Quantitative vs. qualitative Forschung. Unterschiede und Beispiele


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vergleich der qualitativen und quantitativen Forschung
2.1 Qualitative Forschung
2.1.1 Definition und Allgemeines
2.1.2 Qualitative Forschung am Beispiel einer Interviewstudie
2.2 Quantitative Forschung
2.2.1 Definition und Allgemeines
2.2.2 Quantitative Forschung am Beispiel des Vermögensbarometers
2.3 Unterschiede

3. Fazit

Verzeichnis der Anhänge

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heutzutage beinhaltet jeder sozialwissenschaftliche Studiengang die Ausbildung in der empirischen Sozialforschung und ihren Methoden (Baur und Blasius 2014, S. 41).

Unter empirischer Sozialforschung wird die Gesamtheit von Methoden verstanden, die zur wissen­schaftlich korrekten Durchführung von Untersuchungen menschlichen Verhaltens und weiterer sozialer Phänomene verwendet wird. Bei Methoden handelt es sich um Varianten, die unter Ver­folgung eines bestimmten Ziels Daten und Informationen zu gewissen Themen sammeln und versuchen, die Ergebnisse zu verstehen und zu begreifen (Häder 2015, S. 12f.). Unter Daten werden alle Informationen verstanden, die mithilfe einer solchen Methode gewonnen werden können (ebenda, S. 15). Ebenso geben Methoden Regeln vor, wie Daten erhoben werden und anschließend ausgewertet werden können (Baur und Blasius 2014, S. 41).

Abhängig von der Universität und dem Studiengang wird der Fokus auf die vermittelten Methoden anders definiert. Entweder wird zwischen qualitativen und quantitativen Methoden differenziert oder idealerweise eine Mischung und somit die gleichartige Daseinsberechtigung der beiden Methoden vermittelt (Baur und Blasius 2014, S. 41).

Die qualitative Forschung hat sich zum Ziel gesetzt, das individuelle Handeln zu verstehen und zu analysieren. Die quantitativen Methoden versuchen währenddessen nach generalisierbaren Aussagen zu suchen und nutzt hierfür eine standardisierte und bereits zuvor festgelegte Daten­erhebung (Häder 2015, S. 13).

Zudem ist der an Studenten vermittelte Fokus länderabhängig. Während Großbritannien führend bei der qualitativen und die Niederlande führend bei der quantitativen Methodenlehre ist, liegt Deutschland im mittleren Bereich ohne einen wirklich feststellbaren Schwerpunkt (Baur und Blasius 2014, S. 41f.).

Am Beispiel der Psychologie lässt sich aber sagen, dass der Großteil der deutschen Universitäten sich naturwissenschaftlich-quantitativ orientiert und die qualitative Forschung hier noch keinen wirklichen Zugang erhalten konnte (Mayring 2007, S. 1).

Die folgende Arbeit beginnt damit, qualitative und quantitative Forschung voneinander abzu­grenzen und aufzuzeigen, was diese ausmacht und wo jeweilig die Vorteile liegen. Ziel ist es, die Unterschiede der beiden Richtungen darzustellen und diese anhand von ausgewählten Beispielen zu veranschaulichen. Mit dem Aufzeigen eines praktischen Beispiels wird die Relevanz für die Forschung und die Daseinsberechtigung beider Methoden bekräftigt. Im abschließenden Fazit werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst und kurz bewertet, ob die Einstellungen der deutschen Universitäten Halt haben.

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass es für beide Methoden eine Vielzahl von Ansatzmöglich­keiten gibt, die nicht alle in dieser Arbeit herausgearbeitet werden, da eine genaue Beschreibung und Erklärung dieser Vielzahl der Methoden den Rahmen der Arbeit übersteigen würde. Sie soll lediglich einen Überblick zur Thematik darstellen.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beide Geschlechter.

