Die Veddel: Stadtgeografische Analyse eines Hamburger Stadtteils

Unter besonderer Berücksichtigung seiner Entwicklung im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt"


Magisterarbeit, 2008

237 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

I Einleitung

1 Einführung in das Thema

2 Fragestellung und Forschungsstand

3 Aufbau der Arbeit

II Grundlagen

4 Das Untersuchungsgebiet: Die Hamburger Veddel
4.1 Strukturdaten
4.1.1 Baulich-räumliche Struktur
4.1.2 Verkehrsstruktur
4.1.3 Umweltbedingungen
4.1.4 Bevölkerungs- und Sozialstruktur
4.1.5 Versorgungsstruktur
4.2 Geschichte
4.2.1 Die Sloman-Siedlung
4.2.2 Die Auswandererstadt
4.2.3 Wohnungs- und Städtebau unter Fritz Schumacher
4.2.4 Nachkriegsentwicklung und jüngere Geschichte
4.3 Zusammenleben im Stadtteil
4.3.1 Definitionen ethnischer Segregation
4.3.2 Ethnische Segregation auf der Veddel
4.4 Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung
4.4.1 Bauliche Umstrukturierungen im Bereich Verkehr
4.4.2 Wohnungs- und Wohnumfeldmodernisierung
4.4.3 Verbesserung und Erweiterung der sozialen Infrastruktur
4.4.4 Maßnahmen zur Verbesserung der Umweltbedingungen
4.5 Zwischenfazit

5 Das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“
5.1 Hintergrund
5.2 Ziele der „Sozialen Stadt“
5.3 Programmstrategie: Integrierte Stadtteilentwicklung
5.3.1 Ressourcenbündelung und Kooperation
5.3.2 Quartiermanagement
5.3.3 Integriertes Handlungskonzept
5.3.4 Förderung endogener Potenziale
5.4 Handlungsfelder und Maßnahmen integrierter Stadtteilentwicklung
5.5 Kritische Betrachtung: Chancen und Grenzen

III Datenerhebung

6 Methodische Vorgehensweise
6.1 Zielsetzung und Hypothesen der Primärdatenerhebung
6.2 Untersuchungsdesign
6.2.1 Methodik und Durchführung der Befragung
6.2.2 Angaben zur Auswertung

7 Bürgermitwirkung und Stadtteilleben auf der Veddel seit
7.1 Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur
7.2 Befähigung, Artikulation und politische Partizipation
7.3 Zusammenleben unterschiedlicher sozialer und ethnischer Gruppen
7.4 Stadtteilkultur und kulturelle Infrastruktur
7.5 Image, Binnenwahrnehmung und Öffentlichkeitsarbeit

IV Diskussion und Handlungsempfehlungen

8 Interpretation der Datenauswertung und Beantwortung der Forschungsfragen

9 Kritische Betrachtung der Vorgehensweise

10 Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Stadtteil Veddel. Maßstab 1:25.000

Abbildung 2: Eigentumsstruktur auf der Veddel-Insel

Abbildung 3: Zukünftiges Bundesautobahnnetz im Hamburger Zentrum

Abbildung 4: Strategische Lärmkarte Straßenverkehr LDEN. Hamburg-Veddel

Abbildung 5: Altersstruktur 2001 im Vergleich: Veddel, Hamburg-Mitte, Hamburg

Abbildung 6: Sozialstruktur 2001/2002 im Vergleich: Veddel, Hamburg-Mitte, Hamburg

Abbildung 7: Wohnungsbau der 1920er Jahre: Die Schumacher-Siedlung auf der Veddel

Abbildung 8: Entwicklung des Ausländeranteils auf der Veddel 1981-2001

Abbildung 9: Verkehrsbauliche Umstrukturierung der Veddel

Abbildung 10: Problemlagen benachteiligter Stadtviertel

Abbildung 11: Programmstruktur der "Sozialen Stadt"

Abbildung 12: Struktur des STEP

Abbildung 13: Quartiermanagement. Aufgabenbereiche und Organisation

Abbildung 14: Aus dem Verfügungsfonds geförderte Projekte auf der Veddel

Abbildung 15: Intensität der Nachbarschaftskontakte auf der Veddel nach Wohndauer.

Abbildung 16: Bestandsplan Veddel und Grenzen des STEP-Gebiets

Abbildung 17: Im Rahmen der Erhebung verwendeter Aushang

Abbildung 18: Kita Statistik zum Stichtag 10. Oktober 2007

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kriminalitätsstatistik 2001 im Vergleich: Veddel, Hamburg-Mitte, Hamburg

Tabelle 2: Klassifikationen ethnischer Segregation

Tabelle 3: Leitziele des STEP

Tabelle 4: Aufgabenverteilung auf die im Quartiermanagement aktiven Handlungsebenen

Tabelle 5: Elemente des Integrierten Handlungskonzepts

Tabelle 6: Kategorisierung der Handlungsfelder im Programm „Soziale Stadt"

Tabelle 7: Maßnahmen im Handlungsfeld „Bürgermitwirkung und Stadtteilleben"

Tabelle 8: Struktur der Stichprobe im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Veddel

Tabelle 9: Struktur der Stichprobe: Familienstand, Haushaltstyp, Höchster Schulabschluss, Beruf und Mobilität

Tabelle 10: Pressestimmen zur Veddel vor und während der „Sozialen Stadtteilentwicklung“ (Auswahl)

Tabelle 11: Höhe und Entwicklung der in das Bund-Länder-Programm investierten Bundesfi- nanzmittel

Tabelle 12: Die Kontextindiatoren zur Stadtteilanalyse für die Veddel am Beginn und zum Ende der Förderung durch die Soziale Stadt

I Einleitung

1 Einführung in das Thema

Im Zuge des gesellschaftlichen Wandels von einer industrie- zu einer wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft sehen sich Großstädte mit der Problematik sozialräumlicher Polarisierung konfrontiert. Ehemalige industrienahe Arbeiterviertel entwickelten sich durch den Wegfall von Arbeitsplätzen im sekundären Sektor zu Quartieren, die heute von Armut geprägt sind. Die so benachteiligten Stadtgebiete sind geprägt von struktureller Arbeitslosig-keit, einem hohen Anteil von Empfängern staatlicher Transferleistungen, einem niedrigen Bil-dungs- und Ausbildungsniveau gerade der jungen Bevölkerung und einer Konzentration von Familien ausländischer Herkunft. Desinvestitionen in Infrastruktur und Bausubstanz führen zudem zu einer Verschlechterung der Standortqualitäten solcher Wohngebiete, wodurch die Abwärtsbewegung der Lebensbedingungen noch beschleunigt wird. Zusammen mit einem meist negativ gefärbten Quartiersimage wirken diese Aspekte für die Bewohner benachteilig-ter Wohngebiete zusätzlich ausgrenzend.1 Besser situierte Bewohner reagieren auf diese Entwicklung mit Abwanderung. Wer neu zuwandert, kann sich meist eine Wohnung in ande-ren Stadtgebieten nicht leisten. Durch die einseitige soziale Prägung ist eine Verbesserung der Bedingungen durch eine endogene Entwicklung der Quartiere nicht zu erwarten. Die Ausgrenzungsproblematik in Städten wird in den Disziplinen Stadtgeographie und Stadtso-ziologie vielfältig diskutiert.2

Dem gesteigerten Bedarf an staatlicher Unterstützung stehen sich dezimierende Finanzhaushalte gegenüber. Das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Ent-wicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ (kurz: „Soziale Stadt“) versucht über einen Ansatz inte-grierter Stadtentwicklung den neuen Anforderungen staatlichen Handelns gerecht zu werden, indem es ressortübergreifend und gebietsbezogen Mittel bündelt, die dazu eingesetzt wer-den sollen, endogene Potenziale in benachteiligten Stadtteilen aufzuspüren und diese wieder handlungsfähig zu machen.3

Auch der Hamburger Stadtteil Veddel hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahr-hunderts zu einem benachteiligten Quartier entwickelt. Seit Ende der 1970er Jahre wurde über Wohnungsmodernisierungen und Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung bereits versucht, einer weiteren Abwärtsbewegung entgegen zu wirken. Die soziale Entmischung konnte darüber nicht unterbrochen werden. Zum 01. November 2002 wurde die Veddel daher zum Fördergebiet der „Sozialen Stadt“. Die Förderung lief zum 31. Dezember 2007 aus.

2 Fragestellung und Forschungsstand

Eine Evaluation hinsichtlich der Wirkung des Programms wurde im Stadtteil bisher nicht durchgeführt. Diese soll anhand eines Teilaspekts des Bund-Länder-Programms in der vorlie-genden Arbeit erfolgen. „Bürgermitwirkung und Stadtteilleben“ ist das zentrale Handlungsfeld der „Sozialen Stadt“ hinsichtlich der Entwicklung und Stärkung endogener Potenziale. Das im Zuge der Aufnahme in das Programm erarbeitete Handlungskonzept führt dieses an ers-ter Stelle.4 Die Befähigung der Bürger zur aktiven Mitwirkung an der Aufwertung und Stabili-sierung des Quartiers ist Grundvoraussetzung für die Etablierung mittel- und langfristig selbsttragender Strukturen. Die zentralen Forschungsfragen lauten daher:

1. Konnte die Veddeler Bevölkerung im Zuge des Bund-Länder-Programms für eine endogene Entwicklung aktiviert werden?
2. Konnten anhand der durchgeführten Maßnahmen auf der Veddel Grundbedingungen für ein gesellschaftliches Engagement geschaffen werden?

Für das Untersuchungsgebiet gibt es bisher keine umfassende quartiersbezogene Evaluation im Sinne des Bund-Länder-Programmes. Die jährlichen Jahressachstandsberich-te der Quartiersentwickler beschreiben und bewerten zwar die durchgeführten Maßnahmen hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit, eine qualitative oder quantitative Erhebung zu deren Wirk-samkeit wurde bisher jedoch nicht durchgeführt. Die Veröffentlichungen der Quartiersent-wickler zu Beginn ihrer Tätigkeit sowie die in den Jahressachstandsberichten beschriebenen Entwicklungen fließen an entsprechender Stelle in die Bestandsaufnahme bzw. in eine Sekundärdatenanalyse ein.

Die bisher veröffentlichten Zwischenevaluationsberichte zum Bund-Länder-Pro-gramm und dem diesem auf Landesebene zugeordneten Hamburgischen Stadtentwicklungs-programm (STEP) fließen in die Programmvorstellung ein. Die vorliegende Arbeit folgt bewusst nicht deren Aufbau oder dem von Evaluationsarbeiten anderer Stadtteile. Das Bund-Länder-Programm geht davon aus, dass in jedem Fördergebiet besondere Bedingungen vor-herrschen, die zu analysieren und individuell über endogene Potenziale zu fördern sind. „Eine einfache Übertragung von Erfahrungen aus anderen Gebieten funktioniert meist nicht.“5 Dies gilt für die Entwicklung der Maßnahmen und die Evaluierung ihrer Wirksamkeit gleicher-maßen. Daher erscheint der Autorin ein direkt aus den Gegebenheiten das Untersuchungs- gebietes entwickelter Aufbau angemessen. Ein Vergleich mit anderen Fördergebieten zur Überprüfung bzw. Weiterentwicklung des grundsätzlichen Maßnahmenspektrums der „Sozia-len Stadt“ kann im zur Verfügung stehenden Zeitrahmen zudem nicht geleistet werden.

