Das Ziel dieser Hausarbeit ist Personalcontrolling und seiner effektiven Nutzung an Möglichkeiten „mehr Leben einzuhauchen“.
Dazu wird primär nach Orth & Schuller eine inhaltliche Darstellung der Aufgabengebiete sowie der Instrumente des Personalcontrollings definiert. Zweitens wird der momentane Ist-Zustand des PC anhand der Studie „Personalcontrolling 2012 in Deutschland“ dargestellt.
Daraus resultiert im weiteren Verlauf eine Risikodarstellung des Personalcontrollings nach ethisch orientierter Ausrichtung mit einer Risiko- und Chancenperspektivischen Betrachtungsweise der Mitarbeiter im Pflegebereich.
Als Abschluss erfolgt eine Handlungsempfehlung in Anlehnung an Stierle et al. zur Förderung einer Gesundheitskultur trotz ökonomischer Ausrichtungen in Gesundheitsbetrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Inhalte und Aufgaben des Personalcontrollings
2.1 Instrumente des Personalcontrollings
2.2 Organisation des momentanen Personalcontrollings
3 Risiken des Personalcontrollings
3.1 Risiken aus der Mitarbeiterfernen Perspektive
3.2 Chancen aus der Mitarbeiternahen Perspektive
4 Handlungsempfehlung
5 Zusammenfassung/Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Personalcontrollings in Akutkliniken mit einem Fokus auf die Diskrepanz zwischen rein ökonomischen Steuerungsinstrumenten und der notwendigen Berücksichtigung ethischer Standards im Pflegebereich. Ziel ist es, Risiken der aktuellen, oft mitarbeiterfernen Praxis aufzuzeigen und Ansätze für ein wertschöpfendes, mitarbeiternahes Personalcontrolling sowie Gesundheitscontrolling zu formulieren.
- Analyse der Aufgabenbereiche und Instrumente des Personalcontrollings
- Untersuchung des Ist-Zustands der Organisation des Personalcontrollings
- Risikodarstellung bei einseitig ökonomisch orientierter Steuerung (am Beispiel Helios)
- Konzeption eines mitarbeiternahen Gesundheitscontrollings als Chance zur Risikovermeidung
- Handlungsempfehlungen zur Etablierung einer gesundheitsfördernden Unternehmenskultur
Auszug aus dem Buch
3.1 Risiken aus der Mitarbeiterfernen Perspektive
Basierend auf Kennzahlen bzw. aus sogenannten wirtschaftlichen Gründen wurde bspw. im Jahr 2016 eine risikoreiche Entscheidung aus Mitarbeiterferner pflegerischer Perspektive getroffen. Die Geschäftsführung der Wiesbadener Klinik HSK (Helios) plädierte auf eine wirtschaftliche Schieflage und leitete Massenentlassungen ein. Die Führungsspitze erläuterte sie „zogen die Kündigung einer Zukunft mit schlecht motivierte Kollegen in unterbesetzten Abteilungen vor“ (Hetrodt, E., 2016). Als Resultat hatte die Klinik nicht die geplanten 390 sondern 450 Pflegekräfte weniger. Anschließend suchte die Klinik, auf Grund der großen Personalnot, nach Pflegekräften. Trotz dieser Entlassungswelle nahm einer der damaligen Geschäftsführer, Lutz Hammerschlag, eine Gehaltserhöhung in Anspruch (Hetrodt, E., 2016).
Auf Grunde der Entlassungswelle und eines eigens konzipierten an Kennzahlen orientierten Helios-Standard, entgegen internationaler Experten-Empfehlungen, resultiert eine dynamische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Helios-Pflegekräfte als weiteres Risiko. Dies zeigt sich folgendermaßen in der Personalplanung: 1:12 im Frühdienst, 1:18 im Spätdienst und 1:36 im Nachtdienst auf Normalstationen, dies führt zu extremen Belastungssituationen für das Pflegepersonal (Wiesbadenaktuell, 2016), der sich auch nicht durch das Pflegestärkungsgesetz von 2019 geändert hat.