2. Vergleich der qualitativen und quantitativen Forschung

2.1 Qualitative Forschung

2.1.1 Definition und Allgemeines

„Sie will nicht ,messen' und nicht erklären, sondern verstehen, was in ihrem jeweiligen Objektbereich geschieht“ (Raithel 2008, S. 7). Qualitative Forschung bedeutet demnach den Verzicht der Darstellung durch Zahlen und Rechenzeichen. Vielmehr will sie die Qualität gewisser Situationen und Strukturen so genau wie möglich erfassen (ebenda, S. 8). Sie möchte Informationen aber nicht nur analysieren, sondern es ermöglichen, sich dementsprechend hinein zu versetzen und somit zu verstehen (Mayring 2015, S. 19).

Die notwenigen Informationen können hierbei mittels offener Interviews, Gruppendiskussionen, Beobachtungs- und Feldforschungsverfahren oder anderer offener Methoden gewonnen werden (ZQF, Heft 1_2, S. 185f.).

Bei diesen ungebundenen Forschungsmethoden ergeben sich die wichtigsten Vorteile der qualitativen Methoden. Diese sind der tiefere Informationsgehalt durch die offene und flexiblere Vorgehensweise, die Aufdeckung von neuen und bislang unbekannten Sachverhalten und die Möglichkeit, während der Untersuchung nachfragen zu können und dadurch noch detailliertere beziehungsweise zusätzliche Informationen zu erhalten (Berger 2010, S. 112).

Gerade deshalb gilt bei der qualitativen Forschung die Subjektivität, also das Einbringen von persönlichen Meinungen und Erfahrungen, der Forschenden als wichtige Forschungsressource. Sie macht es möglich, Umgebungseinflüsse zu verstehen, beispielsweise was in der Gesellschaft passiert und wie eine gewisse Handlung oder Situation einzuordnen ist (Baur und Blasius 2014, S. 47).

Andere generell akzeptierte Bewertungsmerkmale, sogenannte Gütekriterien, gibt es im Bereich der qualitativen Forschungsmethoden bislang noch nicht (Hussy et al. 2013, S. 23).

2.1.2 Qualitative Forschung am Beispiel einer Interviewstudie

Im Folgenden wird die qualitative Forschung am Beispiel einer Interviewstudie des Projekts „Typologische Entwicklungswege Jugendlicher“ dargestellt.

Fokus der Studie war, mehr über die Nutzung öffentlicher Räume wie Einkaufszentren, Straßen, Parks und ähnlichen durch Jugendliche zu erfahren, welche Ressourcen ihnen dort zur Verfügung stehen und wie sich diese auf die jeweilige Entwicklung auswirken. Es wird angenommen, dass gerade in Sozialräumen, die nicht von Erwachsenen strukturiert wurden, die Entfaltungsmöglich­keiten bei Heranwachsenden am größten ist. Ziel sollte sein, anhand der Ergebnisse Skalen für eine Fragebogenstudie zu generieren (Reinders 2016, S. 44f.).

Die Studie lässt sich in vier Phasen untergliedern: Basis-, Planungs-, Durchführungs- und Auswertungsphase.

In der Basisphase wurde geprüft, welche personellen und zeitlichen Ressourcen für dieses Vorhaben zur Verfügung stehen. Für die Durchführung standen vier Personen als Interviewer und 30 Studierende als Helfer bereit, die innerhalb von drei Wochen die Gespräche bei einer jeweiligen Maximaldauer von 90 Minuten führen und auswerten sollten (ebenda, S. 44f.).

In der Planungsphase wurden zuerst die Fragestellung und Interviewmethode festgelegt sowie die Wahl der Stichprobe getroffen. Es handelt sich um ein sogenanntes Leitfadeninterview, in dem die Fragen des Leitfadens sehr allgemein gehalten wurden, um ausreichend subjektive Elemente der Befragten integrieren zu können. Ein Beispiel für eine solche gestellte Frage ist: „Welchen Beitrag leisten Sozialräume für die Entwicklung Jugendlicher?“ Insgesamt wurden 30 dieser Leitfadeninterviews mit Jugendlichen zwischen 13 und 19 Jahren geführt (ebenda, S. 46f.).