Die vorliegende Arbeit überprüft die Wirksamkeit der für die Veddel entwickelten Maßnahmen im Handlungsfeld „Bürgermitwirkung und Stadtteilleben“. Die Evaluierungen in den Gebieten sowie die Programmbegleitung durch das Difu konzentrieren sich (auch wegen der kurzen Laufzeit des Programms bei gleichzeitig erst mittel- bis langfristig zu erwartenden Veränderungen) auf den instrumentell-strategischen Bereich der Programmumsetzung. Die Wirkungen in den jeweiligen Fördergebieten konnten bisher nur in ersten Ansätzen erfasst werden.6 Adressaten der durch das Difu organisierten bundesweiten Befragungen sind die kommunalen Ansprechpartner für die Programmgebiete.7 Die vorliegende Arbeit versucht einen Perspektivenwechsel. Die Außensicht auf die Veddel, die anhand sekundärstatistischer Daten, den Jahressachstandsberichten der Quartiersentwickler sowie Darstellungen in der (lokalen) Presse in einer qualitativen Sekundärdatenanalyse untersucht wird, wird um eine Innensicht der Bewohner ergänzt. Zu diesem Zweck wurde eine quantitative empirische Erhebung zur Ortskenntnis, -bindung und -bewertung der Bewohner im Untersuchungsgebiet durchgeführt.

Für die Autorin ist die Frage nach der Effektivität des Programms auf der Veddel ent-scheidend. Anhand einer ergebnisoffenen Analyse soll überprüft werden, ob mit den Vorga-ben und Maßnahmen des Bund-Länder-Programms für das Untersuchungsgebiet eine Verbesserung herbeigeführt werden konnte. Ebenso soll anhand der Datenauswertung abge-leitet werden, welche Problemfelder die Wirksamkeit negativ beeinflusst haben. Hierfür ist der Vergleich mit anderen Fördergebieten von nachrangiger Bedeutung. Selbst wenn sich in anderen Quartieren ähnliche Effekte ergeben haben sollten, ließen sich daraus nur schwer-lich allgemeingültige Schlüsse für die weitere Vorgehensweise auf der Veddel ableiten, da die Gründe für Erfolg und Scheitern der Maßnahmen genauso individuell und vielfältig sein dürften, wie die vorherrschenden Bedingungen und Strukturen in den verschiedenen Förder-gebieten.

3 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit baut auf den im Stadtteil vorhandenen Gegebenheiten auf. Im Anschluss an die Einleitung stellt ein erster Hauptteil der Arbeit die strukturellen Besonder-heiten (4.1) der Veddel vor. Dabei wird im Jahr der Aufnahme (2002) zunächst eine Zäsur gesetzt, um an späterer Stelle mögliche Veränderungen überprüfen zu können. Lediglich die Abschnitte zur Verkehrsstruktur und den Umweltbedingungen enthalten schon aktuelle

Planungsstände und Daten, da diese Bereiche im Verlauf der Arbeit mangels eines direkten Themenbezugs nicht wieder aufgegriffen werden. Es folgt die Stadtteilgeschichte in Kapitel 4.2.8 Zur Entwicklung einer Basis für die späteren Hypothesen erfolgt in Kapitel 4.3 eine Einschätzung des Zusammenlebens im Stadtteil. Diese wird aus Theorien zu ethnischen Segregationsprozessen hergeleitet, da der hohe Migrantenanteil für die Veddel ein prägen-des Merkmal darstellt. Zur besseren Abgrenzung aktueller und früherer Entwicklungen erfolgt in Kapitel 4.4 eine Übersicht über die durchgeführten Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesse-rung vor der Aufnahme in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“. Ein Zwischenfazit fasst die Problemlagen und Vorteile der Besonderheiten des Stadtteils zusammen (4.5).

In Kapitel 5 erfolgt die Vorstellung des Bund-Länder-Programms. Um der Komplexi-tät der „Sozialen Stadt“ gerecht zu werden, fällt diese recht ausführlich aus. Die Umsetzung der Programminhalte auf Landesebene durch das STEP sowie das Handlungskonzept für die Veddel fließen in die jeweiligen Kapitel (5.1 bis 5.4) ein. Im Kapitel „Handlungsfelder und Maßnahmen integrierter Stadtentwicklung“ (5.4) erfolgt ein kurzer Überblick über das Spek-trum der Handlungsfelder, der Schwerpunkt liegt auf der Vorstellung des zu evaluierenden Handlungsfelds „Bürgermitwirkung und Stadtteilleben“. Eine kritische Betrachtung der sich durch die "Soziale Stadt" für die Veddel ergebenden Chancen, aber auch der schon aus dem Handlungskonzept ableitbaren Grenzen rundet das zweite Hauptkapitel ab (5.5). Für die vor-liegende Arbeit relevante Definitionen werden im Verlauf des Grundlagenabschnitts vorge-nommen. Sie sind im jeweiligen Kontext relevant, nicht Prämisse für die Herangehensweise an das Thema der Arbeit.

Zu Beginn des dritten Hauptkapitels „Datenerhebung“ wird die methodische Vorge-hensweise des zweistufigen Erhebungsverfahrens, einer qualitativen Sekundärdatenanalyse und einer empirisch quantitativen Primärdatenerhebung vorgestellt (6). Es folgt die Auswer-tung der Daten hinsichtlich Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur (7.1), sowie den Teil-bereichen „Befähigung, Artikulation und politische Partizipation“ (7.2), „Zusammenleben unterschiedlicher sozialer und ethnischer Gruppen“ (7.3), „Stadtteilkultur und kulturelle Infra-struktur“ (7.4) sowie „Image, Binnenwahrnehmung und Öffentlichkeitsarbeit“ (7.5) des unter-suchten Handlungsfelds.

Im vierten Hauptkapitel „Diskussion und Handlungsempfehlungen“ erfolgt die Inter­pretation der Daten und die Beantwortung der Forschungsfragen (8). Außerdem werden die angewandten Methoden kritisch betrachtet (9), bevor ein Fazit die Ergebnisse der Arbeit zusammenfasst und Hinweise für einen künftigen Umgang mit den Elementen des unter-suchten Handlungsfelds empfiehlt (10).

Die Begriffe Quartier, Viertel, Stadtteil, STEP- oder Wohngebiet werden für die Ved-del im Rahmen dieser Arbeit synonym genutzt. Aufgrund der geringen Größe und Ein-wohnerzahl sowie der Kompaktheit und Überschaubarkeit des gesamten Stadtteils wäre eine analytische Unterscheidung unangemessen, für den Lesefluss ist die Verwendung verschie-dener Begrifflichkeiten jedoch angenehmer. Aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet diese Arbeit zudem auf die weibliche Formulierung von Personen (-in/-innen). Diese wird lediglich in Zusammenhängen genutzt, in denen explizit von Frauen die Rede ist.

II Grundlagen

Der folgende Abschnitt umfasst drei Kapitel, die gemeinsam die der nachfolgenden Erhe-bung zu Grunde liegende Ausgangssituation im Untersuchungsgebiet darstellen. Einer Vor-stellung des Untersuchungsgebietes anhand seiner strukturellen Beschaffenheit, seiner Geschichte, dem Zusammenleben im Quartier sowie früherer Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität der Bewohner folgt die Vorstellung des im Rahmen dieser Arbeit zu evalu-ierenden Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“. Neben den grundsätzlichen Programminhalten wird dabei ein besonderes Augenmerk auf das der „Sozialen Stadt“ zugeordnete Hamburger STEP und die für die Ved-del entwickelten Maßnahmen gerichtet.

4 Das Untersuchungsgebiet: Die Hamburger Veddel

Der Hamburger Stadtteil Veddel liegt im Bezirk Hamburg-Mitte und umfasst die Elbinseln Veddel und Peute. Im Norden und Osten wird er begrenzt durch die Norderelbe, im Westen durch die Gleisanlagen der S- und Fernbahn. Die Wohnbebauung an der Harburger Chaus-see, das Gelände der Auswandererhallen sowie die Straßenzüge „Georgswerder Bogen“ und „Müggenburger Hauptdeich“ auf dem Südrand der Insel Wilhelmsburg (siehe Abbildung 1) gehören ebenfalls zum Stadtteil.

Die Gesamtfläche von 4,4 km2 wird nur zu einem geringen Teil als Wohngebiet genutzt (ca. 1,5 km2). Auf das Industriegebiet der Peute entfallen 2,5 km2. Die verbleibenden Flächen verteilen sich auf die am Nordrand der Veddel gelegene Zollanlage, das Gelände der BallinStadt sowie Restflächen südlich des Müggenburger Zollhafens ohne spezifische Nutzung.9

Die nachfolgenden Abschnitte Strukturdaten, Geschichte, Zusammenleben im Stadtteil sowie Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung stellen die Bedingungen vor bzw. Entwicklungen bis zur Aufnahme der Veddel in das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“

dar. Sie werden den aktuellen Daten und Entwicklungen in Kapitel 7.1 dieser Arbeit zur Über-prüfung möglicher Veränderungen während der Förderungsjahre gegenüber gestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Der Stadtteil Veddel. Maßstab 1:25.000.

Quelle: ADAC 2005.

4.1 Strukturdaten

Viele für die Veddel typische Charakteristika lassen sich auf deren strukturelle Gegebenhei-ten zurückführen. Diese werden nachfolgend dargestellt, um Defizite und potenzielle Hand-lungsfelder zu veranschaulichen.

4.1.1 Baulich-räumliche Struktur

Der überwiegende Anteil der Wohnbebauung befindet sich auf der Veddel-Insel10. Die „Wohn-insel“ erfährt eine optisch deutlich sichtbare Begrenzung von allen Himmelsrichtungen: Die Zollanlage im Norden versperrt mit Zollzaun und Zufahrtstraße in den Freihafen den Zugang zum Elbufer. Im Osten begrenzen die 1950 erbaute Bundesautobahn A 255 über die Elb-brücken und die zugehörigen Lärmschutzwälle die Sicht auf Peute und Elbe. Im Süden endet die Wohnbebauung weitestgehend am Müggenburger Zollhafen. Im Westen ist eine Trenn-wirkung durch die stark frequentierten Gleisanlagen gegeben.11 Zu den ebenfalls zur Veddel gehörigen Häusern an der Harburger Chaussee ist so keine Verbindung erlebbar.

Die überwiegend vier- bis fünfgeschossige homogene Blockrandbebauung12 nach Plänen von Fritz Schumacher führt zudem zu einer optischen Geschlossenheit. Jeder Block umschließt einen Innenhof, der als Grün-, Freizeit- oder Sportfläche von den Mietern genutzt werden kann. Die Rotklinkerbauten stehen zu einem großen Teil unter Denkmal- oder Milieu-schutz. Die einzelnen Wohnblöcke liegen ihrerseits um eine große Freifläche angeordnet, die das Quartier mit sozialer Infrastruktur versorgt: dort liegt die einzige Schule im Stadtteil, die Kirche mit Gemeindehaus und einer Kindertagesstätte sowie ein Spiel- und Sportplatz.

