Die klassischen Vertreter der behavioristischen Lerntheorie


Seminararbeit, 2002

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Der theoretische Standpunkt
2.2 Zentrale Begriffe der Lerntheorie
2.3 Assoziationismus und Empirismus als historische Quellen der Lernforschung

3. Die behavioristischen Lerntheorien
3.1 Pawlows Theorie des klassischen Konditionierens
3.1.1 Die Ausgangsüberlegungen Pawlows
3.1.2 Der Versuchsaufbau und –ablauf
3.1.3 Abschließende Betrachtung des klassischen Konditionierens
3.2 Watson und seine Programmatik des Behaviorismus
3.2.1 Die Ausgangsüberlegungen Watsons
3.2.2 Das Albert-Experiment als Beispiel für emotionales Konditionieren
3.2.3 Abschließende Betrachtung von Watsons Theorie
3.3 Instrumentelles Lernen nach Thorndike
3.3.1 Die Ausgangsüberlegungen Thorndikes
3.3.2 Thorndikes Problemkäfig
3.3.3 Abschließende Betrachtung der Theorie Thorndikes
3.4 Operantes Konditionieren nach Skinner
3.4.1 Die Ausgangsüberlegungen von Skinner
3.4.2 Skinners Versuch
3.4.3 Abschließende Betrachtung von Skinners Theorie

4. Schlußbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Lernen geschieht ständig und überall. Es ist ein wichtiger Prozeß nicht nur in der Sozialisation, sondern auch im gesamten Leben eines Individuums. Hierdurch wird aus einem Neugeborenen erst ein in einer Gesellschaft handlungsfähiges Subjekt, da durch verschiedene Lernprozesse Kenntnisse und Fähigkeiten erworben werden, die nicht nur für ein weitestgehend reibungsloses miteinander leben nötig sind, sondern auch für das eigene Überleben.

In dieser Hausarbeit werden einige Aspekte der in der letzten Jahrzehnten sehr komplex gewordenen Lern- und Verhaltenstheorie dargestellt. Ich beschränke mich hierbei auf die klassischen Vertreter der behavioristischen Lerntheorie, da diese mit ihren Forschungsergebnissen weitreichend die spätere Entwicklung beeinflußten. Ihnen ist dabei gemeinsam, daß sie alle ein weitgehend mechanistisches Menschenbild zugrunde legen, in dem der Mensch durch äußere Umweltbedingungen beeinflußt wird und lernt. Dies erschien mir daher auch ein sinnvoller Schnitt für die Festlegung der in dieser Arbeit dargestellten Klassiker zu sein.

Zum besseren Verständnis wurde den Vertretern des Behaviorismus noch ein Kapitel vorangestellt, welches den theoretischen Standpunkt der Lerntheorien näher beschreibt. Des weiteren werden hier die Begriffe Verhalten und Lernen erläutert und einige historische Vorbemerkungen zu Konzepten von Aristoteles und englischen Empirikern der Vergangenheit aufgezeigt, um zu veranschaulichen, daß man sich auch schon früher als am Anfang behavioristischer Forschung manch wertvollen Gedanken in dieser Richtung gemacht hat.

Danach werde ich vier Konzepte vorstellen, und zwar die von Watson, Pawlow, Thorndike und Skinner. Am Schluß der Arbeit fasse ich die Ergebnisse dann noch in Hinsicht auf die Sozialisation zusammen. Allerdings erhebt diese Arbeit dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die hier aufgezeigten Theorien sind zu komplex, um in dem Umfang einer Seminararbeit jeden bedeutenden Aspekt hervorzuheben.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Der theoretische Standpunkt

Die Lerntheorie ist als ein individualistischer Erklärungsansatz zu verstehen: der einzelne Mensch steht im Blickpunkt des Interesses. Die Vertreter dieser Theorie gehen davon aus, „[...] daß sämtliche dauerhaften Veränderungen des menschlichen Verhaltens Folgen identifizierbarer, externer Ursachen sind [...]“ (Veith 1996, S. 221).