In der Durchführungsphase wurde der Umgang mit dem Leitfaden, das Verhalten des Interviewers und die Flexibilität bei der Durchführung bestimmt. Ziel war, den Leitfaden hierbei flexibel anzu­wenden, um sich an der Erzählstruktur des Befragten zu orientieren. Zudem sollten zwar alle zuvor geplanten Bereiche des Leitfadens behandelt werden, aber situativ auf den Interviewten angepasst werden. Auch der Interviewende war angehalten, den Leitfaden lediglich als Gedankenstütze zu verwenden und keine ausformulierten Sätze vorzulesen, da dies die Kommunikation gestört hätte (ebenda, S. 48f.).

Da es auch bei sehr gut geplanten Studien zu Schwierigkeiten kommen kann, empfiehlt es sich, sich bereits im Vorfeld mit der „empirischen Realität“ vertraut zu machen und mögliche Schwächen zu analysieren, um sie dann verhindern zu können. Beispiele für Schwierigkeiten sind Ausfälle von Interviews, geringer Informationsfluss zwischen dem Interviewenden und dem Befragten und einige weitere (ebenda, S. 48f.).

In der Auswertungsphase werden die gesammelten Ergebnisse nicht automatisch, sondern aufgrund der Interpretationsleistung der Forschenden ausgewertet. Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass der Tagesablauf bei den meisten vorstrukturiert ist, durch kontrollierte Sozialräume wie Schule oder Ausbildungsplatz. Weniger vorstrukturierte Räume wurden tatsächlich seltener besucht. Insgesamt hat sich auch in diesem Beispiel gezeigt, dass qualitative Interviews als Forschungsmethoden den Prinzipien der Offenheit, Flexibilität, Kommunikations- und Interpre­tationsfähigkeit folgen (ebenda, S. 50f.).

2.2 Quantitative Forschung

2.2.1 Definition und Allgemeines

Bei der quantitativen Forschungsmethode werden Ausschnitte aus der Realität quantifiziert. Quantifizieren bedeutet, „qualitative Merkmale in Zahlen und damit in messbare Größen umzu­wandeln“ (Schirmer 2009, S. 67). Das quantitative Verfahren möchte reine Daten und Fakten sammeln, die frei von Umgebungseinflüssen oder Subjektivität der Forschenden sind. Mit diesen Ergebnissen soll anschließend weitere Forschung betrieben werden (Mayring 2015, S. 19).

Grundvoraussetzung für die Auswertung von quantitativen Daten ist die richtige Anwendung von statistischen Verfahren und die Fähigkeit zur Interpretation der gewonnenen Ergebnisse. Der Anwender muss ebenso wissen, welche Auswertungsmöglichkeiten es gibt und welche Ergebnisse er damit erzielen kann (Raithel 2008, S. 8). Zuvor muss noch geprüft und sichergestellt sein, dass die Ergebnisse überhaupt in numerischer Form vorhanden sind. Jedoch ist zu betonen, dass numerische Daten ohne weitere Informationen, Erläuterungen und Kontext nur Zahlen ohne jegliche Bedeutung sind (Hussy et al. 2013, S. 52).

Es haben sich in der quantitativen Forschung Objektivität, Reliabilität und Validität als die drei bekannten Gütekriterien als Bewertungs- und Qualitätsmerkmale durchgesetzt. Diese müssen zwingend erfüllt sein, damit von einer wissenschaftlichen Untersuchung gesprochen werden kann (Steinke 2007, S. 176; Hussy et al. 2013, S. 23).

Objektivität bedeutet, dass verschiedene Forscher unter den gleichen Voraussetzungen immer zu den gleichen Ergebnissen kommen müssen (Hussy et al. 2013, S. 23). Damit die weiteren Kriterien überhaupt erfüllt sein können, muss diese unabdingbar gegeben sein.

Reliabilität sagt aus, dass vergleichbare Ergebnisse erzielt werden, wenn eine Untersuchung unter gleich bleibenden Bedingungen wiederholt wird. Es wird auch von der sogenannten Zuverlässigkeit oder Beständigkeit einer Untersuchung gesprochen (ebenda 2013, S. 23).