Im süd-östlichen Bereich der Wohninsel findet sich eine heterogene Bebauungs-struktur. Hier stehen Neubauten aus den 1980er und 1990er Jahren mit Wohnnutzung neben ungeordneten Gewerbebauten am Uffelnsweg und typischen Schumacher-Bauten, wie der von ihm entworfenen Feuerwehrwache.

Abbildung 2 zeigt, dass der Großteil der Grundstücke im Wohngebiet sich im Besitz von Wohnungsbaugesell-schaften und Baugenossen-schaften befindet. Die Flächen der privaten Eigen-tümer umfassen gewerbli-che Flächen, Flächen kirchlicher Einrichtungen und Wohnbauflächen. Die ca. 42 % Flächen im Besitz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Eigentumsstruktur auf der Veddel-Insel.

Quelle: Eigene Darstellung nach Bremische 2002, 14.

des Verwaltungsvermögens verschiedener Fachbehörden der FHH untergliedern sich in

öffentliche Spiel- und Freiflächen, Deichflächen, StraßeQuelle: ADAC 2005.Quelle: ADAC 2005.nflächen un

Schulgrundstück und Flächen mit sozialen Einrichtungen sowie das Grundstück der Feuer- wehrwache.

Die Veddel verfügte 2001 über 2.018 Wohnungen in 218 Gebäuden.13 Der Anteil der Sozialwohnungen betrug 35,3 %, darunter war für 39,3 % der Bindungsauslauf bis 2006 vor-gesehen. Die durchschnittliche Wohnungsgröße entsprach zwar nahezu dem Vergleichswert aus dem Bezirk Hamburg-Mitte (61,0 m2 zu 62,8 m2)14, aufgrund der besonderen Bevölke-rungsstruktur der Veddel15 ist für einen realistischen Vergleich die Wohnfläche je Einwohner aussagekräftiger. Diesbezüglich lag der Wert für die Einwohner der Veddel mit 26,7 m2 deut-lich unter dem des Bezirks (31,6 m2), die durchschnittliche Wohnfläche im Hamburger Durch-schnitt betrug sogar 35,9 m2. Mit 1016 Wohnungen im Bestand war die SAGA GWG größter Eigentümer auf der Veddel.16

Im auf der Peute gelegenen Gewerbe- und Industriegebiet verfügte die Norddeut-sche Affinerie AG (NA) über die größten Flächenanteile. Die Gebäude der NA eignen sich teilweise zur Umnutzung als Industriedenkmäler. Die ESSE 7, ein 1959 gebauter Backstein-schornstein am Standort der ersten Produktionsanlagen an der Mündung des Müggenburger Zollhafens zum Müggenburger Kanal, wurde bereits zum „größte[n] Barometer der Welt“17 umgebaut. Eine Kupferringkonstruktion mit Leuchtdiodenbändern zeigt Autofahrern auf der A 255, am S-Bahnhof wartenden Fahrgästen und Personen rund um den Müggenburger Zollhafen die zu erwartende Wetterentwicklung in verschiedenen Farben an.18

Die meisten Gebiete außerhalb von Wohnquartier und Industriegebiet waren Leer-flächen. Sowohl der Bereich um den Südausgang des S-Bahnhofs als auch der Bereich des Zollamts im Norden und die Randbereiche zur Lärmschutzwand der A 255 im Bereich Siel-deich/Hovestieg waren unzureichend ausgebildet. Lediglich die Fläche südlich des Müggen-burger Zollhafens war von sozial-historischer Besonderheit. Dort waren Rudimente einer ehemaligen Auswandererhalle aus dem frühen 20. Jahrhundert erhalten, deren museale Nutzbarkeit schon 2002 diskutiert wurde.19

4.1.2 Verkehrsstruktur

Für den motorisierten Individualverkehr ist die Veddel durch die A 255 gut erschlossen. Die aus südlicher Richtung nach Hamburg führende Hauptzufahrt über die Elbbrücken – und damit auch über die Veddel-Insel – beschert dem Stadtteil aber ein sehr hohes Verkehrsauf-kommen.

Durch den Hafenausbau und ein erhöhtes Güterverkehrsaufkommen ist der Bau einer „Hafenquerspange“ (HQS), der künftigen A 252, erforderlich. Diese soll eine leistungs-fähige Verbindung zwischen den Autobahnen A 1 und A 7 schaffen und so die Stadtstraßen von Verkehr in Ost-West-Richtung sowie die Hafenhauptroute über die Köhlbrandbrücke von

hafenfremden Durchgangsverkehr entlasten. Von der zusätzlichen Verkehrstrasse erwartet die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) für die Veddel nur eine geringe Zunah-me in der Verkehrsbelastung.20

Der in Abbildung 3 dargestellte Verlauf der A 252 wurde im Juli 2005 vom Bundesmi-nisterium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) festgelegt.21 Die Streckenfüh-rung zerschneidet den Stadtteil Veddel zwar nicht zusätzlich, der ab 2010 geplante Bau schließt aber die letzte „offene“ Stadtteilgrenze in Richtung Wilhelmsburg und steht in seiner Planung teilweise konträr zu übergeordneten Hamburger Konzepten.22 Derzeit prüft die zuständige Hamburger Realisierungsgesellschaft zudem die Varianten eines höheren Ver-laufs der HQS23 sowie die deutlich kostenintensivere Alternative eines Tunnels.24 Das Ergeb-nis dieser Überprüfung stand während der Erstellung dieser Arbeit noch aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Zukünftiges Bundesautobahnnetz im Hamburger Zentrum

Quelle: FHH 2005.

Ein Entwurf zum räumlichen Leitbild der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (FHH, BSU) weist explizit darauf hin, dass beim Bau der HQS die „gestalteri-schen Anforderungen“ zu berücksichtigen sind, die sich aus den übergeordneten Leitbildern für Hamburgs Wachstum ergeben. „Im Gegensatz zum häufig negativen Image technischer Konstruktionen soll die Hafenquerspange als Ingenieurskunst und ästhetische Bereicherung der Stadtlandschaft wahrgenommen werden.“25

Mit einer 5- bis 10- minütigen Taktung der S-Bahnlinien S 3 und S 31 ist die Veddel auf kurzem Wege sowohl an den Hauptbahnhof und die City im Norden als auch an den Bahnhof Harburg im Süden angeschlossen, die beide Haltepunkte im Fernverkehr der Bahn sind. Für Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bestehen darüber hinaus mehrere Buslinienverbindungen in die Nachbarstadtteile und die Innenstadt mit kurzer Tak-tung und sich ergänzenden Fahrzeiten. Der S-Bahnhof Veddel verfügt über eine Park-and-Ride (P+R)-Anlage und einen Busbahnhof.

Die Barrierewirkungen der Verkehrstrassen bringen eine unzureichende Anbindung für Fußgänger und Radfahrer an die angrenzenden Stadtteile, Naherholungsgebiete und die City mit sich. Zu schmale Radwege sowie deren zum Teil ungünstige Führung in Knotenbe-reichen erschweren die Situation für Letztere zusätzlich. In einem Veloroutenkonzept der Baubehörde wird schon 1999 eine mögliche Route 10 ausgewiesen, die die City mit der Ved-del, Wilhelmsburg und Harburg verbinden soll.26 Allerdings besteht für diese auch eine alter­native Streckenführung aus Hamburgs Westen, die eine Verbindung nach Wilhelmsburg und Harburg per Fahrrad ermöglicht, die nicht über die Veddel führt.

4.1.3 Umweltbedingungen

Die Veddel gehört durch die Lage zwischen mehreren Verkehrstrassen zu den am stärksten lärmbelasteten Wohnquartieren Hamburgs. Mit einem Straßenlärmpegel von 60-70 dB (A) an den Straßen Am Gleise und Passierzettel, 65-70 dB (A) an der Straße Sieldeich und sogar 70-75 dB (A) an der Straße Am Zollhafen ist der aus medizinischer Sicht gelegte Gesamt-grenzwert von am Tage 55 dB (A) deutlich überschritten.27 Jedoch beschränken sich diese Spitzenwerte auf die der jeweiligen Lärmquelle zugewandten Häuserfronten. Der in Abbil-dung 4 veranschaulichte Abschirmeffekt der äußeren Häuserblocks dürfte auf die von Fritz Schumacher im Zuge des Baus der Veddeler Wohninsel vorgegebene Abstufung der Geschosszahl vom äußeren Quartier hin zum inneren zurückzuführen sein.28 Weder in den Innenhöfen der Häuserblocks noch im Quartier selbst sind problematische dB (A)-Werte fest-zustellen.

Die strategische Lärmkarte der FHH, BSU zu Gewerbe, Industrie und Hafen erga-ben für das Wohngebiet keine nennenswerte Belastung.29 Dies deckt sich auch mit den Ergebnissen einer Untersuchung der subjektiven Betroffenheit der Anwohner durch Umwelt-belastungen in einem Modellgutachten Umweltschutz von 1983.30 Die Lärmbelastung durch den Schienenverkehr ist zwar an den nach außen gewandten Häuserfronten mit teilweise mehr als 75 db (A) sehr hoch, das übrige Wohngebiet profitiert auch hier vom Abschirmeffekt der Gebäude.31

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Strategische Lärmkarte Straßenverkehr LDEN. Hamburg-Veddel.

Quelle: Eigene Bearbeitung nach FHH, BSU 2007c.

Durch die Abgase des Straßenverkehrs auf der A 255 und durch Industrieemissio-nen ist der Stadtteil Veddel auch durch Luftverunreinigungen besonders belastet. Seit dem 1. Juli 1984 verfügt er daher auch über eine Luftmessstation an der Straße Am Zollhafen. Die Peute ist ein Emissionsschwerpunkt Hamburgs, von dem eine unmittelbare Belastung von Luft und Wasser und eine mittelbare Belastung des Bodens ausgehen, die zum Teil weit über den Stadtteil hinaus reichen.32 Anwohner nehmen diese Belastung vor allem durch Qualm, Niederschläge oder Gerüche wahr.33 Da Hamburg in einer Westwindzone liegt, dürften von den von der Peute ausgehenden Verunreinigungen Gebiete östlich des Industriegebiets jedoch stärker betroffen sein, als die westlich gelegene Veddel. Während der Besuche im Untersuchungsgebiet konnte die Autorin feststellen, wie stark die Beeinträchtigungen bei Windstille oder Ostwind für den Stadtteil sind. Der wahrgenommene leicht beißende Geruch schien den Anwohnern vertraut. Es wurden lediglich die Fenster geschlossen.

