Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, ein klares Bild über die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise zu schaffen. Der Schwerpunkt sind Beschreibung, Begründung und Diskussion des am Ende des Studiums entwickelten Berufsprofils. Die theoretische Basis für diese Untersuchung bildet das Tripelmandat der Sozialen Arbeit von Staub-Bernasconi, dass die Menschenrechte und im Speziellen soziale Gerechtigkeit als ethische Richtschnur enthält.
Die Forschungsfrage der Arbeit lautet als folgt: Wie lässt sich das Tripelmandat der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession im Kontext der Flüchtlingskrise realisieren? Um die Forschungsfrage beantworten zu können, muss man auf folgende Teilfragen eingehen: Welche Herausforderungen muss die Soziale Arbeit im Kontext der Flüchtlingskrise bewältigen? Welche Spannungsfelder charakterisieren das Doppelmandat der Sozialen Arbeit? Wie gestaltet sich der Prozess der professionellen Selbstreflexion?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage
1.2. Problemstellung
1.3. Zielsetzung und Fragestellung
2. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession
2.1. Begriff Menschenrechte
2.2. Menschenrechte und Flucht
2.3. Menschenrechte und Soziale Arbeit
3. Realisierung des Tripel- Mandates der Sozialen Arbeit im Kontext der Flüchtlingskrise
3.1. Die strukturelle Widersprüchlichkeit der Sozialen Arbeit
3.2. Das Tripelmandat der Sozialen Arbeit
4. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession unter den spezifischen Rahmenbedingungen der nationalen Flüchtlingskrise. Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen staatlichem Auftrag und professioneller ethischer Selbstverpflichtung zu analysieren und Möglichkeiten der Interessenvertretung für Geflüchtete aufzuzeigen.
- Menschenrechte als ethische Grundlage der Sozialen Arbeit
- Die Flüchtlingskrise als komplexe systemische Herausforderung
- Strukturelle Widersprüche im Tripel-Mandat
- Professionelle Selbstreflexion in der Praxis
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Tripelmandat der Sozialen Arbeit
Vor dem Hintergrund der strukturellen Widersprüchlichkeit der Sozialen Arbeit schlug Professorin an der Technischen Universität Berlin Silvia Staub-Bernasconi vor, das doppelte Mandat zu einem „professionellen Tripelmandat“ zu erweitern. Das Tripelmandat soll als Voraussetzung dafür dienen, dass sich Soziale Arbeit vom Beruf mit Doppelmandat von Hilfe und Kontrolle seitens des Staates zu einer Profession mit Tripelmandat entwickelt, die von drei Hauptprotagonisten mandatiert wird:
1) Adressat*innen bzw. Klient*innen der Sozialen Arbeit,
2) die Gesellschaft, das heißt staatliche bzw. private Träger*innen,
3) die international organisierte Profession und nationale Berufsverbände (vgl. May/Schäfer 2018, S. 81) (Abbildung 1).
Das dritte, „professionelle“ Mandat basiert auf drei Säulen: (1) die wissenschaftliche, methodische Fundierung, (2) der auf den Menschenwerten beruhte ethische Berufskodex und (3) das „selbstbestimmte“ Mandat der Sozialen Arbeit, das sie vom Beruf zur Profession führt (vgl. Staub-Bernasconi 2007, S. 201).
Die in der Sozialen Arbeit enthaltenen berufsethischen Prinzipien und das dreifache Mandat gegenüber Klient*innen, Gesellschaft und Profession lässt behaupten, dass „für Sozialarbeiter*innen die Berufsethik einen ähnlichen Stellenwert einnimmt wie der Hippokratische Eid für Ärzt*innen und Mediziner*innen“ (Leth 2020, S. 267). Der ethische Berufskodex bezieht sich explizit auf die Menschenrechte, die von Staub-Bernasconi als eine Legitimationsbasis und eine regulative Idee verstanden werden (vgl. Wartenpfuhl 2019, S. 2). „Durch das dritte Mandat erhalten Sozialarbeitende die Grundlage, die ihnen übertragenen Mandate sorgfältig und kritisch zu prüfen und Mandate, die gegen die Menschenrechte verstoßen, abzulehnen und falls erforderlich, eigene Mandate zu bestimmen“ (Wartenpfuhl 2019, S. 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die globale Fluchtsituation seit 2015 und die damit verbundenen Anforderungen an die deutsche Soziale Arbeit, unterstützt durch die Problemstellung und die daraus resultierende Forschungsfrage.
2. Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe wie Menschenwürde und Menschenrechte und setzt diese ins Verhältnis zur Profession der Sozialen Arbeit.
3. Realisierung des Tripel- Mandates der Sozialen Arbeit im Kontext der Flüchtlingskrise: Hier wird die Diskrepanz zwischen staatlichen Kontrollinteressen und dem professionellen Selbstverständnis der Sozialarbeit anhand des Tripel-Mandats detailliert analysiert.
4. Reflexion: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und betont die notwendige, fortlaufende Selbstreflexion und politische Positionierung der Fachkräfte.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Menschenrechte, Menschenwürde, Flucht, Flüchtlingskrise, Tripel-Mandat, Doppelmandat, Profession, Integrationsarbeit, ethischer Berufskodex, Migrationsberatung, staatlicher Auftrag, Selbstreflexion, Klientenorientierung, Soziale Gerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Soziale Arbeit als eine Profession, die auf Menschenrechten basiert. Dabei wird untersucht, wie diese professionelle Ausrichtung in der praktischen Arbeit mit Geflüchteten in Deutschland umgesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Menschenrechte, das Tripel-Mandat der Sozialen Arbeit, Kontroll- und Hilfsprozesse im staatlichen Auftrag sowie die spezifische Lebenslage von Geflüchteten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, wie sich das Tripelmandat der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession unter den Bedingungen der Flüchtlingskrise realisieren lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit Fachmodellen zur professionellen Handlungsleitlinie im Kontext von Migration.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Menschenrechte, eine kritische Betrachtung des Tripel-Mandats und die praktische Auseinandersetzung mit den Widersprüchen in der Flüchtlingshilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Soziale Arbeit, Menschenrechte, Tripel-Mandat, Flüchtlingskrise, Profession, ethische Verantwortung und Integration.
Warum wird in der Arbeit das „Hilfe-Kontrolle-Dilemma“ thematisiert?
Das Dilemma verdeutlicht den strukturellen Widerspruch, in dem Sozialarbeitende stehen: Sie müssen einerseits staatliche Kontrollfunktionen ausüben, andererseits dem Mandat der Klienten zur Unterstützung folgen.
Welche Rolle spielt die Reflexion für das Tripel-Mandat?
Die Selbstreflexion ist essenziell, um die Beziehungsdynamik zur Klientel kritisch zu hinterfragen und im Einzelfall bei Interessenkonflikten eine menschenrechtskonforme Entscheidung zu treffen.
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- Anonym (Author), Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Kontext der Flüchtlingskrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1255405