Bodenversalzung in Bangladesch in Folge der Klimakrise. Hintergründe, Auswirkungen und Anpassungsstrategien


Bachelorarbeit, 2022

51 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Ausgangslage von Bangladesch
2.1 Geografie und Klima
2.2 Wirtschaft und Gesellschaft
2.3 Im Kontext der Klimakrise

3. Versalzung
3.1 Ausmaß
3.2 Gründe
3.2.1 Überflutungen und Zyklone
3.2.2 Staudamm- und Deichbau
3.2.3 Extensive Shrimp-Aquakultur
3.2.4 Übernutzung der Ressourcen

4. Auswirkungen der (Boden-) Versalzung
4.1. Landwirtschaft
4.2. Sundarbans-Mangrovenwald
4.3. Gesundheit der Bevölkerung

5. Theoretischer Hintergrund
5.1. Vulnerabilität und Resilienz
5.2. Climate Change Adaptation

6. Instanzen im Prozess der Adaptation
6.1. Internationale Instanzen
6.2. Nationale Instanzen
6.3. Lokale Instanzen

7. Lokal angelegte Anpassungsstrategien an die Bodenversalzung
7.1. Infrastruktur
7.2. Effiziente Wassernutzung & -verfügbarkeit
7.3. Stresstolerante Pflanzen
7.4. Landwirtschaftliche Anbaupflanzen
7.5. (Landwirtschaftliche) Landnutzung

8. Evaluierung der beschriebenen Anpassungsstrategien
8.1. Beurteilung der Anpassungsstrategien
8.2. Wie erfolgt die Adaptation durch die lokale Bevölkerung?
8.3. Einbindung der lokalen Bevölkerung
8.4. Weitere Ratschläge

9. Ausblick

10. Literaturverzeichnis

11. Abbildungsverzeichnis

12. Anhang

Anmerkung der Redaktion: Aus urheberrechtlichen Gründen wurde einige Karten vor der Veröffentlichung entfernt. Diese können jedoch anhand der Quellenangaben problemlos recherchiert werden.

1. Einführung

Die globale Klimakrise ist die aktuell größte Herausforderung, denn „climate change will affect all human and ecological systems and socio-economic development activities“ (Huq; et al. 1999: 125). Nur eine der Folgen ist der steigende Meeresspiegel, welcher auf vielfältige Art und Weise die Lebensunterhalte der Menschen, Tiere und Pflanzen beeinträchtigen wird. Weltweit leben etwa 600 Millionen Menschen in tiefliegenden Küstenregionen, die das Problem des steigenden Meeresspiegels direkt erfahren werden, in Form von Küstenerosion, Zyklonen oder Überschwemmungen. Zahlreiche Metropolen werden davon betroffen sein, aber eben auch kleine Siedlungen und Lebensunterhalte auf dem Land. Das Salzwasser des Meeres breitet sich durch den steigenden Meeresspiegel aus, es kommt zur Versalzung von Süßwasser und Boden. „This inexorable process will continue as long as the sea continues to rise and salinity increases in coastal rivers” (Dasgupta; et al. 2015: 825).

Das bereits jetzt von der Klimakrise betroffene Land Bangladesch wird dieser Arbeit den Rahmen geben, mit dem Titel „Bangladesch im Kontext des durch die Klimakrise steigenden Meeresspiegels: Anpassungsstrategien an Bodenversalzung“. Mit dem Problem der Versalzung von Böden haben die Bewohner*innen des Landes schon seit Jahren zu kämpfen, in Zukunft wird sich dies noch dramatisieren. Mit dieser Arbeit möchte ich die Problematik der Bodenversalzung holistisch beleuchten, denn genau auf diese vielschichtige Art und Weise wirkt sich die Versalzung auf zahlreiche Lebensbereiche aus.

„Increased salinity from saltwater intrusion may actually pose the greatest threat to livelihoods and public health through its impacts on agriculture, aquaculture, infrastructure, coastal ecosystems, and the availability of fresh water for household and commercial use.” (Dasgupta; et al. 2015: 815)

Zunächst schauen wir uns multisektoral die Ausgangslage Bangladeschs an. Was macht das Land von den Rahmenbedingungen her so anfällig und vulnerabel gegenüber der Klimakrise? Mit diesem Hintergrundwissen wird sich der Versalzung, deren Ausmaß und Gründe, zugewendet, und im nächsten Schritt den vielschichtigen Auswirkungen der Bodenversalzung. Das Ziel der Arbeit ist, eine Lösungsorientierung für die Situation in Bangladesch aufzuzeigen, somit wird die Climate Change Adaptation den konzeptionellen Rahmen geben. Der nächste Schritt der Arbeit wird demnach die theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen der Vulnerabilität, Resilienz und Climate Change Adaptation sein. Im Anschluss wird die Komplexität der bereits bestehenden und durchgeführten Anpassungsmaßnahmen an die Bodenversalzung aufzuschlüsseln versucht, indem zunächst die verschiedenen Instanzen auf unterschiedlichen Ebenen vorgestellt werden, und im Anschluss die konkreten, lokal durchgeführten Anpassungsmaßnahmen beschrieben. Im abschließenden Schritt werden die Anpassungsstrategien evaluiert und Verbesserungsvorschläge vorgestellt, bevor dann zuletzt ein Ausblick für die Situation Bangladeschs gegeben wird und dessen mögliche Vorreiterrolle auf globaler Ebene beleuchtet wird.

