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Förderung der Selbstbestimmung in der Alltagsbegleitung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden

Title: Förderung der Selbstbestimmung in der Alltagsbegleitung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden

Diploma Thesis , 2009 , 116 Pages

Autor:in: Fabian Lerbs (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Die Forderung nach Selbstbestimmung bzw. die Ermöglichung eines selbstbestimmten Lebens von Menschen, die als (geistig) behindert gelten, ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Schlagwort, wenn nicht sogar zu der zentralsten Forderung überhaupt innerhalb der Behindertenarbeit geworden. Dem Bereich des Wohnens kommt hierbei eine zentrale Position zu. Zum einen ist er im Alltag omnipräsent vertreten und zum anderen erfüllt der Wohnraum wichtige Funktionen. So fungiert er etwa als Raum für Geborgenheit und Sicherheit, als Raum für Beständigkeit und Vertrautheit, als Raum für Selbstverwirklichung und Selbstverfügung, als Raum für Kommunikation und Zusammenleben sowie als Raum für Selbstdarstellung und Demonstration von sozialem Status.

Obwohl in der BRD der Grundsatz „ambulant vor stationär“ gilt, lebt nach wie vor ein Großteil aller Menschen mit so genannter geistiger Behinderung in speziellen Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe. Daher muss gefragt werden, wie sich in solchen Einrichtungen Selbstbestimmung fördern lässt. Eine Methode hierzu ist die des Empowerments. Empowerment bedeutet übersetzt Selbstbefähigung bzw. Selbstermächtigung und kommt ursprünglich aus den USA, wo der Begriff das erste Mal in Verbindung mit der Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Minderheit verwendet wurde. Im Rahmen meiner Diplom-Arbeit werde ich folgender Fragestellung
nachgehen: Inwiefern lässt sich durch den Empowerment-Ansatz Selbstbestimmung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden, in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe fördern?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. (Geistige) Behinderung als Begriff und Lebensrealität

2.1 Etablierung des Begriffes „Geistige Behinderung“

2.2 Schwierigkeiten bei der Definition des Begriffes „Geistige Behinderung“

2.3 Eigene Einschätzung / Arbeitsdefinition

3. Geschichtliche Leitbilder in der Behindertenarbeit

3.1 Exkurs I: Die Lebensunwert-Debatte im faschistischen Deutschland

3.2 Verwahrlosung von 1945 bis in die 1970er Jahre

3.3 Die Phase der therapeutischen Förderung

3.4 Das Ideal der Integration und Selbstbestimmung

4. Selbstbestimmung als Leitbild in der Arbeit mit Menschen, die als (geistig) behindert bezeichnet werden

4.1 Der Begriff der Selbstbestimmung

4.2 Rechtliche Grundlagen

4.3 Kritik und Positionen zur Frage nach der Selbstbestimmung bei Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden

5. Wohnsituation von Menschen, die als geistig behindert gelten

5.1 Exkurs II: Die Bedeutung des Wohnens (auch und insb. für Menschen mit so genannter geistiger Behinderung)

5.2 Historische Entwicklung der Wohnsituation

5.3 Übersicht über die bestehenden Wohnformen

5.4 Leben im Wohnheim - Einblicke in den Heimalltag

6. Das Empowerment-Konzept

6.1 Definition des Begriffes "Empowerment"

6.2 Geschichtliche Hintergründe des Empowerment-Konzepts

6.3 Das Menschenbild des Empowerment-Konzepts

6.4 Ziele von Empowerment

6.5 Ebenen von Empowerment-Prozessen

6.6 Die inhaltliche Ausgestaltung des Empowerment-Konzepts

6.7 Methoden zur Ressourcenaktivierung unter der Empowerment-Perspektive

6.8 Möglichkeiten der Umsetzung des Empowerment-Konzepts, in der Arbeit mit Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden

7. Möglichkeiten der Umsetzung des Empowerment-Ansatzes im Wohnbereich der Behindertenhilfe

7.1 Handlungsansätze zur Unterstützung und Förderung der Selbstbestimmung im Wohnheimalltag

7.2 Umsetzungsmöglichkeiten im Wohnheimalltag

7.2.1 Das Konzept der Lebenshilfe Salzburg

7.2.2 NutzerInnenorientierung im Wohnheim Eckardtsheim

8. Zwischenfazit

9. Das Konzept des Community Living als Alternative zum traditionellen Wohn- und Versorgungssystem der Behindertenhilfe

9.1 Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen des Community Living Ansatzes

9.2 Grenzen und Herausforderungen des Community Living Ansatzes

10. Das schwedische Modell der Behindertenhilfe

10.1 Von der institutionellen Tradition hin zur kommunalen Unterstützung

10.2 Zur aktuellen Wohnsituation

11. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern der Empowerment-Ansatz als Methode genutzt werden kann, um Selbstbestimmung in Wohneinrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung zu fördern, und diskutiert hierzu alternative Wohnkonzepte wie das "Community Living".

