Wie wäre es, durch eine allgemeingültige Theorie, Kulturen oder Subkulturen egal wo auf der Welt, eine entsprechende formalwissenschaftliche Gestalt annehmen zu lassen und damit eine Ordnung in diese Vielfältigkeit zu bringen? So eine Theorie würde für viele soziologische und kriminologische Fragen einen Mehrwert bieten. Dabei stellt sich die Frage, ob das in diesem Kontext möglich ist, für unendlich viele Einzelfälle eine generelle Aussage treffen zu können. In der Wissenschaft wird versucht eine Theorie in den verschiedensten Bereichen zu schaffen und dadurch komplexe und differenzierte Sachverhalte zu prüfen und diese in ein geordnetes System in Form einer generellen Aussage zu bringen.
Eine Theorie sollte also mit dem Anspruch erstellt werden, mit generellen Aussagen (universal statements) konkrete Phänomene in der Welt (the world) plausibel zu erklären und diese verständlich zu machen. Cohen war ein Kriminologe, der mit seiner Subkulturtheorie genau dies versuchte. In den 40er Jahren begann er mit seinem bedeutendsten
Werk: "Kriminelle Jugend" (Originaltitel: "Delinquent Boys") Jugendliche mit Anpassungs- und Statusproblemen aus der Unterschicht näher zu erforschen. Ziel dieser Hausarbeit ist es, genau diese Theorie darzustellen und in das System der Kriminalitätstheorien einzuordnen sowie im letzten Teil exemplarische Praxisbezüge (Clankriminalität) im Bereich Prävention und Repression zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Einordnung der Kriminalitätstheorien
2.1 Eigenschaften einer Subkultur
2.2 Von Statusproblemen zur Subkultur
2.3 Erklärung der Delinquenz
3 Praxisbeispiel arabischer Clans
3.1 Geschichtlicher Hintergrund von Clans
3.2 Aktueller Bezug zu Clans
3.3 Repression und Prävention von Clankriminalität
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, Albert Cohens Subkulturtheorie detailliert darzustellen, in das bestehende System kriminologischer Theorien einzuordnen und ihre Anwendbarkeit anhand des aktuellen Praxisbeispiels der Clankriminalität kritisch zu prüfen.
- Grundlagen und zentrale Konzepte der Subkulturtheorie nach Cohen
- Soziologische Einordnung von Anpassungs- und Statusproblemen in der Unterschicht
- Geschichte und Entwicklung von Clanstrukturen sowie deren aktuelles Rollenverständnis
- Analyse der Übertragbarkeit klassischer Subkulturtheorien auf moderne Phänomene organisierter Kriminalität
- Diskussion präventiver und repressiver Ansätze im polizeilichen Umgang mit Clankriminalität
Auszug aus dem Buch
Von Statusproblemen zur Subkultur
Cohen möchte mit seiner Theorie aufklären, wie es zu der Bildung von jugendlichen Banden kommt und warum diese sich so von der Gesellschaft abspalten. „Diese Persönlichkeits- und Situationskomponenten sind […] ein Ergebnis der Struktur und Artikulation dieses weiteren Systems; d.h., die Subsysteme der Rekrutierung, der Rollenzuteilung, der Sozialisierung, der Macht, der Kommunikation, des Eigentums und so weiter bewirken zusammen eine charakteristische Verteilung von Persönlichkeiten und Situationen und damit von entsprechenden Anpassungsproblemen.“ Cohen sieht keinen Zufall in der Entstehung der Probleme und ist der Meinung, dass durch die Probleme sich noch kein delinquentes Verhalten erklären lässt. Laut Cohen hat Verhalten im Allgemeinen problemlösenden Charakter. Er behauptet nicht, dass dieses Spannungsverhältnis als einzige oder häufigste Lösung das Bilden von Zusammenschlüssen sei. Es stellt sich weiterhin die Frage, warum die Jugendlichen als kriminelle Banden in Erscheinung treten. Die Jugendlichen kämpfen mit spezifischen soziokulturellen Problemen. Die Kinder kommen größtenteils aus dem Bereich der Unterschicht, dort sind Ziele und Werte der höheren Schicht bekannt, allerdings werden diese nicht in dem Maße wie nötig vermittelt und durchgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die wissenschaftliche Zielsetzung ein, durch eine allgemein gültige Theorie Ordnung in komplexe kriminologische Phänomene zu bringen und stellt Cohens Fokus auf die Erforschung jugendlicher Banden vor.
2 Einordnung der Kriminalitätstheorien: Dieses Kapitel erläutert die Genese des Subkulturbegriffs und analysiert Cohens Ansatz im Kontext von Statusproblemen sowie die spezifischen Merkmale delinquenten Verhaltens.
3 Praxisbeispiel arabischer Clans: Der Praxisteil beleuchtet den geschichtlichen sowie aktuellen Hintergrund von Clans, hinterfragt die behördliche Kategorisierung der Clankriminalität und diskutiert Ansätze der Repression und Prävention.
4 Fazit: Das Fazit resümiert die begrenzte Anwendbarkeit der historischen Theorie auf moderne Phänomene und hebt hervor, dass Cohens Arbeit dennoch eine wichtige wissenschaftliche Basis für soziologische Erkenntnisse lieferte.
Schlüsselwörter
Subkulturtheorie, Albert Cohen, Kriminalitätstheorien, Jugendkriminalität, Clankriminalität, Statusprobleme, Anpassungsprobleme, Delinquenz, Soziologie, Sozialisation, Unterschicht, Repression, Prävention, Clanstrukturen, Normabweichung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung der Subkulturtheorie nach Albert Cohen und ihrer Relevanz für moderne kriminologische Fragestellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die soziologischen Grundlagen der Subkulturtheorie, die Entstehungsbedingungen von Jugendbanden und die Anwendung dieser Konzepte auf die heutige Clankriminalität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Darstellung und Einordnung der Theorie in das System kriminalitätstheoretischer Ansätze sowie eine kritische Prüfung ihrer Praktikabilität für gegenwärtige Phänomene.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender soziologischer und kriminologischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung offizieller Berichte und Dokumentationen zur Clankriminalität.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung (unter anderem Statusprobleme und Merkmale einer Subkultur) sowie einen praktischen Teil, der auf die Strukturen und den Umgang mit arabischen Clans eingeht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Subkulturtheorie, Cohens Ansatz, Clankriminalität, Anpassungsprobleme, Jugendsoziologie und präventive Strategien.
Inwiefern ist Cohens Theorie auf das moderne Phänomen der Clans anwendbar?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Theorie nur begrenzt anwendbar ist, da Cohen den Fokus auf Jugendliche ohne familiäre Verbandsstrukturen legte, während Clans einen ganz anderen sozio-familiären Hintergrund aufweisen.
Welche Rolle spielen "Statusprobleme" in der Theorie?
Statusprobleme bilden nach Cohen den Ausgangspunkt für die Bildung von Subkulturen, wenn Jugendliche der Unterschicht keine legitimen Mittel zur sozialen Anerkennung finden und sich daher delinquenten Gruppen anschließen.
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- Anonym (Autor), 2022, Subkulturtheorie nach Cohen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1253623