Die Vulnerabilität Bangladeschs in der Klimakrise ist bekannt, weshalb bereits zahlreiche Forschungen durchgeführt wurden, auf welche diese Arbeit zurückgreift. Die Quellenlage ist geprägt von einer enormen Aktualität, welches für dieses Thema sehr sinnvoll ist. Die Klimakrise, deren Auswirkungen und Anpassungen sind stark dynamisch und spiegeln eine Unsicherheit wider, da die zukünftigen Veränderungen zwar vermutet werden können, aber eben nicht sicher vorausgesagt werden können. Mit einer wissenschaftlichen Untersuchung können die Unsicherheiten rund um die Klimakrise neutral, holistisch und fundiert dargestellt werden, und somit eine bestmögliche Herangehensweise an diese Unsicherheiten geschaffen werden. In der wissenschaftlichen Untersuchung steht das IPCC, das Intergovernmental Panel on Climate Change, an vorderster Stelle als „institutional set up for possible global level adaptation“ (Huq; et al. 1999: 132). Die wissenschaftliche Erarbeitung der Klimakrise aufgrund ihres komplexen und unsicheren Charakters ist von großer Bedeutung. Bereits ein einzelner Aspekt der Krise, die Bodenversalzung, und deren Anpassungen daran spiegeln eine Komplexität wider, die ich in dieser Arbeit versuche, deutlich und umfassend darzustellen.

2. Ausgangslage von Bangladesch

2.1 Geografie und Klima

Bangladesch weist eine besondere Geografie auf: Die Landfläche von rund 150 km[2], mehr als halb so klein wie Deutschland, durchkreuzen drei große Flussdelta, des Ganges, Brahmaputra und Meghna, daran schließen sich bis zu 200 kleine Flüsse an. “The rivers and their tributaries dominate the region’s environment and provide directly and indirectly the livelihoods and ecosystem services” (Johnson; et al. 2016: 425). Im Südwesten des Landes existiert ein Mangrovenwald, die Sundarbans, „[which are] the largest remaining contiguous mangrove forest in the world and one of the richest ecosystems“ (Dasgupta; Sobhan; Wheeler 2016b: 2). Neben der internationalen Auszeichnung als Weltkulturerbe seit 1997 sind die Sundarbans auch Lebensraum für Flora und Fauna. Doch „they are not only biodiversity hotspots, but they also provide the ecological foundation for an important common property resource” (Alam; de Heer; Choudhury 2018a: 401). Zahlreiche Bevölkerungsgruppen nutzen den Mangrovenwald sozioökonomisch dank seines Ressourcenreichtums an Holz, Zuckerrohr, Honig, Shrimps, Krabben, Fisch, Kräutern, Zierpflanzen und Wachs. Die Sundarbans haben also ökologische und ökonomische Funktionen, welche durchaus auch aneinandergeraten.

Die Sundarbans sind nicht die einzigen Feuchtgebiete des Landes. Im Gegenteil, Bangladesch weist, auch wegen den vielen Flüssen, etwa vier Millionen Hektar verschiedene Feuchtgebiete auf. Sie reinigen verschmutztes Wasser und füllen das Grundwasser auf, Monwar beschreibt die Feuchtgebiete Bangladeschs als „kidneys of the landscape“ (Monwar; et al. 2018: 126). Wie auch die Sundarbans haben alle anderen Feuchtgebiete neben der ökologischen auch eine sozio-ökonomische Bedeutung. Sie liefern die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Nutzung, darunter vor allem der Reisanbau und die Fischzucht.

Aus urheberrechtlichen Gründen wurde diese Abbildung vor der Veröffentlichung entfernt.

Abb. 1: Geografie von Bangladesch; mit Angaben zur Bevölkerungsdichte (RA Online o.J.)

Klimatisch befindet sich Bangladesch im Herzen der südasiatischen Monsunregion (vgl. Alam, Shamsul; de Heer, Jaap; Choudhury, Giasuddin 2018b: 6), in einem humiden sub-tropischen Klima. Mit der Bucht von Bengal und dem Indischen Ozean im Süden, und dem Himalaya-Gebirge im Norden ist das Land klimatisch geprägt von einer großen Menge an Regenfällen, die sich in der Monsun- oder Regenzeit sammeln. Tatsächlich sind es 80% aller Niederschläge im Jahr, die sich in der Monsun-Zeit zwischen Juni und September ereignen. Die vier Monsun-Monate sind umfasst mit je zwei Monaten Prä- und Post-Monsun-Zeit und dauert von Juni bis September. Daran schließen sich die Wintermonate an, welche auch der Trockenzeit zugeordnet werden, es ist die Zeit von Dezember bis März.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Verteilung der jährlichen Niederschläge (Alam; de Heer; Choudhury 2018b: 8)

Die enormen Wassermengen zur Regen- oder Monsunzeit führen zu jährlichen Überflutungen von etwa einem Viertel der Landesfläche, eine sich verändernde Umwelt, an die sich die Landwirtschaft und alle anderen Lebensbereiche angepasst haben. Bei enormen Überflutungen kann es jedoch zu einer überfluteten Fläche von bis zu 70% kommen, was unter anderem Pflanzen, Besitz und Infrastruktur zerstört.