Diese externen Ursachen sollen mit Hilfe „kausaler Gesetze“ erschlossen werden. Hierunter versteht Reimann eine regelmäßige Verbindung von wenigstens zwei Ereignis- oder Sachverhaltsklassen: jedesmal wenn ein Element einer Sachverhaltsklasse auftritt, erscheint auch ein Element der jeweils anderen Sachverhaltsklasse. Kausal an dieser Stelle bedeutet, daß die Kombination beider Klassen eine gewisse Notwendigkeit besitzt. Entscheidend ist hierbei, daß jede Analyse des Verhaltens einer anderen Person den Verhaltenstheoretiker in die Rolle eines externen Beobachters hineinversetzt, der Annahmen über ein Individuum aufstellt, in denen sich dasselbe nicht unbedingt wiedererkennt. Darin liegt aber auch eine Trennung zwischen der Verhaltenstheorie und der ansonsten stark verwandten Handlungstheorie: die Behandlung der zu erklärenden Verhaltensweisen als externe Daten[1] (vgl. Reimann, 1985, S. 102f.).

Die durch die Beobachtung gewonnenen Gesetzmäßigkeiten des Lernens sollen gleichzeitig die notwendigen und die hinreichenden Grundprinzipien über den Aufbau und die Steuerung von Verhalten darstellen. Lernen wird hierbei als Grundelement menschlichen Daseins zur „[...] Anpassung an und Aneignung von Umwelt [...]“ verstanden (Ulich 1980, S. 71). Die soziale Umwelt wird aus lerntheoretischer Sicht in Kategorien experimenteller Lernforschung verstanden. Interaktion zählt als Verbindung zwischen Reiz und Reaktion, Verhalten und Verstärkung (vgl. Tillmann 2001, S. 80).

2.2 Zentrale Begriffe der Lerntheorie

„Lernen kann als der Prozeß beschrieben werden, durch den ein Organismus sein Verhalten als Resultat von Erfahrung ändert“ (Gage 1986, S.260).

Die Begriffe Prozeß und Änderung in dieser Definition drücken aus, daß Lernen Zeit benötigt. Zentral ist auch die Annahme, daß es sich um eine Änderung im Verhalten handelt und nicht etwa um einen Wandel bei physischen Eigenschaften. Sobald also ein Verhalten zu zwei Zeitpunkten unter ähnlichen Bedingungen der Umgebung verschieden ist, kann man sagen, daß Lernen erfolgt ist. Der letzte Satz muß jedoch noch um das Element der Erfahrung erweitert werden. Nur aufgrund dieser kann ein Lernprozeß erfolgen. Dies soll an einem Beispiel deutlich werden: Ein Mensch hebt immer wieder ein sehr schweres Gewicht. Mit der Zeit wird er in diesem Vollzug natürlich langsamer. Dies ist allerdings nicht auf Erfahrung zurückzuführen, sondern vielmehr auf Ermüdungserscheinungen. Obwohl eine Änderung des Verhaltens eingetreten ist, läßt sich in diesem Fall natürlich nicht von Lernen sprechen. Ein Mensch dagegen, der bei Rot über eine Ampel läuft und fast von einem Auto überfahren wird, ist in Zukunft vorsichtiger. Hier spielt die Erfahrung eine große Rolle (vgl. Gage 1986, S. 260f.)

Grundsätzlich können zwei verschiedene Richtungen unterschieden werden, um sich dem Prozeß des Lernens verstehend zu nähern. Zum einen kann man von einem behavioristischen Standpunkt aus sich auf das direkt wahrnehmbare Verhalten konzentrieren. Zum anderen kann man aus diesem beobachtbaren Verhalten auch auf die Prozesse im menschlichen Gehirn schließen, was die kognitivistische Auffassung darstellt (vgl. Gage 1986, S. 260).