Die Belastungssituationen äußern sich, nicht nur bei Helios, in einer Erhöhung der Krankheitsdauer (43%), Krankheitstage (41%) und Krankheitsschwere (31%) (Isfort, M. & Weidner, F., 2018). Des Weiteren ist ein Anstieg der Überstunden zu beobachten (28%) sowie betriebliche Gesundheitsrisiken wie psychische Belastungen (71%), Muskel- und Skeletterkrankungen (78%) und Gewalt gegenüber Pflegenden (42%) (Isfort et al., 2018).
Die erläuterten Risiken, die aus einer Mitarbeiterfernen Perspektive getroffen wurden, ziehen nicht nur wirtschaftliche Schäden für Akutkliniken mit sich, sondern gehen auch zu Lasten der Solidargemeinschaft, die kostenmäßig messbar sind (Radtke, R., 2018). In diesem Kontext bedeutet dies, dass eine Anwendung eines anderen Anreizsystems bzw. Betrachtungssystem für Personalcontroller in Akutkliniken Beachtung finden muss (Küpper, 2013).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Ökonomisierung von Akutkliniken und die damit einhergehenden Risiken für den pflegerischen Bereich durch eine rein querschnittsorientierte Personalsteuerung.
2 Inhalte und Aufgaben des Personalcontrollings: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Aufgaben und Instrumente des Personalcontrollings und betrachtet die aktuelle organisatorische Einbettung dieser Funktion in Unternehmen.
3 Risiken des Personalcontrollings: Der Hauptteil analysiert die Gefahren einer rein zahlenorientierten Steuerung und stellt diese einer mitarbeiternahen, ethisch orientierten Strategie gegenüber.
4 Handlungsempfehlung: Das Kapitel plädiert für die Förderung einer Gesundheitskultur durch Wertschätzung und gezielte Maßnahmen zur Stärkung des Miteinanders.
5 Zusammenfassung/Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, Personalcontrolling als eigenständige Einheit zu etablieren, um den pflegerischen Bereich nachhaltig wertschätzend zu steuern.
Schlüsselwörter
Personalcontrolling, Akutklinik, Pflegepersonal, Ökonomisierung, Gesundheitscontrolling, Frühwarnsystem, Kennzahlen, Mitarbeiterbindung, Risikomanagement, Unternehmenskultur, Wertschöpfung, Ethik, Kostendruck, Personalführung, Interdisziplinäres Team
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Risiken und Chancen, die das Personalcontrolling für den pflegerischen Bereich in Akutkliniken mit sich bringt, insbesondere unter dem Aspekt der zunehmenden ökonomischen Ausrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Personalcontrolling-Instrumenten, die Organisation der Abteilung, ethische Konfliktfelder zwischen Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterwohl sowie Lösungsansätze durch Gesundheitscontrolling.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Personalcontrolling durch eine mitarbeiternahe und ethisch orientierte Ausrichtung einen wertschöpfenden Beitrag leisten kann, statt bloße Massenentlassungen oder Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen zu forcieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Fachstudien, um den Ist-Zustand des Personalcontrollings zu identifizieren und Auswirkungen beispielhaft anhand realer Fälle zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Aufgabenbereiche und verschiedene Instrumente (wie Soll-Ist-Vergleiche oder die Balanced Scorecard) erläutert sowie das Dilemma zwischen ethischem Handeln und ökonomischen Anforderungen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind Personalcontrolling, Akutklinik, Pflegepersonal, Gesundheitscontrolling, ethische Unternehmensführung und Kennzahlen.
Wie unterscheidet sich die mitarbeiternahe Perspektive von der mitarbeiterfernen?
Die mitarbeiterferne Perspektive basiert primär auf rein quantitativen Kennzahlen, die oft zu arbeitsrechtlichen oder sozialen Krisen führen, während die mitarbeiternahe Perspektive qualitative Indikatoren und Gesundheitsmanagement zur Prävention nutzt.
Welche konkrete Rolle spielt der Gesundheitscontroller?
Der Gesundheitscontroller übernimmt eine steuernde Rolle, um durch strategische und operative Ziele – wie Schulungen oder Frühwarnsysteme – die Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten und so langfristig wirtschaftliche Schäden durch hohen Krankenstand oder Personalfluktuation zu vermeiden.
- Quote paper
- M. A. Management im Gesundheitswesen Alexandra Reininger (Author), 2019, Risiken und Chancen des Personalcontrollings bezüglich des pflegerischen Bereichs in Akutkliniken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1255245