2.2 Wirtschaft und Gesellschaft

Die Politik des Landes hat es sich zur Aufgabe gemacht, für besseren Wohlstand der eigenen Bevölkerung zu sorgen. So war es 2014 das Ziel des Landes bis 2021 ein Land mit mittlerem Einkommen werden. Dieses Ziel wurde zwar knapp nicht erreicht, doch die nationale Wirtschaft erlebt seit einigen Dekaden ein Wachstum von rund 6-7%.

Dennoch leben noch immer etwa 43,2 Millionen Menschen, also etwa 30% der Gesamtbevölkerung, in Armut, davon 24,4 Millionen in extremer Armut, den Grundbedürfnissen kann also nicht nachgekommen werden (vgl. Dasgupta; Sobhan; Wheeler 2016a: 2). Regional marginalisiert leben viele Menschen, die Armut erleben müssen, an der Küste Bangladeschs, wo preisgünstigeres Land und Leben möglich ist. Zu einem Leben in Armut gehören jedoch viele Herausforderungen und Probleme, die mit dem steigenden, klimawandelbedingten Meeresspiegelanstieg zusammenhängen: „Poverty is particulary severe in the southwest coastal region, where the area is prone to tidal surges and cyclones, soil and water are saline at certain times of the year, and living conditions are harsh” (Dasgupta; Sobhan; Wheeler 2016a: 2).

Bangladesch ist stark ländlich geprägt. So leben mehr als 80% der bangladeschischen Bevölkerung in ländlichen Gebieten, davon etwa die Hälfte besitzt landwirtschaftlich kultivierbares Land. Ganze 58% der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt (vgl. Alam; de Heer; Choudhury 2018d: 13). 70% der Bevölkerung leben vom Landwirtschaftssektor. Mit 20% spiegelt auch das nationale Bruttoinlandsprodukt die zentrale wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft wider. Neben der Importwirtschaft tragen landwirtschaftliche Erzeugnisse maßgeblich zur Ernährungssicherheit der bangladeschischen Bevölkerung bei. Mit der Landwirtschaft als Wachstumstreiber der Wirtschaft ist Bangladesch „dependent upon crop agriculture which is highly sensitive to changes in climate” (Sovacool 2017: 183), eine Thematik, die in dieser Arbeit ihre Bedeutung findet. Auch wenn die klimatischen Veränderungen sich bereits seit einigen Jahren in Bangladesch zeigen, hat die Landwirtschaft große Erfolge erreichen können, durch etwaige Transformationen der Anpassung an die Umwelt und zielgerichtet auf höhere Erträge. Dazu zählt der Bau von Dämmen und Deichen als Überflutungsschutz und die Ausrichtung der dominanten Reiskultivierung an saisonale Bedingungen. Auch wenn sich dieses System über Jahre hinweg bewährt hat, wird es von den sich verändernden Klimabedingungen zu Anpassungsmaßnahmen herausgefordert, um weiterhin existenzsichernd zu sein.

Neben dem Anbau von Reis und anderen pflanzlichen Erträgen trägt die Fischzucht zur Wirtschaft bei, zu etwa 3,63% des BIP. Sie schafft Arbeitsplätze für 1,2 Millionen Menschen und gibt 80% der ländlichen Bevölkerung eine weitere Einkommensquelle. Seit einigen Jahrzehnten ist zudem die Shrimps-Zucht populärer geworden, welche aber an anderer Stelle ausgeführt wird.

Ob Bangladesch weiterhin ein Wirtschaftswachstum erlebt, hängt davon ab, wie gut die Wasserressourcen und das Delta des Landes gemanagt werden, die Bedeutung der Klimaanpassungsstrategien ist hier deutlich sichtbar.

2.3 Im Kontext der Klimakrise

Geografisch, klimatisch und wirtschaftlich steht Wasser und die Natur im Lebensmittelpunkt Bangladeschs, und ist damit im Hinblick auf die Klimakrise ein wunder Punkt für das Land. „Water resources are the most important sector which will be severely affected by climate change.” (Hossain; Shoaib 2013: o.S.).