  • Analyse des Begriffs der geistigen Behinderung und historischer Leitbilder in der Behindertenarbeit.
  • Empowerment als Konzept zur Förderung von Selbstbestimmung in stationären Wohnformen.
  • Untersuchung der Alltagsrealität in Wohnheimen und bestehender struktureller Grenzen.
  • Vergleich und Einordnung alternativer Wohnkonzepte sowie des schwedischen Modells der Behindertenhilfe.

Auszug aus dem Buch

4.1 Der Begriff der Selbstbestimmung

Die Selbstbestimmungs-Idee setzt innerhalb der Behindertenarbeit neue Akzente. Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden, wird mehr zugetraut und nicht nur in Bezug auf das Ausführen von Vorgegebenen, sondern auch und insb. darin, dass sie eigene Motive für ihr Handeln entwickeln, sich selbst Ziele setzen, die Ergebnisse ihres Handelns bewerten und Bedürfnisse ausbilden und artikulieren lernen, um hierdurch Einfluss auf ihre Lebensbedingungen nehmen zu können (vgl. KLAUß 2007, S. 5). Ein solches Vorgehen führt zwangsläufig „zu einem selbstkritischen Hinterfragen sonderpädagogischer Theorie und Praxis (RITTMEYER 2001, S. 144).“ Laut LINDMEIER (1999) geht es bei der Umsetzung der Selbstbestimmungs-Idee um eine Subjektszentrierung, bei der sich die Unterstützung und Begeleitung ausschließlich auf die vorhandenen Interessen, Bedürfnisse, Wünsche und Entwicklungsmöglichkeiten der Betroffen stützen soll (vgl. ebd., S. 212). MÜHL (1997) definiert Selbstbestimmung als Gegenbegriff zur Fremdbestimmung. Fremdbestimmung meint, von einer anderen Person bestimmt bzw. überstimmt zu werden und charakterisiert die Unmöglichkeit oder Schwierigkeit, eine selbstbestimmte Lebensführung auszuüben. Demnach beschreibt er den Begriff der Selbstbestimmung wie folgt:

„Selbstbestimmung (bedeutet, FL) die Möglichkeit des Individuums, Entscheidungen zu treffen, die den eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Interessen oder Wertvorstellungen entsprechen (ebd., S. 312).“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Selbstbestimmung in der Behindertenarbeit ein und definiert die Forschungsfrage, wie durch den Empowerment-Ansatz in Wohneinrichtungen die Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung gefördert werden kann.

2. (Geistige) Behinderung als Begriff und Lebensrealität: Es werden defizitorientierte medizinische Modelle und soziale Erklärungsmodelle von Behinderung gegenübergestellt, wobei der Fokus auf Behinderung als gesellschaftlich konstruiertem Phänomen liegt.

3. Geschichtliche Leitbilder in der Behindertenarbeit: Das Kapitel analysiert die historische Entwicklung von der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik über die Verwahrungsphase nach 1945 bis hin zur therapeutischen Förderung und dem neueren Ideal der Integration.

4. Selbstbestimmung als Leitbild in der Arbeit mit Menschen, die als (geistig) behindert bezeichnet werden: Es wird definiert, was Selbstbestimmung bedeutet, wie sie rechtlich verankert ist und welche Kritik an der Idee geübt wird, insbesondere bei schwerer Beeinträchtigung.

5. Wohnsituation von Menschen, die als geistig behindert gelten: Das Kapitel untersucht die Bedeutung des Wohnens, stellt historische Wohnformen dar und beleuchtet die Alltagsrealität in Wohnheimen kritisch durch diverse Studien.

