Ziel dieser Arbeit ist die systematische Darstellung der Wechselwirkungen der Begriffe Subjektivierung, Entgrenzung und Professionalisierung unter Betrachtung des Spannungsfeldes von Arbeit.
Zunehmende Flexibilisierung und Individualisierung –Mit diesen zwei Schlagworten lassen sich trendhafte Entwicklungen des deutschen Arbeitsmarkts beschreiben. Neben dem demografischen Wandel führen fortschreitende Digitalisierung, Technisierung und Bedeutungswachstum von dispositiver Arbeit zu sich schnell änderten notwendigen Fähigkeits- und Fertigkeitsanforderungen an Mitarbeitende. Diese Entwicklungen stehen symptomatisch für eine Reihe global-systemischer Entwicklungs- und Transformationsprozesse von Gesellschaften.
In der Industrie- und Arbeitssoziologie (IA) werden diese Megatrends u. a. mit den Begriffen Entgrenzung, Subjektivierung und Professionalisierung um- bzw. beschrieben und diskutiert. Bei näherer Betrachtung der Begriffe sind dabei Gemeinsamkeiten und komplexe Wechselwirkungen insbesondere im Spannungsfeld des Begriffes Arbeit dieser zu beobachten. Eine systematische Darstellung dieser Zusammenhänge existiert in der wissenschaftlichen Literatur der IA bisher nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung, Zielstellung, Aufbau und Methodik
2.Arbeit
3. Subjektivierung
4. Entgrenzung
5. Professionalisierung
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die komplexen Wechselwirkungen und Beziehungslinien zwischen den Begriffen Subjektivierung, Entgrenzung und Professionalisierung innerhalb des industrie- und arbeitssoziologischen Kontexts systematisch darzustellen und in ein gemeinsames Spannungsfeld von Arbeit einzuordnen.
- Grundlagen der Arbeitssoziologie und Definition von Arbeit
- Prozesse der betrieblichen Subjektivierung und ihre Ambivalenzen
- Entgrenzung von Arbeit in räumlicher und zeitlicher Dimension
- Professionalisierung als Prozess des Übergangs vom Beruf zur Profession
- Synthese der Megatrends im Kontext moderner Arbeitswelten
Auszug aus dem Buch
Subjektivierung
In der Philosophie wird stark verkürzt unter Subjekt ein autonom handelndes Individiuum innerhalb von Gesellschaften verstanden.19
Bezogen auf die IA wird Subjektivierung als Prozess begriffen, welchem die wachsende Einbringung des eigenen Selbst (Subjekts) in betrieblichen Arbeitsabläufen und -prozessen .zu Grunde liegt.20 Dies erfolgt, wie bereits in der Einleitung beschrieben, durch global-systemischer Entwicklungs- und Transformationsprozesse (Megatrends). In diesem Zuge häufig genannte Megatrends sind im Kontext der Erwerbsarbeit Vermarktlichung, Dezentralisierung, Digitalisierung und Flexibilisierung. Kernessenz dieser Megatrends ist die stärkere Verantwortung, selbstbestimmte Arbeitsweise und die betriebliche Notwendigkeit der Einbringung von eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten des einzelnen Mitarbeitenden in betrieblichen Arbeitsprozessen durch flachere Hierachien, flexibler Arbeitszeiteinteilung und Rationalisierungsmaßnahmen. Zum genaueren Verständnis der benannten Megatrends im Zusammenhang mit Subjektivierung sei auf die Arbeit von Minssen verwiesen, in welcher er diese ausführlich behandelt.21
Aufgrund dieser Megatrends nimmt die Subjektivierung, bzw. die subjektive Gestaltung von Erwerbsarbeit eine immer stärkere Rolle im (Erwerbs-)Leben ein.22
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung, Zielstellung, Aufbau und Methodik: Einführung in die Transformationsprozesse der Arbeitswelt und Darlegung der Forschungsfrage sowie der methodischen Vorgehensweise.
2.Arbeit: Soziologische Entfaltung des Arbeitsbegriffs als zweckhafte Tätigkeit und ambivalente menschliche Aktivität zur Bedürfnisbefriedigung.
3. Subjektivierung: Analyse des Prozesses der wachsenden Einbringung der eigenen Subjektivität in betriebliche Arbeitsprozesse als Chance und Risiko.
4. Entgrenzung: Untersuchung der Auflösung fester Strukturen in der Arbeitswelt sowie der räumlichen und zeitlichen Entgrenzung durch aktuelle Megatrends.
5. Professionalisierung: Erläuterung des Wandels von einer Berufsgruppe zur Profession unter Berücksichtigung von Wissens- und Qualitätsstandards.
6. Schlussbetrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse im Spannungsfeld von Arbeit und Einordnung der Arbeit in den soziologischen Diskurs.
Schlüsselwörter
Arbeit, Subjektivierung, Entgrenzung, Professionalisierung, Industrie- und Arbeitssoziologie, Megatrends, Bedürfnisbefriedigung, Soziales Handeln, Erwerbsarbeit, Selbstentfaltung, Flexibilisierung, Digitalisierung, Profession, Arbeitsgesellschaft, Transformationsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen begrifflichen Einordnung und den Wechselwirkungen der Begriffe Subjektivierung, Entgrenzung und Professionalisierung innerhalb der Arbeitswelt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Industrie- und Arbeitssoziologie, den Transformationsprozessen von Gesellschaften und der Entwicklung des Begriffs Arbeit unter dem Einfluss aktueller Megatrends.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Beziehungen die Begriffe Subjektivierung, Entgrenzung und Professionalisierung im Spannungsfeld von Arbeit aufweisen und ob diese systematisch darstellbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor wählt einen systematischen, überblicksartigen Ansatz, der Definitionen und Eigenschaften der Begriffe einzeln herausarbeitet, grafisch aufbereitet und abschließend in einer Gesamtschau integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologische Fundierung des Arbeitsbegriffs sowie die separate Analyse von Subjektivierung, Entgrenzung und Professionalisierung.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen insbesondere Arbeit, Subjektivierung, Entgrenzung, Professionalisierung, Megatrends sowie der Kontext der Industrie- und Arbeitssoziologie.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Entgrenzung und Subjektivierung?
Subjektivierung wird als die bewusste Einbringung des Selbst in betriebliche Prozesse definiert, während Entgrenzung eher die strukturelle Auflösung und Neuordnung von bisher festen Arbeitsordnungen beschreibt.
Welche Rolle spielt die Bedürfnispyramide nach Maslow in diesem Dokument?
Sie dient im Kapitel "Arbeit" dazu, Motive und Zwecke menschlicher Arbeit zu strukturieren und diese soziologisch sowie motivational einzuordnen.
- Citation du texte
- Jonas Lichtl (Auteur), 2021, Entgrenzung, Subjektivierung und Professionalisierung von Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254173