Bangladesch ist eines der am meisten von der Klimakrise betroffenen Länder, das Land sei „made for natural disasters“ (Poncelet 2010: 212), da sind sich Autor*innen einig (vgl. Huq; et al. 1999: 126). Zur extremen Vulnerabilität des Landes trägt nicht nur die weltweit elft höchste Bevölkerungsdichte, mit aktuell 1240 Einwohner*innen pro km[2], die Armut vieler Menschen und die geringe finanzielle Kapazität der Regierung bei; die Topografie Bangladeschs lädt Überflutungen und Zyklone nahezu ein. Ein Großteil des südasiatischen Landes liegt lediglich bis zu zwölf Meter über dem Meeresspiegel. Ein Meeresspiegelanstieg eines Meters würde die dauerhafte Überflutung von der Hälfte der Landesfläche bedeuten. Da es sich dabei um Meerwasser, also um salzhaltiges Wasser handelt, wird die ganze Situation noch prekärer, vor allem für die Landwirtschaft. „Impacts of climate change will increase moisture stress in winter months, enhance and prolong floods in monsoon, [and] produce higher salinity in the coastal areas“ (Huq; et al. 1999: 108). Klimawandelbedingte Herausforderungen bezüglich Temperatur, Niederschläge, Salz beziehen sich direkt auch auf die landwirtschaftliche Aktivität, welche in Bangladesch eine zentrale Treibkraft für Gesellschaft und Wirtschaft innehat. Tatsächlich nahmen Bewohner*innen bereits in den letzten Jahren sich verändernde Niederschlags- und Temperaturmuster in Häufigkeit und Intensität wahr. Während die präsente Klimakrise also noch von vielen Menschen auf der Welt nicht ernst genommen wird, ist sie unter anderem in Bangladesch auf der eigenen Lebensgrundlage zu spüren.

So sind Naturkatastrophen, darunter vor allem Zyklone, in Bangladesch kein seltenes Phänomen. Bereits 1970 ereignete sich ein Zyklon namens Bhola, welcher im Bangladesch-Delta 300.000-500.000 Menschen das Leben nahm. „Bhola remains the world’s deadliest tropical cylone in recorded history“ (Pakulski; et al. 2021: 1). Etwa alle drei Jahre trifft ein tropischer Zyklon auf die 710 Kilometer lange Küste Bangladeschs und verursacht dadurch enorme Schäden an Häusern, Viehbeständen, kultiviertem Land und menschlicher Gesundheit (vgl. Sovacool 2017: 184). Nicht nur kurzfristig richten Naturkatastrophen Schaden an, sondern verursachen langfristige Probleme, mit denen die lokalen Bevölkerungen konfrontiert werden. Landerosionen, erhöhter Salzgehalt und die Verbreitung von Schädlingen beschädigen den Boden und dessen Nutzung über lange Zeitspannen. Mit der Kontinuität der Klimakrise ist eine Zunahme an Naturkatastrophen in den kommenden Jahrzehnten zu erwarten.

3. Versalzung

3.1 Ausmaß

„Salinity is slow-growing and sporadic in nature […] and its exposure and vulnerability is variable in spatial-temporal scale as well as across the local community affected by it” (Islam; et al. 2020: o.S.).

Salze sind Ionen, die sich im Boden oder Wasser befinden. „All soils contain some water-soluble salts. Plants absorb essential plant nutrients in the form of soluble salts, but excessive accumulation of soluble salts, called soil salinity, suppresses the plant growth” (Rashid; et al. 2010: 4). Ab wann kann also von einem versalzten Boden oder Wasser gesprochen werden? In zahlreichen Literaturen wird der Wert von 4 dS/m (Dezisiemens pro Meter) als Grenzwert genommen. Liegt der Salzgehalt darüber, wird von einem salzigen Boden oder Wasser gesprochen. Kommt das Salzwasser des Meeres in Berührung mit dem Süßwasser der Flüsse, vermischt sich das Wasser und der Salzgehalt breitet sich auf das gesamte Wasser aus. So kommt es bei Überflutungen zu Versalzung der Flussläufe und Böden. Abhängig von der tatsächlichen Salzausbreitung ist die Menge an Süßwasser in den Flüssen von flussaufwärts, dem Salzgehalt in der Bucht von Bengalen und der Zirkulation des salzigen Küstenwassers durch die Meeresströmungen und die Gezeiten. Abgeleitet von diesen Faktoren wird deutlich, dass der Salzgehalt regional und saisonal sehr variiert.

