkreten Hinweises gem. IAS 36 auf ihre Werthaltigkeit getestet. Die planmäßigen Abschreibungen verteilen die in der Periode der Aktivierung vermiedene Ergebnisbelastung auf die Perioden der voraussichtlichen Nutzung des Vermögenswertes. Bei Nichtausübung des Wahlrechtes wird das Ergebnis der Periode, in der Entwicklungskosten angefallen sind, belastet. Gerade bei Branchen mit hohen Entwicklungsaktivitäten kann dieses Wahlrecht zu signifikanten Ergebnisunterschieden führen. Bilanzanalysten und Investoren sollten diesem Sachverhalt deshalb besondere Aufmerksamkeit schenken.

(C) Ausweis von Investitionszuschüssen

Der Ausweis von Zuschüssen ist in IAS 20 geregelt. Dieser Standard eröffnet dem bilanzierenden Unternehmen zwei Ausweismöglichkeiten bezüglich der Bilanzierung von Investitionszuschüssen der öffentlichen Hand. Auf der einen Seite gestattet der Standard den Ausweis nach der Nettomethode. Dieses Verfahren sieht vor, dass die Investitionszuschüsse von dem Buchwert des Vermögenswertes in Abzug gebracht werden und die Ergebnisentlastung durch die gewährten Investitionszuschüsse über die geminderten planmäßigen Abschreibungen auf die Nutzungsdauer des Vermögenswertes verteilt wird. Auf der anderen Seite erlaubt der IAS 20 den Ausweis nach der Bruttomethode. Diese Vorgehensweise sieht eine Passivierung der gewährten Investitionszuschüsse als Abgrenzungsposten vor. Dieser Abgrenzungsposten wird über die Nutzungsdauer des

Vermögenswertes planmäßig als Ertrag aufgelöst. Der Ausweis nach der Nettomethode führt zu einem niedrigeren ausgewiesenen Anlagevermögen und zu einem geringeren Fremdkapitalanteil und somit zu einer Bilanzverkürzung. Bei der Wahl der Bruttomethode entwickelt sich das Bilanzbild entgegengesetzt, d.h. es kommt im Vergleich zur Nettomethode durch ein höheres Anlagevermögen und einen größeren Fremdkapitalanteil zu einer Bilanzverlängerung. Zudem fällt die Kennzahl EBITDA bei Wahl der Nettomethode niedriger aus als bei der Wahl der Bruttomethode. Die Wahl der Ausweismethode hat jedoch keinen Einfluss auf die Kennzahl EBIT und den Jahresüberschuss. Bei relativ jungen Branchen, wie z.B. Renewable Energies, ist zu erwarten, dass Investitionszuschüsse generell eine größere Rolle spielen als in der Old Economy. Das Wahlrecht erschwert dem Bilanzanalysten bzw. dem Investor den „klaren“ Blick auf die Vermögens-, Ertrags- und Kapitalstruktur und ist als Störfaktor, der bei IFRS-Anwendern häufig ausgewiesenen Ertragskennzahl EBITDA, anzusehen.

(D) Ausweis der gezahlten Zinsen

IAS 7.31ff stellt dem bilanzierenden Unternehmen die Zuordnung der gezahlten Zinsen zu dem Cash Flow aus betrieblicher Tätigkeit, aus Investitions- oder aus Finanzierungstätigkeit bei Aufstellung der Kapitalflussrechnung frei. Prinzipiell wird ein Ausweis unter dem operativen Cash Flow nahe gelegt, jedoch nicht explizit vorgeschrieben. Auch in den einschlägigen IFRS-Kommentierungen wird keine schlüssige Argumentation für die eine bzw. andere Zuordnungsvariante vorgetragen.[15] Es sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass die US-GAAP Vorschriften dieses Wahlrecht nicht eröffnen und eine strikte Zuordnung der Position Gezahlte Zinsen unter dem operativen Cash Flow vorschreiben. Das Wahlrecht des IAS 7 erschwert dem Analysten bzw. Investor den „klaren“ Blick auf die aktuelle Liquiditätssituation des betrachteten Unternehmens und es kommt hinzu, dass bei Aufstellung der Kapitalflussrechnung gem. IAS 7 auch die indirekte Methode gewählt werden kann. Die indirekte Methode erlaubt den kumulierten Ausweis der gezahlten Zinsen mit anderen Zahlungsströmen und verlangt nur eine Anhangangabe über die Zuordnung der gezahlten Zinsen zu einer der Cash Flow Positionen. Dieses zusätzliche Wahlrecht führt dazu, dass einige Unternehmen ganz auf die separate Angabe der gezahlten Zinsen verzichten bzw. bei Wahl der indirekten Methode die Angabe über Zuordnung der gezahlten Zinsen zu einer bestimmten Cash Flow Position vernachlässigen.