Die Daten der Luftmessstation auf der Veddel belegen eine deutliche Abnahme der Verunreinigungen. Die Höchstwerte für den Schadstoffausstoß aus den 1980er und frühen 1990er Jahren konnten deutlich reduziert werden, auch die Staubbelastung nahm ab. In den Jahren 2006 und 2007 wurden die niedrigsten Werte für alle Schadstoffe außer Stickstoffdi-oxid seit Beginn der Messungen in 1984 festgestellt.34 Auch die von der EU gesetzten Grenz-werte wurden für keine der überprüften Substanzen überschritten.35

Ein weiteres umweltbezogenes Problem im Stadtteil sind Anzeichen von Verwahrlo-sung. Hundekot, Glasscherben und Müll finden sich an und auf den Gehwegen, Grünflächen und (Spiel-)Plätzen im gesamten Stadtteil.36 Das negative Erscheinungsbild des öffentlichen Raumes deutet auf eine geringe Wertschätzung der Anwohner hin. Die Grünfläche an der Bezirksgrenze zu Hamburg-Harburg beeinträchtigt durch ihre unwirtliche Optik die Freiraum-wahrnehmung für die Veddeler Anwohner, da sie als wilde Mülldeponie genutzt wird.37

Die Veddel hat einen hohen Bedarf an einer Verbesserung der Freiraumversorgung. Ein 2002 als Grundlage für die Aufnahme in das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ entwickeltes Handlungskonzept weist lediglich sieben Grünflächen, eine öffentliche Parkanlage und zwei Plätze im Stadtteil aus.38 Auch die dort zitierten Bilanzzahlen der Umweltbehörde zum Versorgungsgrad mit öffentli-chen Grünflächen pro Einwohner belegen eine Unterdeckung für die Veddel. Der Versor-gungsgrad für die Kenngröße „Parks im Nahbereich“ liegt bei lediglich 23 %. Auch die Kenngröße „Kleingärten wohnungsnah“ signalisiert mit einem Versorgungsgrad von 37 % einen zusätzlichen Bedarf.39

Lediglich der Versorgungsgrad für die Kenngröße „Spielplätze“ ist mit 209 % mehr als gedeckt. Auf den Stadtteil verteilt gibt es vier Spielplätze und direkt im Zentrum liegt ein großer Sportplatz. Die Spiel- und Sportflächen wurden erst in den vergangenen zehn Jahren gebaut oder modernisiert und befinden sich somit in einem guten Zustand. Aufgrund des all-gemeinen Freiflächenmangels im Stadtteil sind die Spiel- und Sportplätze einer hohen Nut-zungsintensität ausgesetzt, wodurch der Bedarf an Maßnahmen zur Instandhaltung kontinuierlich gegeben ist.

4.1.4 Bevölkerungs- und Sozialstruktur

Die Veddel gehört zu den am wenigsten bevölkerten Stadtteilen in Hamburg. Im Jahr 2001 entsprach die Wohnbevölkerung lediglich 4.603 Personen.40 Die geringe Bevölkerungsdichte von 1.055 Einwohnern pro km2 – der Bezirk Hamburg-Mitte lag bei 2.134, der Hamburger Durchschnitt bei 2.265 Einwohnern pro km2 – erklärt sich aus dem hohen Anteil an Gewerbe-und Industrieflächen. Unter Ausschluss des 2,5 km2 großen Industriegebietes läge die Ein-wohnerdichte mit 2.423 Einwohnern pro km2 wesentlich höher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Altersstruktur 2001 im Vergleich: Veddel, Hamburg-Mitte, Hamburg.

Quelle: Eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 37.

Abbildung 5 zeigt zwei Charakteristika der Veddeler Bevölkerung. Im Stadtteil lebten in 2001 überdurchschnittlich viele junge (Anteil der unter 18-Jährigen: 25,0 %, im Bezirk und im Hamburger Durchschnitt lag dieser Anteil bei nur 15,9 % bzw. 16,1 %) und wenig sehr alte

Bewohner. Dabei reduziert sich der Anteil der älteren Bevölkerung schon seit den 1980er Jahren kontinuierlich: Waren 1987 noch 15,2 % der Bevölkerung 65 Jahre alt oder älter, betrug deren Anteil in 2001 nur noch 7,2 %.41 Zurückzuführen ist diese Entwicklung zum einen auf die Schließung eines Altenheims 1999, zum anderen darauf, dass die Wohnhäuser nicht über Fahrstühle verfügen und so für eine Bewohnerschaft mit eingeschränkter Mobilität lediglich die Wohnungen im Erdgeschoss in Frage kommen.

Auf der Veddel lebten 199942 viele Haushalte mit Kindern (30,5 % zu 17,9 % in Ham-burg-Mitte und 18,9 % im Hamburger Durchschnitt). Einpersonenhaushalte machten mit 40,9 % einen deutlich geringeren Anteil der Haushalte aus als in Hamburg-Mitte (52,4 %) oder der Gesamtstadt (47,9 %).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Sozialstruktur 2001/2002 im Vergleich: Veddel, Hamburg-Mitte, Hamburg. Quelle: Eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 38.

Der Stadtteil ist seit seiner Gründung vorwiegend von Arbeitern bewohnt. Deren Anteil an der Bevölkerung lag in 2003 bei mehr als 60 % und damit mehr als das Doppelte über dem Hamburger Durchschnitt.43

Trotz der räumlichen Nähe zu den umliegenden Gewerbe- und Industriegebieten war die Sozialstruktur geprägt durch überdurchschnittlich hohe Merkmale monetärer Armut. In den vier Dimensionen „Sozialhilfeempfänger“, „Arbeitslose (der 15- bis unter 65-Jährigen)“, „Jüngere Arbeitslose (15- bis unter 25-Jährige)“ und „Ältere Arbeitslose (55- bis 65-Jährige)“ lag die Veddel im März 200244 sowohl über den Werten für den Bezirk Hamburg-Mitte als auch über dem Hamburger Durchschnitt (siehe Abbildung 6). Nur 42,4 % der Anwohner sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Vergleiche der Einkünfte der Steuer-pflichtigen zeigen zudem, dass die Einkommen aus Erwerbsarbeit der Veddeler Bewohner deutlich geringer waren als die Durchschnittseinkommen im Bezirk und in Hamburg.45

Entgegen des negativen Images der Veddel im verbleibenden Hamburg schnitt sie in der Kriminalitätsstatistik besser ab als der Bezirk-Mitte und die Werte des Hamburger Durchschnitts wurden nur leicht überstiegen.46 Die Zahlen aus 2001 können Tabelle 1 ent-nommen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kriminalitätsstatistik 2001 im Vergleich: Veddel, Hamburg-Mitte, Hamburg. Quelle: Eigene Darstellung nach Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 38.

Die Veddel gehört zu den Hamburger Stadtteilen mit dem höchsten Anteil von Aus-ländern an der Gesamtbevölkerung (2001: 61,4 %; für Hamburg-Mitte betrug der Anteil ledig-lich 26,1 %, im Hamburger Durchschnitt lag er sogar nur bei 15,7 %). Die zahlenmäßig größte nicht-deutsche Gruppe bildeten in 2003 Bewohner mit türkischem Pass (50,0 %), aber auch die Angehörigen anderer Herkunftsnationen, wie den Ländern Afrikas (18,0 %) oder den Nachfolgenationen des ehemaligen Jugoslawiens (21,0 %) und Portugal (7,0 %), waren relativ stark vertreten.47

Die Bedeutung dieser Nationalitätenstruktur für den Stadtteil zeigte sich besonders in der jungen Generation. Da diese größtenteils nicht Deutsch als Muttersprache lernten, sondern in der Sprache des Herkunftslandes ihrer Eltern erzogen wurden, wirkte sich der hohe Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund direkt auf das zu vermitteln mögliche Bil-dungsniveau an der Schule Slomanstieg aus.48

Seit 2000 entwickelt sich der Anteil der Migranten an der Gesamtbevölkerung kon-stant rückläufig.49 Dies ist zum Teil auf die vereinfachten Bedingungen zur Einbürgerung durch die zum 01. Januar 2000 in Kraft getretene Änderung des Staatsangehörigkeitsgeset-zes zurückzuführen,50 aber auch die Zuwanderungsbilanz der Migranten weist einen negati-ven Saldo auf.51

4.1.5 Versorgungsstruktur

4.1.5.1 Soziale Infrastruktur

Auf der Veddel gibt es eine allgemeinbildende Schule. Die Schule Slomanstieg verfügte 2002 über ein Grund- und Hauptschulangebot für 557 Schüler.52 Laut Anmeldestatistik besuchten nur 62,7 % der Veddeler Kinder die Stadtteilschule.53 Der Mangel an weiterführenden Schul-angeboten, der schlechte Ruf des Viertels und – laut Schulleitung – die fehlenden Sprachvor-bilder durch den hohen Migrantenanteil führten dazu, dass Veddeler Familien ihre Kinder an außerhalb gelegenen Schulen anmeldeten.

Dabei kam der Schule eine wichtige integrative Funktion zu. Zum einen förderte sie gezielt die Sprachentwicklung junger Migranten – für die unteren Klassenstufen gab es ein verstärktes Deutschangebot. Zum anderen beherbergte sie schon vor der Aufnahme in das STEP weitere stadtteilbezogene Einrichtungen und Angebote. Die Stadtteilbücherei saß im Schulgebäude und war durch eine mobile Trennwand direkt aus dem Schultrakt zugänglich. In den Räumlichkeiten der Schule fand die wöchentliche Sprechstunde zur Gesundheitsvor-

sorge statt. Die schuleigene Aula stand für verschiedene Stadtteilaktivitäten und Veranstal-tungen zur Verfügung.

Integration und Sprachförderung waren auch in den beiden Kindertagesstätten im Stadtteil wichtige Bestandteile der Arbeit. Die evangelische Kindertagesheim an der Wil-helmsburger Straße und die Kindertagesstätte Uffelnsweg ergaben zusammen einen Versor-gungsgrad der 3- bis 6-Jährigen von 73,9 %.54

Im Stadtteil Veddel engagierten sich verschiedene Vereine und Institutionen sozial. Eine übergeordnete Rolle spielte der 1987 gegründete Veddel aktiv e. V., der den „Stadtteil-laden“ als Treffpunkt, Stadtteilbüro und Räumlichkeit für weitere Projekte betrieb. Dieser war der zentrale Anlaufpunkt für alle Bewohner in Sachen Jugendhilfe, Erwachsenenbildung, Stadtteilarbeit sowie sozialer und kultureller Stadtteilentwicklung.55 So fanden im Stadtteilla-den beispielsweise ein „Erzählcafé“ für Senioren und verschiedene Sprachförderungs- und Begegnungsangebote statt. Der Verein betrieb zudem das Sporthaus an der Slomanstraße, das Internetcafé Saus & Browse und die Stadtteilbücherei in Kooperation mit der Schule Slomanstieg. Außerdem war Veddel aktiv e. V. Initiator des Stadtteilkinos und der jährlichen Stadtteilfeste.