Im Winter, in der Trockenheit, befindet sich weniger Süßwasser in den Flüssen und das Salzwasser breitet sich weiter aus. Zudem steigt der Bodensalzgehalt durch stärkeres Verdunsten. Während der Monsun-Saison ist der Salzgehalt in den Flüssen und im Boden niedriger, da eine große Menge an Süßwasser durch große Niederschlagsmengen das Salzwasser zurückdrängt und verdünnt, beziehungsweise das Salz aus den Böden wäscht. So variiert der Salzgehalt in den Gezeitenkanälen stark. Während sie in der Monsun-Regenzeit Süßwasser führen, werden sie in der Trockenzeit zu Salzwasserquellen. Yu stellt das Ausmaß der Versalzung im Jahr 2005, je nach Saison, anschaulich dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ebenso prägnant sind regionale Unterschiede: So ist die Region im Südwesten des Landes, wo sich die Sundarbans befinden, von hoher Versalzung betroffen, da hier eine hohe Abhängigkeit gegenüber dem Gorai-Fluss als Hauptsüßwasserquelle besteht, und über das Ganges-Delta aus dem Himalaya eine enorme Menge an Sediment abgelagert wird. Es entsteht eine „5- to 10-m-thick silty clay layers at the surface confining the underlying sandy aquifer, which is mostly saline” (Rahman; et al. 2018: 423). Sedimentablagerungen sind sehr anfällig für einen hohen Salzgehalt, da bei Überspülung mit Salzwasser das Salz gesammelt in den Sedimenten zurückbleibt. Zudem befinden sich im Südwesten Bangladeschs kleine Inseln, die mit etwa fünf Meter hohen Deichen als Hochwasserschutz ausgestattet sind. Bei Zyklonen oder anderen Überflutungen wird die Region überspült und das Salzwasser bleibt hinter den Schutzmauern zurück. Aus diesen geografischen Besonderheiten des Südwestens entsteht die in Bangladesch höchste Versalzung. Die höchsten Werte wurden im Flutgebiet des Ganges-Deltas gemessen, mit einem Wert von 49,5 dS/m (vgl. Rashid; et al. 2010: 5). Hier ist die Versalzung ein sozial bekanntes Thema. „A saline environment has always been part of Bangladesh’s southwest and local people have been living with salt for the last three decades” (Hossain; Ludwig; Leemans 2018: 27). Anders sieht es im südlichen Zentrum und im Südosten aus. Hier ist der Salzgehalt dank der großen Süßwassermengen eher gering. Ein weiterer Salz-Hotspot sind die Eastern Hills, eine Region, die stark von Stränden aus Schlamm und Sand geprägt ist und somit sehr anfällig für Salzanhäufungen im Boden, wie es auch in den Sundarbans und Deichen im Südwesten des Landes der Fall ist. Ein Fokus in vielen Literaturen und auch in meiner Arbeit liegt auf dieser Region des Landes, weil hier das Versalzungsproblem am ausgeprägtesten ist. Den Bewohner*innen, vor allem jenen in der Landwirtschaft, sind deutlich steigende Salzvorkommen aufgefallen. So nehmen fast 89% der lokalen Bevölkerung den aktuellen Salzgehalt als hoch wahr, vor 15 Jahren waren es gerade mal 16% der Bevölkerung.

In einer Simulation zum Salzwassereindringen in der Trockenzeit 2050, modelliert Dasgupta ein Szenario, wobei sie den steigenden Meeresspiegel von rund 30 cm und eine Landerosion aufgrund der zugrundeliegenden Plattentektonik berücksichtigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Anteil der salzigen Böden nach Salzgehalt (Daten nach Dasgupta 2014b: 20)

Zudem nehmen die Süßwasserregionen, welche 2014 fast 41% der Gesamtgewässer in Bangladesch ausmachen, bis 2050 deutlich ab. Nur noch etwa 18% der Gewässer werden dann noch einen Salzgehalt von unter 1 dS/m haben. Das wird Auswirkungen auf die Trinkwasserverfügbarkeit und die Bewässerungskapazitäten in der Landwirtschaft haben, doch dazu an späterer Stelle mehr. Detaillierte Karten für die regionalen Veränderungen des Salzgehalts in Bangladesch befinden sich in Anhang 1.

Durch die breiten Flussdeltas ist das Eindringen von Salzwasser flussaufwärts ein bekanntes Phänomen. „From 2000 to 2009, salt-water intrusion increased up to 15 km north of the coast because of sea-level rise, and currently in the dry season, salt-water intrudes up to 160 km inland on account of reduced upstream river flows” (Hossain; Ludwig; Leemans 2018: 27). Andere Autor*innen haben ähnliche Beobachtungen gemacht. So spricht Dasgupta von einem Salzwassereindringen von 200 km flussaufwärts durch starke Gezeitenströmungen (vgl. Dasgupta; et al. 2014a: 8) und Klusum berichtet von salzigem Grundwasser, welches in einer Küstenentfernung von 100 Kilometern im Inland festgestellt wurde (vgl. Klusum 2021: 57).

3.2 Gründe

Die Ursachen der Versalzung sind vielseitig. Dabei spielen die menschlichen Aktivitäten eine zentrale Rolle, gerade wenn die Klimakrise als rein menschenverursacht angesehen wird. Im folgenden Abschnitt werden also die verschiedenen Ursachen der Wasser- und Bodenversalzung beleuchtet.

3.2.1 Überflutungen und Zyklone

Wie bereits ausgeführt, ist Bangladesch stark vom klimawandelbedingten Meeresspiegelanstieg betroffen, Expert*innen gehen sogar von einem regional höheren als dem globalen Meeresspiegelanstieg aus (vgl. Alam; de Heer; Choudhury 2018b: 68). Dementsprechend sind Phänomene wie starke Überflutungen und Zyklone für das südasiatische Land keine Seltenheit. Neben akuten Problemen wie verwüstete Infrastruktur und Besitzverlust, werden auch langfristige Herausforderungen verursacht, wo die Versalzung einen zentralen Aspekt darstellt. Die Versalzung des Bodens ist gerade für die Landwirtschaft ein Problem. „Future rising sea levels coupled with embanked landscape and reduced up-stream flow will most likely increase the area of inundation from similar surges” (Rahman; et al. 2018: 423).

3.2.2 Staudamm- und Deichbau

„A polder is a low-lying tract of land enclosed by earthen embankments known as dykes that form an independent hydrological entity which has no physical connection with outside water other than through manually operated devices” (Alam; de Heer; Choudhury 2018a: 416).

