Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Wirkkraft des Kolonialkrieges (1904-1907) zwischen dem Deutschen Reich und den Herero und Nama bezüglich der "Rassenmischehendebatte" herauszuarbeiten, um anschließend den Kolonialkrieg von 1904-1907 als einen Wendepunkt im Diskurs um die "Mischehen" zu charakterisieren. Für die Gewährleistung eines grundlegenden Verständnisses der "Mischehendebatte" soll zunächst deren "Problematik" näher untersucht werden, weshalb sich die Arbeit im ersten Schritt den "Phobien" der Kolonisten widmen wird: Warum wurde die Diskussion um die ehelichen Verbindungen zwischen weißen deutschen Siedlern und indigenen Afrikanerinnen geführt? Was war das Brisante an diesen Ehen? Welche vermeintlichen Probleme und Gefahren waren die Folge?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Motivierung der Fragestellung
2. Die Problematik der „Mischehen“
2.1 Staatsbürgerschaft, „Mischlinge“, „Verkafferung“
2.2 Die Mischehendebatte bis zum Aufstand der Herero und Nama
3. Der Kolonialkrieg 1904-1907 zwischen dem Deutschen Reich und den Herero und Nama
3.1. Die Rezeption der Aufstände in den Kolonien und deutschen Metropolen
3.2. Vom „schwarzen Kind“ zur „schwarzen Bestie“
3.3 „Schwarzer Untertan statt schwarzer Bruder“
4. Die Reichstagsverhandlungen im Mai 1912
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Kolonialkrieges (1904-1907) zwischen dem Deutschen Reich und den Herero und Nama auf die zeitgenössische Debatte über „Rassenmischehen“. Ziel ist es, den Krieg als einen entscheidenden Wendepunkt zu charakterisieren, der den Diskurs von einer anfänglichen Debatte über kulturelle Assimilation hin zur ideologischen Festigung rassistischer Vorurteile und der Stigmatisierung außerehelicher und ehelicher Verbindungen wandelte.
- Analyse kolonialer Machtphantasien und Identitätsängste
- Die Rolle des Kolonialkrieges als Katalysator für rassistische Wahrnehmungsmuster
- Wandel der Wahrnehmung indigener Bevölkerung von „Kindern“ zu „Bestien“
- Untersuchung der Reichstagsdebatten von 1912 zur „Mischehenfrage“
Auszug aus dem Buch
3.2. Vom „schwarzen Kind“ zur „schwarzen Bestie“
Die realitätsferne und auffallend inkorrekte Rezeption der Ereignisse während des Kolonialkrieges 1904-1907 diente der Legitimierung der deutschen Politik in „Deutsch-Südwestafrika“. Die Aufstände der beiden Volksgruppen, oftmals porträtiert als „bloodthirsty as animals“, lassen sich dabei als ein regelrechtes Diskursereignis begreifen, wobei unterschiedlichste Positionen sich des Bildes der „schwarze[n] Bestie[n]“ auch nach dem Ende des Kolonialkrieges bedienten.
Folglich scheint eine Verschiebung des Bildes vom „schwarzen Kind“ hin zur „schwarzen Bestie“ stattgefunden zu haben. Mit dem Abschied von der assimilatorischen Politik als Mittel der „Europäisierung“ und der Herrschaftssicherung in den Kolonien und der sich allmählich durchsetzenden Politik der Dissimilation um die Jahrhundertwende galten die Beziehungen bzw. Ehen zunehmend als gefährdend für die Vorherrschaft der Europäer in den Kolonien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das spannungsreiche Verhältnis von imperialen Machtgesten und Identitätsängsten und führt in die zentrale Problematik der „Mischehendebatte“ ein.
2. Die Problematik der „Mischehen“: Dieses Kapitel erörtert die rechtlichen Unklarheiten bezüglich der Staatsangehörigkeit von „Mischlingen“ und das Entstehen eines kolonialen Identitätsverlusts durch die vermeintliche „Verkafferung“.
3. Der Kolonialkrieg 1904-1907 zwischen dem Deutschen Reich und den Herero und Nama: Das Kapitel analysiert die propagandistische Rezeption des Aufstands sowie den gravierenden Diskurswechsel in der Wahrnehmung der kolonialisierten Bevölkerung.
4. Die Reichstagsverhandlungen im Mai 1912: Diese Betrachtung der Reichstagsprotokolle zeigt die Einstimmigkeit der politischen Akteure in der Ablehnung von „Rassenmischung“ auf, auch wenn ein gesetzliches Verbot ausblieb.
5. Fazit: Das Fazit fasst den Kolonialkrieg als entscheidenden Wendepunkt zusammen, der die ideologische Radikalisierung der deutschen Kolonialpolitik maßgeblich mit vorangetrieben hat.
Schlüsselwörter
Kolonialismus, Deutsch-Südwestafrika, Rassenmischehen, Kolonialkrieg, Herero und Nama, Reichstagsverhandlungen, Rassenbewusstsein, Identität, Dissimilation, Konkubinat, Rassentheorie, Diskursverschiebung, Kolonialpolitik, Siedleridentität, Bestie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Kolonialkrieg von 1904-1907 die Debatte um „Rassenmischehen“ im deutschen Kaiserreich radikal verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Konstruktion weißer Identität, rassistische Herrschaftsstrukturen in den Kolonien und die öffentliche Wahrnehmung der Aufstände.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel der Arbeit ist es, den Kolonialkrieg als Wendepunkt zu identifizieren, der zu einer dauerhaften Abkehr von einer assimilatorischen Politik hin zu einer rassistisch begründeten Distanzierung führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Untersuchung historischer Quellen, darunter Reichstagsprotokolle und zeitgenössische koloniale Diskurse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Problematik der interkulturellen Ehen, die propagandistische Verzerrung der Aufstände in der deutschen Öffentlichkeit und die politischen Debatten über ein Eheschließungsverbot.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Kolonialismus, Mischehendebatte, Identitätskonstruktion, Rassenbewusstsein und Deutsch-Südwestafrika.
Wie veränderte sich die öffentliche Wahrnehmung während des Krieges?
Die Wahrnehmung verschob sich von einem „zivilisatorischen“ Ansatz, der Afrikaner als „Kinder“ sah, hin zur Dämonisierung als „blutdürstige Bestien“.
Warum kam es 1912 zu keinem expliziten gesetzlichen Verbot von Mischehen?
Die Politik fürchtete, dass ein Verbot lediglich dazu führen würde, dass Ehen durch außereheliche Verhältnisse ersetzt würden, welche als noch schwieriger zu kontrollieren und als „schlimmeres Übel“ empfunden wurden.
- Arbeit zitieren
- Bela Selzer (Autor:in), 2021, Der Kolonialkrieg 1904-1907. Ein Wendepunkt in der Debatte um die "Rassenmischehen"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254627