Die Bürgerinitiative Ausländische Arbeitnehmer e. V. (BI) bot auf der Veddel u. a. eine Sozialberatung, Mädchengruppen, Hausaufgabenhilfe für Schüler sowie Deutsch- und Alphabetisierungskurse für ausländische Frauen an. Der Einzugsbereich der Angebote der BI auf der Veddel umfasste die Stadtteile Veddel und Wilhelmsburg. Etwa die Hälfte der Nut-zer der Angebote waren weiblich.56

Eine von der SAGA GWG für die Bewohner der Veddel unterhaltene Sozialberatung und Mieterbetreuung arbeitete eng mit den anderen sozialen Einrichtungen im Stadtteil zusammen. Neben Beratungen in Mietsachen wurde auch eine Unterstützung älterer Mieter angeboten.57

Der regelmäßig öffentlich tagende Stadtteilbeirat setzte sich aus Vertretern der Bewohnerschaft, der sozialen Einrichtungen und Initiativen, der Grundeigentümer, der Gewerbetreibenden und der Fraktionen der Bezirksversammlung zusammen. Er wurde

zusammen mit einem Verfügungsfonds im Zuge der Aufnahme der Veddel ins STEP einge-richtet. Der Verfügungsfonds war für die eigenständig organisierte Öffentlichkeitsarbeit und Stadtteilkultur bedeutsam und wurde zur Finanzierung verschiedenster Stadtteilaktivitäten genutzt.58

Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit wurden über den Stadtteilladen, die BI, das Haus der Jugend (HdJ) und das Spielhaus Katenweide gestellt. Das HdJ verfügte über ein regelmäßiges Angebot für ältere Kinder und Jugendliche mit einem Arbeitsschwer-punkt auf Integrationsprojekten. Im Spielhaus Katenweide fand eine Betreuung von Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster Altersgruppen statt. In den Räumlichkeiten des Spiel-hauses wurden zudem Veranstaltungen der Elternschule Veddel-Rothenburgsort für die Ved-del angeboten.59

Das Angebot an kirchlichen Einrichtungen auf der Veddel war begrenzt. Die bereits aufgeführte evangelische Kita gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ham-burg-Veddel in der Immanuelkirche. Ihr Einzugsbereich erstreckte sich neben dem Stadtteil auch auf Niedergeorgswerder. Die Anzahl der Mitglieder verhielt sich bis 2001 rückläufig.60 Etwa 90 % der Gemeindemitglieder waren deutscher Herkunft, unter den ausländischen Kirchgängern waren die afrikanischen Nationalitäten am stärksten vertreten.61

Die Immanuelgemeinde versorgte den Stadtteil neben den Gottesdiensten auch mit verschiedenen Angeboten für Erwachsene (Seniorenkreis in Kooperation mit dem Erzählcafé im Stadtteilladen, Männerkreis, Angebot für alleinerziehende Mütter), für Kinder und Jugend-liche (Kita, Konfirmandenunterricht, Pfadfindergruppe) sowie für sozial benachteiligte Bevöl-kerungsgruppen.62 Als regelmäßiger Treffpunkt der älteren deutschen Bevölkerung diente auch die Altentagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

Neben der christlichen Kirche war auch eine islamische Moscheegemeinde des Ver-eins Vatan Camii im Stadtteil vertreten, zu der wenig Kontakte bestanden. Eine stärkere Ein-beziehung muslimischer Bewohner und ihrer Vertretungen in die Stadtteilarbeit wurde angestrebt.63

Auf der Veddel stand bei Programmbeginn nur eine Sportanlage an der Slomanstra-ße zur Verfügung, die sich vier Vereine der ausländischen Bewohnerschaft und ein deut-

scher Verein teilen mussten.64 Die große Nachfrage nach weiteren Trainingszeiten konnte so nicht bedient werden. Eine Sporthalle an Katenweide/Veddeler Brückenstraße wurde grund-sätzlich durch einen Betriebssportverein genutzt, jedoch zum Zeitpunkt der Erstellung des Handlungskonzeptes (Anfang 2002) nicht bedient.65

4.1.5.2 Lokale Wirtschaft und Nahversorgung

Die Veddel verfügt über eine kleinteilige Einzelhandelsstruktur. Am zoll- und autobahnzuge-wandten Nordende des Wohnquartiers gibt es eine Art Einzelhandelspunkt, an dem der einzi-ge Supermarkt, eine Drogerie und eine Bäckerei lokalisiert sind. Freitags findet auf dem Quartiersplatz an der Slomanstraße ein kleiner Wochenmarkt statt.

In den Erdgeschoss-Läden an den Straßenzügen Am Sieldeich und Veddeler Brückenstraße saßen zum Zeitpunkt der Aufnahme in das Bund-Länder-Programm vor allem (türkische) Gemüse- und Lebensmittelhändler und Imbisse. Viele Geschäfte standen aber auch leer, beherbergten soziale oder Stadtteileinrichtungen oder wurden zu Wohn- oder Lagerzwecken umgenutzt.

Auf der Fläche der Zollanlage stand zudem eine Fischgaststätte von überregionaler Bekanntheit,66 die gerade unter den älteren Bewohnern hohe Beliebtheit genoss. Am Vedde-ler Marktplatz stand das Gresham Carat Hotel Hamburg, die einzige Gästeunterkunft im Stadtteil.

Der Großteil der im Stadtteil vertretenen Unternehmen saß im östlich der A 255 gelegenen Gewerbe- und Industriegebiet. Der Stadtteil Veddel war einer der wesentlichen hafennahen Industriestandorte.67 Neben der NA, dem größten Kupferhersteller Europas, weltgrößten Kupferrecycler und mit rund 2000 Beschäftigten größter Arbeitgeber im Stadt-teil68, waren auf der Peute vor allem Unternehmen des Großhandels und des verarbeitenden Gewerbes, aber auch Logistik-Unternehmen und Speditionen angesiedelt. Weitere namhafte Firmen waren die Großunternehmen Euryza (Reismühle), Peute Baustoffe, das Recyclingun-ternehmen ERN oder Hamester Kakao69 am Einsiedeldeich.70 Im Elbe-Gewerbe-Zentrum, einem Backsteinbau der 1920er Jahre, hatten sich zudem viele mittelständische Unterneh-men aus Handel, Logistik und Technik neben Kreativen, wie Fotografen und Designern, nie-dergelassen.71

Bei den wenigen Gewerbebetrieben am Uffelnsweg handelte es sich um kleinere Handwerksbetriebe72. Auch die Baubranche war stark vertreten. Viele Betriebe waren dabei als Selbständige verzeichnet und im Wohngebiet Veddel geführt. Die HK HH schloss daraus auf als Subunternehmer tätig werdende Selbständige, die ihren Wohnsitz als Firmensitz angeben.73

Das lokale Dienstleistungsspektrum reichte von Unternehmensberatungen über Schreib- und Übersetzungsbüros, Vermietung von Immobilien oder Detekteien bis hin zu Ver-sicherungsmaklern. Die überwiegende Zahl der Firmen waren Kleingewerbetreibende mit bis zu drei Mitarbeitern.74

Die Veddeler lokale Wirtschaft und ihre Nahversorgung unterlagen strukturellen Schwierigkeiten. Die Branchenstruktur wies nach Ansicht der HK HH auf eine wirtschaftliche Basis der Unternehmer über Interaktionsbeziehungen außerhalb der Veddel hin.75

Die Entwicklung der Nahversorgungssituation zeigte eine Tendenz zur Abwande-rung. Der Wochenmarkt hatte ein stark rückläufiges Angebot und war der kleinste in Ham­burg. Viele Händler verzichteten auf ihren Stand, da kaum Gewinne zu erwirtschaften waren. Die wenigen verbliebenen Händler wollten lediglich ihre jahrelang treue Kundschaft nicht im Stich lassen.76 Die Ladengeschäfte im Erdgeschoss der Wohnblocks wiesen häufig Leerstän-de oder wechselnde Geschäfte auf. Immer häufiger kam es zur Unmnutzung der Läden als Wohn- und Lagerflächen oder – wie im Falle des Stadtteilladens – es zogen soziale oder Stadtteileinrichtungen ein.

Eine Filiale der Hamburger Sparkasse (Haspa) wurde in 2001 geschlossen, die Postfiliale hat ihre Öffnungszeiten verringert. Im Stadtteil gab es nur zwei niedergelassene Ärzte und eine Apotheke.77

Das gastronomische Angebot ist beschränkt. Die ausländischen Gaststätten fungie-ren oft als eine Art Kulturverein für die männliche Bevölkerung der jeweiligen Nationalitäten.78

4.2 Geschichte

Der Name „Veddel“79 wurde erstmalig im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Damals bezeichnete er einen landwirtschaftlichen Hof auf der Elbinsel Gorieswerder, die in Folge einer großen Flut im Mai 1380 von der Elbe in kleinere Inseln zerrissen wurde. So entstan-den u. a. die Inseln Veddel und Peute.80

Aufgrund der fortdauernden Gefahr von Überschwemmungen erfolgten weitere Ansiedlungen erst nach der Eindeichung 1483.81 Im Gottorper Vertrag von 1768 wurde die Veddel zusammen mit den Inseln Peute, Müggenburg und Kaltehofe der Stadt Hamburg zugesprochen.

Die bis ins 19. Jahrhundert ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Veddel wurde mit der zunehmenden Bedeutung des Hafens für Hamburg zu einem profitablen Standort des Nahrungsmittelgewerbes. Einen sicheren Absatzmarkt bot die stetig steigende Zahl durch-fahrender Schiffe, die von der Veddel aus mit Proviant versorgt wurden. Im Verlauf des Jahr-hunderts wurden viele Konzessionen für Gewerbe und Industrie vergeben.82 In den Jahren 1866 bis 1893 wurde die Peute durch die Anlage von Kanälen und Straßen sowie eine Auf-höhung des Geländes als Industriegebiet erschlossen.83 Seit 1848 bildete die Vogtei der Elb-inseln einen eigenen Wahlbezirk, der verwaltungstechnisch erhalten blieb, bis die Veddel 1894 ein eigener Stadtteil wurde.84

Der Aufschwung im deutschen Außenhandel nach der Reichsgründung 1871 führte zu einer weiteren Steigerung des Interesses an den Elbinseln als Hafen- und Industriegebiet. Im Jahre 1872 wurde die Eisenbahnverbindung Hamburg-Harburg eröffnet, für die der Bau der ersten Elbbrücke notwendig war. 1907 erhielt die Veddel ihren eigenen Bahnhof an die-ser Strecke, worüber fortan der direkte Eisenbahnanschluss an Harburg und Wilhelmsburg sowie über die Bahnverbindung Deichtor auch der Anschluss an alle übrigen Hamburger Stadtteile gewährleistet war. Aber schon mit dem Bau der zweiten Elbbrücke für den Stra-ßenverkehr im Jahre 1887 war die Trennwirkung der Elbe für den Stadtteil Veddel wortwört-lich überbrückt.