Seit den 1960ern wurden Deiche in der Küstenregion Bangladeschs, vor allem im Südwesten, gebaut, um das Land und deren Bevölkerung vor täglichen Gezeitenüberflutungen und extremen Zyklonen zu schützen. Denn bereits vor dem Deichbau „much of the coastal area used to suffer from tidal flooding and salinity intrusion twice a day and the occasional cyclonic storm surges” (Alam; de Heer; Choudhury 2018a: 416). Damals, ohne Überflutungsschutz, war das Land ein sumpfiges und unproduktives Feuchtgebiet, also ein für die landwirtschaftliche Nutzung unsicheres Land. Der Deichbau war demensprechend bereits seit den 1960ern eine Anpassungsstrategie gegen Naturgewalten und das Eindringen von Salzwasser, doch gleichzeitig fungieren die Deiche als Antreiber der Versalzung. Grund dafür sind die Sedimentablagerungen und das weniger zirkulierende oder fließende Wasser. Bereits 20 Jahre nach den ersten Deichen lagerten sich zunehmende Sedimentmengen ab.

„This continuous siltation process over the years resulted rise of river bed level and thereby reduction of the conveyance capacity of the peripheral rivers of the coastal polders significantly leading to large scale water logging problems inside the polders.” (Alam; de Heer; Choudhury 2018a: 402)

Bei extremen Überflutungen, bei denen selbst die Schutzdeiche das Wasser nicht aufhalten können, werden die hinter den Deichen sich befindenden Regionen überschwemmt. In der Folge kann das salzige Meerwasser wegen den Deichen nicht zurückfließen, es sammelt sich also eine Menge als Salzwasser an, was unter dem Begriff des Waterlogging bekannt ist. Durch Verdunstung kann das Salz extrahiert im Boden zurückbleiben und stellt Probleme für die Landwirtschaft da, oder aber das Überflutungswasser kontaminiert Trinkwasserspeicher mit Salz. Gerade wenn das Management der Deiche und Durchgangskanäle nicht gut durchgeführt wird, können die eigentlich sinnvollen Deiche zur Behinderung werden.

Ein weiterer Grund für zunehmende Sedimentablagerungen ist weniger Süßwasser in den Flüssen, denn kleinere Wassermengen haben weniger Kraft die Sedimente (fort) zu bewegen. Die Flüsse, die in Bangladesch in das Meer münden, haben bereits einen langen Flusslauf hinter sich. Auf diesen Strecken werden zunehmend Staudämme gebaut, um beispielsweise Energie zu gewinnen. Der Bau des Farakka-Staudamms auf dem Ganges wird von zahlreichen Literaturen als Beispiel genannt. „The water resource system of the southwest zone has degraded considerably over time, primarily because of the reduction in freshwater inflows from the Ganges due to withdrawal of freshwater at Farakka” (Alam; de Heer; Choudhury 2018a: 408). Neben den Sedimentablagerungen resultiert aus dem Bau der Staudämme auch ein weiteres Problem, welches zur Versalzung beiträgt: die reduzierte Süßwassermenge. „With decreased freshwater discharge, the surface water salinity front migrates further during the dry season” (Ayers; et al. 2017: 4). In der Trockenzeit fällt kaum Niederschlag, somit nimmt die existierende Süßwassermenge in den Flüssen ab und das Salzwasser aus dem Meer kann tiefer ins Land eindringen. Wie groß die Dimensionen des Salzwassereindringens sind, wurde bereits an früherer Stelle beschrieben.

3.2.3 Extensive Shrimp-Aquakultur

Wie die Deiche können auch die Zuchtanlagen der Shrimp-Aquakultur gleichzeitig als Anpassung an und als Ursache von der Versalzung gesehen werden. Da Bangladesch bereits seit Jahrzehnten unter dem steigenden Salzgehalt leidet, hat sich seit 1975 vor allem im Südwesten des Landes die Salzwasser-Aquakultur ausgebreitet. Diese Zuchtanlagen wurden meist innerhalb der von Deichen umgebenen Gebiete angebaut, die mit dem Salzwasser arbeiteten. Somit galt, „under the influence of the shrimp farmers, the management of the polder embankment shifted from protecting saline water to allowing saline water” (Klusum 2021: 59f). Daraus gingen Interessenskonflikte zwischen Reisbäuer*innen, die das Salzwasser eliminieren wollten, und Shrimpzüchter*innen, die von der Existenz des Salzwassers profitierten, hervor. Von 1975 bis 2000 stieg die Aquakulturfläche für Shrimps von 20.000 Hektar auf 141.000 Hektar, die genutzte Fläche versiebenfachte sich demzufolge. Grund dafür war die Verfügbarkeit von wilden Shrimp-Larven und dem Salzwasser, welches den anderen wirtschaftlichen Aktivitäten schadete, die hohe Profitabilität der Shrimps-Zucht, welche neun Mal höher war als der Reisanbau (vgl. Klusum 2021: 60), die internationale Nachfrage nach Shrimps und das günstige Land. Die bangladeschische Regierung, die in der Shrimpszucht eine große wirtschaftliche Chance sah, unterstützte die Shrimps-Aquakultur zusätzlich mit infrastrukturellen Ausstattungen.

