Das Ziel dieser Arbeit ist es, Wertekonflikte von professionell Pflegenden darzulegen, die bei der Nahrungsverweigerung von BewohnerInnen in der stationären Langzeitpflege auftreten und diese aus ethischer Sicht mithilfe eines Fallbeispiels zu beleuchten.
Aus der Zielsetzung ergeben sich verschiedene Fragestellungen, welche die Arbeit versucht zu beantworten. Zum einen stellt sich die Frage danach, welche Werte für eine Pflegekraft bei einer solchen Situation der Nahrungsverweigerung entscheidend sind und wie sie zueinander konkurrieren. Zum anderen geht es darum, welche Möglichkeiten die betroffenen Personen und das Umfeld in einer solchen Lage haben und was man beachten muss bei möglichen Optionen und Willensäußerungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Inhaltliche Einführung und Strukturierung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung und Fragestellung der Arbeit
1.3 Literaturbasierung und inhaltlicher Aufbau
2. Exemplarisches Fallbeispiel „Zwischen Wille und Wohl“
3. Einführung in die Pflegeethik
3.1 Grundlagen und Einführung in die allgemeine Ethik und Pflegeethik
3.2 Normative Ansätze in der Pflegeethik
3.3 Handlungsleitende Werte professionell Pflegender bei der Nahrungsverweigerung von BewohnerInnen mit Demenz
4. Das Phänomen Nahrungsverweigerung im Kontext zur Lebensqualität und Demenz
4.1 Nahrungsverweigerung in der Pflege
4.2 Lebensqualität und Nahrungsverweigerung
4.3 Demenz und Nahrungsverweigerung
5. Ethisches Spannungsfeld der Thematik für professionell Pflegende zwischen Autonomie und Fürsorge
6. Kritische Betrachtung einer PEG Sonde bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz
7. Zusammenfassende Handlungsempfehlungen und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die komplexen Wertekonflikte zu analysieren, denen sich Pflegekräfte in der stationären Langzeitpflege gegenübersehen, wenn Bewohner mit Demenz die Nahrungsaufnahme verweigern, und diese ethisch fundiert anhand eines Fallbeispiels zu beleuchten.
- Grundlagen der Pflegeethik und professionelle Wertekodizes
- Ethisches Spannungsfeld zwischen Patientenautonomie und der Fürsorgepflicht
- Phänomenologie der Nahrungsverweigerung bei Demenz
- Kritische Analyse des Einsatzes von PEG-Sonden
- Handlungsempfehlungen für die stationäre Altenpflege
Auszug aus dem Buch
Exemplarisches Fallbeispiel „Zwischen Wille und Wohl“
Frau M. ist 86 Jahre alt und lebt seit vielen Jahren in einer stationären Langzeiteinrichtung. Vor zwei Jahren wurde bei ihr die Diagnose Alzheimer-Demenz festgestellt. Seitdem hat sie kognitiv kontinuierlich abgebaut und seit einigen Wochen muss ihr die Nahrung von den Pflegekräften verabreicht werden, da sie selbst aufgehört hat zu essen. Die Nahrungsverabreichung hat gut funktioniert und Frau M. gab deutliche verbale und nonverbale Signale, wenn sie keinen Hunger oder Durst mehr hatte. Seit zwei Tagen verweigert Frau M. jedoch jegliche Nahrung und macht dies den Pflegekräften mit den Worten „Nein“ und Kopfschütteln auch deutlich. Außerdem kneift sie beim Versuch der Nahrungsgabe ihren Mund fest zusammen.
Die Pflegekräfte wissen nicht, woran diese ablehnende Haltung der Bewohnerin kommen könnte und sind verunsichert. Frau M. hat eine Tochter, welche vor einem Jahr auch die Betreuung ihrer Mutter übernommen hat. Die Tochter wurde telefonisch über die Nahrungsverweigerung ihrer Mutter informiert und hat sich mit dem Hausarzt von Frau M. über weitere Vorgehensweisen in solch einer Situation unterhalten. Den Vorschlag des Arztes über eine künstliche Ernährung, wenn die Lage ihrer Mutter sich nicht bessert, findet sie sehr schlimm. Eine Patientenverfügung gibt es nicht, allerdings hat Frau M. vor ein paar Jahren öfters erwähnt, dass eine künstliche Ernährung für sie nicht in Frage kommt. Dies wurde auch beim Einzug ins Pflegeheim in der Biografie schriftlich von den Pflegekräften festgehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Inhaltliche Einführung und Strukturierung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Nahrungsverweigerung bei Demenz und definiert die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen bei der Literaturrecherche.