6. Das Empowerment-Konzept: Empowerment wird als Handlungskonzept definiert, seine theoretischen Hintergründe, Ziele und die vier Ebenen des Empowerment-Prozesses (individuell, Gruppe, institutionell, gesellschaftlich) werden erläutert.

7. Möglichkeiten der Umsetzung des Empowerment-Ansatzes im Wohnbereich der Behindertenhilfe: Praktische Ansätze zur Förderung von Selbstbestimmung im Wohnheimalltag werden vorgestellt, illustriert an Beispielen wie dem Wohnvertrag der Lebenshilfe Salzburg.

8. Zwischenfazit: Das Kapitel fasst zusammen, dass eine selbstbestimmte Lebensführung in klassischen stationären Systemen aufgrund struktureller Grenzen nur eingeschränkt möglich ist und Mitbestimmung im Vordergrund steht.

9. Das Konzept des Community Living als Alternative zum traditionellen Wohn- und Versorgungssystem der Behindertenhilfe: Community Living wird als gemeinwesenorientierter Ansatz definiert, der die vollständige Inklusion und den Abbau von Sondereinrichtungen fordert.

10. Das schwedische Modell der Behindertenhilfe: Anhand des schwedischen Beispiels wird aufgezeigt, wie der Übergang von stationärer Anstaltsfürsorge hin zu einer kommunalen, am Gemeinwesen orientierten Unterstützung erfolgreich gestaltet wurde.

11. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass Empowerment über die individuelle Ebene hinausgehen und auf eine grundlegende Systemänderung in Richtung Deinstitutionalisierung abzielen muss, um echte Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Selbstbestimmung, Empowerment, geistige Behinderung, Behindertenhilfe, Wohnheim, Deinstitutionalisierung, Community Living, Soziale Arbeit, Inklusion, Normalisierungsprinzip, Assistenzmodell, Teilhabe, NutzerInnenorientierung, Lebensweltorientierung, Fremdbestimmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Selbstbestimmung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden, in stationären Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe durch den Empowerment-Ansatz gefördert werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Geschichte der Behindertenarbeit, Konzepte von Behinderung, der Empowerment-Ansatz, die Lebenssituation in Wohnheimen sowie alternative Wohnkonzepte wie "Community Living".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern lässt sich durch den Empowerment-Ansatz Selbstbestimmung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden, in Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe fördern?

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Konzeptarbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Studien zur Lebensqualität in Wohneinrichtungen basiert.

Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Empowerments, prüft diese auf die Anwendbarkeit in Wohnheimen und kontrastiert die deutsche Situation mit dem schwedischen "Community Living" Modell.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit besonders?

Wichtige Begriffe sind Selbstbestimmung, Empowerment, Teilhabe, Deinstitutionalisierung, Normalisierungsprinzip und NutzerInnenorientierung.

Wie unterscheidet sich "Selbstbestimmung" von "Selbstständigkeit" in dieser Arbeit?

Selbstständigkeit meint die Fähigkeit, Handlungen ohne fremde Hilfe auszuführen, während Selbstbestimmung bedeutet, dass die betroffene Person Ziele und Motive selbst festlegt, auch wenn sie bei der praktischen Durchführung Unterstützung in Anspruch nimmt.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Arbeit in Wohnheimen?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass in klassischen Wohnheimen aufgrund struktureller Zwänge und institutioneller Interessen oft nur "Mitbestimmung", aber keine echte Selbstbestimmung möglich ist und fordert daher eine konsequente Deinstitutionalisierung.

Was leistet das schwedische Modell der Behindertenhilfe als Vergleichsbeispiel?

Das schwedische Modell zeigt auf beeindruckende Weise auf, dass die konsequente Umsetzung von Inklusion und Community Living auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf im Gemeinwesen erfolgreich realisierbar ist.

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Details

Title
Förderung der Selbstbestimmung in der Alltagsbegleitung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden
College
University of Marburg
Author
Fabian Lerbs (Author)
Publication Year
2009
Pages
116
Catalog Number
V125405
ISBN (eBook)
9783640309191
ISBN (Book)
9783640307241
Language
German
Tags
Förderung Selbstbestimmung Alltagsbegleitung geistige Behinderung Empowerment Wohnheimalltag Community Living
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Lerbs (Author), 2009, Förderung der Selbstbestimmung in der Alltagsbegleitung von Menschen, die als geistig behindert bezeichnet werden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125405
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