„The high demand and perceived monetary benefits of shrimp has inspired many farmers to convert farmlands intruded by saline water into shrimp farms, whilst others have actively encouraged saline water from marine sources into their farmlands to produce shrimp.” (Johnson; et al. 2016: 423f)

Das Salzwasser, welches für die Aquakultur benötigt wird, wird meist in der Trockenzeit aus den Gezeitenkanälen in die Zuchtteiche, auf lokaler Ebene als Gher bezeichnet, geleitet. In diesen Gher herrscht ein Salzgehalt von mehr als 10 dS/m. Das Salzwasser breitet sich dann jedoch auf den Boden aus und führt dort ebenfalls verstärkt zur Versalzung des Bodens. „Within a short period, the long-term environmental impacts of shrimp farming became visible, such as salinity intrusion, low crop-production, loss of biodiversity” (Klusum 2021: 60), zudem Umweltschäden durch Gifte im Boden, soziale Folgen wie Landverlust, erzwungene Migration, Einkommensverluste, ländliche Arbeitslosigkeit und soziale Konflikte. Zudem wird der einseitige finanzielle Gewinn kritisiert, von dem vor allem ausländische Investor*innen profitieren.

3.2.4 Übernutzung der Ressourcen

Ressourcen werden mit wachsender Bevölkerung immer knapper, diese Situation ist auch in Bangladesch sichtbar. Was deswegen überwiegt, ist die kurzfristig gedachte Nutzung der Ressourcen, wobei allerdings nicht die Nachhaltigkeit dahinter berücksichtigt wird, welche für eine naturfreundliche und langfristige Nutzung sprechen würde.

Wasser, genauer Süßwasser, ist durch die zunehmende Versalzung ein knappes Gut. In der Trockenzeit ist Oberflächenwasser nur gering verfügbar, weswegen für die Bewässerung und für das Trinkwasser auf Grundwasser ab 200 m Tiefe zurückgegriffen wird. Die Grundwasserreserven leiden unter den Mengen, die entnommen werden, was das Salzproblem mit dem Salz nur noch verstärkt, denn Salz auf eine geringere Wassermenge verteilt bedeutet einen höheren Salzgehalt. Für die landwirtschaftliche Bewässerung wird gerade in der Trockenheit eine große Menge an Wasser benötigt. Da das Oberflächenwasser oft zu salzig für Haushalts- und Bewässerungszwecke ist, und ein Verdünnen wegen Süßwassermangel kaum möglich ist, muss Grundwasser verwendet werden. „Groundwater is the source for more than 75% of the irrigated area“ (Alam; de Heer; Choundhury 2018d: 41). Doch auch das Grundwasser ist zunehmend immer salziger, durchschnittlich hat es einen Salzgehalt von 2 dS/m (vgl. Rashid; et al. 2010: 7). Das Problem, wenn der Boden mit leicht salzigem Wasser bewässert wird, besteht, da die Bodenversalzung dadurch potenziert steigt. Die Pflanzen nehmen das Wasser auf, das Salz verbleibt jedoch in der Erde und schadet jeder weiteren Pflanze nur noch mehr (vgl. Rashid; et al. 2010: 5).

Eine weitere übernutzte Ressource, die die (Boden-) Versalzung vorantreibt, ist die Ressource Holz. Zum einen wird im Himalaya immer mehr abgeholzt, was die Sedimentablagerungen flussabwärts deutlich steigert. Zudem erfährt der Sundarbans-Mangrovenwald eine enorme Übernutzung. Das Holz wird wirtschaftlich genutzt, doch auch die freie Fläche soll als zusätzliche Region für Landwirtschaft und Aquakultur fungieren, dessen Nachfrage durch die wachsende Bevölkerung steigt und die bestehenden Produktionsquellen wegen etwaigen Ernteverlusten und Degradationen weniger ertragreich sind. Die Reduktion der Mangrovenfläche mindert jedoch auch den natürlichen Schutz vor Zyklonen und Überflutungen, was zur zunehmenden (Boden-) Versalzung führt. Auch hier ist demzufolge eine wenig nachhaltige Nutzung, sondern eine zu extensive Nutzung zu beobachten.

4. Auswirkungen der (Boden-) Versalzung

Die Bodenversalzung verursacht vielseitige und vielschichtige Probleme. Im Folgenden werden die landwirtschaftlichen, ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen beleuchtet, um das Ausmaß eines versalzten Bodens mit dessen schwerwiegenden Folgen noch eindrücklicher darzustellen.

„Increased salinity intrusion poses an imminent threat to livelihoods and public health through its impacts on agriculture, aquaculture, infrastructure, coastal ecosystems, and the availability of freshwater for household and commercial use.” (Dasgupta; et al. 2014b: 2) 88% der befragten Menschen vor Ort nehmen Klimaveränderungen seit den letzten 20 Jahren bewusst war, „[they] perceived that climate variability was negatively affecting the agriculture, human health and livelihoods as a whole” (Uddin; Bokelmann; Dunn 2017: 153). Den steigenden Salzgehalt haben sogar 100% der befragten Menschen wahrgenommen. Besonders bangladeschische Landwirt*innen erleben die Bodenversalzung, weil das übermäßige Salz „[is] causing permanent loss of currently productive agricultural land“ (Thomas; et al. 2013: 1).

