Diese Arbeit beschäftigt sich mit spielimmanenter Aggressivität im Freispiel und mit dem angemessenen pädagogischen Umgang dieser im Kindergarten.
Bereits im letzten Jahrhundert wurden von Kindern Spiele mit aggressiven und gewalttätigen Inhalten gespielt. Schon damals wurde ein gespielter Kampf als vollwertiges Spiel angesehen. In der heutigen Zeit ist es allerdings immer öfter der Fall, dass kindliche Spiele, die einen gespielten Kampf beinhalten, von vorneherein verurteilt und verboten werden.
Häufig schauen pädagogische Fachkräfte bei Spielen, die aggressive Inhalte aufweisen, entweder einfach weg oder sie intervenieren sofort. Dass das nicht die Lösung des Problems sein kann, scheint klar. Aber handelt es sich hierbei überhaupt um ein Problem? Und wenn ja – was genau ist das Problem?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Aggressivität und Gewalt
2.1 Aggressivität und Gewalt im Allgemeinen
2.2 Aggressivität und Gewalt im Kindergarten
2.3 Spielimmanente Aggressivität
2.4 Spielimmanente und spielexterne Aggressivität
2.5 Kinder spielen gerne Gewalt
2.6 Auswirkungen von spielimmanenter Aggressivität
3 Das Freispiel
3.1 Die Freispielzeit
3.2 Die pädagogische Bedeutung des Freispiels
3.3 Die Rolle der pädagogischen Fachkraft im Freispiel
4 Umsetzung im Kindergarten
4.1 Die professionelle pädagogische Haltung zu spielimmanenter Aggressivität
4.2 Beobachtung von spielimmanenter Aggressivität
4.3 Direkter Umgang mit spielimmanenter Aggressivität am Kind
4.4 Reflexion mit den Kindern
5 Resümee und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht das Phänomen der „spielimmanenten Aggressivität“ im Kindergarten-Freispiel, um pädagogischen Fachkräften einen fundierten Orientierungsrahmen für den Umgang mit aggressiv anmutenden Spielinhalten zu bieten. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welcher pädagogisch angemessene Umgang mit dieser Form der Aggressivität möglich ist, um eine Balance zwischen notwendigem Schutz und dem pädagogischen Wert des freien Spiels zu wahren.
- Abgrenzung der Begriffe Aggressivität und Gewalt
- Analyse spielimmanenter vs. spielexterner Aggressivität
- Bedeutung von Freispielzeit und kindlicher Ausdrucksform
- Professionelle pädagogische Haltung und Interventionsstrategien
- Reflexionsmethoden zur Begleitung der Kinder
Auszug aus dem Buch
2.3 Spielimmanente Aggressivität
Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, kann auch in einer Spielsituation Aggressivität von den Kindern ausgehen. Oft handelt es sich dabei um eine sogenannte spielimmanente Aggressivität. Der Terminus ‚Immanenz‘ wird benutzt, wenn etwas in etwas anderem enthalten ist oder wenn etwas sich in einem Bereich befindet und die Grenzen von diesem Bereich nicht verlässt. Unter diese Form von Aggressivität werden alle Spiele gefasst, die innerhalb des Spiels aggressive Handlungen zeigen. Darunter fallen unter anderem „[s]pielerisches Kämpfen, [...], Wettbewerbe, [...], aufmüpfige Worte und Bilder“ (Wegener-Spöhring, 2000, S. 60). Dabei steht in keiner Weise im Vordergrund, eine:n Spielpartner:in zu verletzen. Oft wird dies allerdings nicht gesehen. Denn wie schon im Kapitel zu den theoretischen Hintergründen ersichtlich wurde, ist in den Aggressionstheorien eine solche Art von Aggressivität nicht vorgesehen. Am ehesten kann spielimmanente Aggressivität mit der instrumentellen Aggressivität verglichen werden. Denn bei beiden Arten wird die Aggression genutzt, um etwas anderes zu erreichen. Der Unterschied liegt aber darin, dass bei der spielimmanenten Aggressivität der Grundgedanke des Spielens ist, die Aggression nur gespielt und nicht wirklich auszuleben und somit niemand zu Schaden kommt. Im Rückschluss heißt das, dass Spiele mit spielimmanenter Aggressivität auf der So-tun-als-ob-Ebene stattfinden (Vgl. Wegener-Spöhring, 2000, S. 60). Denn laut der oben genannten Definition von Aggression hat diese immer das Ziel, etwas oder jemandem Schaden zuzufügen. Wenn dies im Spiel gespielt wird, aber es nicht tatsächlich passiert, wird also nur so getan.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Betrachtung von Kampfspielen bei Kindern und formuliert das Anliegen, den pädagogischen Umgang mit aggressiv wirkenden Spielinhalten im Kindergarten zu klären.