Der Boom der städtischen Konjunktur hatte zudem eine Erweiterung des Hafenge-biets unumgänglich gemacht. Im Zuge des Zollanschlusses Hamburgs an das Deutsche Reich wurde 1888 ein Freihafengebiet eingerichtet, das vom Veddeler Eisenbahndamm bis zum Köhlbrand reichte.85

Mit der Hafenerweiterung kam es zu einem enormen Bevölkerungszuwachs auf der Veddel: Wohnten 1855 auf der Insel lediglich 420 Einwohner (auf der Peute waren es sogar nur 136), stieg ihre Zahl bis 1894 auf 3929 und bis 1910 sogar auf gut 7000 an.86 Dieses Wachstum erklärt sich zum einen aus der notwendigen Umsiedlung von rund 24.000 Men-schen im Zuge der Hafenerweiterung und Einrichtung des Freihafengebietes87 – der Zuzug auf die Veddel erfolgte überwiegend aus den geräumten Gebieten Steinwerders, des Kleinen Grasbrooks und Teilen des Großen Grasbrooks. Zum anderen wuchs der Bedarf an arbeits-platz-, also hafennahem, Wohnraum.88 Um diesem Bedarf gerecht zu werden, entstand auf der Veddel ein reines Wohngebiet inmitten der umliegend wachsenden Industrie- und Gewer-beflächen, das zum Teil mit gründerzeitlichen Geschosswohnbauten, zum Teil mit einer Kleinhaussiedlung bebaut wurde.89

4.2.1 Die Sloman-Siedlung

Schon 1878 gründete sich unter dem Vorsitzenden Reeder Robert Miles Sloman die „Gemeinnützige Baugesellschaft“, die zwischen 1879 und 1890 Häuser für etwa 200 Arbeiter auf der Veddel errichtete. „Das enge Zusammenleben vieler Familien unter einem Dache in niedrigen, schlecht ventilierten Wohnungen, in engen Straßen, Höfen und Gängen innerhalb der Stadt, wo frische Luft, Licht und Sonnenschein, Gärten und sonstige gesunde Spielplätze für die Kinder mangeln; der Uebertragung [sic!] ansteckender Krankheiten, dem Beispiele schlechter Sitten durch die unmittelbare Nachbarschaft ausgesetzt, ohne sich ihnen entzie-hen zu können; der Mangel jeglichen Interesses, geschweige denn der Anhänglichkeit an die Wohnung, alle diese beklagenswerten Uebelstände [sic!] und außerdem noch unverhältnis-mäßig hohe Mieten, bezeichnen die Wohnung derjenigen, für welche die Gesellschaft einzu-treten beabsichtigt.“90

Zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter gehörte zu jedem der erbau-ten Doppelhäuser eine Gartenfläche von etwa 1000 m2. Unter der Prämisse, das Land aus-schließlich mit Wohnhäusern zu bebauen, verkaufte die Stadt Hamburg der Gemeinnützigen Baugesellschaft ein 75.000 m2 großes Gelände auf der Veddel, da diese das einzig nennens-werte Gebiet war, in dem Arbeiter Wohnraum in direkter Nähe zur Arbeitsstätte finden konn-ten.91

Für die Hamburger Wohnungspolitik diente die „Sloman-Siedlung“ als ein Reform-modell des künftigen Wohnungsbaus der Stadt. Neben den Bemühungen um verbesserte Lebensbedingungen für Arbeiter, bezog sich dies auch auf die Art der Finanzierung. Ange-strebt war, dass die Gemeinnützige Baugesellschaft das Bauvorhaben letztlich nur vorfinan-zierte, die Bewohner ihre Häuser aber nach und nach erwarben. Im Programm der Gemeinnützigen Gesellschaft heißt es, sie bezwecke, „kleine Wohnhäuser für die weniger bemittelten Gesellschaftsklassen herzustellen und sie denselben zur successiven [sic!] Eigentums-Erwerbung durch mäßige jährliche Abzahlungen zum Kostenpreis zu überlas-sen.“92 So sollte auch eine Bindung an den Wohnraum erzeugt werden, die in anderen Wohngebieten der Stadt als mangelnd erachtet wurde. Bis 1900 waren alle Häuser von ihren Bewohnern vollständig erworben worden. Die Gemeinnützige Gesellschaft hatte ihren Grün-dungszweck erfüllt und löste sich 1902 auf.93 Die in der Sloman-Siedlung umgesetzten sozi-alreformerischen Ansätze führten dazu, dass die Veddel als „eine der ersten Gartenstädte Deutschlands“94 bezeichnet wurde, obwohl sie weder in Größe oder Lage noch im Aufbau der Siedlung dem eigentlichen Modell der Gartenstadt entsprach.95

Mit Beginn der Kupferproduktion der NA in 1910 zog es noch mehr Arbeiter auf die Elbinsel.96 Den stetig wachsenden Bedarf an Wohnraum konnte die Sloman-Siedlung nicht decken. Sie mussten in den 1920er Jahren dem Geschosswohnungsbau weichen.

4.2.2 Die Auswandererstadt

Seit dem 19. Jahrhundert emigrierten viele Europäer in die USA. Hamburg war zwischen 1836 und 1934 ein bedeutender Auswandererhafen, insbesondere für deutsche und osteuro-päische Auswanderer.97 Im Zusammenhang mit der 1892 ausgebrochenen Cholera-Epidemie wurde die Hamburger Schifffahrtslinie Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien [sic!]-Gesellschaft (HAPAG) staatlich angewiesen, erste Baracken für die Auswanderer am O's-waldkai zu errichten. Die hygienischen Bedingungen in den wenigen konzessionierten und häufig überfüllten Logierhäusern wurden in der Stadt nicht länger geduldet. „Auf keinen Fall sollen sie [die Auswanderer, Anm. d. Verf.] nach Hamburg hinein. Nur schnell auf die Schiffe und raus aufs Meer aus Angst vor Krankheiten. Denn vielleicht hatten ja sie die Cholera ein-geschleppt.“98 Nachdem die USA ein Transitverbot für die Auswanderer forderten und Ballin so Gefahr lief, Gelder aus dem Transitgeschäft zu verlieren,99 ließ er ab 1900 die vergrößer-ten Auswandererhallen auf das Südufer des Müggenburger Zollhafens im Stadtteil Veddel verlegen. In der größeren Anlage wurde nicht nur auf bessere Hygiene-Bedingungen geach-tet, sie bot auch die Möglichkeit, Auswanderer direkt vom Bahnhof Wilhelmsburg auf die Ved-del zu leiten, ohne sie durch die Stadt ziehen lassen zu müssen.

Bis zu ihrer Schließung 1934 entwickelten sich die in verschiedenen Bauabschnitten erweiterten Auswandererhallen zu einer in sich geschlossenen Auswandererstadt. Auf einer Fläche von 60.000 m2 fanden sich neben Pavillons mit Schlafsälen eine katholische und eine evangelische Kirche, eine Synagoge, Musikpavillons, nach Konfessionen getrennte Speise-säle, Aufenthaltsräume, Bäder und sogar zwei Hotels. Die stadtplanerische Konzeption der Anlage wurde als vorbildlich erachtet und auf der Weltausstellung in Paris 1900 ausgezeich-net.100

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges nahm die Zahl der Auswanderer in Hamburg deutlich ab, Danzig entwickelte sich zum bevorzugten Auswandererhafen.101 Die Auswander-erstadt wurde 1934 als „unrentabel“ geschlossen und im Zweiten Weltkrieg als Gefangenen-lager genutzt. Da sie durch Bombenangriffe aus dem Zweiten Weltkrieg beschädigt waren, musste der Großteil der Gebäude 1961 abgerissen werden. Nur eine der alten Hallen blieb erhalten.102

Durch die bewusst isoliert gewählte Lage der Auswandererstadt jenseits des Müg-genburger Zollhafens hatte ihr Entstehen keine nennenswerten Einflüsse auf die Entwicklun- gen im Quartier Veddel. Sie soll an dieser Stelle dennoch erwähnt werden, da die letzte er-haltene Halle in 2007 unter dem Namen BallinStadt103 einer musealen Nutzung zugeführt wurde. Von dieser wird sich analog zum amerikanischen Pendant Ellis Island eine touristi-sche Ausstrahlungswirkung erhofft, die auch helfen soll, den Wohnstandort zu entwickeln.

4.2.3 Wohnungs- und Städtebau unter Fritz Schumacher

Die Wohnbebauung auf der Veddel-Insel ist in ihrer heutigen Gestalt in den Jahren 1926 bis 1932 nach Plänen von Oberbaudirektor Fritz Schumacher als arbeitsstättennahe Wohnstadt für Arbeiter errichtet worden. Sie verkörpert die Ideale des öffentlich geförderten Wohnungs-und modernen Städtebaus der 1920er Jahre. Hamburg war zum damaligen Zeitpunkt durch Wohnungsnot und Weltwirtschaftskrise geprägt. Zum anderen war es eine Phase reger Bautätigkeit, da diese während des Ersten Weltkrieges und der auf das Kriegsende folgen-den Jahre weitestgehend ausgesetzt wurde. Die Wohnsiedlung Veddel entstand als erste Großwohnsiedlung aus den Mitteln des Hamburger Programms zur Wohnungsbauförderung, das der Wohnungsnot der Nachkriegszeit entgegentreten wollte.104

Schumacher gab der Hamburger Bebauungspolitik, die er wegen Mangel an Grün-flächen, wegen übermäßig hoher Geschosszahlen und der bis dahin typischen Schlitzbau-weise kritisierte, eine grundsätzlich neue Richtung. Auf Grundlage dreier Reformen im Bauwesen sollten Kleinwohnungen für die unteren Einkommensschichten entstehen: Die Reform der Freiflächen zielte auf das Wohnumfeld ab. Der Bedarf an Spiel-, Sport- und Frei-flächen ergab sich nun aus einer pro Einwohner festgelegten m2-Zahl.105 Dichte und Erschlie-ßung der neuen Wohngebiete wurden in der Reform der Bauzonung geregelt. Die Höhe der Wohngebäude sollte auf maximal fünf Geschosse reduziert und bei der aus der Gründerzeit übernommenen Blockbauweise über ganze in sich geschlossene Straßenzüge hinweg „modellierend abgestuft“ werden, um einer „optischen Tristesse“ zu entgehen.106 Die Reform des Bauorganismus betraf den Baukörper und die Wohnungsgrundrisse. Um jeder Wohnung ausreichend Tageslicht und die Möglichkeit der Querlüftung zu bieten, durfte fortan nur noch in Streifenform und ohne Hinterflügel gebaut werden.107

Die nach Schumachers Vorstellungen konzipierten Stadtteile108 sollten den entste-henden Stadtquartieren eine eindeutige Identität verleihen. Ein städtebaulich eindeutig defi-nierter Rahmen, der einerseits die Gliederung der Höhe und die Staffelung der Baukörper umfasste, andererseits aber auch gestalterische Elemente vorgab, erzeugte „aus individuell

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Wohnungsbau der 1920er Jah-re: Die Schumacher-Siedlung auf der Ved-del. Quelle: Harms/Schubert 1989, 97.

gefärbten Einzelwillen [der verschiedenen Architekten, Anm. d. Verf.] einen Gesamtwillen“.109 Typisch für die Ästhetik der Gebäude war der Backsteinrohbau, der von der Heimatschutzbe-wegung schon vor dem Ersten Weltkrieg als Hamburgische Bauweise eine Tradition begrün-den sollte, um Hamburg „ein unverwechsel-bares Gesicht [zu] verleihen“110. Außerdem das Element der Sprossenfenster, das dem Bauwerk eine einheitliche Flächenwirkung geben und so ermöglichen sollte, dass auch individuell gestaltete Fassaden in das geschlossene Quartier eingeordnet werden konnten.111