2. Exemplarisches Fallbeispiel „Zwischen Wille und Wohl“: Es wird die Fallgeschichte der demenziell erkrankten Frau M. vorgestellt, deren Nahrungsverweigerung als Ausgangspunkt für die ethische Analyse dient.
3. Einführung in die Pflegeethik: Dieses Kapitel bietet theoretische Grundlagen zu Ethik und Moral, führt in normative Ansätze wie Deontologie und Utilitarismus ein und benennt handlungsleitende Werte im Pflegealltag.
4. Das Phänomen Nahrungsverweigerung im Kontext zur Lebensqualität und Demenz: Hier werden Definitionen und Hintergründe zum Nahrungsverzicht erarbeitet und in den Kontext von Lebensqualität und demenzbedingten kognitiven Einschränkungen gesetzt.
5. Ethisches Spannungsfeld der Thematik für professionell Pflegende zwischen Autonomie und Fürsorge: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der Prinzipien Autonomie und Fürsorge unter Anwendung der zuvor erläuterten ethischen Argumentationsmodelle.
6. Kritische Betrachtung einer PEG Sonde bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz: Dieses Kapitel analysiert kritisch den Nutzen und die Risiken einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie als medizinische Maßnahme im fortgeschrittenen Stadium der Demenz.
7. Zusammenfassende Handlungsempfehlungen und Fazit: Das Fazit fasst die ethischen Abwägungen zusammen und gibt praktische Empfehlungen für das Vorgehen bei Entscheidungen zur künstlichen Ernährung.
Schlüsselwörter
Pflegeethik, Demenz, Nahrungsverweigerung, PEG-Sonde, Patientenautonomie, Fürsorge, Wertekonflikt, Langzeitpflege, Medizinische Ethik, Lebensqualität, Handlungsempfehlung, Deontologie, Teleologie, BewohnerInnen, Würde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen Problemen und Wertekonflikten, denen Pflegende in stationären Einrichtungen gegenüberstehen, wenn bei demenziell erkrankten Bewohnern der Wille zur Nahrungsaufnahme fehlt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Schwerpunkte umfassen die Pflegeethik, die Patientenautonomie bei kognitiven Einschränkungen, die Problematik der künstlichen Ernährung mittels PEG-Sonde sowie die Balance zwischen Lebenserhaltung und Lebensqualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die spezifischen Wertekonflikte bei der Nahrungsverweigerung darzulegen und diese aus ethischer Perspektive zu beleuchten, um Unterstützung bei Entscheidungsprozessen anzubieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturrecherche und greift auf medizinethische Prinzipien sowie normative Argumentationsmodelle zurück, um die Thematik anhand eines praxisnahen Fallbeispiels zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit der Pflegeethik, die Analyse des Spannungsfeldes zwischen Autonomie und Fürsorge sowie eine kritische Untersuchung der PEG-Anlage bei Demenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Pflegeethik, Demenz, Nahrungsverweigerung, Patientenautonomie, Fürsorge, PEG-Sonde und Lebensqualität.
Warum wird im Fallbeispiel explizit gegen eine PEG-Sonde argumentiert?
Die Arbeit verweist auf den aktuellen Forschungsstand, wonach für Menschen mit fortgeschrittener Demenz kein belegter Nutzen einer PEG-Sonde in Bezug auf die Lebensqualität oder Lebenserwartung besteht, während das Risiko für Komplikationen hoch bleibt.
Welche Bedeutung hat der mutmaßliche Wille in der Arbeit?
Der mutmaßliche Wille dient als essenzielle Entscheidungshilfe, wenn keine Patientenverfügung existiert. Er stützt sich auf frühere Aussagen und die Biografie der Bewohnerin, um ethisch vertretbare Entscheidungen zu treffen.
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- Christian Honold (Author), 2022, Nahrungsverweigerung von Menschen mit Demenz. Wertekonflikte professionell Pflegender, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254458