Gegenstand der Arbeit soll also die Frage nach der Funktion von Zorn bei der Konzeptualisierung von Macht und Herrschaft im König Rother sein. Dafür werden nach einer Definition der wichtigsten Begrifflichkeiten zunächst antike Thesen untersucht, die Aufschluss darüber geben sollen, welchen Anteil Zorn überhaupt am Herrscherideal des 12. Jahrhunderts innehat.
Im Zuge dieser Thesen-Betrachtung werden auch zwei Konzepte – Herrscherzorn und Kampfzorn – genauer beleuchtet. In den letzten drei Analysepunkten soll besonderes Augenmerk auf König Rother als einem Idealherrscher und König Konstantin als dessen Kehrseite liegen, die jeweils von machtvollem Zorn freigehalten werden, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Für König Rother spielen in dieser Hinsicht die treuen Riesen eine wichtige Rolle, deren Wirkung in Abschnitt 5 Gegenstand der Analyse sein soll.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen
2. Das Herrscherideal und Zorn
2.1 Antike Thesen
2.2 Herrscherzorn- und Kampfzorn-Konzept
3. König Rother – Ein Plädoyer für ein zornfreies Herrschen?
4. Riesen – Rothers zornige Vollstrecker?
5. Der unterlegene Basileus
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Funktion der Emotion Zorn als zentrales Element bei der Konstruktion, Etablierung und Sicherung von Macht und Herrschaft im mittelalterlichen Epos „König Rother“. Dabei wird analysiert, wie Zorn als hierarchisierendes Instrument fungiert und inwieweit zwischen der positiven Idealisierung eines zornfreien Herrschers und der instrumentellen Nutzung von Gewalt durch dessen Gefolgsleute unterschieden wird.
- Die Analyse von Zorn als mehrdimensionale Emotion und Machtkatalysator nach antiken und mittelalterlichen Kriterien.
- Die Untersuchung der Divergenz zwischen dem Idealherrscherbild des König Rother und der Gewaltausübung seiner Riesen.
- Die Gegenüberstellung von Herrscherzorn und Kampfzorn als Konzepte der Gemeinschaftsstrukturierung.
- Die Rolle von Zorn bei der Entmachtung des oströmischen Königs Konstantin als Kontrastfigur zu Rother.
Auszug aus dem Buch
Die Funktion der Riesen als Vollstrecker
Geht man bei der Betrachtung der Riesen im König Rother nach Christian Kiening, so sind die Gefolgsleute unter Riesenkönig Asprian wahre Allroundtalente: Auf Handlungsebene sichern die Riesen Dietrich/Rother, komplementär zu der Freigiebigkeit, mit der er sich ere verschafft, Respekt, drängen sie Konstantin in die Defensive und schaffen sie Freiräume für ‚diplomatische‘ Aktionen wie den Kemenatenbesuch. Auf kompositorischer Ebene profilieren sie Rother als denjenigen, der archaische Gewalt von sich selbst fernhält und doch über sie verfügt, an den, der das Archaische zu bändigen und zu kontrollieren vermag.
Sie ergänzen Rothers Gefolgschaft dahingehen, dass sie vor allem mit politischem Kalkül verbunden werden, das darauf abzielt Feine einzuschüchtern. Ferdinand Urbanek geht sogar so weit, die drei Riesen – Asprian, Witold und Grimme – als Entsprechung zu, Triumvirat Bechter-Wolfrat-Lupolt zu sehen. Jene Einschüchterung verläuft allerdings nicht nur über reine Gewaltanwendung, sondern allein schon über die Inszenierung der Riesen, sei es durch die schweren Stangen, die gewöhnliche Männer nicht anheben können oder auch durch die sprechenden Namen, die den Riesen gegeben wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Bedeutung von Zorn für die Machtkonstruktion im Mittelalter ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Rolle von Zorn im „König Rother“.
1. Definitionen: Dieses Kapitel erarbeitet ein mehrdimensionales Zorn-Verständnis als Erniedrigung und Bewertungskategorie, das als Basis für die weitere Analyse dient.
2. Das Herrscherideal und Zorn: Es werden antike Thesen von Laktanz und Seneca sowie die Konzepte von Herrscher- und Kampfzorn gegenübergestellt, um den theoretischen Rahmen für herrscherliches Handeln zu spannen.
3. König Rother – Ein Plädoyer für ein zornfreies Herrschen?: Die Untersuchung zeigt auf, wie Rother durch die Auslagerung von Gewalt an seine Gefolgsleute als idealer, von Zorn befreiter Herrscher inszeniert wird.
4. Riesen – Rothers zornige Vollstrecker?: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Riesen als Personifikationen von Gewalt und Einschüchterung Rothers Machtanspruch in der Praxis absichern und kontrollierbar machen.
5. Der unterlegene Basileus: Die Analyse des oströmischen Königs Konstantin zeigt auf, wie dessen Unfähigkeit, den Zorn strategisch einzusetzen, zu seinem Machtverlust führt.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Zorn im „König Rother“ ein unverzichtbares, jedoch funktional ausgelagertes Mittel zur Sicherung von Herrschaft ist.
Schlüsselwörter
König Rother, Zorn, Herrschaft, Macht, Mittelalter, Kampfzorn, Herrscherzorn, Brautwerbung, Gewalt, Konstantin, Riesen, Machtkonstruktion, Aristoteles, Laktanz, Idealisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle Zorn bei der Konstruktion und Aufrechterhaltung von Macht und Herrschaft im mittelalterlichen Epos „König Rother“ spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Definition von Zorn als Machtinstrument, der Kontrast zwischen zornfreiem Herrschaftsideal und realer Gewalt sowie die Analyse von Figurenkonstellationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, in welcher Funktion Zorn bei der Konzeptualisierung von Macht im „König Rother“ auftritt und warum der Protagonist Rother selbst von Zorn befreit dargestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die antike und mittelalterliche Herrschaftstheorien auf die textliche Narration des Epos anwendet.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Definition von Zorn, die Gegenüberstellung von Herrscher- und Kampfzorn sowie die spezifischen Rollen von König Rother, seinen Riesen und dem gegnerischen Konstantin.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Herrscherideal, Machtkonstruktion, Zorn-Tabuisierung, Gewaltpotenzial und das Herrscher-Konzept im Kontext der mittelalterlichen Brautwerbung.
Warum wird König Rother als zornfreier Herrscher dargestellt?
Dies dient der Stilisierung Rothers als vollkommenen Herrscher und Vorfahren Karls des Großen, während die notwendige „schmutzige“ Gewalt auf seine Riesen ausgelagert wird.
Was unterscheidet den Basileus Konstantin von König Rother?
Konstantin scheitert daran, seinen Zorn strategisch zu nutzen oder zu kontrollieren, was ihn im Vergleich zu Rother als schwachen und unterlegenen Herrscher kennzeichnet.
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- I. Hardt (Autor), 2020, Herrschaft und Zorn. Welche Funktion nimmt Zorn bei der Konstruktion von Macht und Herrschaft im "König Rother" ein?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254360