An diesen Grundsätzen orientierte sich auch die Gestaltung des neuen Wohnge-bietes auf der Veddel. Im Zentrum der in Abbildung 7 dargestellten Anlage wurde eine große Freifläche in Form eines parkähnlich eingefassten Sportplatzes angelegt, an des-sen Längsenden Institutionen des Gemein-wesens eingerichtet wurden. Am Nordende entstand der zentrale Schulbau, der außer-dem eine Volksbibliothek, eine Zahnklinik sowie große Säle, die eine Nutzung der Schule als eine Art Volkshaus ermöglichten, beherbergte.112 Am Südende grenzte der Platz an die schon 1905 erbaute Immanuel-Kirche. Um diesen zentralen Freiraum gliederten sich hofumschlie-ßende Wohnblöcke, die sich in ihrer Höhenentwicklung nach innen reduzierten: die jeweils äußere Reihe in Richtung der Hauptstraße bzw. der Bahnanlage wurde ein Geschoss höher gebaut, wodurch die Lärmbeeinträchtigung zur Hofseite deutlich gemindert werden konnte.113 Die Siedlung war monostrukturiert auf Wohnen ausgelegt, strebte dabei aber ein hohes Maß an Eigenversorgung über Läden und Gastwirtschaften an.114

Die Umsetzung des Bauvorhabens erfolgte unter Rücksichtnahme auf die bereits im Stadtteil lebende Bevölkerung. Der Abriss der Kleinhauskolonie erfolgte sukzessiv in den Jahren von 1924 bis 1930. Erst als der Neubau soweit fortgeschritten war, dass die Anwoh-ner innerhalb des Stadtviertels umgesiedelt werden konnten, wurde die Sloman-Siedlung nach und nach geräumt.115

Im Zuge des Neubaus kam es zum Schutz vor Sturmfluten zu einer Erhöhung der Veddel mit ausgebaggertem Elbsand und zum Anschluss an das Kanalisationssystem der Stadt, wodurch sich das neue Quartier in den späten 1920ern bezüglich Technik, Stadtpla-nung und auch Hygienebedingungen hochmodern präsentierte.

4.2.4 Nachkriegsentwicklung und jüngere Geschichte

Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile der Peute zerstört. Die Wohnbebauung blieb von erheblichen Schäden weitestgehend verschont. Nur etwa ein Viertel der Wohnbebauung war stark beschädigt.116 Der Wiederaufbau zwischen 1950 und 1952 erfolgte anhand der alten Pläne Schumachers und unter Wahrung der damaligen handwerklichen Bauweise, so dass alte und wieder aufgebaute Gebäude heute optisch kaum zu unterscheiden sind.117 Die soziale Infrastruktur wurde im Zuge der Aufbaumaßnahmen um neue Einrichtungen ergänzt. Es entstanden das HdJ, eine neue Kindertagesstätte und ein Altenheim.118

Der Ausbau der A 255 bis auf die Veddel 1950 legte den Grundstein für deren weite-re Entwicklung zum Industriestandort. Der Freihafen am Nordende der Veddel wurde 1951 über eine sechsspurige Ortsdurchfahrt der B 75 an die Autobahn angeschlossen, so dass sich eine günstige Lage für den Lkw-Güterverkehr ergab.119

[...]


1 Vgl. Häußermann 2000a, 17.

2 Einen Überblick über die verschiedenen Aspekte sozialräumlicher Konzentration von Armut in Groß-städten findet sich z. B. bei Kronauer 2000 oder Dangschat 2000 im Sammelband „Großstadt. Sozio-logische Stichworte“ (vgl. Häußermann 2000b).

3 Vgl. Becker/Löhr 2000, 22.

4 Vgl. Bremische 2002, 57.

5 Becker u. a. 2002, 45.

6 Vgl. Bundestransferstelle Soziale Stadt 2007, 5.

7 Vgl. ebd., 6.

8 Da die Quellenlage zur Gesamtgeschichte des Stadtteils Veddel nicht übersichtlich war – es gibt bis heute keine Monografie, die die Vielzahl an Einzelquellen zusammenfasst – fällt dieses Kapitel eher ausführlich aus. Es soll auch für künftige Forschungsarbeiten einen Überblick über die verfügbaren Quellen liefern.

9 Vgl. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein 2007, 45; Caumanns/Marggraf 2002, 10.

10 Die Bewohner des Stadtteils sprechen daher auch zu Recht davon auf der Veddel zu wohnen und nicht etwa in Veddel. Aus Gründen der Verständlichkeit und Einheitlichkeit wurde daher die Formulie-rung auf der Veddel sowohl für den Fragebogen, als auch für diese Arbeit übernommen, obwohl nicht der gesamte Stadtteil auf der Veddel-Insel liegt.

11 Auch ohne diese stieße der Stadtteil jedoch an die natürliche Grenze des Saalehafens.

12 Das einzige Einfamilienhaus im Stadtteil ist das Pastorat. Vereinzelt ergänzen bis zu dreigeschossige Neubauten das historische Ensemble. Zu deren genauer Lage im Stadtteil siehe Bestandsplan zum gutachterlichen Handlungskonzept in Anhang A1.

13 Diese und die folgenden statistischen Daten entstammen den jährlich erscheinenden Stadtteil-Profi-len des Statistischen Landesamtes Hamburg (vgl. Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 37).

14 Im Hamburger Durchschnitt waren die Wohnungen sogar 71,1 m2 groß.

15 Der Zusammensetzung der Veddeler Bevölkerung widmet sich Abschnitt 4.1.4 dieser Arbeit.

16 Vgl. ProQuartier 2003, 7.

17 NA 2007, 18.

18 Auf Basis aktueller Messdaten der Veddeler Messstation leuchten die Diodenbänder Grün für schö-ner werdendes, Weiß für konstantes und Blau für schlechter werdendes Wetter (vgl. NA 2007, 24).

19 Die Geschichte der Auswandererhallen wird in Kapitel 4.2.1, die Bedeutung der BallinStadt für die Entwicklung des Stadtteils im Anhang C dieser Arbeit näher beleuchtet.

20 Vgl. FHH, BSU 2007a, 82; ebd., 86.

21 Vgl. FHH 2005.

22 Im Falle des Baus im geplanten Zeitraum zwischen 2010 und 2015, böte sich den Besuchern der Internationalen Gartenschau (IGS) 2013 beispielsweise direkt neben dem Ausstellungsgebiet der Anblick einer Autobahn-Großbaustelle (vgl. HA 2006). Die Veddel einbeziehende Hamburger Groß-projekte werden in Anhang C ergänzend vorgestellt.

23 Die ursprüngliche Planung einer neuen Brücke, die auf gleicher Höhe parallel zur Köhlbrandbrücke verlaufen sollte, könnte ein Hindernis für die größer werdenden Containerschiffe darstellen (vgl. Tie-demann 2007).

24 Vgl. ebd..

25 FHH, BSU 2007b, 141.

26 Vgl. Bremische 2002, 33.

27 Die Werte zur Veddel sind der strategischen Lärmkarte (Straßenverkehr) der FHH, BSU 2007c ent-nommen. Der hier ermittelte Lärmindex Lden ist ein gewichteter Mittelwert, der zwölf Tagesstunden (von 6 Uhr bis 18 Uhr), vier Abendstunden (von 18 Uhr bis 22 Uhr) und acht Nachtstunden (von 22 Uhr bis 6 Uhr) umfasst. Zu den aus medizinischer Sicht zu beachtenden Grenzwerten sowie mögli-chen medizinischen Auswirkungen von Lärmbelastungen siehe Steierwald/Künne 1994, 142-145.

28 Zur Planung des Wohngebiets Veddel durch Fritz Schumacher vgl. Kapitel 4.2.3 dieser Arbeit.

29 Vgl. FHH, BSU 2007d.

30 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1983, 85-86.

31 Vgl. Eisenbahn-Bundesamt 2008.

32 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1985, 11. Dabei ist die NA als größter ansässiger Betrieb einer der umwelt-schonendsten Kupferproduzenten der Welt (vgl. Bülow/Wolter 1992, 79).

33 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1983, 85-86.

34 Vgl. HaLM 2007.

35 Vgl. ebd..

36 Vgl. HK HH 2004, 15.

37 Vgl. Bremische 2002, 31.

38 Vgl. ebd., 27-29. Die unter diesen Flächen ebenfalls gefasste Freifläche am Ufer der Norderelbe ist dabei für den Stadtteil nicht nutzbar. Die Zoll- und Hafenflächen im Umfeld des Wohnquartiers lassen einen direkten Zugang zum Elbufer bisher nicht zu. Der Zustand der Park- und Grünanlagen wurde von der Bremischen aber als „größtenteils akzeptabel“ (ebd., 30) bewertet.

39 Die hier angeführten Versorgungsgrade finden sich in Bremische 2002, 31.

40 Sofern nicht gesondert gekennzeichnet, entstammen die Bevölkerungsdaten in diesem Abschnitt dem Stadtteil-Profil für die Veddel aus dem Jahr 2002 (vgl. Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 37-38). Im Stadtteil lebende Menschen ohne legalisierten Aufenthaltsstatus werden von den offiziel-len Bevölkerungsstatistiken nicht erfasst. Obwohl diese laut Auskunft durch Dr. Francine Lammar vom Veddel aktiv e. V. im Stadtteil keine Seltenheit sind, können sie daher in die Darstellungen nicht einfließen.

41 Vgl. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein 2008. Damit lag der Anteil der älteren Bewohner (65-Jährige und Ältere) deutlich unter den Werten des Bezirks Hamburg-Mitte (15,0 %) und dem gesamtstädtischen Durchschnitt (17,2 %) (vgl. Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 37).

42 Daten zur Haushaltsstruktur werden in Hamburg nicht periodisch erhoben. Die für 2002 verfügbaren Daten stammen aus einer Haushaltsgenerierung durch das statistische Landesamt von 1999 (vgl. FHH, BBV 2003, 4).

43 Vgl. FW HH 2003, 36-37.

44 Die Daten zur Dimension „Sozialhilfeempfänger“ stammen von 2001.

45 Die vorliegenden Daten von 1995 wurden für die Stadtteil-Profile bereits in Euro umgerechnet. Auf der Veddel lagen die Einkünfte je Steuerpflichtiger mit 21.445 EUR rund 6.000 EUR unter denen im Bezirk Hamburg-Mitte und sogar rund 12.000 EUR unter denen der Gesamtstadt (vgl. Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 38).

46 Dabei ist jedoch zum einen zu berücksichtigen, dass die Kriminalitätsstatistik lediglich die im Stadtteil begangenen Straftaten umfasst, nicht aber den Wohnstandort des Täters. Zum anderen gilt es, den Bezirk Hamburg-Mitte als Vergleichsobjekt zu relativieren, da er auch den Hamburger Kiez umfasst. Es ist anzunehmen, dass dadurch der Durchschnittswert für den Bezirk-Mitte hinsichtlich Straftaten, Diebstahl und Gewaltdelikte deutlich erhöht wird.

47 Diese Daten entstammen einer Analyse von ProQuartier 2003, 19.

48 Vgl. Bremische 2002, 20. Im Jahr 1999 wurden an der Schule Slomanstieg zum ersten Mal – man-gels deutscher Kinder im schulfähigen Alter – ausschließlich nicht-deutsche Kinder eingeschult. Die überwiegend türkischen Erstklässler dieses Jahrgangs wiesen laut der damaligen Schulleiterin Rena­te Reich (fast) keine Deutschkenntnisse auf (vgl. Wilhelmsburger Lokalbote 1999a, 1).