2 Aggressivität und Gewalt: Das Kapitel definiert theoretische Grundlagen, grenzt die Begriffe voneinander ab und analysiert spezifisch die spielimmanente Aggressivität als eine Form des kindlichen Ausdrucks.
3 Das Freispiel: Es wird die pädagogische Bedeutung der Freispielzeit als essenzielle Bildungsphase erläutert und die spezifische Rolle der Fachkraft im Freispiel beleuchtet.
4 Umsetzung im Kindergarten: Dieses Kapitel liefert praktische Ansätze zur professionellen Haltung, Beobachtung, direkten Begleitung und Reflexion von spielimmanenter Aggressivität im Alltag.
5 Resümee und Fazit: Die Arbeit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer individuellen, bedachten pädagogischen Haltung gegenüber kindlichen Spielwelten.
Schlüsselwörter
Spielimmanente Aggressivität, Freispiel, Kindergarten, Pädagogische Haltung, Gewaltprävention, Kindliche Spielformen, So-tun-als-ob-Ebene, Beobachtung, Reflexion, Pädagogische Fachkraft, Frustration, Konfliktlösung, Sozialkompetenz, Bildungszeit, Spielexterne Aggression.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Herausforderung, wie pädagogische Fachkräfte im Kindergarten mit aggressiv wirkenden Inhalten in kindlichen Spielen (spielimmanente Aggressivität) kompetent und angemessen umgehen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die theoretische Abgrenzung von Aggressivität und Gewalt, die Funktion des Freispiels sowie konkrete pädagogische Handlungsmöglichkeiten im Kindergartenalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Fachkräften Orientierung zu geben, um zwischen notwendigem Schutz der Kinder und der Förderung des wertvollen freien Spiels zu unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur, Aggressionstheorien und pädagogischen Konzepten zur Freispielpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Analyse der Spielformen und deren Bedeutung sowie ein Kapitel zur praktischen Umsetzung, Beobachtung und Reflexion.
Wodurch lässt sich die Arbeit zusammenfassend charakterisieren?
Sie ist charakterisiert durch einen ressourcenorientierten Blick auf kindliche Spielwelten im Kontrast zu einer defensiven Grundhaltung bei aggressiven Spielinhalten.
Warum ist die Beobachtung des Spiels für pädagogische Fachkräfte so wichtig?
Die Beobachtung ist das wichtigste Werkzeug, um zu entscheiden, ob ein Spiel „spielimmanent“ (und damit gesund spielbar) oder „spielextern“ (gefährlich oder auf realer Abneigung basierend) ist.
Was unterscheidet spielimmanente von spielexterner Aggressivität?
Spielimmanente Aggressivität bleibt auf der „So-tun-als-ob-Ebene“, macht den Kindern Spaß und dient dem Spiel, während spielexterne Aggressivität reale Zielgerichtetheit zur Schädigung beinhaltet.
Wie sollten Fachkräfte reagieren, wenn ein Spiel „zu kippen“ droht?
Zunächst sollte mit besonnener Zurückhaltung beobachtet werden, ob die Kinder den Konflikt selbst lösen können; erst wenn Gefahr besteht oder die Spielbalance endgültig verloren ist, ist ein unterstützender Eingriff ratsam.
- Arbeit zitieren
- Lukas Rühle (Autor:in), 2022, Pädagogischer Umgang mit spielerischer Aggressivität im Kindergarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254017