[...]


[1] Vgl. Verband der chemischen Industrie e.V. (2006 b), http://www.vci.de/templatedownloads/tmp0/VCIChemkurz06WEB~DokNr~115719~p~101.pdf, S. 2.

[2] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2006), http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/branchenfokus,did=31080.html.

[3] Vgl. Deutsche Börse AG (2006), http://deutsche- boerse.com/dbag/dispatch/de/binary/gdbcontentpool/importedfiles/publicfiles/10downloads/50informatio nsservices/30IndicesIndexLicensing/21guidelines/10shareindices/equityindicesguide.pdf, S. 10.

[4] Vgl. Piekenbrock, D. (2002), S. 482 sowie Samuelson, P. A. / Nordhaus, W. D. (1987), S. 769.

[5] Vgl. Porter, M. E. (1992), S. 59 ff.

[6] Vgl. Gaitanides, M. (1992), S. 15.

[7] Vgl. zu Knyphausen-Aufseß, D. / Meinhardt, Y. (2002), S. 69.

[8] Vgl. zu Knyphausen-Aufseß, D. / Meinhardt, Y. (2002), S. 69 ff.

[9] Scheer, C. / Deelmann, T. / Loos, P. (2003), S. 22.

[10] Vgl. Boulton, R. E. S. / Libert, B. D. / Samek, S. M. (2001): Value Code – Werte schaffen in der Neuen Wirtschaft: Erfolgsstrategien, Geschäftsmodelle, Praxisbeispiele, 1. Auflage, München 2001, o. S., zitiert nach Deelmann, T. / Loos, P. (2003), S. 11ff.

[11] Inklusive geleistete Anzahlungen, Anlagen im Bau und langfristigen Finanzanlagen.

[12] Vgl. Wiehle, U. et al. (2005), S. 94.

[13] Ebenda, S. 94.

[14] Ebenda, S. 96.

[15] Vgl. Rudolph, R. (2004), S. sowie Ballwieser, W. (2006), S. 1242.

Ende der Leseprobe aus 108 Seiten

Details

Titel
IFRS in deutschen, österreichischen und schweizerischen Unternehmen. Chemicals, Real Estate, Media und Retail
Untertitel
Branchenspezifische Werttreiber und Geschäftsmodelle – Teil 2
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
1,3
Autoren
Jahr
2007
Seiten
108
Katalognummer
V125361
ISBN (eBook)
9783640310821
ISBN (Buch)
9783640309849
Dateigröße
1000 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Teil 2: Autor Harry Liedtke, Co-Autor Clemens Taube oder beide als Hauptautor, Benotung 1,3 bei Teil 1: Autor Clemens Taube, Co-Autor Harry Liedtke oder beide als Hauptautor, Benotung 1,0
Schlagworte
Unternehmensbewertung, Branchenanalyse, Marktanalyse, Deutsche Börse, Deutschland, Österreich, Schweiz, EU-Verordnung, Branchenstudie, Cash Flow, Bilanzanalyse, Szenario, Szenarioanalyse, Wertschöpfungskette, Supply Chain, Werttreiber, Geschäftsmodell, Branche, IFRS, International Financial Reporting Standards, Wettbewerbsanalyse, Bilanzierungswahlrecht, Wahlrecht
Arbeit zitieren
Harry Liedtke (Autor)Clemens Taube (Autor), 2007, IFRS in deutschen, österreichischen und schweizerischen Unternehmen. Chemicals, Real Estate, Media und Retail, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125361

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