49 Vgl. Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein 2008.

50 Seither erhalten in Deutschland geborene Kinder automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft, un-abhängig von der Nationalität ihrer Eltern. Außerdem besteht nach achtjährigem Aufenthalt in Deutschland ein Rechtsanspruch auf Einbürgerung. In Hamburg wurden zwischen 2001 und 2004 al-lein 8.324 Türken eingebürgert (vgl. Stolze 2004, 33).

51 Vgl. ProQuartier 2003, 3.

52 Vgl. Bremische 2002, 20.

53 Vgl. ebd..

54 Vgl. Bremische 2002, 21. Im Bezirk Hamburg-Mitte lag dieser bei 97,6 %, in Hamburg insgesamt bei 97,3 %. Der Wert für die Veddel zeigt also eine unterdurchschnittliche Versorgung auf (vgl. ebd.).

55 An den verschiedenen Projektstandorten wurden die Angebote des Vereins pro Tag von etwa 50-100 Besuchern aller Altersspektren wahrgenommen. Der Verein wurde über das Jugendamt und die Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung des Bezirks Hamburg-Mitte gefördert. Er war ein frei-er Träger der Jugendhilfe und seit 1999 Mitglied im PARITÄTISCHEN Wohlfahrtsverband Hamburg e. V. sowie im Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule Hamburg als Ausbildungsstelle anerkannt (vgl. Bremische 2002, 41-42).

56 Vgl. Bremische 2002, 22.

57 Vgl. ebd., 23.

58 Vgl. Bremische 2002, 57. Die Aufgaben des Stadtteilbeirats werden in Kapitel 4.4.3 dieser Arbeit dar-gestellt.

59 Vgl. ebd., 22.

60 Im Zeitraum 1993 bis 2001 nahm die Mitgliederzahl von 1200 auf 800 ab (vgl. Bremische 2002, 22).

61 Vgl. ebd..

62 Vgl. ebd., 22-23.

63 Vgl. ebd., 23.

64 Vgl. Bremische 2002, 24.

65 Vgl. ebd..

66 Vgl. AHGZ 2001, 31.

67 Vgl. Bülow/Wolter 1992, 69.

68 Vgl. HK HH 2004, 10.

69 Hamester Kakao ist der weltweit viertgrößte Kakaoverarbeiter und übernimmt ca. 8 % der Welternte (vgl. Haspa/Hoffmann und Campe Verlag 2002, 1038).

70 Vgl. ebd..

71 Vgl. ebd..

72 Das Stadtteil-Profil 2002 weist im Jahr 2001 für die Veddel 48 Handwerksbetriebe aus (vgl. Statisti-sches Landesamt Hamburg 2002, 38).

73 Laut Stellungnahme der HK HH vom 23.11.2001 (vgl. Bremische 2002, 25).

74 Laut schriftlicher Stellungnahme der HK HH vom 30.10.2001 (vgl. Bremische 2002, 25).

75 Vgl. Bremische 2002, 26.

76 Vgl. Schmidt 2004.

77 Vgl. Statistisches Landesamt Hamburg 2002, 38.

78 Vgl. Bremische 2002, 26. Die Cafés sind in islamischen Kulturkreisen eine Männerdomäne. Frauen gehen dort nicht in Cafés, vor allem nicht in solche, in denen Männer sitzen. Der Versuch, ein Café mit Kinderbetreuung ausschließlich für Frauen einzurichten scheiterte laut Dr. Francine Lammar von Veddel aktiv e. V. vor allem daran, dass „Dritte Orte“ (nach Oldenburg 1999: „hangouts“, Aufenthalts-orte zum wohl fühlen) für Frauen in ihrem Kulturverständnis nicht existieren, diese also mit dem Angebot nichts anzufangen wussten. Islamische Frauen sind so im freizeitorientierten Stadtteilbild kaum anzutreffen.

79 Der Begriff „Wedel“ bezeichnete in Norddeutschland vor dem Deich liegendes Weideland (vgl. Has-pa/Hoffmann und Campe Verlag 2002, 1034).

80 Vgl. Ebert 1911, 14.

81 Vgl. Plagemann 2003, 34. Die Überschwemmungsgefahr blieb sogar so bedeutend, dass Pächtern noch bis ins 19. Jahrhundert hinein vertraglich auferlegt war, Deichschutz zu betreiben. Außerdem war das Risiko eines Ernteverlustes durch Überschwemmung so hoch, dass die Pächter trotz der besser für Ackerbau geeigneten Bodenverhältnisse eine Grasnutzung (Beweidung mit Ochsen) vor-zogen (vgl. Ebert 1911, 12; Tafelsky 1959b, 118).

82 Beispielsweise entstanden vier Werften, eine Seifensiederei, eine Ziegelei und eine Eisengießerei (vgl. Tafelsky 1959a, 186; ders. 1959b, 122).

83 Vgl. Bülow/Wolter 1992, 74.

84 Vgl. Haspa/Hoffmann und Campe Verlag 2002, 1035.

85 Vgl. Ebert 1911, 38. In diesem Zusammenhang wurde die Insel Große Veddel, die noch heute mit dem Veddelhöft an ihrer Westspitze namentlich an die Veddelinseln erinnert, in das Freihafengebiet einbezogen und liegt heute im Stadtteil Kleiner Grasbrook (vgl. Haspa/Hoffmann und Campe Verlag 2002, 1035).

86 Vgl. Ebert 1911, 34.

87 Vgl. Bülow/Wolter 1992, 68.

88 Vgl. Plagemann 2003, 34. Viele Hamburger Wohngebiete lagen keilförmig in Nord-Süd-Erstreckung auf dem nördlich der Elbmarsch liegenden Geestgebiet. So hatten die Hafenarbeiter zum Teil sehr lange Arbeitswege, die mitten durch die Innenstadt führten. Den überfüllten Transportmitteln und lan-gen Anfahrtswegen sollte durch Errichtung neuer Wohngebiete entgegen gewirkt werden (vgl. auch Schumacher 1932, 17).

89 Vgl. Tafelsky 1959a, 188. Die schon ab 1880 erbauten Etagenhäuser auf der Fläche der heutigen Zollanlage mussten jedoch schon frühzeitig dem weiterhin wachsenden Bedarf an Hafenfläche wei-chen. Der ursprüngliche Veddeler Marktplatz, der 1950/51 der Autobahn weichen musste, stammt aus dieser Bebauungsphase.

90 Programm der Gemeinnützigen Baugesellschaft in Hamburg von 1878, zit. nach Spörhase 1940, 86-87. Dieser Auszug aus dem offiziellen Programm der Bauherren verschweigt eine weitere Motiva­tion für die Verbesserung der Wohnbedingungen für Arbeiter. Von der an Zulauf gewinnenden Sozial-demokratie befürchtete das Bürgertum zunehmende Aufstände der Arbeiter. „Arbeiter mit eigenem Haus würden keine Revolution machen, hofften die bürgerlichen Herren“ (Haspa/Hoffmann und Cam-pe Verlag 2002, 1036).

91 Vgl. Spörhase 1940, 87-88; Ebert 1911, 91.

92 Programm der Gemeinnützigen Baugesellschaft in Hamburg von 1878, zit. nach Spörhase 1940, 86-87.

93 Vgl. Spörhase 1940, 88.

94 Hübenbecker/Huwendieck/Puffert 1983, 11.

95 Sie kam dem Idealbild nicht einmal nahe. Zu Ebenezer Howards Modell der Gartenstadt siehe Howard 1968 und Krückemeyer 1997, 32-42.

96 Die NA ist seit fast 100 Jahren der größte Arbeitgeber im Stadtteil Veddel (vgl. HK HH 2004, 10). Auf diese Verwurzelung des Betriebes mit der Veddel ist wohl auch die dort geläufige Verniedlichungs-form „Affi“ zurückzuführen.

97 Die ab 1850 geführten „Auswandererlisten“ enthalten Daten zu rund fünf Millionen Passagieren (vgl. Stolze 2004, 45).

98 Filmzitat aus Weinrich 2003, zit. nach Stolze 2004, 45.

99 Der Transport der Auswanderer im Zwischendeck der HAPAG-Dampfschiffe machte einen nicht uner-heblichen Teil ihres Gesamtgeschäfts aus (vgl. Hossner 2000, 43).

100 Vgl. Berlin/Schmoock 2000, 63.

101 Vgl. Hossner 2000, 43.

102 Vgl. Haspa/Hoffmann und Campe Verlag 2002, 1040.

103 Benannt nach dem ehemaligen HAPAG-Generaldirektor Albert Ballin.

104 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1985, 17.

105 Vgl. Schumacher 1932, 23-25.

106 Ebd., 26-27.

107 Vgl. ebd., 28. Auch die maximale Bautiefe wurde in diesem Zusammenhang auf zehn bis zwölf Meter festgelegt.

108 Neben der Veddel entstanden größere Projekte auch in Barmbek Nord, Dulsberg und der Jarrestadt.

109 Hübenbecker/Huwendieck/Puffert 1983, 5.

110 Hipp 1980, zit. nach GEWOS/BGF Pohl 1985, 27.

111 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1985, 27. Obwohl Schumachers Pläne gerade darauf ausgelegt waren, wirt-schaftlich schwächeren Bevölkerungsschichten funktionaleres, helleres und luftigeres Wohnen zu ermöglichen, schlugen sich die hohen Kosten für solch moderne Bauwerke auch in den Mieten nie-der, die von Arbeitern und Angestellten teils nur schwer aufgebracht werden konnten (vgl. Jochmann 1986, 227).

112 Vgl. Schumacher 1932, 63.

113 Vgl. ebd., 62.

114 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1985, 26.

115 Vgl. Schumacher 1932, 63.

116 Vgl. Bremische 2002, 13.

117 Vgl. GEWOS/BGF Pohl 1985, 27.

118 Letzteres existiert heute nicht mehr (vgl. Bremische 2002, 13).

119 Vgl. Bülow/Wolter 1992, 69. Allerdings war die Industriebranche in Hamburg gegenüber dem Handel seit jeher als weniger bedeutend angesehen. Obwohl Hamburg schon zu Beginn des 20. Jahrhundert die zweitgrößte Industriestadt des Reiches war, blieb Hamburg im Selbstverständnis trotz anhalten-dem industriellen Wachstum in der Wahrnehmung eine Handelsstadt (vgl. Jochmann 1986, 23-24).

Ende der Leseprobe aus 237 Seiten

Details

Titel
Die Veddel: Stadtgeografische Analyse eines Hamburger Stadtteils
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung seiner Entwicklung im Rahmen des Bund-Länder-Programms "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt"
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
237
Katalognummer
V125511
ISBN (eBook)
9783640327218
Dateigröße
74855 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Veddel, Stadtgeografische, Analyse, Hamburger, Stadtteils, Unter, Berücksichtigung, Entwicklung, Rahmen, Bund-Länder-Programms, Stadtteile, Entwicklungsbedarf, Soziale, Stadt
Arbeit zitieren
Magistra Artium Hannah Kohn (Autor), 2008, Die Veddel: Stadtgeografische Analyse eines Hamburger Stadtteils, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/125511

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