4.1. Landwirtschaft

Die Landwirt*innen in Bangladesch gehören überwiegend zu den am meisten von Armut, Marginalisierung und Vulnerabilität gegenüber Naturkatastrophen betroffenen Menschen. Dies macht die Auswirkungen der Bodenversalzung für diese Bevölkerungsgruppen, schließlich einen Großteil der bangladeschischen Bevölkerung, noch drastischer. Die meisten Bäuer*innen, etwa 84%, besitzen lediglich halb-subsistente Ländereien, das heißt die landwirtschaftliche Produktion trägt nur zu 50% zur Selbstversorgung bei (vgl. Kabir; et al. 2017: 362). Es bestehen nur wenige Ressourcen, eine rudimentäre Mechanisierung und wenige Bewässerungsquellen, woraus eine Abhängigkeit vom Wetter resultiert. Das wird vor allem dann problematisch, wenn das Wetter wegen der Klimakrise verrücktspielt.

Während allgemein von einem kritischen Salzgehalt von 2ppt in der Landwirtschaft ausgegangen wird, sind Pflanzen tatsächlich unterschiedlich tolerant gegenüber Salz im Boden. Ausschlaggebend ist der osmotische Druck der jeweiligen Pflanze. Damit ist gemeint, dass „plants […] must increase the energy they expand obtain water from the soil. The must use energy to get water that would otherwise be used for growth, flowering, or fruiting” (Rashid; et al. 2010: 16). Der Pflanze wird bei hohem Bodensalzgehalt also die Energie für das Wachstum genommen, um überhaupt Wasser aus dem Boden aufnehmen zu können. Ein weiterer Aspekt ist anzuführen: „The reduction in plant growth following salt exposure is due to two phases, osmotic stress and ionic toxicity” (Hanin; et al. 2016: 47). Das Aufeinandertreffen von verschiedenen Ionen, da Salze ja auch Ionen sind, und Zellfunktionen in der Pflanze von ionischen Signalmolekülen gesteuert werden, kann zu einer Nichtverträglichkeit zwischen den Ionen führen, was abträglich für das Wohlergehen und Wachstum der Pflanze ist. Die Salzempfindlichkeit der (Reis-) Pflanzen ist besonders ausgeprägt „during its germination, vegetative (early) growth, and reproductive stages“ (Huq; et al. 1999: 62). Mit dem Salz im Boden, aber auch mit vielfacher Bodendegradierung wie einem abnehmenden Gehalt an organischem Material, Stickstoff, Phosphor, und weiteren Mikronährstoffen, sinkt die Bodenfruchtbarkeit, was der landwirtschaftlichen Produktivität abträglich schadet.

„The salinity of the groundwater is often marginally higher than guideline irrigation water quality“ (Rahman; et al. 2018: 423). Wird mit salzigem Wasser bewässert, oder die Felder mit Salzwasser überflutet, sickert das Wasser in den Boden. Doch durch die Wasseraufnahme der Pflanzen und die Verdunstung nimmt der Wassergehalt ab, das Salz bleibt im Boden. Autor*innen sprechen von Ernteverlusten von 16-50% bei einer Bodenversalzung von 4-5 dS/m (vgl. Ayers; et al. 2017: 4; Dasgupta; et al. 2014: 37). Aus diesem Grund wird Regenwasser während der Monsunzeit gespeichert und in der Trockenzeit für die Bewässerung verwendet. Doch diese Maßnahme ist anfällig für eine Salzkontamination in den Regenspeichern durch Überflutungen oder Zyklone.

Reis spielt sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Ernährungssicherheit der Bevölkerung eine zentrale Rolle. So ist Reis “a major livelihood and staple for the residents’ poor and marginalized populations” (Johnson; et al. 2016: 424), er sättigt etwa 70% des täglichen Kalorienbedarfs der Bevölkerung (vgl. Islam; et al. 2020: o.J.). Die Vulnerabilität von Reis gegenüber Salz stellt die Abbildung 4 gut dar. Ernteverluste und daraus resultierende sinkende Marktpreise werden bereits jetzt in den stark von Bodenversalzung betroffenen Regionen erlebt. Dasgupta prognostiziert einen Ernteverlust und sinkenden Marktpreis von 15,6%, was zu 10% Einkommensverlusten führt (vgl. Dasgupta; et al. 2014a: 47).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: abnehmende Keimung bei steigendem Bodensalzgehalt (Karim; Hussain; Ahmed 1990: 23)

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Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Bodenversalzung in Bangladesch in Folge der Klimakrise. Hintergründe, Auswirkungen und Anpassungsstrategien
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2022
Seiten
51
Katalognummer
V1254848
ISBN (Buch)
9783346702364
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bodenversalzung, bangladesch, folge, klimakrise, hintergründe, auswirkungen, anpassungsstrategien
Arbeit zitieren
Mareike Schweizer (Autor:in), 2022, Bodenversalzung in Bangladesch in Folge der Klimakrise. Hintergründe, Auswirkungen und Anpassungsstrategien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1254848

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