Weitere Beachtung findet an dieser Stelle der Begriff des Verhaltens. Er bezeichnet die Gesamtheit aller möglichen Aktivitäten eines Organismus. Man kann dabei zwischen offenem und verdecktem Verhalten unterscheiden. Auslöser für Verhalten sind entweder äußere oder innere Reize (vgl. Wiswede 1998, S. 44).

2.3 Assoziationismus und Empirismus als historische Quellen der Lernforschung

Die Annahme, daß zwischen den Gegebenheiten, die ein Individuum in der Umwelt vorfindet und seinen spezifischen Verhaltensweisen ein Zusammenhang besteht ist nicht erst durch die Behavioristen entdeckt worden. Schon Aristoteles (384 – 324 v. Chr.) hatte behauptet – wenn auch nur auf die menschliche Psyche bezogen – „[...] daß zwischen den durch Erfahrungen erworbenen Ideen üblicherweise dann Verbindungen oder Assoziationen entstehen, wenn eine enge zeitliche Beziehung zwischen den einzelnen Elementen besteht.“ (Veith 1996, S. 223). Seine Entdeckungen unterstützten ihn bei der Ausarbeitung dreier Gesetze, die in dieser Form bis heute Gültigkeit beanspruchen können.

Aristoteles Gesetz der Ähnlichkeit hält die Tatsache fest, daß es immer dann zu einer Verknüpfung unterschiedlicher Ideen kommt, sobald zwischen ihnen vergleichbare, mit den Sinnen erfaßbare oder auch funktional-gegenständliche Verweisungsbeziehungen bestehen. Das Gesetz des Kontrastes zeigt auf, daß auch bei gegensätzlichen Ideen Verbindungen entstehen können. Schließlich beinhaltet das Gesetz der Kontiguität, daß vor allem dann Verbindungen entstehen, wenn die Ideen in einem geringen zeitlichen Abstand aufeinander folgen oder auf solche Gegenstände bezug nehmen, die räumlich gesehen sehr nah zueinander stehen (vgl. Veith 1996, S. 223).

Diese Auffassung, daß die Entstehung vielschichtiger Vorstellungskomplexe aus der obligatorischen Kombination von einzelnen sinnlichen vermittelten Elementen erfolgt, fand im 17. und 18. Jahrhundert erneut Einklang in die Diskussion. Die Hauptfragen waren hier - mit Anlehnung an die Theorien von Thomas Hobbes und John Locke - ob die Verknüpfungen tatsächlich neuartig sind und wann bzw. warum ein von Aristoteles postuliertes Gesetz bei der Entstehung einer Verbindung wirksam wird.

James Mill (1773 – 1836) behauptete, daß komplexe Ideen nur additive Zusammensetzungen von einfacheren Ideen sind. Dies wurde von David Hartley (1705 – 1757) und Thomas Brown (1778 – 1820) keineswegs so einfach gesehen. Für sie konnten die bei Assoziationen neu entstehenden Eigenschaften nicht so einfach als additive Verbindung Geltung finden. Vielmehr sind komplexe Ideen eigenständige Synthesen mit gänzlich neuen Qualitäten (vgl. Veith 1996, S. 223). Dies führte auch dazu, daß Brown die aristotelischen Gesetze um eine Reihe von „sekundären Verknüpfungsprinzipien“ ergänzte. In diesen erklärt er, daß in jedem Fall, in dem eine der Assoziationsregeln Anwendung findet, auch noch andere Einflüsse eine Rolle spielen. Nach Browns Frequenzprinzip treten dann nur diese Verknüpfungen in Kraft, die schon in der Vergangenheit vermehrt auftraten. Falls dieses Prinzip nicht greift sorgt das Rezenzprinzip dafür, daß nur die Ideen verbunden werden, die einen größeren Stellenwert besitzen. Greift keine dieser beiden Regeln tritt das Intensitätsprinzip in Kraft, welches besagt, daß die Gedanken verknüpft werden, die für ein Individdum eine hohe emotionale Bedeutung besitzen (vgl. Veith 1996, S. 223f.).