Validität bedeutet soviel wie Gültigkeit und besagt, ob eine Untersuchung auch das gemessen hat, was sie messen wollte (ebenda 2013, S. 24).

„Einer quantitativ orientierten Forschung geht es vor allem darum, Hypothesen über Zusam­menhänge zwischen verschiedenen Variablen an der Realität zu überprüfen“ (Raithel 2008, S. 8, Hervorhebung wie im Original). Hierfür müssen Hypothesen operationalisiert, also in Zahlen messbar gemacht werden, um abschließend eine zahlenbasierte Analyse durchführen zu können (ebenda, S. 8). Unter einer Hypothese wird eine Unterstellung beziehungsweise eine Behauptung verstanden, die noch bewiesen werden muss (ebenda, S. 14).

Die wichtigsten Vorteile der quantitativen Forschung sind die hohe Genauigkeit, die gute Ver­gleichbarkeit, die einfache Verbindbarkeit sowie Übersichtlichkeit und Sparsamkeit der Zusam­menfassung (Hussy et al. 2013, S. 52f.). Aufgrund der strengen Standardisierung lässt sich als nachteilig die fehlende Flexibilität während der Untersuchung und die fehlende Möglichkeit Ursachen und Verbesserungsvorschläge herausarbeiten.

2.2.2 Quantitative Forschung am Beispiel des Vermögensbarometers

Es soll nun im Folgenden ein aktuelles Beispiel für eine quantitative Forschung dargelegt werden.

Seit 2001 befragt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) im Rahmen des Vermögensbarometers jedes Jahr Menschen in Deutschland zum Thema Geld und Finanzen. Pünktlich zum Weltspartag Ende Oktober werden die Ergebnisse veröffentlicht (Deutscher Sparkassen- und Giroverband, ohne Datum).

In diesem Jahr wurden in dem Zeitraum vom 28. Mai bis zum 17. Juli 2018 insgesamt 2.738 Menschen bundesweit durch das Marktforschungsunternehmen Kantar Added Value befragt. Anhand eines standardisierten und vom DSGV vorgegebenen Fragebogen wurden computer­gestützte Telefon-Interviews geführt. Grundgesamtheit war die Bevölkerung ab 14 Jahren in den Privathaushalten der Bundesrepublik Deutschland (Anlage 1, 29.10.2018). Als Grundgesamtheit wird die Gesamtmenge von gleichen Dingen - oder in diesem Fall Personen mit gleichartigen Eigenschaften - bezeichnet, aus der zufällig einige herausgenommen werden (Kühlmeyer 2001, S. 25). Die Zielpersonen wurden aufgrund von Bundesland, Alter und Geschlecht ausgewählt (Anlage 1, 29.10.2018).

Diese jährliche Befragung stellt aber nicht nur eine Momentaufnahme des entsprechenden Jahres dar, sondern zeigt ebenfalls den Verlauf und die Veränderungen über die letzten Jahre hinweg. Wichtigstes Ergebnis ist hierbei immer die Beantwortung der Frage „Wie beurteilen Sie Ihre eigene gegenwärtige finanzielle Situation?“ Die Befragten können hier zwischen „sehr gut/gut“, „es geht“ und „(eher) schlecht“ wählen. Neben dieser Frage werden jedes Jahr zusätzliche Fragen gestellt wie zum Beispiel „Haben Sie Ihr Konsumverhalten in den letzten 12 Monaten verändert?“ Welche Fragen das genau sind und worauf der Fokus im jeweiligen Jahr liegen wird, wird vor jeder Befragung neu bestimmt (Deutscher Sparkassen- und Giroverband, ohne Datum).

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Quantitative vs. qualitative Forschung. Unterschiede und Beispiele
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V1254266
ISBN (Buch)
9783346693600
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissenschaftliches Arbeiten, Quantitative Forschung, Qualitative Forschung
Arbeit zitieren
Selina Robinek (Autor:in), 2018, Quantitative vs. qualitative Forschung. Unterschiede und Beispiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254266

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