3. Die behavioristischen Lerntheorien

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekam die empirisch-experimentelle Psychologie einen bedeutsamen Stellenwert. Die Theoriebildung geschah dabei in strenger Abgrenzung zur Psychoanalyse.[2] Alle Vorgänge, die nicht beobachtbar waren, wurden als illegitim abgetan. Obligatorisch war auch die starke Ausrichtung an der empirischen Forschung, genauso wie die Sparsamkeit in der Bildung der Begriffe. Innerhalb der behavioristischen Forschungsstrategie besteht also das Bedürfnis, menschliches Verhalten vollkommen von außen zu begründen, was wohl bei Watson am deutlichsten hervortritt. Als zentral hat sich die Vorstellung der menschlichen Psyche als einer „black-box“ hervorgetan (vgl. Tillmann 2001, S. 78).

In diesem Kapitel werden die Hauptvertreter der behavioristischen Forschungstradition anhand ihrer theoretischen Überlegungen vorgestellt.

3.1 Pawlows Theorie des klassischen Konditionierens

3.1.1 Die Ausgangs überlegungen Pawlows

Iwan Petrowitsch Pawlow (1849-1958) beschäftigte sich mit der Frage, wie ein willkürliches Objekt zum Auslöser für eine Reaktion werden und damit einen vorprogrammierten Reflex auslösen konnte (vgl. Veith 1996, S. 233). Eines seiner Experimente, welches inzwischen einen paradigmatischen Stellenwert in der Wissenschaft bestreitet, wird in diesem Kapitel rezipiert.

In seinen Überlegungen ging er zunächst von einem unbedingten Reiz[3] aus. Dieser schien in seinen Versuchen von keinem weiteren Faktor abzuhängen, aber er war in der Lage, eine bestimmte Reaktion hervorzurufen, die Pawlow dann unbedingte Reaktion nannte. Wenn man nun den unbedingten Reiz mit einem neutralen Reiz, welcher mit der unbedingten Reaktion in keinem Zusammenhang steht, verbindet, so kann nach mehrmaligem Wiederholen festgestellt werden, daß der neutrale Reiz (oder auch bedingter Reiz) die ursprüngliche (also unbedingte) Reaktion hervorruft, und daß ohne das Auftreten des unbedingten Reizes. In diesem Fall ist dann von der bedingten Reaktion zu sprechen (vgl. Reimann 1985, S. 103).

[...]


[1] Die Handlungstheorie geht von einem sinnorientierten, zielgerichteten und aktiven Handeln sozialisierter Menschen aus. Dieser wird auch nicht als reflexartig reagierender Organismus gesehen, wie es einige der Lerntheorien tun, sondern als eine Persönlichkeit, die anhand gemeinsamer symbolischer Orientierungssysteme mit anderen interagiert (vgl. Hillmann 1994, S. 319).

[2] Dies geschah aufgrund der Tatsache, das die Psychoanalyse bewußt innere Zustände hervorhebt.

[3] „Dieser zentrale Begriff der Verhaltenstheorie bezeichnet im Extremfall jeden möglichen Einfluß, dem ein Organismus unterliegt. Ein Reiz gilt als Ursache für das Auftreten einer bestimmten Verhaltensweise, die dann als ‘Reaktion’ begriffen werden kann.“ (Reimann 1985, S. 105)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die klassischen Vertreter der behavioristischen Lerntheorie
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Sozialisationstheorien
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V12545
ISBN (eBook)
9783638183994
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vertreter, Lerntheorie, Sozialisationstheorien
Arbeit zitieren
Daniel Hans (Autor:in), 2002, Die klassischen Vertreter der behavioristischen Lerntheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12545

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